Einleitung

Dresden, das Elbflorenz

Dresden

Dresden, das „Elbflorenz“, aufgrund seiner tragischen Geschichte und ihrem Ruf als Kunstmetropole bundesweit große Aufmerksamkeit genießend, bekommt auch in unserer Städtedarstellung besonders viel Raum. An Dresdens momentaner städtebaulicher Situation lassen sich  typische Mängel des aktuellen deutschen Städtebaues exemplarisch sehr gut veranschaulichen. Dabei konzentrieren wir uns jedoch weniger auf das touristisch frequentierte Herz der Altstadt – Neumarkt, Brühlsche Terrasse und Zwinger -, sondern stärker auf Plätze, welche abseits davon liegen.

Wohl kaum eine deutsche Stadt hat im Zweiten Weltkrieg einen so vernichtenden Luftangriff erlebt wie Dresden. Am 13. Februar 1945 wurden zehntausende Menschenleben, die gesamte historische Altstadt, aber auch große Teile der gründerzeitlichen Stadterweiterungen ausgelöscht. Insgesamt sprechen Historiker von ca. 20 Quadratkilometern zerstörter Stadtfläche. Angesichts solcher Dimensionen ist die Wiederaufbauleistung gar nicht hoch genug einzuschätzen, erst recht unter den wirtschaftlich schwierigen Verhältnissen der DDR-Zeit.

Historische Bilder auf dieser und den kommenden Seiten mit freundlicher Genehmigung von Andreas Hummel/ARSTEMPANO.

Befreundete Vereine und Initiativen

StadtbilDDresden

Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden

Altes Dresden

Gottfried-Semper-Club Dresden e.V.

Andreas Hummel/ARSTEMPANO

Neumarkt & Umgebung

Neumarkt, Frauenkirche und Umgebung

Frauenkirche und Neumarkt – das Herz der Stadt schlägt wieder!

Schon vor 1989 wurden unter schwierigen finanziellen Verhältnissen wichtige Leitbauten Dresdens wiederaufgebaut: Zwinger, Hofkirche, Semperoper, um nur die Wichtigsten zu nennen. Nach der Wende ging der Wiederaufbau weiter. Neben dem Schloss wurde, dank des Engagements zahlreicher Dresdner und der enormen Spendenbereitschaft vieler Bürger, bis 2005 die Frauenkirche  rekonstruiert.

Überlegungen, auch den umgebenden Neumarkt, der seit 1945 weitgehend Brachfläche war, möglichst originalgetreu zu rekonstruieren, wurden bereits zu DDR-Zeiten angestellt, scheiterten aber damals an der Realisierung. Erst nach 1990 standen die finanziellen Mittel zur Verfügung, das Projekt Neumarkt anzugehen. Es ist maßgeblich dem Engagement des Bürgervereins „Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden“ (GHND) zu verdanken, dass auch der Platz um die Frauenkirche zu großen Teilen rekonstruiert wurde. Besonderer Dank gilt dabei dem Engagement des Vorsitzenden Torsten Kulke, der durch zähe Verhandlungen mit Stadt und Investoren oftmals Bausünden abwenden konnte. Damit verfügt Dresden jetzt in seinem Zentrum wieder über so etwas wie eine „Mini-Altstadt“, die zahlreiche Touristen anlockt. „Mini“ deswegen, weil der Neumarkt trotz aller vollbrachten Leistungen letztlich nur ca. 2 % des 1945 zerstörten Stadtraumes ausmacht und weil dennoch sehr viele Kompromisse eingegangen werden mussten. Dies teilweise gegenüber den Investoren, stärker noch gegenüber dem Dresdner Stadtplanungsamt, das als „rekonstruktionsfeindlich“ gilt und gerne mal dazwischenschießt, wenn wieder mal ein Investor rekonstruieren möchte.

Dresden - Neumarkt und Frauenkirche
Neumarkt und Frauenkirche – deutschlandweit bekannte, aber unter Architekten umstrittene Beispiele für Rekonstruktionen
Dresden - Rampische Straße
Dresden – Rampische Straße

Die Rampische Straße – berühmtes Motiv von Malern und Fotografen, erstrahlt (fast) wieder im einstigen, originalen Glanz. Lediglich bei genauerem Hinsehen erkennt man moderne Kompromisse, die bei einem Grundstück eingegangen werden mussten.

Dresdens Innenstadt abseits des Neumarktes – viel Entwicklungspotential

Pirnaische Vorstadt, Blick auf die Pillnitzer Straße, vor 1945 und 2017: Die beiden Fotos zeigen die historische Bebauung und den heutigen Zustand, jeweils etwa vom selben Standpunkt aus. Sie machen exemplarisch deutlich, wie groß der städtebauliche Verlust war, den Dresden durch seine Zerstörung erlitten hat und wie sehr das Gebiet durch den Wiederaufbau verändert wurde.

Dresden - Pillnitzer Straße nach Osten
Pillnitzer Straße nach Osten, Ecke Ziegelstraße, um 1900 und im Jahr 2017
Dresden - Pillnitzer Straße nach Westen
Pillnitzer Straße, Blick nach Westen zum Rathenauplatz

300 Meter östlich der Frauenkirche endet die „Altstadt“ ganz abrupt und man steht, nachdem man die breite St. Petersburger Straße überquert hat, in einem sehr tristen, leeren Stadtraum. Wo sich einst historisch gewachsene, gründerzeitlich überformte kleinteilige Blockrandbebauung befand, die das Gassengewirr der inneren Altstadt fortsetzte, herrscht bis heute DDR-Plattenbebauung vor. Dazwischen nach wie vor große Freiflächen, die ungenutzt bleiben, sodass dieser Bereich überhaupt nicht als Innenstadtbereich wahrgenommen werden, geschweige denn sich entwickeln kann. Deutlich wird diese Zerschneidung des Stadtraumes, wenn man Pirnaischen Platz und Rathenauplatz von heute mit ihrer früheren Bebauung vergleicht.

Altmarkt & Umgebung

Altmarkt und Umgebung

Altmarkt und Altmarktgalerie – Bautradition vs. keine Bautradition

Dresden - Altmarkt

Die Architekten Herbert Schneider und Johannes Rascher versuchten, beim Wiederaufbau des Altmarktes 1953, an die Dresdner Bautradition anzuknüpfen und historisierend den Dresdner Barock zu zitieren. Dass dies unter den Bedingungen des sozialistischen Städtebaues möglich war, spricht einerseits für dessen zumindest in der Anfangsphase vorhandene architektonische Qualität, andererseits dafür, dass regionaltypischeres, abwechslungsreicheres Bauen nicht in erster Linie eine Kostenfrage ist.  

Dresden - Scheffelgasse und heutige Altmarktgalerie
Die verschwundene Scheffelgasse, im Vergleich dazu die heutige Altmarktgalerie

Beim Bau der Altmarktgalerie zu Nachwendezeiten galten solche Maßstäbe nicht mehr. 1993 brauchte die Stadt dringend moderne Einkaufsflächen und scheute sich nicht, diese ausgerechnet in den „Hinterhof“ des Altmarktes, auf die Fläche der ehemaligen Weber-, Zahns- und Scheffelgasse zu errichten. Leider bildeten aber genau diese Gassen einstmals die Keimzelle der Stadt Dresden, weshalb es als vertane Chance betrachtet werden muss, diese Straßenzüge nach 1990 nicht wiedererrichtet zu haben. Das hätte nicht unbedingt historisierend geschehen müssen, aber kleinteilig und unter Rückbezug auf die historischen Straßenzüge, um Dresdens Altstadt mehr Gassen und damit Verweilqualität zu geben. Chance vertan!

Dresden - Altmarktgalerie
Altmarktgalerie, Fassade des Erweiterungsbaues

2009 wurde die Altmarktgalerie vergrößert und der Erweiterungsbau zur Wilsdruffer Straße hin vermag noch weniger zu überzeugen. Eine glatte, langweilige Lochfassade, wie sie in jedem großen Einkaufscenter auf der grünen Wiese zu bewundern ist, prägt hier den ganzen Straßenzug. Die Sozialisten konnten Ästhetik offenbar doch besser!

Das kubistische Bauideal und seine Folgen – verschenkte Chancen auf Belebung der Innenstadt

Dresden - Haus Merkur
Haus Merkur

In der an die Altmarktgalerie angrenzenden Marienstraße, 200m südlich des Zwingers erhebt sich seit kurzem dieses neue Wohnhaus: Das „Haus Merkur“ soll das derzeit locker sitzende Geld der Investoren nach Dresden bringen, doch auf die architektonische Qualität wurde dabei offensichtlich weniger geachtet. Wie ein Fremdkörper wirkt dieser Bau, abweisend durch seine weiße, glatte, langweilige Fassade, die dem Auge keinerlei Abwechslung bietet, mehr aber noch durch das einheitliche Grau des Erdgeschosses. Die Möglichkeit, hier durch Einzelhandel mehr Leben in diesen Bereich der Innenstadt zu bringen, scheint nicht einmal in der Planung vorgesehen gewesen zu sein. Wohlgemerkt, wir reden hier tatsächlich vom Stadtzentrum, nicht von einem Gewerbegebiet in Autobahnnähe.

Dresden - Neues Wohnhaus an der Budapester Straße
Neues Wohnhaus an der Budapester Straße

Budapester Straße, Ecke Am See. Als wäre die DDR-Zeit wieder auferstanden: Man muss zweimal hinsehen, aber nein, das ist kein sanierter Altplattenbau, das sind die Ergebnisse der Vorgaben des Stadtplanungsamtes an den neuen Investor, wie er an dieser Stelle zu bauen habe. Bitte keine Fassadengliederung, bitte keine unterschiedlichen Farben, bitte ein schlichtes Flachdach. Das ist aktuelle Dresdner Baukultur vom Feinsten!

Dresden - Residenz am Zwinger
Residenz am Zwinger

Architekten und Investoren sind häufig kleine Sprachgenies, die ihre oft durchschnittlichen Werke hinter wohlklingenden Namen verstecken. Die „Residenz am Zwinger“ ist dafür ein gutes Beispiel, denn ein solch schlichtes Wohngebäude als „Residenz“ zu bezeichnen ist schon arg übertrieben. Immerhin bietet es ein leidlich gefälligeres Aussehen als das „Haus Merkur“. Aber dennoch: Wir befinden uns hier einen Steinwurf von der Schauseite des Zwingers entfernt!

Plätze

Platzanlagen der Altstadt

Pirnaischer Platz und Rathenauplatz – Zerschneidung des Stadtraumes

Dresden - Pirnaischer Platz
Pirnaischer Platz um 1900 mit dem Kaiserpalast im Zentrum – und heute
Dresden - Amalienplatz, heute Rathenauplatz
Vergleich Amalienplatz, heute Rathenauplatz mit Blick nach Süden

Diese beiden Plätze bilden den Abschluss der inneren Altstadt nach Osten und werden jeweils von der St. Petersburger Straße durchquert. Diese ist als Verkehrsachse nach wie vor unverzichtbar, jedoch fließt immer mehr Verkehr über die neue Waldschlösschenbrücke, sodass hier langfristig eine Weiterentwicklung der Altstadt in Betracht kommen könnte.

Der Vergleich mit dem historischen Zustand macht auch hier deutlich, welchen städtebaulichen Schaden Dresden erlitten hat. Vor allem der Verlust des Kaiserpalastes, eines neobarocken, vielleicht etwas überladen wirkenden Bürogebäudes am Pirnaischen Platz muss als besonders schade angesehen werden, war dies doch unbestritten ein imposanter, platzbestimmender Leitbau.

Durch die Verödung dieser beiden Plätze ist die innere Altstadt städtebaulich schlecht  an die östlich angrenzenden Stadtviertel angeschlossen. Kaum ein Tourist würde wohl die Petersburger überschreiten, weil er dahinter nichts mehr vermutet.

Die mangelhafte Situation und die Leerstellen in diesem Bereich lassen sich mit den knappen finanziellen Mitteln zu DDR-Zeiten erklären, als man nur die „Platte“ als Mittel hatte, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Vielleicht hätte man andernfalls die Platzwirkung anders, geschlossener angelegt?

Schauen wir uns an, was an anderen Stellen in Dresden nach 1990 getan wurde, um diese Mängel zu beheben. Dies kann man am westlichen Rand der Altstadt, am Postplatz, gut beobachten.

Der neue Postplatz:  Das Streben nach dem bewussten „Bruch“ zur Umgebung

Dresden - Vor dem Zwinger
Vor dem Zwinger: Wilsdruffer Kubus (rechts) und Advanta-Riegel (Mitte)

„Das lebendige Haus“ steht auf die Fassade geschrieben. Die Wirkung nach außen kann dagegen als „eher tot“ beschrieben werden.

Dresden - Wilsdruffer Kubus vor dem Zwinger
Wilsdruffer Kubus vor dem Zwinger

Am westlichen Ende von Dresdens innerer Altstadt runden Zwinger und Taschenbergpalais  das historische Zentrum ab. Aber bereits daneben beginnt der „Bruch“ im Stadtbild. 1998 wurde dort der sogenannte „Advanta-Riegel“ errichtet, der sich, wie ein gigantischer Schiffsrumpf wirkend, vor das Taschenbergpalais geschoben hat. 2007 kam der „Wilsdruffer Kubus“ hinzu, benannt nach seinem quadratischen Aussehen und seiner Lage an der Wilsdruffer Straße. Hier stoßen besonders krass vergangene und heutige Baukultur aufeinander. Verspielter Formenreichtum auf der einen Seite, glatte, schnörkellose Rechtwinkligkeit und nackte Fassaden auf der anderen.

Hier hätte eine Neubebauung behutsam die Formensprache von Zwinger und Taschenberpalais aufnehmen müssen, zumindest angedeutet: Bogenfenster;  Sattel-, Mansard- oder Walmdach; eine erkennbare Fassadengliederung, mehr hätte es gar nicht bedurft und die Wirkung des Postplatzes wäre eine wesentlich harmonischere geworden. Doch statt der Harmonie setzten die Stadtplaner hier auf den bewussten Bruch zur historischen Bebauung.

Dieses Streben nach dem Bruch zieht sich geradezu wie ein roter Faden durch die Nachkriegsarchitektur der Moderne. Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass Dresdens Stadtplaner zutiefst davon überzeugt waren, dies sei für diesen Ort das Richtige. Leider erwiesen sie sich darin in den Folgejahren als ziemlich beratungsresistent.

Die Annenkirche – ein Kleinod im Dornröschenschlaf

Die Annenkirche um 1900 und heute
Dresden - Annenstraße
Annenstraße, Blick nach Osten Richtung Postplatz damals und heute

Ein paar Meter weiter westlich des Postplatzes zieht sich die Annenstraße entlang, sich später zum Freiberger Platz erweiternd. Die Annenkirche überstand den Krieg glimpflich, weshalb sie auch zu DDR-Zeiten erhalten blieb und bis heute den Platz dominiert. Doch leider verirrt sich aufgrund der Randlage und mangelnden Attraktivität kaum ein Besucher hierher. Der Freiberger Platz liegt trotz Aufwertungsversuchen seitens der Stadt durch ein paar Parkbänke und Installationen nach wie vor im Dornröschenschlaf. Wie viel anders die städtebauliche Wirkung vor der Zerstörung war, vermitteln wieder die historischen Vergleichsbilder. Die nach 1990 links und rechts an die Annenstraße hinzugefügte Bebauung kann an die früher erreichte Urbanität nicht anknüpfen – und will es vermutlich auch gar nicht. Schade!

Fazit

Fehlentwicklungen und ihre Ursachen

Mangelnde Steuerung seitens der Stadt: Auf diese einfache Formel kann man die Ursache der städtebaulichen Fehlentwicklungen Dresdens bringen. Was der Stadt fehlt, ist eine rechtsverbindliche Gestaltungssatzung, wie ein Bauherr zu bauen und an welche Grundvorgaben sich sein Architekt zu halten hat. In eine solche Satzung könnte man dann z.B. reinschreiben: Vermeidung von Flachdächern, Fassaden stärker gliedern, regionaltypische Gestaltungselemente, Vermeidung von grau usw.  Doch zu einer solchen Satzung können sich die Stadträte nie durchringen. Dabei spielt die Angst eine Rolle, mit einer solchen Satzung potentielle Bauherren abzuschrecken. Der bundesweite Vergleich zeigt eher das Gegenteil. Bauherren schätzen rechtsverbindliche Satzungen sehr, erspart ihnen eine solche Rechtssicherheit doch lästige Folgekosten durch Überarbeitungen oder unkalkulierbare Vorgaben des Stadtplanungsamtes.

