Unsere aufgeweckte Forumsgemeinde diskutiert momentan darüber, dass das von der Reko-Bewegung hart erkämpfte Potsdamer Stadtschloss im Innenhof durch ein ironisierendes Kunstwerk bereichert werden soll: Stadtschloss Potsdam Mag so etwas auch überflüssig sein wie ein Kropf, die “Kunst am Bau” ist gesetzlich vorgeschrieben, und dass der Staat mit dieser Selbstverpflichtung bildenden Künstlern unter die Arme greift, muss man nicht verkehrt finden. Dennoch wirft es Fragen auf.
Warum eigentlich hat es so etwas vor hundert/ zweihundert Jahren noch nicht gegeben? Die Antwort ist simpel: Weil Kunst und Bau damals noch nicht auseinandergefallen waren. Der Architekt verstand sich als Künstler, und er komplettierte seinWerk durch die Zusammenarbeit mit weiteren Künstlern (Malern, Bildhauern, Stuckateuren), um etwas zu schaffen, was die Seele des Menschen erhebt und begeistert. Die Tendenz zum Gesamtkunstwerk begleitete alles Bauen, das auf die festliche Überhöhung des Daseins, auf die Erziehung des Menschen durch Schönheit, auf das Einfühlen in einen auf die Welt des Absoluten verweisenden Formenkosmos abzielte.
Kein Wunder, dass nach dem Kulturbruch des 1. Weltkriegs zum ersten Mal die Forderung auftauchte, das aus der kosmischen Einbindung herausgefallene Bauschaffen durch “Kunst” zu bereichern. Es waren die Nationalsozialisten, die dieses Gesetz etablierten, das dann ins Nachkriegsdeutschland übernommen wurde und für die sattsam bekannte Tristesse aus provinziellen Kunstbemühungen vor nichtigen Bauklötzen sorgte.
Dieses Gesetz ist nicht so ohne weiteres wieder aus der Welt zu schaffen. Dennoch ist zu fordern, was schon vor Jahrzehnten von kritischen Beobachtern gefordert wurde: der für “Kunst am Bau” abgesonderte Geldbetrag müsste dem Architekten zukommen mit der Auflage, seinen Bau zum Kunstwerk hochzustufen. Denn was braucht der Mensch mehr, bronzenes Getier vor seinem Haus oder ein Haus, das, von Meisterhand gestaltet, seinem Leben Würde verleiht? Das Bewusstsein der Gegenwartsgesellschaft muss zu der Einsicht hin reifen, dass “Kunst am Bau” ein falsches, schon sprachlich gesehen kritikwürdiges Prinzip darstellt, und die bildenden Künstler mögen sich darüber Gedanken machen, welchen Beitrag sie leisten könnten, damit ein Bau Kunst wird.
(Philoik.)