Gutenberg-Museum-Bücherturm-Entwurf der DFZ-Architekten

Das Mainzer Gutenbergmuseum soll mit einem Anbau versehen werden. Die Hamburger dfz-Architekten haben in einem Architekturwettbewerb das Rennen gemacht. Viele Laien fragen sich allerdings zurecht, wie man einem solchen Entwurf den Zuschlag geben konnte. Ein grundlegendes Problem zahlreicher angeblich offener Architekturwettbewerbe in der Bundesrepublik! Wir haben uns in dieser Pressemitteilung mit dem Problem beschäftigt, wieso immer wieder solche „Brüche“ in Stadtbildern provoziert werden und wieso es nicht gelingt, harmonische Architektur zu schaffen.

Pressemitteilung des Vereins „Stadtbild Deutschland e.V.“ zur Konzeption des Erweiterungsbaues des Gutenberg-Museums, „bronzener Bücherturm“ der dfz-Architekten

Das Gutenberg-Museum am Liebfrauenplatz plant seit Langem eine Erweiterung, diese ist nun in diesem Jahr beschlossen worden. Dabei hat sich die Jury des Architektenwettbewerbs am 20. Februar diesen Jahres für den Entwurf der dfz-Architekten aus Hamburg entschieden, welcher einen 22m hohen „Bücherturm“ aus grauem Sandstein mit einer durchbrochenen Hülle aus Bronze vorsieht. Gegen dieses Bauprojekt regt sich Widerstand von vielen Mainzer Bürgerinnen und Bürgern, etablierten Oppositionsparteien im Mainzer Stadtrat und in Form der „Bürgerinitiative Gutenberg-Museum“. Diese kritisiert unter anderem sowohl die schlechte ästhetische Ausführung, die fehlende Berücksichtigung von denkmalrechtlichen Aspekten so wie auch die völlig unklare Finanzierung des Projektes.

Unser Verein befürwortet prinzipiell die dringend notwendige Erweiterung des Gutenberg- Museums, doch dieser geplante Turm aus grauem Sandstein ist auch unserer Ansicht nach ein schwerer städtebaulicher Fehler!

Erstens handelt es sich um einen im Grunde sehr schlichten, radikal auf ein Minimum reduzierten Baukörper, der über keinerlei gliedernde Fassadengestaltung verfügt. Die vom Architekten geplanten buchstabenförmig perforierten Bronzetafeln als Fassade, die nachts von innen beleuchtet werden sollen, können über den nüchternen Gesamteindruck nicht hinwegtäuschen.

Zweitens aber fügt sich der Bau in keiner Weise harmonisch in die Umgebung am Liebfrauenplatz ein. Auch wenn der Architekt in einem Interview etwas anderes behauptet, ist doch offenkundig, dass dieses Gebäude keinerlei Beziehung zu seiner Umgebung aufbaut, vor allem nicht zum Nachbargebäude „Römischer Kaiser“, dessen Renaissancefassade genau jene reiche Fassadengestaltung aufweist, die dem bronzenen Bücherturm völlig fehlen. Hier soll ein offensichtlicher Bruch im Stadtbild hervorgerufen werden.

Es gibt eine theoretische Denkrichtung in der Architektur, eine Art Mode, solche „Brüche“ spannend und interessant zu finden. Ein solches Vorgehen ist in der Vergangenheit in vielen Städten praktiziert worden, indem bei Umbauten in historischem Umfeld bewusst architektonische Brüche inszeniert worden sind, wo diese gar nicht notwendig gewesen wären. Es steht zu vermuten, dass auch die Mitglieder der Jury dieser Denkrichtung angehören, nur so ist unserer Meinung nach zu erklären, dass dieser Entwurf zum Siegerentwurf gekürt wurde. In der Praxis aber funktionieren solche Brüche städtebaulich oft nicht, sondern erzeugen bei den Bürgern, Passanten, Touristen oft nur Kopfschütteln. Diese scheinen sich – das bestätigen Umfragen immer wieder – in der Mehrzahl harmonischen Städtebau ohne solche Brüche und kahlen Fassaden zu wünschen.

Wir schließen uns damit der bisher an dem Projekt geäußerten Kritik an, die u.a. die fehlende harmonische Einfügung in das Umfeld des Liebfrauenplatzes kritisiert. Architektur ist eine öffentliche Kunst, denn sie ist jederzeit öffentlich einsehbar. Daher sollte sie unserer Meinung nach auch dem Geschmack der Mehrheit der Bevölkerung entsprechen und nicht nur dem Modegeschmack einiger weniger Architekturexperten.

Dies ist auch hier möglich, indem das Projekt „bronzener Bücherturm“ abgebrochen wird und ein harmonischerer Erweiterungsbau ausgeführt wird. Dieser sollte dann in enger Abstimmung mit den Bürgern oder auch der Bürgerinitiative selbst geplant werden, um diesmal von vornherein die Meinung der Bevölkerung früh genug einzuholen.

Orientieren könnte man sich bei der Neukonzeption eines Erweiterungsbaues z.B. an einer Skizze des Landesamtes für Denkmalpflege aus dem Jahr 1958, welches damals ebenfalls einen Erweiterungsbau vorsah, der aber nie zur Ausführung kam. Dieser wurde zwar nicht detailliert geplant, sah aber immerhin Dachgiebel und Schrägdach als notwendig an, um zum „Römischen Kaiser“ einen Bezug aufzubauen.

Die weiterhin scheinbar völlig unklare Finanzierungslage des Projektes, das vor allem von der Stadt Mainz selbst getragen werden muss, ist daher eine letzte Chance, die getroffene Entscheidung für diesen „bronzenen Bücherturm“ zurückzunehmen!

Daher bitten wir die Verantwortlichen, Möglichkeiten zu prüfen, das Projekt zu verschieben, bis die Finanzierungsfrage zufriedenstellend geklärt ist und in der Zwischenzeit eine für das Stadtbild von Mainz tatsächlich akzeptable und harmonische Lösung zu finden!

Schreibe einen Kommentar

%d Bloggern gefällt das: