So lautete der Titel eines aufrüttelnden Buches eines gewissen Rolf Keller aus den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Schon damals war jedem Zeitgenossen hinreichend klar, dass mit diesem Titel natürlich nicht die unvermeidliche Naturbeeinträchtigung angeprangert wurde, die der Mensch mit seiner Ausbreitung auf der Erdoberfläche verursacht, sondern das zerstörerische Vorgehen der Moderne, die aus einer gewalttätigen und technizistischen Geisteshaltung heraus weltweit Stadt und Landschaft expansiv überzieht.
Wir wissen, dass kein „grüner“ Protest seither dieses Vorgehen dämpfen konnte – im Gegenteil. Wo nicht Gewerbebauten, Kraftwerke, Verladeanlagen und dergleichen die Landschaft unter sich begraben, da sorgt inzwischen eine sich funktionalistisch-technizistisch gebärdende Architektur dafür, dass in Deutschland tendenziell auch das letzte landschaftliche Idyll brutal mit einer Kistenbauweise konfrontiert wird, die so rigide durchgezogen wird, als würde sie von den Kunstwächtern eines Despoten kontrolliert.
Wieder einmal hat sich Stephan Riedel im Namen von Stadtbild Deutschland in einem Beispielfall dieser Entwicklung entgegengestellt. Das, was heutzutage den letzten ländlichen Winkel Deutschlands bedroht, die Anreicherung durch Bauformen, welche die Identität des Ortes ignorieren, soll auch in St. Emmeram in München, einem etwas verträumt gelegenen nordöstlichen Außenbezirk dörflichen Charakters an der Isar durchgesetzt werden.
Ein von Stephan Riedel lancierter kurzer Artikel der SZ vom 8.5. behandelt den Fall.

(Philoik.)
So lautet der Titel einer lesenswerten Abhandlung über die Kriegszerstörungen deutscher Städte am Beispiel Hamburg von Jörn Düwel und Niels Gutschow, die hier erhältlich ist.
Hier wird wieder einmal herausgearbeitet, wie sehr die an sich schon gigantischen Zerstörungen durch alliierte Bomberflotten ins Unfassbare ausgeweitet wurden durch eine schon im Nazideutschland vorherrschende und nach 1945 gefestigte Bewusstseinslage in der deutschen Bevölkerung und zumal in Planerkreisen, wonach dieser Krieg als ein letztlich willkommener Vernichtungsschlag gegen die alte Stadt mit ihren Fehlentwicklungen und eine Freisetzung des Neuen zu werten war. Die Deutschen hatten sich nicht nur „anästhesiert“ (W. G. Sebald) gegen den Anblick der Trümmerlandschaften, in tieferer Seelenlage wurde dieser Schicksalseingriff in die deutsche Stadtkultur sogar begrüßt, und umso bedenkenloser wurden die stehengebliebenen Torsi und Erinnerungen an die gewesene Stadt in einem gewaltigen Aufräumakt beseitigt.
Mag auch die trotzige, vom „Führer“ vorgegebene Zuversicht („die zerstörten Städte werden schöner als zuvor wiedererstehen“) weithin eine Schutzhaltung gewesen sein, um gegenüber dem Ausmaß der Vernichtung nicht den Verstand zu verlieren – die Lektüre dieses Buchs macht doch deutlich, dass das Schicksal der deutschen Stadt im 20. Jh. durch drei Faktoren bestimmt war: 1. durch die Vernichtungsorgie der alliierten Bomberverbände, 2. durch den nationalsozialistischen Impuls, anstelle der als überholt angesehenen „chaotischen“ Stadtgebilde einer dekadenten Großstadtzivilisation aus der Kraft der „Volksgemeinschaft“ heraus eine „planvolle klare Ordnung“, einen „zellenförmigen Aufbau der Stadt in bewusster Anlehnung an die politische Gliederung unseres Volkes“ zu errichten, und 3. durch den nach 1945 aufkommenden Geschichtshass, das Bedürfnis, möglichst alle materiellen Anknüpfungspunkte an das Gestern aus dem Blick zu bekommen und sich statt dessen auf die funktional ausgerichtete Modernität des verkehrsorientierten Stadtbaus zu konzentrieren.
(Philoik.)
In welchem Ausmaß der Kotau vor der Wissenschaft heutzutage die Stelle einstiger Ehrfurcht vor dem Göttlichen eingenommen hat, ist bekannt. Peinlich aber wird diese Wissenschaftsgläubigkeit, wo sie von Pseudowissenschaften eingesetzt wird, um Machtanspruch und Deutungshoheit gegen die Öffentlichkeit durchzusetzen. Gerne übten wir Nachsicht mit den Willkürlichkeiten einer Denkmalbehörde, die sich als eine mit Irrtum und Scheitern vertraute Verwaltungsbehörde verstand; seitdem jedoch die Denkmalpflege als (angeblich von Georg Dehio begründete) „wissenschaftliche Denkmalpflege“ einen Unfehlbarkeitsanspruch vor sich herträgt, ist Wachheit und Widerstand geboten.
