Dieser das Frankfurter Altstadtprojekt betreffende Artikel ist zwar schon ein Jahr alt, hat aber m.E. noch nicht die Resonanz gefunden, die er verdient; denn auf eine solche Meldung warten wir schon lange:
“Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) solle dafür sorgen, dass mehr als 17 Häuser auf dem Altstadt-Areal rekonstruiert werden dürfen. Mit diesem Appell wenden sich 31 potentielle Investoren in einem offenen Brief an das Stadtoberhaupt. Ihrer Meinung nach würde “moderne, aber auch ‘angepasste’ Architektur” den Wert des Gesamtensembles mindern. Zu den Unterzeichnern zählen der Immobilienunternehmer Erkin Köksal, der Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter Ottmar Herrmann und der Apfelweinkelterer Günter Possmann. Als Sprecher der Gruppe tritt ParfümeriebesitzerFrank Albrecht auf, der auch Präsident des Frankfurter Einzelhandelsverbans ist.”
Wenn das kein Durchbruch ist! 66 Jahre nach dem 2. Weltkrieg wagte zum ersten mal ein Einzelhandelsverband die Aussage, dass moderne Architektur gewissermaßen geschäftsschädigend sei. Mag es auch im Moment nicht so aussehen, dass sich solche Erkenntnisse in dem Frankfurter Wiederaufbauvorhaben durchsetzen, ist doch ein Meilenstein gesetzt. Endlich wird auch von maßgeblichen Wirtschaftsvertretern bestätigt, dass eine von möglichst wenig modernen Bauten beeinträchtigte Innenstadt Menschen von nah und fern anzieht, wovon alle profitieren, nicht zuletzt der Einzelhandel.
Damit sind wir einer architectura pro homine ein ganzes Stück näher gekommen. Dem selbstgefällig-elitären Insistieren auf der Moderne (oder was man dafür hält), das Architektenverbände und die gesamte Intelligenzia fortwährend zelebrieren, stehen nun auch handfeste Wirtschaftsinteressen entgegen. Das Gedeihen einer Stadt und das Wohlgefühl ihrer Bewohner und Gäste lassen sich in Zukunft nicht mehr separieren. Die Architektenschaft wird zu einem weiteren Lernschritt gezwungen.
Der gesamte Artikel: FAZ Rhein-Main 2.3.12
(Philoik.)
Zugegeben, so ganz frisch ist der Artikel nicht, dennoch habe ich bislang keine Äußerung entdeckt, die diese Tatsache thematisiert hätte. Aber das wird kommen. Wirtschaftliches Denken wird die Position des rigiden Modernismus zunehmend unterhöhlen; denn gegen monetär belegbare Tatsachen hat sich noch keine Ideologie lange behaupten können.
Gefaellt mir sehr die Seite. Gute Themenwahl.
Der Facebook Like Button wuerde sich gut auf der Seite machen, oder habe ich ihn uebersehen?