Freiburg im Breisgau ist eine badische Großstadt mit rund 230 000 Einwohnern und ist am westlichen Rande des Schwarzwaldes gelegen. Die überregional bekannte Altstadt, die noch immer lebendige Mitte der Stadt ist, verdankt ihre Aufteilung noch der Planung der zähringer Stadtgründer im 12. Jahrhundert und ist im Wesentlichen seitdem unverändert. Ihre charakteristische Form mit den zwei gekreuzten Hauptstraßen und verwinkelten Gassen steht als Flächendenkmal unter Schutz.

Im zweiten Weltkrieg wurden rund 80% der Bauten in der Altstadt zerstört. Eine weitere Hälfte dessen, was den Krieg überstand wurde der vermeintlichen Modernisierung geopfert. Somit sind lediglich noch 10% der Bauten in der Altstadt Originale. Dass diese dennoch ihren Charakter einigermaßen erhalten hat, verdankt sie der schon beschriebenen Beibehaltung des historischen Straßenrasters. Während in anderen Städten breite Straßen durch die Bebauung der Altstädte geschlagen wurden, hat man sich in Freiburg für den Bau eines schon in der Vorkriegszeit angedachten Schnellstraßenrings um die Altstadt entschieden. Weiterhin wurden viele Gebäude in ihrer Architektur und Kubatur der ursprünglichen Bebauung angepasst und teilweise nach und nach wiederhergestellt.

Im direkten Vergleich fällt dennoch auf, dass die Nachkriegsbebauung und deren Nachfolgerbauten nicht an die bauliche Qualität und Pracht herankam der vorigen Bebauung herankommt. Dies zeigt sich etwa auf der folgenden Vergleichsansicht des Freiburger Bertoldsbrunnens, der inmitten der Altstadt liegt. Insbesondere weisen viele Nachkriegsbauten weniger Geschosse auf, was im Hinblick auf die stark angespannte Wohnungsmarktsituation als problematisch zu werten ist.

Ein weiterer baulicher Bezugspunkt ist das Freiburger Stadttheater, mit dessen Bau 1905 am Rande der Altstadt auf den Resten der Vauban’schen Stadtbefestigung begonnen wurde. Nach 5 Jahren Bauzeit wurde der prachtvolle Bau schließlich feierlich eröffnet. Während es bereits im ersten Weltkrieg leicht beschädigt wurde, überlebten nur die Außenmauern und Fassaden den Zweiten Weltkrieg. 1946 wurde mit dem in erheblich vereinfachter Form geplanten Wiederaufbau begonnen. Bereits 1949 konnten wieder Vorstellungen darin stattfinden. Als 1962 weiterer Platz benötigt wurde, sahen einige moderne Architekten endlich die Gelegenheit, den großen Jugendstilgiebel an der Frontfassade abzureißen. Ein Ersatz wurde nicht geplant.

Mit den weitreichenden Umbauten der Nachkriegszeit und der aktuell in Bau befindlichen Umgestaltung des Rotteckrings wird auch das Umfeld auf absehbare Zeit nicht wieder jene Parkatmosphäre verströmen, die es einst besaß. Stattdessen folgt die Bauverwaltung dem vermeintlich neuesten Schrei der Platzgestaltung und schafft ringsum große, karge Platzflächen, die teils in schwarz, teils in weiß gepflastert werden.

Direkt neben dem Stadttheater befindet sich die 2014 eröffnete neue Universitätsbibliothek und reiht sich damit in die kurzlebigen Gebäude, welche diesen Namen an dieser Stelle tragen. Der Vorgängerbau wurde 1978 der neuesten Mode nach in Sichtbetonoptik errichtet und war wegen seiner Wuchtigkeit und seiner dunklen Arkade ringsum wenig beliebt. Nach etwas über 30 Nutzungsjahren war er bereits so veraltet, dass er bis auf wenige Teile abgerissen und durch den aktuellen Bau ersetzt werden musste.

Der bis 1972 an dieser Stelle befindliche Bau des Rotteck-Gymnasiums war das Gegenstück zur Schmuckfassade der gegenüberliegenden Universität. Es überstand den Krieg mit einigem Schaden, wurde jedoch wieder in den historischen Mauern aufgebaut und bereits 1951 konnte der Unterrichtsbetrieb wieder aufgenommen werden. Mit dem Expansionskurs der Freiburger Universität beginnt auch die Suche nach einem Gelände für einen Neubau der Universitätsbibliothek. Bald schon einigt man sich darauf, dass das Gelände des Rotteck-Gymnasiums geeignet ist und beschließt den rechtlichen Rahmen des Abrisses, der 1966 steht.

Durch eine zunehmend kritischere Öffentlichkeit kann der Abriß jedoch nicht wie gewünscht vonstatten gehen. Bürgerinnen und Bürger fordern den Erhalt der historischen Bausubstanz und fordern einen Kompromiss. Dieser scheint 1970 nach zähen Verhandlungen endlich gefunden. Diesem widersetzt man sich jedoch von Seiten der Bauverwaltung und das Gebäude wird 1972, knapp 100 nach Eröffnung,  komplett abgerissen. Trotz viel Selbstlob hat die vermeintlich langfristige Lösung des Nachfolgebaus kaum 30 Jahre ihren Dienst getan. Auch am 2014 errichten Bau gibt es bereits wieder erhebliche Schäden. Neben einem undichten Dach, das die Nutzung der obersten Etage zeitweilig unmöglich machte, ist auch der Boden im Erdgeschoß durchgebrochen. Und schließlich hat der Architekt bei der Planung offenbar nicht bedacht, dass Glas mitunter Sonnenlicht reflektiert. Eine über Teile der Frontfassade gezogene Stoffplane verhindert nun behelfsweise, dass Autofahrer und Radfahrer im Verkehr geblendet werden.

Insofern bleibt abzuwarten, inwieweit der aktuelle Bau den Bedürfnissen der Zukunft gerecht wird. Man kann aber annehmen, dass die Konstruktion, die deutlich weniger massiv als der Vorgänger ausgeführt ist, keine 30 Jahre mehr schaffen wird.

Der folgende Bildvergleich zeigt die 2014 eröffnete Universitätsbibliothek (links) und die Situation um das Rotteck-Gymnasium 1956 (rechts).

Die Bildvergleiche wurden mit freundlicher Genehmigung von unserem lokalen Partner Future History zur Verfügung gestellt. Hier kommen Sie zum Webauftritt und können selbst Freiburgs historische Perspektiven am Rechner oder mobil erkunden.

Wenn Sie Interesse an der Tätigkeit von Stadtbild Deutschland e.V. vor Ort haben, dann können sie unseren dortigen Ortsverband kontaktieren unter suedbaden@stadtbild-deutschland.org.

Wenn Sie Freiburg vor Ort kennenlernen möchten, können wir außerdem unseren lokalen Stadtführerverband Vistatour Freiburg e.V. herzlich empfehlen. Der Verein arbeitet gemeinnützig und bietet Ihnen spannende Führungen und Bildervorträge vor Ort an. Hier kommen Sie zur Website.

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