Dessau Schlossplatz Ostseite mit Schlosswache

Veranstaltung des Vereins mit dem Titel „Vision Schlossplatz – Gemeinsam für Dessau“. Eine Zusammenfassung.

Am Montag, 21. Januar 2019, fand in der Dessauer Marienkirche eine offizielle Vereinsveranstaltung von „Stadtbild Deutschland e.V.“ statt. Thema war die Zukunft des Dessauer Schlossplatzes, der einstmals Herz der Stadt war und der aufgrund des Zerstörung Dessaus im März 1945, vor allem aber durch den Wiederaufbau in DDR-Plattenbauweise, seines Erscheinungsbildes und seiner gewachsenen Geschichte weitgehend beraubt wurde.

Anlass der Veranstaltung waren Pläne eines Investors, an der Ostseite des Schlossplatzes einen Hotelneubau zu errichten. Das Vergabeverfahren und die Diskussion über die Architektur des neuen Gebäudes sollte – wie so oft auch anderswo – hinter verschlossenen Türen stattfinden.

Dessau Schlosplatz Veranstaltung
Nach der Veranstaltung: Podiumsdiskussion mit (sitzend von links) Stadtrat Hans-Joachim Mau, Kerstin Franz, Manuel Reiprich. Durch den Abend führte Karl Thiele. Für die musikalische Begleitung sorgte Andreas Güstel von „Beflügelt.de“. Unterstützt wurde die Diskussion durch Martin Förster vom Verein „Wallwitzburg e.V.“(stehend links)

Es ist dem großen Engagement unserer Dessau-Roßlauer Vereinsmitglieder Kerstin Franz und Martin Förster zu verdanken, dass wir zu diesem Thema eine an die Bürger und Stadträte gerichtete Veranstaltung stattfinden lassen konnten, um die Bürger für das Vorhaben zu sensibilisieren und Alternativen zur Kistenarchitektur der so genannten „Moderne“ vorzustellen.

Die Veranstaltung war mit 350 Besuchern ein voller Erfolg. Nicht immer stoßen Stadtbildanliegen  – wie wir alle wissen  –  auf so eine große Resonanz.

Dessau Schlossplatz Ostseite mit Schlosswache
Der Dessau Schlossplatz mit Schlosswache vor den Kriegszerstörungen
Dessau Schlossplatz Ostseite
Der Dessauer Schlossplatz heute – Ostseite

In den beiden Vorträgen haben wir über Möglichkeiten informiert, den Dessauer Schlossplatz und die angrenzende leere Fläche östlich davon wieder in ein echtes „Gartenreich“ zu verwandeln. Unser Vereinsmitglied Kerstin Franz stellte dazu ihr Konzept „Muldterrassen“ vor.

Bestandteil des Projektes ist es auch, die Erdmannsdorffschen Fassaden des früheren Schlossplatzes als Rekonstruktion oder zumindest gelungene Adaption wiederaufleben zu lassen. Es geht also darum, dem Erfolgsmodell aus Hildesheim, Frankfurt, Dresden, Wesel und anderen Städten auch in Dessau-Roßlau eine Chance zu geben. Hier kommt noch erschwerend hinzu, dass die Stadt sich als DIE „Bauhaus-Stadt“ versteht und viele Stadträte und vor allem die Stadtverwaltung anscheinend wenig Sinn darin sehen, an Bautraditionen anzuknüpfen, die vor dem Bauhaus liegen. Als wenn das Eine das Andere ausschließen würde.

Was letztendlich den Ausschlag geben wird, ist das Geld und natürlich stellt sich auch in Dessau der Bürger oder interessierte Stadtrat die berechtigte Frage: Wie kann das alles bezahlt werden? Kann eine wenigstens teilweise, angepasste Reko der Erdmannsdorff-Fassaden einem Investor zugemutet werden?

Dazu hat im Anschluss Manuel Reiprich referiert und über die Erfolge und Glanzleistungen in Sachen Rekonstruktion und harmonischem Bauen aus anderen Städten berichtet. Es ist immer wieder schwer zu begreifen, mit welch geringen Mehrkosten eine ästhetisch anspruchsvolle, klassisch-traditionelle Fassade errichtet werden kann, die doch einen so großen, ästhetischen Mehrwert für das Umfeld mit sich bringt.

Dessau Schlossplatz Fassaden
Währenddessen draußen: Das abendliche Dessau mit Schlossplatz und Marienkirche. Während drinnen die Veranstaltung läuft…
Dessau Schlossplatz Fassaden
… werden draußen die historischen Fassaden durch eine Installation von Martin Förster mittels eines einfachen Beamers auf die aktuellen Wände projiziert.

Hier bietet sich die Chance, einen ersten Schritt zu tun, dem Schlossplatz wie der ein echtes Gesicht, ihm seine Identität zurückzugeben. In ihrem historischen Zentrum sollte auch die Bauhaus-Stadt Dessau-Roßlau den Mut besitzen, sich auf eine Baukunst und Bauästhetik zu besinnen, die wesentlich älter ist als nur 100 Jahre! Hier bietet sich der Stadt die Chance, Dessau-Roßlau sowohl als Ort der Moderne (Bauhaus) als auch als Ort der Tradition  (Klassizismus=Erdmannsdorff) zu etablieren, eine Symbiose aus Beidem anzustreben! Voraussetzung wird auch hier ein bürgerschaftliches Engagement sein, denn der ideologische Widerstand gegen solche Pläne ist auch in Dessau schon deutlich zu spüren.

Es sind zu diesem Thema weitere Veranstaltungen und Aktionen des Vereins geplant. Darüber berichten wir in Kürze!

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