Spellenberg, Dresden, Neustädter Markt

Ein Beispiel für verdienstvolles Wirken im Sinne klassisch-traditioneller Architektur

Oft wird deutschen Architekten vorgeworfen, dass sie nur noch modernistisch entwerfen können und sich für traditionellen Städtebau, der sich harmonisch einfügt, nicht interessieren.

Dass es nicht nur international, sondern auch hierzulande Ausnahmen gibt, zeigt das Beispiel von Axel Spellenberg aus Worpswede bei Bremen, der sich bereits seit vielen Jahren für traditionell-klassisches und vor allem auch regionaltypisches Bauen einsetzt.

Ihm hat unser Verein viele Alternativentwürfe zu verdanken, weshalb wir uns an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei ihm bedanken wollen, aber auch für andere Initiativen macht er sich stark. Er kann ein Lied davon singen, wie stark die ideologischen Widerstände in den Stadtplanungsämtern und Gremien gegen solche Art des Bauens immer noch ist, denn so traditionell zu bauen wird bekanntlich meist als „zu historisierend“ abgelehnt. Daher müssen Architekten, die gegen solche verkrusteten Strukturen angehen wollen, stärker von uns, der Öffentlichkeit, unterstützt werden.

Axel Spellenberg
Axel Spellenberg

Nun aber zu einigen von Axel Spellenbergs Entwürfen. Bemerkenswert ist, dass er dabei bevorzugt auf Aquarellzeichnungen zurückgreift, statt, wie die meisten Architekten heute, alles nur noch am Computer zu entwerfen.  Das Zeichnen mit freier Hand ermöglicht tatsächlich viel mehr Freiheiten im Entwerfen, als es ein starren Formalien folgendes 3D-Programm ermöglichen kann.

Es folgt nun ein Streifzug durch Plätze einiger deutscher Städte, wie sie aussehen könnten, wenn…

Spellenberg, Magdeburger Dom
Magdeburger Dom

Bild 1: Magdeburg: Die Perspektive zeigt den Blick vom Breiten Weg durch die heutige Lothar-Kreyssig-Straße, vormals Domstraße, auf den Magdeburger Dom und Domvorplatz. Anstelle des komplett neu entworfenen Gebäudes auf der linken Bildseite ist heute ein baumbestandener, offener Platz vorhanden, der keinen historischen Bezug hat. Dem „Dommuseum“, rechte Seite, hinterer Bau, ist ein Neubau vorgesetzt, der die historische, platzförmige Verengung des Breiten Wegs an dieser Stelle wieder aufnimmt. Die beiden Neubauten zeigen barockisierende Merkmale, die Straßenoberfläche ist gepflastert und mit historischen Kandelabern versehen. Der Rückbau der ehemaligen Domstraße bringt durch die bauliche Verengung einen hohen ästhetischen Gewinn für die Domansicht.

Spellenberg, Frankfurt am Main, Lutherhaus
Frankfurt am Main, Lutherhaus

Bild 2: Frankfurt am Main: Das Aquarellbild zeigt in Bildmitte das ehemalige, im 2. Weltkrieg zerstörte, hier rekonstruierte „Lutherhaus“ in Frankfurt am Main. Das Haus erhielt seinen Namen von einem Stein in der Fassade, das ein Bildnis Luthers zeigte. Linkerhand des Lutherhauses mündet die historische, und hier wiederhergestellte, Kannengießerstraße in die Fahrgasse, die älteste Durchfahrtstraße von Norden nach Süden der Stadt. Die Kannengießerstraße war für Jahrhunderte traditionell die Straße der Künstler des Zinngießer-Handwerks. Unmittelbar östlich des Doms gelegen,  war sie eine der farbigsten und malerischsten Gassen Frankfurts. Das prächtige Fachwerkhaus links und die übrigen Gebäude, rechts vom Lutherhaus und dahinter, sind desgleichen rekonstruiert. Im Bildhintergrund erkennt man, quer zur Kannengießerstraße, einen vierstöckigen Nachkriegswohnbau an der Fahrgasse.

 Spellenberg, Landshut
Landshut

Bild 3: Landshut: Die Stadt Landshut hatte 2018 einen Wettbewerb für ein neues Stadttheater ausgelobt. Der Standort für den Neubau liegt zwischen dem Isarufer und der historischen Altstadt auf dem Areal des „Bernlochner“, ein historischer Theaterkomplex von 1841, den der Maurermeister Johann Baptist Bernlochner im spätklassizistischen Stil errichtet hat. Der 1. Preisträger entwarf einen massiv hohen und stringent kubisch modernen Baukörper, den er direkt an die vielbefahrene B 15 platzierte. Der im Bild gezeigte Alternativentwurf nimmt hingegen Bezug zum Spätklassizismus des Bernlochner und stellt den Theaterneubau unmittelbar an das Isarufer, ausreichend entfernt von der Bundesstraße. Im Bildhintergrund ist der neue Saalbau, Bühnenturm und Künstleranbau zu sehen, im Vordergund ein bestehendes 2-stockiges Häuschen mit Mauer, das als Theaterkantinen-Häuschen umgebaut und in der Gestaltung an den Theaterneubau angepasst wird. Hinter der Mauer ist ein „Künstlergarten“, der direkt am Landshuter Stadtpark liegt, geplant.

