So lautete der Titel eines aufrüttelnden Buches eines gewissen Rolf Keller aus den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Schon damals war jedem Zeitgenossen hinreichend klar, dass mit diesem Titel natürlich nicht die unvermeidliche Naturbeeinträchtigung angeprangert wurde, die der Mensch mit seiner Ausbreitung auf der Erdoberfläche verursacht, sondern das zerstörerische Vorgehen der Moderne, die aus einer gewalttätigen und technizistischen Geisteshaltung heraus weltweit Stadt und Landschaft expansiv überzieht.
Wir wissen, dass kein „grüner“ Protest seither dieses Vorgehen dämpfen konnte – im Gegenteil. Wo nicht Gewerbebauten, Kraftwerke, Verladeanlagen und dergleichen die Landschaft unter sich begraben, da sorgt inzwischen eine sich funktionalistisch-technizistisch gebärdende Architektur dafür, dass in Deutschland tendenziell auch das letzte landschaftliche Idyll brutal mit einer Kistenbauweise konfrontiert wird, die so rigide durchgezogen wird, als würde sie von den Kunstwächtern eines Despoten kontrolliert.
Wieder einmal hat sich Stephan Riedel im Namen von Stadtbild Deutschland in einem Beispielfall dieser Entwicklung entgegengestellt. Das, was heutzutage den letzten ländlichen Winkel Deutschlands bedroht, die Anreicherung durch Bauformen, welche die Identität des Ortes ignorieren, soll auch in St. Emmeram in München, einem etwas verträumt gelegenen nordöstlichen Außenbezirk dörflichen Charakters an der Isar durchgesetzt werden.
Ein von Stephan Riedel lancierter kurzer Artikel der SZ vom 8.5. behandelt den Fall.

(Philoik.)
Braucht eine Metropole – und eine solche möchte Berlin doch werden – wirklich einen Plan?
Etta Ehlers empfiehlt uns einen Artikel in der WELT von heute, in dem Dankwart Guratzsch aufs Korn nimmt, wie sich die Berliner Planungsbehörde 23 Jahre nach der Wiedervereinigung noch immer so tumb gebärdet wie in den ersten Jahren des hauptstädtischen Laufen-Lernens. „Berlin braucht einen Plan“ ist die neueste Devise des Stadtentwicklungssenators Michael Müller, und die Diskutanten stehen schon in den Startlöchern, um in Workshop-Marathons sich aufs neue die Köpfe heiß zu reden über Zukunftsmodelle dieser Stadt, die sich als Hauptstadt der Deutschen herausgefordert fühlt, jenes von Hölderlin dem Deutschen zuerkannte Charakteristikum „tatenarm aber gedankenvoll“ peinlich genau zu erfüllen.
Das hat Berlin gerade noch gefehlt, ein weiteres Jahrzehnt, in dem Kongresse, Workshops, Arbeitsgruppen, ein neues „Stadtforum“ gar sich gegenseitig mit wohlformulierten Arbeitspapieren und elitärer Architekten-Prosa zu überbieten versuchen werden. Warum tut man nicht endlich und einfach das vor der Hand liegende? Warum muss sich die Attraktivität dieser Stadt in wenigen angesagten und überlaufenen Quartieren wie Prenzlauer Berg, Kreuzberg, Charlottenburg erschöpfen? Warum ist man nicht bereit, sich von den Weltmetropolen abzuschauen, was eine funktionierende Hauptstadt von großer Strahlkraft ausmacht? Warum muss es noch immer Stadtviertel von ausgemachter Schäbigkeit und Trostlosigkeit geben, während auf einstigen Brachen wie an der Heidestraße sich das Architekten-Establishment im Präsentieren schimmernder Klötze austoben darf?
