Ist der braunkohlebedingte Abriss mehrerer Dörfer, die zur Stadt Erkelenz gehören, wirklich nötig? Neuere Untersuchungen sagen: NEIN!
Ist es Aufgabe eines deutschlandweiten Stadtbild-Vereins, dazu Position zu beziehen? Wir glauben: Ja!
Es geht um den Schutz von jahrhundertealtem, gewachsenem Kulturgut, was für eine sowieso auslaufende Energiequelle vernichtet werden soll. In einer Pressemitteilung solidarisieren wir uns mit der Initiative vor Ort, die für die Erhaltung kämpft und rufen andere Stadtbild-Vereine auf, dies ebenfalls zu tun!
 
 

Wie der WDR am 16.12.2020 berichtete, hat das Bundeswirtschaftsministerium ein Gutachten unter Verschluss gehalten, wonach die letzten, zum Abriss freigegebenen Dörfer im Braunkohlegebiet Garzweiler noch zu retten wären. Konkret geht es um die zur Stadt Erkelenz gehörenden Dörfer Keyenberg, Kuckum, Ober- und Unterwestrich sowie Berverath. Das Gutachten der Forschungsinstitute BET und Ernst&Young kam im November 2019 zu dem Ergebnis: Wenn den Empfehlungen der Kohlekommission gefolgt wird und die restlichen Kohlekraftwerke gleichmäßig über Jahre hinweg abgeschaltet werden, muss die Kohle unter den Dörfern nicht mehr abgebaut werden. Eine Umsiedlung wäre dann auch nicht mehr nötig.

Seit Jahren kämpft eine Bürgerinitiative „Kirchen im Dorf lassen“ um den Erhalt der in den oben genannten Orten gelegenen Bausubstanz, speziell der Kirchen. Vor allem der Abriss des Immerather Doms vor drei Jahren hat bundesweit für Aufsehen und Empörung gesorgt. Die Initiative hat auch die Bischöfe der Bistümer Aachen und Köln um Hilfe gebeten. Man hoffe, dass diese „ihre große Chance erkennen, in Zeiten schwindender Glaubwürdigkeit und allgemeiner Verunsicherung mit einer eindeutigen Positionierung für den Erhalt unserer Schöpfung wieder zu einem Rückhalt im Leben der Menschen zu werden“, wie Reinhard Noffke, einer der Sprecher der Initiative, sagte.

Nun möchte RWE am Abriss auch der oben genannten Dörfer festhalten.

Auch der Verein Stadtbild Deutschland hält diesen Abriss für einen schweren Fehler, da lokale Identität und gewachsene Jahrhunderte alte Geschichte der Region zerstört werden, obwohl es Alternativen gibt. Der Abriss gewachsener und durchaus wertvoller Bausubstanz ist leider in Deutschland immer noch gang und gäbe, aber selten sind davon ganze Ortschaften als Ganzes betroffen. Gewachsene und gebaute Siedlungsgeschichte zu bewahren ist ein Ziel, dem sich Stadtbild-Initiativen in ganz Deutschland verpflichtet fühlen.

Stadtbild Deutschland solidarisiert sich hiermit ausdrücklich mit den Zielen der Bürgerinitiative und ruft denkmalschutzinteressierte Bürger und Vereine in ganz Deutschland auf, dies ebenfalls zu tun.

Der Verein bittet die Politik und die gesellschaftlichen Kräfte vor Ort, sich nochmals mit RWE an einen Tisch zu setzen, um über den Erhalt der Dörfer zu verhandeln.