Frankfurt am Main - Schauspielhaus

In Frankfurt am Main muss das Schauspielhaus saniert werden. Die Kosten drohen, astronomisch zu werden, es ist von bis zu 300 Millionen Euro die Rede. Eine lokale Bürgerinitiative schlägt nun vor, statt des 60er-Jahre Baues das alte Schauspielhaus von 1902 zu rekonstruieren. Das wäre nicht nur schöner, sondern – man höre und staune – auch billiger. Hier unser offener Brief an die Frankfurter Politik, in dem wir uns für dieses Projekt einsetzen.

Offener Brief des Vorstands des Vereins „Stadtbild Deutschland e.V.“ an den Oberbürgermeister und die Stadträte der Stadt Frankfurt am Main zum möglichen Wiederaufbau des Frankfurter Schauspielhauses

Sehr geehrter Oberbürgermeister Peter Feldmann, sehr geehrte Stadtverordnete/Stadträte,

wir unterstützen die Frankfurter Bürgerinitiative zum Wiederaufbau des Frankfurter Schauspielhauses. Aus unserer Sicht gibt es gegen dieses Vorhaben sehr viel unsachliche Kritik. Deshalb hat sich der Vorstand unseres Vereins entschlossen, mit diesem offenen Brief an sie heranzutreten. Viele Architekturexperten äußern sich kritisch zu diesem Vorhaben. Was aber spricht aus unserer Sicht dafür?

Das wichtigste Argument bei solchen Projekten ist zunächst das Geld. Bis zu 300 Millionen Euro sind aktuell laut einer Vorabschätzung der Baubehörden für die ohnehin notwendige Sanierung des bestehenden Schauspielhauses veranschlagt. Wie viel würde dagegen ein Abriss inklusive einer Rekonstruktion des alten Schauspielhauses kosten? Das müsste man einmal genau durchrechnen, aber vermutlich weniger. Hierzu bieten sich Vergleiche mit anderen Rekonstruktionen dieser Größenordnung an. Die aufwendige Rekonstruktion der Dresdner Frauenkirche etwa kostete insgesamt 131 Millionen Euro, knapp die Hälfte also des bisher veranschlagten Budgets für die Sanierung des bestehenden Frankfurter Schauspielhauses.

Würde ein Wiederaufbau des Schauspielhauses in seiner ursprünglichen Gestalt das Stadtbild verbessern? Dazu muss man ganz nüchtern und sachlich feststellen: Das 1902 im Jugendstil errichtete Schauspielhaus hatte eine abwechslungsreicher arrangierte Fassade als die 1963 hinzugefügte, einheitlich wirkende Glasfassade, die gestalterisch eher einen Rückschritt bedeutete. Sieht man also Vielseitigkeit anstatt Monotonie als erstrebenswertes Ziel im Städtebau an, ist der ursprünglichen Außenwirkung des Gebäudes der Vorzug zu geben. Die breite Masse der Bevölkerung findet diese historistische Architektur aufgrund ihrer größeren Abwechslung schön. Das ist keine aus der Luft gegriffene Behauptung, sondern Ergebnis zahlreicher Untersuchungen.

Von manchen Architekturexperten wird gerne behauptet, „historisierendes“ Bauen sei rückwärtsgewandt. In Großbritannien aber ist z.B. eine solche neoklassische Art zu Bauen stark im kommen. Architekten wie Quinlan Terry, Leon und Rob Krier oder bei uns das Büro Patzschke aus Berlin gewinnen damit längst wieder internationale Preise. Frankfurt am Main als weltoffene Großstadt tut gut daran, an solchen neuen architektonischen Impulsen mitzuwirken.

Ideologische Vorbehalte gegen Rekonstruktionen nicht mehr vorhandener Bauwerke gab es in der Vergangenheit öfter, sie sind durch viele erfolgreiche Beispiele, nicht zuletzt aus Frankfurt selbst, längst widerlegt. Wenn trotz dieser Erfahrungen ein BDA-Mitglied den Wunsch der Frankfurter Bürger nach Rekonstruktion ihres Schauspielhauses abfällig als „romantisierende Sehnsucht“ abqualifiziert, wirkt das uneinsichtig und wie eine Bevormundung des Bürgers, so, als dürfe dieser sich nicht selbst ein Urteil über Geschmack und Schönheit bilden.

Architektur ist leider ein sehr stark ideologisch besetztes Feld geworden und nicht alle Experten können dort immer vorurteilsfrei und sachlich urteilen. Architektur als Kunstform ist aber vor allem eine „öffentliche Kunst“. Sie steht mitten auf unseren Straßen und nicht weggeschlossen in den Museen, daher sollte sie auch möglichst vielen Menschen gefallen! Deshalb war es auch 2007 die richtige Entscheidung der Stadtverordneten, beim DomRömer-Projekt wenigstens teilweise dem Wunsch der Bürger nach Rekonstruktionen nachzugeben und nicht nur auf Experten zu hören.

Auch Sie, Herr Oberbürgermeister, haben sich inzwischen zu einem Befürworter des DomRömer-Projektes gewandelt und für diese klare Positionierung gebührt Ihnen Dank und Anerkennung! Das Schauspielhaus zu rekonstruieren, könnte nun ein weiteres Beispiel für erfolgreiches bürgerschaftliches Engagement der Frankfurter werden und seine Wiedergeburt ein weiterer Zugewinn an rekonstruierter Baukultur.

Dagegen werden nun wieder reflexartig altbekannte Floskeln vorgebracht, z.B.: Die Stadt habe die „Verpflichtung, nach vorne zu schauen und nicht Sehnsüchte nach kuscheligen alten Theatern zu bedienen“. Wenn aber viele Bürger diese Sehnsüchte haben, dann ist das die eigentliche Architektursprache unserer Zeit, die sich heutige Menschen in Zukunft wünschen. Dann bedeutet „nach vorne zu schauen“, lebenswerte Stadträume mit guter, traditioneller Architektur zu schaffen.

Wir bitten daher sie, sehr geehrte Stadträte und Sie, Herr Oberbürgermeister Feldmann, diese Argumente hinreichend abzuwägen und sich nicht durch ideologische Vorbehalte einzelner Experten zu sehr beeinflussen zu lassen! Wir bitten sie, der Rekonstruktion des Schauspielhauses eine Chance zu geben, damit Frankfurts Stadtbild noch vielseitiger, schöner und weltoffener wird!

Für den Vorstand des Vereins „Stadtbild Deutschland e.V.“
Manuel Reiprich, Pressesprecher

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