Dabei stehen die Zeichen in manchen Stadtgegenden gar nicht schlecht. Diese veredeln sich zusehends mit wohlklingend betitelten und architektonisch ambitionierten Wohnresidenzen, während andere Stadtviertel für den Investoren-Blick einfach nicht existent sind und zunehmend verludern. Wenn Berlin an einem Plan genesen könnte, dann an demjenigen, die in Jahrzehnten dem Planerinteresse abhanden gekommene gigantisch ausgedehnte Gründerzeitstadt wieder in den Fokus zu nehmen und systematisch aufzuwerten – nicht nur funktional, sondern auch ästhetisch, denn nur so lockt man die Menschen. Da ist so unglaublich viel zu tun, dass sich alles Reflektieren erübrigt. Statt zu Diskussionsveranstaltungen sollte der Senator zu Ortsterminen einladen.
Der Artikel: Nicht ganz Berlin kann am Prenzlberg wohnen
“Zum zweiten Mal innerhalb eines guten halben Jahrhunderts lässt sich die Stuttgarter Stadtbaupolitik dazu hinreißen, die Flucht nach vorn anzutreten, jede Menge unerledigte Geschichte(n) als städtebaulichen Abraum liegen zu lassen und einer verheißungsvoll schillernden neuen Identität nachzujagen.”
Dies bezieht sich auf die Stuttgart-21–Problematik, und mit diesen Worten beginnt mein Beitrag in dem Sammelband “Die entzauberte Stadt – Plädoyer gegen die Selbstzerstörung”, den der streitbare Architekt Roland Ostertag vor drei Jahren im Peter-Grohmann-Verlag herausgebracht hat.
Dieser Tage machte uns Forumsmitglied “Zeitlos” auf einen aktuellen Artikel von Roland Ostertag in der Tageszeitung “Schwarzwälder Bote” aufmerksam, der wiederum die Stuttgart-Problematik umreißt und uns das Exemplarische der Grundsatzfragen über die Entwicklung dieser Stadt zum Bewusstsein bringt:
Roland Ostertag, “Die Stadt als Spiegel der Welt”
Da dieser Artikel teilweise in Duktus und Formulierungen auf eine sechs Jahre alte sehr detaillierte Arbeit von mir Bezug nimmt, sei auch diese (bis jetzt nicht im Druck erschienene) Arbeit hier vorgestellt und dem an Stadtentwicklungsfragen Interessierten zur Lektüre empfohlen:
Die festgefahrene Stadt (Harald Streck)
Ich habe diese Arbeit vor Jahren allen Mitgliedern des Bauausschusses des Stuttgarter Gemeinderats zukommen lassen, ohne irgendeine Rückmeldung zu erhalten. Allerdings war das nicht verwunderlich; denn ich habe durch Jahrzehnte hin beobachtet, dass Fragen der Stadtgestaltung in Stuttgart weder von der Politik und Verwaltung, noch von den Medien, noch von Bürgerinitiativen nachhaltig thematisiert werden.
(Philoik.)
Es gehörte ja eine Zeitlang in deutschen Intellektuellenkreisen zum guten Ton, das Wiederaufbaugeschehen in Berlin nach der Wende mit Kritik und Häme zu überziehen, selbst wenn man damit international renomierte Architekten wie Renzo Piano oder Helmut Jahn abwatschte. Selbst die Nazi-Keule wurde zuweilen aus dem Arsenal geholt, um Hans Stimmann zu zeigen, was von den Ergebnissen seiner “kritischen Rekonstruktion” zu halten sei. Dabei übersah man geflissentlich, dass dieser zweite Berliner Wiederaufbau um Längen besser geriet als alles, was vierzig Nachkriegsjahre lang in deutschen Städten in West und Ost geleistet worden war.
Aber das ist Schnee von gestern. Resümieren wir heute, was bisher im “neuen Berlin” geschaffen wurde, so ist unübersehbar, dass alles Qualitätsstreben fortwährend an die Grenzen stößt, welche die gängige asketische Moderne unerbittlich vorhält. Es erweist sich stets aufs neue, dass diese Architekturrichtung lediglich dazu taugt, in einem historisch geprägten Umfeld hier und da einen Überraschungsakzent zu setzen, niemals aber dazu, ein ganzes Stadtquartier mit ästhetischer Substanz zu füllen. Selbst ambitionierte Nachkriegsinnenstädte wie die von Düsseldorf bezeugen die Dürftigkeit und Blutleere ausnahmlos modernen Bauens.