Aber gesetzliche Vorgaben sind nur ein Teil der Lösung und sie sind nicht das Allheilmittel. Es kommt immer auf die Menschen in den Ämtern an, die diese Bestimmungen mit Leben ausfüllen und welche Idealvorstellungen sie von Architektur haben. In Dresden sind dies vor allem Architekten, die eine minimalistische, an einfachen Formen orientierte Architektur bevorzugen und die sich in der Initiative „Die Zeitgenossen“ als Lobby organisiert haben. Auch Anja Heckmann, die Abteilungsleiterin Innenstadt im Stadtplanungsamt, ist Mitglied dieser Initiative, was die ganze Sache auch rechtlich problematisch erscheinen lässt, da bei städtischen Wettbewerben wenige Mitglieder der „Zeitgenossen“ immer wieder bevorzugt werden. Bauherren, die ästhetischer und formenreicher bauen wollen, werden oft benachteiligt oder dazu gedrängt, ihre Entwürfe zu vereinfachen. Unter dieser verfehlten Bauideologie leidet, wie wir gesehen haben, das Stadtbild Dresdens ganz erheblich.

Leider fehlt es der Stadtregierung bislang an dem Mut, daran wirklich etwas Entscheidendes zu ändern. Dresden braucht in seiner Verwaltung mehr Architekten, die klassisch-traditionell-regionaltypisch bauen und die auch gleichberechtigt in gestalterischen Wettbewerben sitzen. Auch dieses Problem ist exemplarisch für viele Städte der Bundesrepublik.

Der einflussreichste Bürgerverein, die GHND, ist durch seine Satzung im Wesentlichen auf den Neumarkt beschränkt. Auch besitzen sie trotz aller Erfolge gar nicht genug engagierte Mitglieder, um sich bei mehreren Bauvorhaben außerhalb des Neumarktes engagieren zu können. Es fehlt in Dresden also ein genügend starkes, bürgerschaftliches Engagement.

Daher bitten wir alle Dresdner und alle Menschen, die sich mit dieser Stadt identifizieren, auf dieses Problem aufmerksam zu machen, damit es stärker ins öffentliche Bewusstsein dringt. Durch Aufklärung und Zusammenarbeit eines engagierten Bürgertums können wir gemeinsam mithelfen, die derzeitige Situation zu verbessern.

Alternativen

Alternative Konzepte

Öffentlichkeitsarbeit und Alternativen

Stadtbild Deutschland, die Gesellschaft historischer Neumarkt Dresden sowie die lokale Bürgerinitiative „Stadtbild Dresden“, die jedoch nicht zu unserem Verein gehört, versuchen immer wieder, durch Öffentlichkeitsarbeit und Kontakte zu Stadträten auf das Problem aufmerksam zu machen (siehe verschiedene Beiträge im Blog).

Fabian Jäkel, Schaubild Rathenauplatz
Fabian Jäkel, Schaubild Rathenauplatz
Fabian Jäkel, Schaubild Rossbachplatz
Fabian Jäkel, Schaubild Rossbachplatz
Fabian Jäkel, Isometrie Rathenauplatz und Rossbachplatz
Fabian Jäkel, Isometrie Rathenauplatz und Rossbachplatz

Diesen städtebaulichen Entwurf des Dresdner Architekturstudenten Fabian Jäkel für die Pirnaische Vorstadt aus dem Jahr 2014 halten wir für geeignet, zu zeigen, wie dieses Stadtviertel durch moderne, angepasste Architektur nach modernen Maßstäben des Städtebaues aufgewertet werden kann. Neue Straßenzüge, Kleinteiligkeit, Mischnutzung, platzbestimmende Bauten, so und nicht anders entsteht urbane Stadtstruktur. Leider entsprechen seine Vorstellungen nicht denen des Dresdner Stadtplanungsamtes.

Weitere Visualisierungen unter Fabian Jäkel – Architekturportfolio – Pirnauische Vorstadt Dresden.

