Dresden - Palais Oppenheim

Der Semper-Club Dresden schlägt vor, auf einem Teilstück des Geländes der derzeit in Planung befindlichen „Lingnerstadt“ (dem ehemaligen Robotron-Gelände) das einst berühmte „Palais Oppenheim“ zu rekonstruieren. Natürlich unterstützt „Stadtbild Deutschland“ dieses Vorhaben und hat sich mit folgendem Brief an die Stadträte gewandt:

Betreff: Möglicher Wiederaufbau des Palais Oppenheim, Baufeldausweisung im Bebauungsplan

Sehr geehrte Stadträte, sehr geehrte Fraktionsvorsitzende,

der Semper-Club Dresden engagiert sich für den Wiederaufbau des Palais Oppenheim, welches bis zur Zerstörung am 13.02.1945 das Raumbild der Bürgerwiese wesentlich mit prägte. Bereits in dieser Zeit stand es aufgrund seiner hohen kulturellen Bedeutung schon unter Denkmalschutz. Die Ruine wurde leider 1951 trotz der Einsprüche und intensiven Bemühungen Dr. Nadlers, des damaligen Landesdenkmalpflegers, abgerissen. Der Vorstand von Stadtbild Deutschland befürwortet den Wiederaufbau und bittet Sie, sich in diesem Sinne einzusetzen. Wir wollen kurz begründen, weshalb wir dieser Überzeugung sind und die hohe Bedeutung des Gebäudes erläutern:

Welche Vorteile bringt ein wieder aufgebautes Palais Oppenheim für die Stadt?

1. Aufbrechen der Monotonie der bisherigen Lingnerstadt – Entwürfe: Städtebaulich benötigt die geplante, neue Lingnerstadt dringend eine Akzentuierung. Die bisherigen Entwürfe Peter Kulkas sind architektonisch ungenügend, weil viel zu trist und monoton. Das Palais Oppenheim bietet eine gute Möglichkeit, diese eintönige Wirkung aufzubrechen und der Lingnerstadt ein interessantes Herz und Zentrum zu geben. Die bisher geplante Geschosshöhe der Kulka-Entwürfe von sieben Geschossen, auch zur Bürgerwiese hin, ist viel zu hoch und wird die Wirkung des davor liegenden Landschaftsgartens massiv beeinträchtigen. Daher ist aus städtebaulicher Sicht sowieso eine Überarbeitung des bisherigen Konzeptes des Investors notwendig, um zur Bürgerwiese hin eine kleinteiligere, mit niedrigeren Geschosshöhen versehene Bebauung zu ermöglichen. Die Attraktivität der Bürgerwiese würde zusätzlich noch verbessert, wenn die angrenzende, neue Bebauung möglichst abwechslungsreich gestaltet wird.

2. Kunsthistorisches Vorbild für Dresden: Das 1845-1848 von Gottfried Semper für den jüdischen Bankier Wilhelm Oppenheim im Stil der italienischen Renaissance (Neorenaissance) errichtete Palais wurde stilprägend für eine ganze Reihe von Villen und Wohnhäusern, die zugleich die Blütezeit der nachbarocken, nämlich bürgerlichen Gesellschaft Dresdens repräsentieren.
Die Wichtigkeit dieser Epoche, wie auch die große Bedeutung der Bürgerwiese für die Geschichte Dresdens im 19. Jahrhundert, ist leider bei vielen Dresdnern ziemlich in Vergessenheit geraten. Ein rekonstruiertes Palais Oppenheim könnte an diese wichtige Zeit erinnern und Dresdens kunstgeschichtliche Bedeutung für Besucher noch stärker sichtbar machen.

3. Ort der jüdischen Emanzipation: Aber auch kulturhistorisch ist das Palais Oppenheim von Bedeutung. Martin Wilhelm Oppenheim, Auftraggeber Sempers und dann Besitzer des Gebäudes, gehörte im 19. Jahrhundert zu den wohlhabendsten Einwohnern Dresdens und war Mitglied und Förderer zahlreicher künstlerisch-literarischer Vereine. Das Palais wurde zu einem Zentrum jüdisch-sächsischer Kultur, in dem die im 19. Jahrhundert voranschreitende Emanzipation der Juden in Deutschland gefördert wurde. Dies setzte sich auch später fort, als das Palais in den Besitz der Eheleute Felix und Emma von Kaskel (daher der spätere Name Kaskel-Oppenheim für das Gebäude) überging. Nazibarbarei und 2. Weltkrieg löschten im 20. Jahrhundert nicht nur die jüdische Kultur Dresdens, sondern auch das Palais Oppenheim als Gedächtnisort aus.

Der Vorstand von Stadtbild Deutschland bittet Sie daher, mitzuhelfen, dass Dresden auch dieser speziell für die jüdische Geschichte der Stadt bedeutsame kulturelle Gedächtnisort zurück gegeben werden kann!

Der Vorstand ist sich dessen bewusst, dass unter Architekten in der Stadtverwaltung Rekonstruktionen kritisch, weitere Rekonstruktionen außerhalb des Neumarktes noch kritischer gesehen werden. Bedenken Sie aber bitte den hohen Stellenwert, den diese wiedererstandenen Baudenkmäler für Dresden haben. Was wäre die Stadt und ihr Ruf in der Welt ohne sie? Jede Chance, kulturelles Erbe Dresdens wiederherzustellen, muss genutzt werden, egal ob am Neumarkt oder an anderen Stellen der Stadt.

Da der bisherige Investor, die Immovation AG, eine Rekonstruktion bislang nicht befürwortet, ist es als erstem Schritt dringend notwendig, das historische Baufeld des Palais (in der weitestgehenden Fassung des Jahres 1848, ohne spätere Umbauten) im Bebauungsplan gesondert auszuweisen, um mittels eines separaten Investors eine Rekonstruktion zu ermöglichen.

Wir bitten Sie, sich für diese gesonderte Ausweisung des Baufeldes einzusetzen!

Für den Vorstand,
Manuel Reiprich, Pressesprecher

Schreibe einen Kommentar

%d Bloggern gefällt das: