Bauakademie Berlin 1888

Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat die für den Wiederaufbau der Schinkelschen Bauakademie in Berlin nötigen Mittel bewilligt, sodass das seit ca. zwanzig Jahren geplante Projekt nun endlich angegangen werden kann. Doch die Debatte darüber, wie eine wiederaufgebaute Bauakademie architektonisch aussehen solle, hat im Moment eine fragwürdige Richtung eingeschlagen und scheint einen jahrzehntelangen Konsens verlassen zu wollen. Dies hat die Berliner Vereine „Forum Stadtbild Berlin”, “Förderverein Bauakademie”, “Berliner Historische Mitte e.V.” und die “Planungsgruppe Stadtkern im Bürgerforum Berlin e.V.“ sowie „Stadtbild Deutschland e.V.“ dazu veranlasst, eine gemeinsame Stellungnahme zu verfassen. Wir begründen darin unsere Ansicht, wieso eine Bauakademie möglichst original rekonstruiert werden sollte und wie dies konkret aussehen kann.Damit wollen wir uns sachlich an der Debatte beteiligen, um Schaden von dem Projekt abzuwenden, damit es für die Stadt Berlin auch wirklich zu einem Erfolg wird.

Gemeinsame Stellungnahme von Stadtbild Deutschland sowie vier Berliner Vereinen

Die Bewilligung der Gelder für den Wiederaufbau der Schinkelschen Bauakademie durch den Haushaltsausschuss des Bundestags löste – nachdem jahrzehntelang Konsens über eine Rekonstruktion dieses Baus geherrscht hatte – nun doch wieder die Frage aus, ob es zulässig sei, auch etwas ganz Anderes statt den Schinkel-Entwurf zu bauen. Ein ergebnisoffener Wettbewerb wird sogar als absolut notwendig hingestellt und der bisherige Konsens verlassen.

Diese Entwicklung halten wir für den falschen Weg, der den Erfolg des Projektes in Frage stellt. Nach zwanzig Jahren breitester Debatte gibt es keinen Grund, diesen wertvollen Konsens aufzukündigen und keinen Grund, den Beschluss des Bundestags, „Wiederaufbau der Schinkelschen Bauakademie“, abzuändern. Der Name “Schinkelsche Bauakademie” darf nicht zum bloßen Etikett verkommen, er muss sich auch im fertigen Gebäude wiederfinden. Es muss also auch tatsächlich sehr viel Schinkel und sehr viel Bauakademie enthalten. Ein Mischgebäude mit z.B. gänzlich modernem Innenleben wäre der unauthentische, der falsche Weg. Dann würde ein Gebäude entstehen, dem man zwar aus Marketinggründen das Etikett „Schinkel“ ankleben würde, das aber nur noch wenig mit seinem Schöpfer zu tun hätte. Es geht also darum, das Projekt davor zu bewahren, durch beliebige architektonische Zugaben und moderne Schnellschüsse verwässert und lächerlich zu werden.

Die anhaltende Debatte um den modernen Teil des Humboldt-Forums / Stadtschlosses, von Architekten kürzlich sogar als “neopreußischer Fassadenzombie” verunglimpft, zeigt, wie umstritten solche Mischgebäude aus altem und modernem Stil sind. Bei einem überschaubaren Projekt wie der Bauakademie sollte man daher nicht schon wieder moderne Brüche einbauen.

Eine authentisch rekonstruierte Bauakademie wäre keine langweilige “Kopie”, kein “Fake”, wie manche behaupten. Sie wäre im Gegenteil eine großartige Leistung. Warum? In der Stadt Ise in Japan wird der Schrein von Ise-jingū, eine hölzerne Tempelanlage, aus religiösen Gründen seit Jahrhunderten alle zwanzig Jahre abgerissen und mit neuem Material völlig neu errichtet. Ziel dieses Rituals: Das Wissen um den Bau solcher Tempel soll an die jeweils nächste Generation weitergegeben werden. Rekonstruktionen leisten also, wenn sie authentisch sind, einen Beitrag zur Bewahrung der Baukultur. Dabei ist es nicht entscheidend, ob noch Originalmaterial vorhanden ist, das man verbauen kann. Selbst der Kölner Dom besteht dank ständiger Reparaturen mittlerweile fast nur noch aus neuen Steinen. Entscheidend ist bei Rekonstruktionen vielmehr die Einhaltung der originalen Pläne des Erbauers.

Rekonstruktionen sind alles andere als schwärmerischer Kitsch für nostalgische Menschen, die sich Kutsche und Kaiser zurückwünschen, sondern sie fördern die Identität einer Stadt und nicht zuletzt deren Tourismus. Rekonstruktionen sind vor allem dort besonders erfolgreich, wo sie eben keine Mischgebäude, keine „Fassadenzombies“ sind. Das Hildesheimer Knochenhaueramtshaus ist 1989 nach 44 Jahren Abwesenheit als Vollholzkonstruktion nach alten Plänen und Fotos wiedererrichtet worden, wobei man sich trotzdem sinnvollerweise nicht scheute, einen modernen Fahrstuhlschacht einzubauen. Die Dresdner Frauenkirche erhielt aus statischen Gründen moderne Ringanker und aus akustischen Gründen eine moderne Orgel, ansonsten aber folgte man auch dort dem Originalentwurf.

So modern wie nötig, so original wie möglich. An diesem Erfolgsrezept sollte sich auch die Bauakademie orientieren. Unser Appell an alle Beteiligten: Bitte, kehrt zu diesem Konsens zurück! Nur eine möglichst authentisch rekonstruierte Bauakademie wird es kommenden Generationen ermöglichen, dieses schinkelsche Meisterwerk unverfälscht als Gesamtkunstwerk zu erleben. Da aber auch Schinkels Werk nicht in Stein gemeißelt blieb, sondern schon im 19. Jhd. umgebaut und modernisiert wurde, sollte man sich praktischerweise auf folgende Ziele konzentrieren: Rekonstruktion der historischen Fassaden, Beachtung der schinkelschen Raster, Proportionen und Geschosshöhen. Dies dürfte sich mit jeder angestrebten Nutzung vereinbaren lassen. Keinesfalls jedoch sollte ein Mischmasch aus Schinkel und moderner Beliebigkeit von vornherein das Ziel sein. Dann wäre der Wiederaufbau der schinkelschen Bauakademie gescheitert.

Forum Stadtbild Berlin / Förderverein Bauakademie / Berliner Historische Mitte e.V. / Stadtbild Deutschland e.V. / Planungsgruppe Stadtkern im Bürgerforum Berlin e.V.

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