Isometrie Ferdinandplatz, Neubebauung mit Rathauserweiterungsbau
Isometrie Ferdinandplatz, Neubebauung mit Rathauserweiterungsbau

Der Ferdinandplatz südlich des Rathauses ist bis heute unbebaut, auch wenn seine Zukunft immer wieder diskutiert wird. Das Stadtplanungsamt möchte hier eine Neubebauung, doch die bisherigen Äußerungen dazu lassen wieder nur ein paar Kisten befürchten. Diese Visualisierung unseres Vereins soll zeigen, wie hier durch angepasste, zeitgenössische Bebauung ein lebendiges, kleines Stadtviertel entstehen kann. Ein von der Stadt geplanter Rathauserweiterungsbau, ein neues Parkhaus, daneben neue Straßenzüge, die sich am historisch gewachsenen Grundriss orientieren und eine kleinteilige, abwechslungsreiche Bebauung dazwischen. Mehr ist es nicht, was der Ferdinandplatz braucht, um wieder im eigentlichen Sinne ein Platz zu werden.

Östlich des Dresdner Rathauses, auf dem ehemaligen Robotron-Gelände, ist die neue Lingnerstadt geplant. Trotz positiver städtebaulicher Ansätze, wie Blockrandbebauung und Mischnutzung, sind die bisherigen architektonischen Entwürfe enttäuschend, vor allem die des Büros Kulka. Stararchitekt Peter Kulka steht für sparsame Fassaden, wie exemplarisch sein Haus in der Weisseritzstraße beweist.

Peter Kulkas Meisterwerk in der Weisseritzstraße
Peter Kulkas Meisterwerk in der Weisseritzstraße

Auch bei der Lingnerstadt konnte er sich nicht so richtig von seinem Faible lösen, wie nachfolgende Visualisierung zeigt.

Lingnerstadt, Nordfassade. Entwurf von Peter Kulka und unsere Überarbeitung
Lingnerstadt, Nordfassade. Entwurf von Peter Kulka (oben) und unsere Überarbeitung (unten)

Um es hier klar zu sagen und auf die Kritik einiger Vereinsmitglieder zu reagieren: Auch unsere Überarbeitung entspricht noch keineswegs unseren Idealvorstellungen von Architektur, sollte aber v.a. dem Investor zeigen, dass man, ohne seinen Entwurf und seine Rahmenbedingungen zu verändern, wesentlich attraktivere Fassaden haben kann.

Selbst kubistische Entwürfe können angenehmer sein, wie nachfolgendes Beispiel aus Berlin zeigt:

Berlin, Flottwell-Living, Architekt Christoph Kohl
Berlin, Flottwell-Living, Architekt: Christoph Kohl

Dennoch immer noch kein Vergleich zu der Bebauung, die vor dem Krieg dieses Gebiet prägte:

Berlin - historische Bebauung

Das Palais Kaskel-Oppenheim – neue Rekonstruktionen außerhalb des Neumarktes?

Dresden - Palais Oppenheim
Palais Oppenheim

Am südlichen Ende der geplanten Lingnerstadt, zur Bürgerwiese hin, stand bis 1945 das Palais Kaskel-Oppenheim, das 1845 – 1848 von Gottfried Semper im Auftrag des jüdischen Kaufmannes Wilhelm Oppenheim errichtet wurde. Das Palais wurde bald ein Kristallisationspunkt jüdisch-sächsischer Kultur in Dresden und die dortigen Veranstaltungen und Treffen trugen mit zur Emanzipation des jüdischen Bürgertums Dresdens bei, ehe die Nazibarbarei der Jahre 1933 – 1945 alldem ein Ende bereitete.

Der Semperclub Dresden setzt sich dafür ein, dieses kultur- und kunsthistorisch bedeutsame Gebäude wieder aufzubauen. Das „Kaskel-Oppenheim“ (bzw. „Palais Oppenheim“ im Zustand von 1848 ohne seinen späteren Umbau) würde der neuen Lingnerstadt einen eleganten Abschluss geben. Außerdem benötigt die als begrüntes Erholungsgebiet nutzbare Bürgerwiese an dieser Stelle eine aufgelockerte, niedrige Bebauung als Abschluss und keine Siebengeschosser a la Kulka. Findet sich ein Investor und ist der bisherige Grundstücksbesitzer bereit, das kleine Grundstück zu veräußern, kann das Palais Oppenheim bald Realität werden.

Da das Gebiet weit außerhalb des Neumarktes liegt, darf die „Gesellschaft historischer Neumarkt Dresden“ hier laut ihrer Satzung nicht aktiv werden. Daher sind nun andere Leute gefragt, zu helfen. Wir bitten daher alle engagierten Dresdner, dies zu tun!