Stephan Riedel verweist uns auf einen Artikel in der „Fuldaer Zeitung“ von gestern, wonach das Landesamt für Denkmalpflege nach gründlicher Prüfung einem Bürocontainer der Wiederaufbauzeit in der Fuldaer Innenstadt schließlich doch den Denkmalstatus zuerkannte. Stadtbevölkerung und potentielle Käufer sind in Aufruhr, wenn auch aus gegensätzlichen Gründen, und die Stadtbaurätin, die den Kasten keineswegs als ein „Gebäude zum Liebhaben und Schönfinden“ wertet, lässt sich so vernehmen: „Wenn es wissenschaftlich bewiesen ist, dass die Immobilie ein Denkmal ist, dann muss man das akzeptieren.“
Ja, warum streiten wir uns überhaupt noch über Fragen der Stadtentwicklung, wo es doch eine Behörde gibt, in der kompetente Wissenschaftler die Prüfinstrumente bereithalten, um den Wert eines jeden Bauwerks, jeder Platzanlage, jeder Straßenführung festzusetzen? Das mag zwar nach Selbstentmündigung aussehen, aber wenn selbst Stadtbauräte ihre Urteilskompetenz bei der Denkmalbehörde in den Briefschlitz werfen…. Nun, Ironie beiseite! Die Denkmalpflege läuft Gefahr, ihre Reputation endgültig zu verspielen, und wir sind aufgerufen, den von den Leserkommentaren schon angefachten Proteststurm am Toben zu halten.
Der Artikel: Das Telekom-Gebäude ist ein Denkmal
(Philoik.)
Warum nur hat sich München, die so glanzvolle wie bodenständige Bastion traditionsbezogenen Wiederaufbaus, der Wiederherstellung kompletter Prachtstraßen, die “heimliche Hauptstadt” der Bonner Republik, weitgehend aus der Wahrnehmung stadtbild-engagierter Menschen davongemacht? Weil eben dieses München auch unerhörte Schätze historischer Bausubstanz preisgegeben und durch stadtbildprägende Halden von Wiederaufbauschrott ersetzt hat, ohne dass sich seit Jahrzehnten auch nur ein Finger dafür krümmen würde, hier oder da eine Korrektur vorzunehmen.
Eins unserer Mitglieder, Herr Stephan Riedel, Rechtsanwalt in München, tritt nun für die Ehrenrettung seiner Heimatstadt ein. Er ist dabei, unter medialer Aufmerksamkeit Sponsoren dafür zu gewinnen, dass entstuckte Bürgerhäuser einer Fassadenrekonstruktion unterzogen werden. Er will die Öffentlichkeit für das Phänomen sensibilisieren, dass sich hinter glatten Münchner Nachkriegsfassaden oftmals bauhistorische Kostbarkeiten verbergen, die sogar unter Denkmalschutz (!) stehen. Hier tun sich natürlich Abgründe stadtbaugeschichtlicher Ignoranz im Nachkriegs-München auf; denn es handelt sich zumeist nicht einmal um Gründerzeitfassaden, sondern – etwa im Gärtnerplatzviertel – um spätklassizistische Häuser, die nur wenige Jahre nach der Maximilianstraße entstanden sind und für die damals ebensowenig Wertschätzung bestand wie für die zahlreichen ruinösen Barock– und Rokokobauten, die verschwinden mussten.
Unterstützen wir Stephan Riedel auf jede denkbare Weise! Er zeigt uns an einem Beispiel, worum es geht. Klicken Sie in diesem Link auf “Sanierung” oder “Sanierung im Gärtnerplatzviertel”:
Fassadenrekonstruktion in München
(Philoik.)
Was vor einem halben Jahrhundert in westdeutschen Städten und Dörfern bedenkenlos praktiziert wurde, Abriss, Modernisierung, Durchgrünung, passiert heute, von der Öffentlichkeit kaum registriert, inmitten des kulturgetränkten sächsisch-anhaltisch-thüringischen Kernlandes.
Ein Bürger aus der Region hat uns einen Film des MDR über die Mittelstadt Zeitz übermittelt, wo eine schrumpfende Stadtbürgerschaft anscheinend keine andere Methode städtebaulicher Problembewältigung mehr sieht als die zunehmende Perforierung einer geschlossen erhaltenen Altstadt voller Baudenkmäler aus Barockzeit und Renaissance. In wachsendem Ausmaß werden leerstehende und sanierungsbedürftige Häuser einfach niedergelegt, werden Lücken zwischen Brandmauern begrünt, und der Bürgermeister spricht allen Ernstes von “grünen Oasen”, welche die baulichen Verluste kompensieren sollen.
Natürlich bringen Bevölkerungsschwund und demographischer Wandel gewaltige Anpassungsprobleme vor allem über ländlich geprägte Regionen der einstigen DDR. Solange aber wie in Zeitz parallel zur Altstadtauflösung Plattenbauten saniert und für kommende Generationen konserviert werden, ist höchste Alarmstufe gegeben. Zu groß sind die Verluste an gebauter kultureller Substanz, die Deutschland im 20. Jahrhundert erleiden musste, als dass wir solchen Kurzschlusshandlungen schweigend zusehen dürften. Was beispielsweise in Görlitz geleistet wurde und wird – um von den mittlerweile wieder wachsenden größeren Städten abzusehen – muss auch in Zeitz und anderswo ermöglicht werden. Es ist letztlich eine Bewusstseinsaufgabe, und auch wir sind gefordert.
(Philoik.)
Letzte Kommentare