Frankfurt - Goldene Waage

Es ist wieder einmal soweit! Die Vereinsmitglieder haben das „Gebäude des Jahres“ gekürt. Es ist diesmal wieder eine Rekonstruktion geworden, das „Haus zur goldenen Waage“ in Frankfurt am Main. Diese Entscheidung wurde teilweise kritisiert, weil unser Verein sich ja auch für klassisch-traditionelles Bauen einsetzt und nicht nur für exakte Rekonstruktionen, die von unseren Gegnern immer wieder mit dem „Disneyland“-Vorwurf bedacht werden. Nun, diesen Vorwurf wird man der „Goldenen Waage“ ernsthaft nicht machen können.

Denn das Beispiel der „Goldenen Waage“ zeigt, dass eine sorgfältig ausgeführte und qualitativ hochwertige Rekonstruktion möglich ist und einen großen Beitrag zur Bewahrung und Wiedererweckung von Baukultur leisten kann. Dies sollten Rekonstruktionsgegner in Frankfurt, Dresden oder Nürnberg bei ihrer Argumentation bitte künftig mit bedenken!

Frankfurt - Goldene Waage
Frankfurt am Main – Haus zur Goldenen Waage

Pressemitteilung:

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Verein „Stadtbild Deutschland e. V.“ setzt sich ehrenamtlich und bundesweit für die  Verbesserung der Lebensqualität deutscher Städte und für klassisch-traditionelles sowie regionaltypisches Bauen ein.

Jährlich findet unter den knapp 500 Mitgliedern des Vereins eine Abstimmung über das gelungenste neue Bauwerk statt, das in dem betreffenden Jahr fertiggestellt wurde. Bei der diesbezüglichen Abstimmung im November 2018 wurde sich mehrheitlich für das „Haus zur Goldenen Waage“, Markt 5, 60311 Frankfurt am Main, im neu aufgebauten Altstadtquartier „DomRömer“ der Frankfurter Altstadt entschieden.

Das 1619 erbaute und im März 1944 zerstörte Originalgebäude wurde im Rahmen der Neubebauung des DomRömer-Quartiers ab 2014 rekonstruiert und 2018 eröffnet.

Der Verein möchte mit dieser Auszeichnung auch ausdrücklich das neu entstandene Gesamtensemble, das traditionelle Stadtbaukunst in Neuschöpfung und Rekonstruktion harmonisch vereint, würdigen

Stadtbild Deutschland e.V. möchte damit auch im Besonderen die intensive Bauforschung und das Engagement Prof. Jourdans ehren.

So hat Prof. Jourdan sich nicht einfach  dazu hinreißen lassen, durch die reichlich vorhandenen Pläne und Fotos die dort niedergelegten Aufzeichnungen nachzubauen, sondern trotz der ungewöhnlich dichten Quellenlage noch durch eigene Forschung weiteres Detailwissen hinzugefügt. Für alle Bauteile suchte er die Motivationen der bauzeitlichen Handwerker. Sei es durch die Analyse jedes Bildes der aufwendigen Stuckdecken, sei es durch die Ermittlung und Rückbesinnung auf das bauzeitliche Maßsystem.

Prof. Jourdan nahm, trotz früher geäußerter Skepsis  zu dem Rekonstruktionsvorhaben, die Aufgabe der Rekonstruktion an und hat mit voller Professionalität und Hingabe die notwendige Bauforschung bis ins kleinste Detail betrieben.

Die Ehrung der Goldenen Waage zum „Gebäude des Jahres 2018“ erhält somit durch den Umgang von Prof. Jourdan mit dieser Herausforderung eine ganz besondere Dimension. Es ging ihm um nicht weniger als die Wiederherstellung aller Details und Facetten der Goldenen Waage, um ein seriöses, bestmögliches Ergebnis einer Rekonstruktion zu erzielen.

Den Rekonstruktionsbefürwortern wird oft vorgeworfen, sie würden lediglich eine Fassadenkultur erstreben und das Ergebnis sei damit unecht, eine Fälschung oder „Disneyland“. Die neu entstandene „Goldene Waage“ bekräftigt einmal mehr – und empirisch belegbar – und sie zeigt, dass eine Rekonstruktion zwar niemals die Originalsubstanz eines historischen Baues voll ersetzen kann, jedoch bei hoher qualitativer Ausführung neben der Ästhetik auch Bautradition und Handwerkskunst heutigen Generationen wieder neu vermitteln kann und somit zur Bewahrung und Weitervermittlung von Baukultur beiträgt.

Mit freundlichen Grüßen

Der Vorstand von Stadtbild Deutschland e.V.

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