Kassels Altstadt war wie viele deutsche Städte vor dem 2. Weltkrieg geprägt von dichtbebautem Fachwerk in der zentralen Altstadt, barock überformt sowie gründerzeitlicher Bebauung in der Peripherie und natürlich dem repräsentativen Schlosspark Wilhelmshöhe. Verhältnismäßig früh wurde Kassels Altstadt schon am 22. Oktober 1943 Ziel eines massiven Luftangriffs, der großflächige Zerstörungen anrichtete. Beim Wiederaufbau wurde in einer für westdeutsche Städte beispiellosen Weise der historisch gewachsene Stadtgrundriss aufgegeben und die Innenstadt ganz im „modernen“ Stil der 50er und 60er Jahre bebaut. Im direkten Zentrum Kassels sind nur noch wenige Reste der früheren historischen Bedeutung der Stadt zu erkennen, wie etwa der Druselturm, der Renthof, die Ruine des Zeughauses, die Markthalle oder die Martinskirche.

Zu erwähnen ist, dass Kassel mit der Treppenstraße 1953 die erste Fußgängerzone Westdeutschlands bekam. Im Film „Rosen für den Staatsanwalt“ von 1959 wurde die damals noch frisch aufgebaute neue Innenstadt Kassels als Filmkulisse benutzt. Somit ist die 50er Jahre Bebauung bereits selbst ein Teil der Stadtbaukultur geworden und noch heute atmet diese Innenstadt vielerorts den stark abgeblätterten Charme der 50er Jahre.

Wie kann Kassels Stadtbild verbessert werden?

Unbestritten ist in Kassel, dass der Gesamteindruck der Innenstadt verbesserungswürdig ist. Die Innenstadt wird vielerorts als wenig attraktiv empfunden und nicht wenige trauern dem verlorenen historischen Stadtbild noch immer nach.
Unserer Meinung nach liegt das an den Fehlern, die beim Wiederaufbau gemacht worden sind, an den relativ monotonen Fassaden und einer überdimensionierten Bauweise, die Kleinteiligkeit und Abwechslung vermissen lässt.
Anschaulich deutlich wird dies z.B. beim „Hansahaus“, einem langgezogenen Verwaltungsbau an der Kurt-Schumacher-Straße, der kaum noch genutzt wird und in die Jahre gekommen ist. Stellt man die heutige Situation aber erst mit der Vorkriegssituation gegenüber, wird der Verlust an Stadtraumqualität besonders deutlich.

Zwei Fotos, dieselbe Position, ca. 100 Jahre dazwischen. Rechts die Hinterseite des Hansahauses, links sieht man die Vorkriegsbebauung. Die Straße hieß damals Judenbrunnen, heute verläuft an dieser Stelle ungefähr der Hanseatenweg.

Der „Graben“, nur eine der zahllosen, heute verschwundenen Gassen der Kasseler Altstadt, Ecke Hohethorstraße. Heute steht an derselben Stelle das Hansahaus.

Dieselbe Stelle, nur etwas veränderter Blickwinkel.

Der ehemalige Graben, von der anderen Seite aus betrachtet.

Geht man ein paar Meter zurück, steht man mitten auf dem Brink, einem zentralen und mit ältesten Platz des alten Kassel. Der „Weiße Hof“ (links) war ein platzprägendes Fachwerkgebäude. Immerhin erinnert der Straßenname an dieser Stelle noch daran.

Dieselbe Position, nur ist diesmal die Blickrichtung ein paar Meter nach rechts gedreht. Blick vom Brink in den Pferdemarkt vor 1943 und heute.

Die historische Straße „Pferdemarkt“ verlief einige Meter südlicher versetzt als heute, daher ergibt der direkte Vergleich damals-heute an dieser Stelle folgendes Bild. Das historische Bild zeigt rechts die Einmündung der Michelsgasse in den Pferdemarkt, Blickrichtung Osten Richtung Brink.

Ein paar Meter weiter westlich, Blickrichtung immer noch Osten Richtung Brink, mündete die Obere Schäfergasse in den Pferdemarkt ein.

Seit einiger Zeit engagieren sich die Kasseler Architekten René Winkler und Mario Lang in der Initiative „Altstadt Kassel 2030“ für einen Umbau der Kasseler Altstadt. Sie wollen am Hansahaus ansetzen.
Da durch die weitgehende Schließung des Kasseler Hauptbahnhofes und die Verlegung des Fernverkehrs zum Bahnhof Wilhelmshöhe die Kurt-Schumacher-Straße als Zubringer zum Hauptbahnhof wenig frequentiert wird, schlagen die beiden Architekten vor, das Hansahaus abzureißen um in einem mehrschrittigen Prozess die komplette Umgebung kleinteiliger wiederaufzubauen, unter Rückgriff auf die frühere, gewachsene Straßenstruktur. Dabei wird unter anderem die Teilrekonstruktion des „Brink“ sowie des „Gebrüder-Grimm-Hauses“ als Option vorgeschlagen. Bisher scheitern diese Bemühungen noch an den Eigentümern des Hansahauses, die das marode und defizitäre Gebäude trotzdem erhalten wollen.

Stadtbild Deutschland unterstützt die Pläne der Initiative ausdrücklich und bittet Mitglieder und Interessierte aus Kassel, sich der Initiative „Altstadt Kassel 2030“ anzuschließen!

Nähere Informationen finden sich unter folgendem Link:
Winkler Architekten

Natürlich ist dies nur eine sehr knappe und unvollständige Einführung zum Thema „Kassel“ gewesen. Interessierte sind jederzeit eingeladen, mit eigenen aktuellen Fotos oder Texten unseren kurzen Überblick zu ergänzen. Auch das Vereinsforum bietet jede Menge zusätzliche Bilder und Informationen.

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