Dresden - Neustädter Markt

Die „Gesellschaft historischer Neumarkt Dresden“ (GHND) schlug vor einiger Zeit vor, auch den Neustädter Markt in Dresden weitgehend im Originalzustand zu rekonstruieren. In einer Pressemitteilung, die auch an die Stadtratsfraktionen ging, erklären wir uns mit dieser Idee solidarisch und erläutern, wieso dieses Ziel für Dresden so wichtig ist.

Pressemitteilung des Vereins zur künftigen Neugestaltung des Neustädter Marktes

Der Vorstand von „Stadtbild Deutschland“ unterstützt den Vorschlag der GHND und der Bürgerinitiative „Stadtbild Dresden“, am Neustädter Markt bei künftigen Neubauprojekten die Vorkriegsbebauung zum Vorbild zu nehmen und, ähnlich wie am Neumarkt, teilweise zu rekonstruieren.

Dafür sehen wir folgende Gründe:

Die derzeitige Platzsituation am Neustädter Markt ist unbefriedigend, da dem Platz seine Fassung fehlt, der „Goldene Reiter“ in der Mitte des Platzes verloren wirkt und insbesondere die Nordseite des Platzes mit ihren Plattenbauten das dahinter liegende Barockviertel abriegelt. Infolgedessen haben Touristen, von der Altstadtseite kommend, oft Schwierigkeiten, das Barockviertel zu finden, da außer Hinweisschildern wenig darauf hinweist, dass es hinter dem Neustädter Markt noch ein original barockes Viertel zu bewundern gibt.

Nach Meinung des Vereins ist eine Rekonstruktion großer Teile des Neustädter Marktes die optimale Möglichkeit, das Barockviertel in der Neustadt städtebaulich sinnvoll mit dem Neumarkt zu verbinden, da auf diese Weise wieder ein harmonischer, in sich geschlossener städtischer Raum entstehen könnte. Brüche im Stadtbild gibt es bereits genug, wenigstens auf der Achse Neumarkt – Neustädter Markt – Barockviertel sollte daher versucht werden, ein harmonisches Ganzes zu schaffen. Das Konzept, die Frauenkirche und den Neumarkt zu rekonstruieren, hat sich als Erfolg herausgestellt, da der Platz von den Bürgern und Besuchern sehr gut angenommen wird und sich längst zu einem Highlight der Innenstadt entwickelt hat. Es ist daher nur folgerichtig und städtebaulich logisch, dieses Erfolgsrezept auch auf andere Plätze Dresdens auszudehnen. Dresden folgt damit einer internationalen Entwicklung, da auch in anderen Städten (Frankfurt am Main, Hildesheim, Danzig, Warschau u.a.) Straßen, Plätze, ja ganze Stadtviertel erfolgreich rekonstruiert worden sind. Rekonstruktionen sind städtebauliche Normalität!

Sollte der Stadtrat Rekonstruktionen nicht befürworten, gibt es noch die Alternative, die Neubauten in angepasst-traditioneller Bauweise zu errichten. Für den Neustädter Markt sollten dabei unbedingt folgende Grundprinzipien klassisch-traditionellen Städtebaues gelten: Kleinteiligkeit, Abwechslungsreichtum, keine blockhaften, monotonen Gebäude. Insbesondere zur Elbseite hin sollte eine blockhafte Wirkung vermieden werden. Da traditionelles Bauen meist nicht teurer als modernes Bauen ist, sollte dem vom wirtschaftlichen Standpunkt her nichts entgegen stehen.

Wieso lehnt der Verein für diesen Platz moderne Architektur ab? Diese Ablehnung hat keineswegs etwas mit manchmal unterstellter Rückwärtsgewandtheit zu tun, sondern hat rationale Gründe: Die Architektur der sog. „Moderne“ zeichnet sich seit Jahrzehnten unverändert dadurch aus, dass sie auf Ornamentik an den Fassaden konsequent verzichtet und ganz bewusst auf einfachste Formen setzt. Das erklärt die oft kritisierte kühle und sterile Wirkung moderner Architektur. Der Verein sieht in solcher Architektur, ähnlich wie zahlreiche andere Kritiker, eine architektonische Verarmung, die das zukünftige Stadtbild Dresdens und damit dessen touristische Bedeutung schmälern wird. Der Verein sieht sich daher bundesweit auch als „Sprachrohr“ für die Architekten, die längst wieder für eine abwechslungsreichere, formenreichere und damit traditionelle Art zu bauen eintreten.

Die Grundsatzentscheidung, wie ein Stadtviertel umgestaltet wird, hängt jedoch nur teilweise von dem Willen der Investoren und deren Architekten ab. Am Wichtigsten ist der persönliche Geschmack von Stadtplanern und Wettbewerbsjurys. Der Vorstand des Vereins befürchtet, dass analog zu anderen Bauprojekten in Dresden auch am Neustädter Markt von diesen eine moderne und damit kühl-sterile Bebauung durchgesetzt wird. Um hier für fairen Wettbewerb und Gleichberechtigung zu sorgen, bittet der Vorstand die Stadträte, sich dafür einzusetzen, dass bei den Planungen und Überarbeitungen auch klassisch-traditionell planende Architekten/Stadtplaner  gleichberechtigt mit eingebunden werden.

Dem vom Dresdner Stadtrat im letzten Jahr beschlossenen Wiederaufbau des Narrenhäusels kommt bei der Neugestaltung des Platzes eine Schlüsselfunktion zu. Wird das „Narrenhäusel“ gebaut, ist damit zugleich auch der Grundstein für kleinteiliges und damit abwechslungsreiches Bauen am Neustädter Markt gelegt. Der Vorstand von Stadtbild Deutschland bittet daher den Baubürgermeister, das „Narrenhäusel“ so schnell wie möglich auszuschreiben. Da das Liegenschaftsamt jetzt in seinem Geschäftsbereich liegt, sollten die dafür notwendigen Voraussetzungen nun endlich vorliegen und alle bürokratischen Hürden beseitigt sein.

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