Wenn irgendwo in Deutschland, dann ist am ehesten in Berlin der Impuls zu beobachten, bei der Bebauung ausgedehnter Brachflächen endlich die Grenzen der kargen Moderne zu durchstoßen. Zumal die Flächen des ehemaligen Mauerstreifens südlich des Spittelmarkts entwickeln sich nach und nach zu einem Demonstrationsquartier für innerstädtisches Bauen, das dem Bedürfnis des Menschen, sich in einem visuell anregenden städtischen Umfeld zu beheimaten, Rechnung trägt. Nach Fertigstellung des Projekts “Wohnen am Spittelmarkt” nach Entwürfen der noch wenig bekannten Architekten Claus Neumann, Gregor Fuchshuber und Bernd Faskel (Foto oben) sind weitere Wohnbauten von Stephan Höhne, Marc Kocher und den Brüdern Patzschke zu erwarten. Es darf mit Durchbrüchen zu neuen Dimensionen von Stadtbaukultur gerechnet werden.
Bildquelle: Architekturbüro Patzschke u. Partner/LAGRANDE Management GmbH
(Philoik.)
“Deutsch sein heißt, eine Sache um ihrer selbst willen tun.” An dieses angestaubte Diktum Richard Wagners gemahnt die staatlich subventionierte Emsigkeit, mit der z.Zt. Werken der Architektur in Deutschland der Garaus gemacht wird. Es ist die dritte derartige Welle. Die erste – ideologisch motivierte – vollzog sich im Stuckabschlagen und im Abräumen der traditionellen Stadt nach dem Krieg; die zweite – pragmatisch orientierte – überzog das Land mit Eternitfassaden und anderen Modernisierungsscheußlichkeiten aus dem Baumarkt; die dritte – ökologisch motivierte – lässt das Architektonische hinter fetten Styropor-Putz-Umhüllungen verschwinden. Niemand außer ein paar Architekten und Denkmalpflegern wird überhaupt gewahr, was da geschieht, da Architektur für den gemeinen Deutschen praktisch nicht existent ist.
Aber es geht ja nicht “nur” um die Architektur. Auch rein materiell gesehen sind die Zerstörungspotentiale, die sich der dämmende Hausbesitzer an sein Eigentum klebt, enorm. Wenn nicht zuvor ein Wohnungsbrand die Schaumstoff-Fassade abgefackelt hat, muss unter Umständen schon nach drei Jahren wegen Algenbefalls der unappetitlich gewordene Fassadenpelz wieder heruntegeholt werden. Dann aber werden auch die von Feuchtigkeit und Schimmel angegriffenen Hauswände nicht mehr viel wert sein. Dann begreift auch der unbedarfteste Hausbesitzer, dass ihm mit ökologischen Vorwänden das Geld aus der Tasche gezogen wurde.
Denn worin besteht der ökologische Gewinn, wenn durch Jahrzehnte hindurch gigantische Mengen des Erdölprodukts Polystyrol erzeugt, zugleich ebenso gigantische Mengen algenverseuchten und mit Kleber verunreinigten Schaumstoffs entsorgt werden müssen und obendrein permanent die Biocide aus dem algenabwehrenden Verputz ins Erdreich gewaschen werden? Und das alles für eine Heizkosteneinsparung von 10 – 15 % (laut Fachleuten)!
Der Vorgang ist alarmierend, und jeder von uns ist aufgefordert, aufklärend diesem kulturellen und ökologischen Verhängnis entgegenzutreten. Auch in unserem Forum wird in dem Strang “Artikel zum Dämmwahn in Deutschland” deutlich gemacht, dass die Medien in dieser Sache ihre Wächteraufgabe erkannt haben. Insbesondere ein Beitrag des NDR bietet sich an, von uns als Multiplikatoren an möglichst viele Bekannte verlinkt zu werden:
(Philoik.)


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