Einleitung

Kassel – Einleitung

Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel

Der Bergpark Wilhelmshöhe, eine der beeindruckendsten barocken Gartenanlagen Europas und eine große Attraktion der Stadt Kassel. Im einst historischen Zentrum der Stadt dagegen sieht es recht trist aus. An dieses verlorene Zentrum wollen wir auf dieser Seite erinnern, um am Ende zu zeigen, wie man dieses Zentrum wieder beleben kann.

Kassels Altstadt war wie viele deutsche Städte vor dem 2. Weltkrieg geprägt von dichtbebautem Fachwerk in der zentralen Altstadt, barock überformt sowie gründerzeitlicher Bebauung in der Peripherie und natürlich dem repräsentativen Schlosspark Wilhelmshöhe. Verhältnismäßig früh wurde Kassels Altstadt schon am 22. Oktober 1943 Ziel eines massiven Luftangriffs, der großflächige Zerstörungen anrichtete. Beim Wiederaufbau wurde in einer für westdeutsche Städte beispiellosen Weise der historisch gewachsene Stadtgrundriss aufgegeben und die Innenstadt ganz im „modernen“ Stil der 50er und 60er Jahre bebaut. Im direkten Zentrum Kassels sind nur noch wenige Reste der früheren historischen Bedeutung der Stadt zu erkennen, wie etwa der Druselturm, der Renthof, die Ruine des Zeughauses, die Markthalle oder die Martinskirche.

Martinskirche in Kassel

Die Martinskirche in ihrem heutigen Zustand: Die Umgebung ist, wie man sieht, ganz im aufgelockerten Stil der Nachkriegszeit wiederaufgebaut worden. Im Hintergrund rechts das „Hansahaus“ (Fotograf: „Carroy“, wikipedia).

Zu erwähnen ist, dass Kassel mit der Treppenstraße 1953 die erste Fußgängerzone Westdeutschlands bekam. Im Film „Rosen für den Staatsanwalt“ von 1959 wurde die damals noch frisch aufgebaute neue Innenstadt Kassels als Filmkulisse benutzt.  Somit ist die 50er Jahre Bebauung bereits selbst ein Teil der Stadtbaukultur geworden und noch heute atmet diese Innenstadt vielerorts den stark abgeblätterten Charme der 50er Jahre.

Hansahaus

Wie kann Kassels Stadtbild verbessert werden? Fallbeispiel „Hansahaus“

Unbestritten ist in Kassel, dass der Gesamteindruck der Innenstadt verbesserungswürdig ist. Die Innenstadt wird vielerorts als wenig attraktiv empfunden und nicht wenige trauern dem verlorenen historischen Stadtbild noch immer nach. Unserer Meinung nach liegt das an den Fehlern, die beim Wiederaufbau gemacht worden sind, an den relativ monotonen Fassaden und einer überdimensionierten Bauweise, die Kleinteiligkeit und Abwechslung vermissen lässt.

Anschaulich deutlich wird dies z.B. beim „Hansahaus“, einem langgezogenen Verwaltungsbau an der Kurt-Schumacher-Straße, der kaum noch genutzt wird und in die Jahre gekommen ist. Stellt man die heutige Situation aber erst mit der Vorkriegssituation gegenüber, wird der Verlust an Stadtraumqualität besonders deutlich. Pferdemarkt, Brink und Graben, das waren Orte, an denen das gewachsene Herz des alten Kassels schlug. Wir laden Sie ein zu einer historischen Reise in dieses ausgelöschte Herz, doch es ist nichts für schwache Nerven!

Damals - Heute

Pferdemarkt, Brink und Graben –  damals und heute

Judenbrunnen

Zwei Fotos, dieselbe Position, ca. 100 Jahre dazwischen. Rechts die Hinterseite des Hansahauses, links sieht man die Vorkriegsbebauung. Die Straße hieß damals Judenbrunnen, heute verläuft an dieser Stelle ungefähr der Hanseatenweg.

Graben

Der „Graben“, nur eine der zahllosen, heute verschwundenen Gassen der Kasseler Altstadt. Heute steht an derselben Stelle das Hansahaus.

Brink, Weißer Hof

Geht man ein paar Meter zurück, steht man mitten auf dem Brink, einem zentralen und mit ältesten Platz des alten Kassel. Der „Weiße Hof“ (links) war ein platzprägendes Fachwerkgebäude. Immerhin erinnert der Straßenname an dieser Stelle noch daran.

Brink, Blick nach Westen in Pferdemarkt

Dieselbe Position, nur ist diesmal die Blickrichtung ein paar Meter nach rechts gedreht. Blick vom Brink in den Pferdemarkt vor 1943 und heute. Die historische Straße „Pferdemarkt“ verlief einige Meter südlicher versetzt als heute, daher ist an dieser Stelle heute nur ein Hinterhof.

Ausblick

Die Initiative „Altstadt Kassel 2030“

Seit einiger Zeit engagieren sich die Kasseler Architekten René Winkler und Mario Lang in der Initiative „Altstadt Kassel 2030“ für einen Umbau der Kasseler Altstadt. Sie wollen am Hansahaus ansetzen.

Da durch die weitgehende Schließung des Kasseler Hauptbahnhofes und die Verlegung des Fernverkehrs zum Bahnhof Wilhelmshöhe die Kurt-Schumacher-Straße als Zubringer zum Hauptbahnhof wenig frequentiert wird, schlagen die beiden Architekten vor, das Hansahaus abzureißen um in einem mehrschrittigen Prozess die komplette Umgebung kleinteiliger  wiederaufzubauen, unter Rückgriff auf die frühere, gewachsene Straßenstruktur. Dabei wird unter anderem die Teilrekonstruktion des „Brink“ sowie des „Gebrüder-Grimm-Hauses“ als Option vorgeschlagen. Bisher scheitern diese Bemühungen noch an den Eigentümern des Hansahauses, die das marode und defizitäre Gebäude trotzdem erhalten wollen.

Stadtbild Deutschland unterstützt die Pläne der Initiative ausdrücklich und bittet Mitglieder und Interessierte aus Kassel, sich der Initiative „Altstadt Kassel 2030“ anzuschließen! Nähere Informationen finden Sie bei Winkler Architekten.

Danke Herkules

Bisher nur Zukunftsmusik: Das Symbol Kassels, der „Herkules“ vom Schlosspark Wilhelmshöhe, steigt in die Stadt herab, um das Hansahaus anzuheben. Die wieder zum Leben erweckten Altstadthäuser des „Brink“ und der ehemals dort befindliche Brunnen bedanken sich bei ihm. Karikatur von Julia Schulz („WendySign“).