Altbau in Magdeburg

Stadtbild Deutschland e.V. stellt sich in einem Video vor: Unser Leitbild und unsere Ziele.

Vorstellung

Soll man rekonstruieren? Ich muss die Frage rückhaltlos bejahen. Vielleicht ist die Zahl der Menschen in Deutschland wie außerhalb heute noch nicht so sehr groß, welche vorauszusehen vermögen, als welch vitaler Verlust, als welch trauriger Krankheitsherd sich die Zerstörung der historischen Stätten erweisen wird. Es ist damit nicht nur eine Menge hoher Werte an Tradition, an Schönheit, an Objekten der Liebe und Pietät zerstört: Es ist auch die Seelenwelt dieser Nachkommen einer Substanz beraubt, ohne welche der Mensch zwar zur Not leben, aber nur ein hundertfach beschnittenes, verkümmertes Leben führen kann.

Hermann Hesse, 1948

Anliegen

Stadtbild Deutschland ist ein gemeinnütziger, bundesweit agierender Verein, der es sich zum Ziel gemacht hat, Baukultur zu erhalten und gleichsam neue, lebenswerte Umfelder zu schaffen. Die drei Säulen unseres Wirkens sind daher Denkmalschutz, Stadtreparatur und wo es sich als besonders sinnvoll erweist, auch die Rekonstruktion.

Im Geiste des Neuen Urbanismus geht es uns nicht einfach um eine Neuorientierung der architektonischen Gestalt eines Baus, sondern auch darum, positiv auf das Zusammenleben der Bewohnerinnen und Bewohner einzuwirken. Eine kleinteilige Bebauung, bevorzugt in Blockrandstruktur, ein breit gefächertes Angebot an Wohnungen, sowie fußgängerfreundliche Stadtviertel sind einige ausgewählte Aspekte dessen. Wir sind davon überzeugt, dass es möglich ist, mit solch einer Architektur Orte zu schaffen, die den Bewohnerinnen und Bewohnern eine hohe Lebensqualität bieten, zum Spazierengehen anregen und das gegenseitige Kennenlernen fördern.

Vor dem Hintergrund des Klimawandels streben wir weiterhin eine Abkehr vom Credo des Neuheitenzwangs in der Architektur an. Die stetige Orientierung am aktuellsten Trend hat dazu geführt, dass zahllose Neubauten bereits nach wenigen Jahren gestalterisch, wie strukturell überholt sind. Architekt Tobias Nöfer hat schon 2014 im Deutschen Architektenblatt darauf hingewiesen, dass Häuser 100 Jahre lang gefallen sollten, statt 100 Tage lang in Mode zu sein und danach zum Ärgernis zu werden. Es sollte uns gleich sein, wann ein architektonisches Stilmittels erstmals verwendet wurde. Wenn es sich gestalterisch, wie funktionell bewährt hat, dann kann es auch Bestandteil guter Architektur für morgen sein.

In jüngster Zeit publizierte Studien und Untersuchungen deuten verstärkt darauf hin, dass unser bauliches Umfeld einen maßgeblichen Einfluss auf unser Wohlbefinden besitzt. Colin Ellard, Direktor des Urban Realities Laboratory an der kanadischen Universität Waterloo stattete etwa 2011 und 2012 Probanden mit Messarmbändern aus und ließ sie durch verschiedene Straßenszenen laufen. Die Ergebnisse waren überraschend eindeutig und belegten, dass eine kleinteilige und abwechslungsreiche Bebauung zu einer signifikant besseren Laune führten. Eine monotone und kahle Bebauung hingegen führte zu schlechterer Laune und einem erhöhten Sauerstoffverbrauch des Gehirns, was mitunter förderlich für den Ausbruch von Migräne ist.

Die gemessenen Auswirkungen zeigen sich auch ganz praktisch auf dem Wohnungsmarkt unserer Städte: Altbauten sind hoch begehrt und als größeres Ensemble bieten sie nicht selten einen Rahmen für lebendige Szene- und Künstlerviertel. Die Tatsache, dass praktisch keine Neubauten im Stile dieser gründerzeitlichen Bebauung entstehen, während sie anderswo abgerissen werden, verknappt das Angebot zusätzlich. Die städtebauliche Struktur dieser Gründerzeitviertel kann uns jedoch ganz konkret auch als Vorbild für Stadtviertel der Zukunft dienen. Ihre hohe bauliche Dichte sorgt für ausreichend neuen Wohnraum, ihre architektonische Qualität und Kleinteiligkeit schafft vielfältige, wie lebenswerte Nachbarschaften. Obgleich nicht für alle Situationen gleichermaßen anwendbar, bietet dieses Konzept doch einen Anhaltspunkt für städtebaulich funktionierende, nachhaltige Stadtviertel.

Hierin liegt zusammenfassend auch der Kern unseres Anliegens: Dem Menschen ein vielfältiges und lebenswertes Umfeld zu schaffen. Hierfür engagieren sich unsere Mitglieder ehrenamtlich im ganzen Bundesgebiet. Unsere Mitglieder repräsentieren dabei einen breiten Querschnitt der Gesellschaft : Architekten, Wissenschaftler, Studenten, aber auch Handwerker und Juristen gehören uns an. Besonders freut uns dabei das große Interesse der unter 30-Jährigen.

Wir möchten Sie herzlich einladen, unseren Verein und seine engagierten Mitglieder kennenzulernen. Wir würden uns freuen, auch Sie in Zukunft als Mitglied begrüßen zu dürfen.

Ihr Vorstand

Leitbild

Empfinden Sie es auch als schlimm, wie unsere Städte durch ausdruckslose Neubauten immer mehr an Gesicht verlieren? Möchten Sie sich informieren, warum das so ist? Wollen Sie mit uns zusammen mithelfen, an diesem Zustand etwas zu ändern?

Stadtbild Deutschland e.V. ist ein Verein interessierter und engagierter Bürger, die sich für die Schönheit unserer Städte einsetzen. Unser Ziel ist ein harmonischer Städtebau und ansprechende Architektur, in der sich die Menschen wohl fühlen. Daher lehnen wir austauschbare, banale Neubauten, wie sie derzeit überall entstehen, ab.

Ein Mittel, unseren Städten ihre im Krieg verloren gegangene Schönheit und Individualität zurückzugeben, sind für uns Rekonstruktionen von stadtbildprägenden Gebäuden. Wir wollen lebendige, ökologisch nachhaltige Innenstädte, in denen das Leben auf den Straßen und Plätzen pulsiert und nicht in Shopping-Malls auf der grünen Wiese vor der Stadt. Außerdem plädieren wir für gut konturierte öffentliche Räume entsprechend der europäischen Stadtbautradition.

Wir wollen lokale Bürgerinitiativen unterstützen und uns durch Vernetzung mit anderen Vereinen gegenseitig unterstützen. Wir verstehen uns zugleich als Anlaufpunkt für Architekten, die die trist-funktionale Formensprache der sogenannten „modernen Architektur“ ablehnen, aber nicht die Chance erhalten, ihre Ideen zu verwirklichen. Eine schönere, vielseitigere Architektur ist möglich und für Bauherren auch nicht wesentlich teurer! Aber die Widerstände dagegen sind groß, deshalb benötigen wir Ihr Engagement!

Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers“ hat Gustav Mahler einmal gesagt. In diesem Sinne verstehen wir unser Handeln. Wir wollen nicht zurück zur Vergangenheit, sondern aus der Vergangenheit lernen, um unsere zukünftigen Städte besser zu gestalten. Dieser Gedanke kommt im aktuellen Städtebau zu kurz, daran wollen wir etwas ändern.