Visualisierung von Stefan Mundt, Bautzen.

 Pressemitteilung.

An exponierter Stelle im Bautzener Stadtzentrum, dem so genannten Lauenareal, befindet sich seit Jahrzehnten eine große Baubrache. Hier stand bis zum Kriegsende das *Wendische Haus*, ein repräsentatives Gebäude, erbaut 1897 – 1904 im Stil der Neorenaissance. Initiator des Baus war die 1847 gegründete sorbische Kultur- und Wissensgesellschaft Maćica Serbska. Genutzt als Domizil verschiedener Institutionen und Einrichtungen unter dem Dachverband der Domowina entwickelte es sich schnell zum Zentrum des sorbischen Kulturlebens. Zu nennen wären insbesondere die wissenschaftliche Bibliothek, das sorbische Museum, die Schmolersche Druckerei und Buchhandlung sowie der 1907 fertiggestellte Vereinssaal.

1937 wurde die Tätigkeit der sorbischen Vereine und der öffentliche Gebrauch der sorbischen Sprache von den Nationalsozialisten verboten, 4 Jahre später schließlich das Haus mitsamt seiner Ausstattung konfisziert. Infolge der Kriegshandlungen im April 1945 kam es zur weitgehenden Zerstörung des Gebäudes. Nach dem Krieg wurde die Ruine abgetragen, das freigeräumte Grundstück blieb seitdem unbebaut.

Am 3. Dezember 2020 nun informierte das Sächsische Ministerium für Kultur und Tourismus in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit dem Landkreis Bautzen und der Stiftung für das sorbische Volk über das Bauprojekt *Sorbisches Wissensforum am Lauenareal*. Demnach bestehen Planungen, auf dem Lauenareal einen Neubau zu errichten, in den insbesondere das Sorbische Institut e. V. mit Sorbischem Kulturarchiv und Sorbischer Zentralbibliothek sowie das Sorbische Museum des Landkreises Bautzen integriert werden sollen.

Stadtbild Deutschland e.V. regt an, den geplanten Neubau auf dem Lauenareal als Rekonstruktion des Wendischen Hauses zu realisieren.

Wir teilen die hohe Wertschätzung für die sorbische Tradition und Kultur und sind davon überzeugt, dass sich die gebotene Anerkennung durch die Wiedererstehung dieses architektonischen Schmuckstücks gegenständlich manifestieren wird – und das in sehr direkter Anknüpfung an die Vorkriegsnutzung des Gebäudes.

Im Hinblick auf die Quellenlage besteht die für eine Rekonstruktion optimale Situation, dass die originalen Baupläne im Sorbischen Kulturarchiv noch vorhanden sind. Aufgrund moderner Bauvorschriften, zum Beispiel die Barrierefreiheit betreffend, wären im Vergleich zum Vorkriegszustand natürlich gewisse Baumodifizierungen im Inneren erforderlich. Wegen der artgleichen Nutzung sind aber für die neue Version keine prinzipiellen Unvereinbarkeiten zwischen Fassadengestaltung und innerer Ausformung zu erwarten (Geschosshöhen, Fenstergrößen und –gliederung etc.).

Das Gegenargument gegen solche Vorschläge ist meist, dass solche Projekte mit erheblich höheren Baukosten verbunden wären. Doch zeigen aktuelle Projekte, wie z.B. die Neubauten am Dresdner Neumarkt, dass dieser Mehraufwand, was die Gesamtkosten eines Projektes angeht, wenig ins Gewicht fällt. An dieser Stelle verweisen wir auch auf den kürzlich fertiggestellten Neubau des Zinzendorf-Gymnasiums in Herrnhut, der einer weitgehenden äußeren Rekonstruktion des Vorkriegszustandes nahekommt und trotzdem heutigen Nutzungsbedingungen gerecht wird.

Solche Beispiele sollten auch Vorbild für den Neubau auf dem Lauenareal werden und die Erfahrungen aus Dresden, Herrnhut und anderen Städten könnten hier mit einfließen.

Stadtbild Deutschland bietet ehrenamtlich die Vermittlung entsprechend fachkundiger Hilfe an und bittet die Verantwortlichen, sich am Lauenareal für eine möglichst originalgetreue Rekonstruktion oder zumindest eine dem Originalzustand nahekommende Adaption einzusetzen.

3 thoughts on “Bautzen: Rekonstruiert das Wendische Haus! – Stadtbild Deutschland e.V. plädiert für eine Rekonstruktion des 1945 zerstörten Originalgebäudes am Lauenareal

  1. Die Idee ist gut und eigentlich längst überfällig. Ich finde das Anliegen unterstützenswert, jedoch wären dann die bisherigen/laufenden Planungen des gesamte Lauenareals sinnvollerweise noch einmal zu überdenken.

  2. Bitte beachten Sie, dass sich das von Ihnen erwähnte Bauprojekt der Stiftung für das sorbische Volk *nicht* auf das gleiche Grundstück bezieht. Die Liegenschaft des 1945 zerstörten Serbski dom/Wendischen Hauses befindet sich seit etwa 2014 in Privatbesitz und ist kein Bestandteil der Bauplanungen. Inhaltlich unterstütze ich die Forderung davon abgesehen.

  3. Ein schönes Projekt in meiner alten Heimat. Ich wünsche allen Beteiligten vor Ort viel Erfolg und drücke aus der Ferne die Daumen.

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