Nicht nur Mitglieder von STADTBILD DEUTSCHLAND, nicht nur Vertreter anderer Initiativen, sondern auch Teilnehmer des APH-Forums, die nicht als S.D.-Mitglieder eingeschrieben sind, sind herzlich eingeladen zu dem Treffen von Rekonstruktions- und Stadtbildinitiativen am 15. Juni 2013 in Frankfurt/M.
Zeit: Samstag, 15. 6. 2013, ca. 11 – 17 Uhr
Ort: Gemeindehaus der evangelisch-lutherischen St. Paulsgemeinde, Römerberg 9
Das Treffen soll hauptsächlich dem gegenseitigen Kennenlernen, dem Erfahrungsaustausch und dem gemeinsamen Ringen um Handlungskonzepte dienen. Auch ein Rundgang durch die Frankfurter Altstadt ist vorgesehen.
Dies scheint eine beachtenswerte Hauptthese der (noch nicht einsehbaren) Dissertation unseres Schatzmeisters Philipp Maaß zu sein. Vor zwei Tagen hat er an der Dresdner Universität seine Arbeit erfolgreich verteidigt, wozu wir ihm von Herzen gratulieren, und er hat uns auch eine Zusammenfassung zur Verfügung gestellt, aus der ich einen Kernsatz zitieren möchte:
„Darum ist die Rekonstruktionsdebatte, anders als viele Autoren behaupten, nur sekundär als eine Identitätssuche in unseren ‚unsicheren Zeiten‘ der Globalisierung und Internationalisierung zu sehen, sondern sie ist in der heutigen Ausprägung das zwangsläufige Spiegelbild jener ‚Moderne‘, die sich von den architektonischen und städtebaulichen Traditionen der Jahrhunderte abwandte und mit der weitgehenden Zerstörung und Ausschlagung des tradierten Bauerbes einherging.“
Solche Thesen bis hin zu einer Infragestellung der Modernität einer Architekturpraxis mit dem „Anspruch nach ausschließlicher Dominanz von Abstraktion und Reduktion“ machen neugierig. Wir wünschen dieser Arbeit, dass sie auf ausgetretenen Meinungspfaden als Stein des Anstoßes wirken und festgefahrene scheinbare Selbstverständlichkeiten im Baubürokraten- und Architektenalltag aufweichen möge.
Die Zusammenfassung: Die moderne Rekonstruktion
(Philoik.)
So lautete der Titel eines aufrüttelnden Buches eines gewissen Rolf Keller aus den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Schon damals war jedem Zeitgenossen hinreichend klar, dass mit diesem Titel natürlich nicht die unvermeidliche Naturbeeinträchtigung angeprangert wurde, die der Mensch mit seiner Ausbreitung auf der Erdoberfläche verursacht, sondern das zerstörerische Vorgehen der Moderne, die aus einer gewalttätigen und technizistischen Geisteshaltung heraus weltweit Stadt und Landschaft expansiv überzieht.
Wir wissen, dass kein „grüner“ Protest seither dieses Vorgehen dämpfen konnte – im Gegenteil. Wo nicht Gewerbebauten, Kraftwerke, Verladeanlagen und dergleichen die Landschaft unter sich begraben, da sorgt inzwischen eine sich funktionalistisch-technizistisch gebärdende Architektur dafür, dass in Deutschland tendenziell auch das letzte landschaftliche Idyll brutal mit einer Kistenbauweise konfrontiert wird, die so rigide durchgezogen wird, als würde sie von den Kunstwächtern eines Despoten kontrolliert.
Wieder einmal hat sich Stephan Riedel im Namen von Stadtbild Deutschland in einem Beispielfall dieser Entwicklung entgegengestellt. Das, was heutzutage den letzten ländlichen Winkel Deutschlands bedroht, die Anreicherung durch Bauformen, welche die Identität des Ortes ignorieren, soll auch in St. Emmeram in München, einem etwas verträumt gelegenen nordöstlichen Außenbezirk dörflichen Charakters an der Isar durchgesetzt werden.
Ein von Stephan Riedel lancierter kurzer Artikel der SZ vom 8.5. behandelt den Fall.

(Philoik.)
Braucht eine Metropole – und eine solche möchte Berlin doch werden – wirklich einen Plan?
Etta Ehlers empfiehlt uns einen Artikel in der WELT von heute, in dem Dankwart Guratzsch aufs Korn nimmt, wie sich die Berliner Planungsbehörde 23 Jahre nach der Wiedervereinigung noch immer so tumb gebärdet wie in den ersten Jahren des hauptstädtischen Laufen-Lernens. „Berlin braucht einen Plan“ ist die neueste Devise des Stadtentwicklungssenators Michael Müller, und die Diskutanten stehen schon in den Startlöchern, um in Workshop-Marathons sich aufs neue die Köpfe heiß zu reden über Zukunftsmodelle dieser Stadt, die sich als Hauptstadt der Deutschen herausgefordert fühlt, jenes von Hölderlin dem Deutschen zuerkannte Charakteristikum „tatenarm aber gedankenvoll“ peinlich genau zu erfüllen.
Das hat Berlin gerade noch gefehlt, ein weiteres Jahrzehnt, in dem Kongresse, Workshops, Arbeitsgruppen, ein neues „Stadtforum“ gar sich gegenseitig mit wohlformulierten Arbeitspapieren und elitärer Architekten-Prosa zu überbieten versuchen werden. Warum tut man nicht endlich und einfach das vor der Hand liegende? Warum muss sich die Attraktivität dieser Stadt in wenigen angesagten und überlaufenen Quartieren wie Prenzlauer Berg, Kreuzberg, Charlottenburg erschöpfen? Warum ist man nicht bereit, sich von den Weltmetropolen abzuschauen, was eine funktionierende Hauptstadt von großer Strahlkraft ausmacht? Warum muss es noch immer Stadtviertel von ausgemachter Schäbigkeit und Trostlosigkeit geben, während auf einstigen Brachen wie an der Heidestraße sich das Architekten-Establishment im Präsentieren schimmernder Klötze austoben darf?
Dabei stehen die Zeichen in manchen Stadtgegenden gar nicht schlecht. Diese veredeln sich zusehends mit wohlklingend betitelten und architektonisch ambitionierten Wohnresidenzen, während andere Stadtviertel für den Investoren-Blick einfach nicht existent sind und zunehmend verludern. Wenn Berlin an einem Plan genesen könnte, dann an demjenigen, die in Jahrzehnten dem Planerinteresse abhanden gekommene gigantisch ausgedehnte Gründerzeitstadt wieder in den Fokus zu nehmen und systematisch aufzuwerten – nicht nur funktional, sondern auch ästhetisch, denn nur so lockt man die Menschen. Da ist so unglaublich viel zu tun, dass sich alles Reflektieren erübrigt. Statt zu Diskussionsveranstaltungen sollte der Senator zu Ortsterminen einladen.
Der Artikel: Nicht ganz Berlin kann am Prenzlberg wohnen
Endlich kann das JAHRBUCH 2012 – STADTBILD DEUTSCHLAND über den Buchhandel (auch Internetbuchhandel) bezogen werden. Es enthält Artikel über Dresden, Darmstadt, München, Leipzig, Halle, Mainz und Berlin:
Titel: Neue Stadtbaukultur – Jahrbuch 2012 – Stadtbild Deutschland
Herausgeber: Harald Streck
Verlag: BoD
ISBN 978-3-7322-3505-6
100 Seiten, 24,- €
In E-Book-Shops ist das Jahrbuch als E-Book für 12,99 € erhältlich.
ISBN 9783848294763
(Philoik.)
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