Spellenberg, Siegen
Siegen

Bild 4: Siegen: Das Aquarell zeigt die reizvollste Aufgabe der Rekonstruktion des „Rubens-Geburtshauses“ in Siegen. In dem ursprünglich nahe des „Oberen Schlosses“ und der alten Nikolaikirche gelegenen, bescheiden kleinen, mit ortstypischen Schieferschindeln verkleideten, „Brambachtsches Haus“ genannten, Gebäude (rechte Seite, hinterer Bau) kam der berühmte flämische Maler Peter Paul Rubens – vermutlich am 28. Juni 1577 – zur Welt. Das Haus an der Burgstraße 10, heute Gelände der Realschule in Hanglage, wurde im 2. Weltkrieg komplett zerstört und nicht wieder aufgebaut. Nur eine Gedenktafel am historischen Ort erinnert noch an den großen Sohn der Stadt. Das Entwurfskonzept, das für die Initiative Stadtbild Siegen gefertigt wurde, beinhaltet auch den Neubau auf der rechten Bildseite, vorne, ein höherer Wohnbau in historisierenden Formen. Gegenüber, links des Neubaus, steht das historische Zeughaus der Stadt.

Spellenberg, Hotel Dessau
Hotel Dessau

Bild 5: Dessau: Anstelle des 4-geschossigen Gebäudes auf der linken Bildseite steht heute ein nicht mehr genutzter Berufsschulbau aus der ehemaligen DDR im Plattenbaustil. Das Grundstück, auf der östlichen Seite des Schlossplatzes Dessau gelegen, soll von der Stadt verkauft und durch einen Investor mit einem Hotelneubau bebaut werden. Der Stadt schweben Pläne in akzentuiert moderner Architektur vor, eine Bürgerinitiative will die historischen Vorgängerbauten wieder aufbauen. Der Entwurf zeigt den Neubau eines Hotels in historisierenden Formen, zum Schlossplatz, rechterhand, mit einem ziegelgedeckten Steildach, nach links, an der Lustgartenstraße, als feingliedriger Flachdachbau, der die flachgedeckte Architektur der vormaligen, dort bis zur Kriegszerstörung vorhanden gewesenen „Orangerie am Lustgarten“ wieder aufnimmt. Die Perspektive aus der Schlossstraße zeigt rechts den neogotischen Ostanbau der Marienkirche, im Hintergrund den vom ursprünglichen Residenzschloss erhalten gebliebenen und restaurierten „Johannbau.“

Spellenebrg, Dresden, Südseite Altmarkt
Dresden, Südseite Altmarkt

Bild 6: Dresden, Altmarkt: Der „Altmarkt“ ist der älteste Platz Dresdens und wurde bereits 1370 erstmals urkundlich erwähnt. Benachbart ist die nach dem Krieg rekonstruierte „Kreuzkirche“, auf dem Platz findet der berühmte Dresdner Weihnachtsmarkt, der „Striezelmarkt“, statt. Das Bild zeigt zum einen die Nordseite des Platzes, an dem heute der ehemalige, nach der Wende restaurierte und umgebaute DDR-Kulturpalast steht, zum anderen die Ost- und Westseite, die 1953 im „Sozialistischen Klassizismus“ mit historisierenden Barockbauten neu bebaut wurden. Die Ansicht zeigt zwei Neubauten in ebenso barockisierter Architektur anstelle des Kulturpalastes, wo vor der Kriegszerstörung das Kaufhaus Herzfeld und Café Central standen. Im rechten, gelb verputzten Neubau sollen neue Kultur- Veranstaltungs- und Gastronomieräume, im linken Bau Räume für die Stadtbibliothek, Ladenräume und ein neues Café Central entstehen. In der Platzmitte ist die Rekonstruktion der Germania-Siegessäule vorgesehen.

Spellenberg, Dresden, Neustädter Markt
Dresden, Neustädter Markt

Bild 7: Dresden, Neustädter Markt: Das stimmungsvolle Aquarell zeigt den Blick vom konzeptionell wieder aufgebauten „Neustädter Markt“ Dresden in Richtung „Königsufer“ und Elbe. Die Platzmitte bekrönt das vorhanden gebliebene Reiterstandbild August des Starken, der „Goldene Reiter“ von 1736. Der im 19. Jahrhundert „Am Markt“ genannte Platz erhielt 1920 seinen heutigen Namen. Man sieht, halb verdeckt, hinter dem Goldenen Reiter die „Blockhaus“ genannte, noch heute vorhandene „Neustädter Wache“. Links und rechts davon die Entwurfskonzeption von barockisierenden Neubauten, die den Platz zum Königsufer hin begrenzen, in der Mitte öffnet sich der Platz zur historischen Augustusbrücke. Links im Bild ist ein barockisierender Neubau mit Arkaden entworfen, der auf der gegenüberliegenden Platzhälfte ein ( nicht im Bild gezeigtes) Pendant – die ursprüngliche, historische Platzbebauung – erhält. Der Neustädter Markt wurde im 2. Weltkrieg zerstört und, bis auf das Blockhaus, ab 1970 in sozialistischer Moderne wieder aufgebaut.

One thought on “Der Architekt Axel Spellenberg

  1. Guten Tag, Herr Spellenberg ! Wüßte gern Ihre e-mail-Nr., um meine Frage zu stellen: Würde gern Ihre Skizze >Domshof< für eine kleine Änderung verwenden, -: Eintrag der von mir vorgeschlagenen Gleisführung der Straßenbahn über die Martinistraße. Das war´s. Danke für Ihre Antwort! Frdl.Gruß, Osvald Prepeliczay. Architekt i.R.

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