So könnte eine überarbeitete Lingnerstadt mit dem Palais Oppenheim aussehen. Visualisierung: Jens Schuppe, Andreas Hummel Arte4D, Dresden.

 

In Dresden wird weiter um einen Wiederaufbau des Palais Oppenheim gerungen. Die Stadträte sind dafür, der Besitzer des Grundstücks will aber nicht verkaufen, obwohl ein alternativer Investor für das Palais bereitstünde.
Zugleich will die Gestaltungskommission Nachbesserungen bei den bisherigen Entwürfen zur Umgebungsbebauung, vor allem in den Dachhöhen. Kann da die Lösung sein, die Geschosszahl zu erhöhen? Stadtbild Deutschland schlägt das in dieser Pressemitteilung vor:

Am 30.4.2021 hat die Gateway Real Estate AG ihre Entwürfe für die Lingnerstadt gegenüber Stadträten und der Gestaltungskommission vorgestellt. Für die Bebauungsentwürfe gab es teilweise Zustimmung, aber auch Kritik. In erster Linie wurden die Glattheit der Fassaden sowie die Monotonie der Dächer kritisiert und Nachbesserungen gefordert.
Der Vorstand von Stadtbild Deutschland dankt der Gestaltungskommission für diese wichtige Forderung und bittet diese sowie die Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses, sich weiter für eine Überarbeitung einzusetzen.

Notwendigkeit von Eckbetonungen:
Nicht nur eine erkennbare Abstufung in der Dachlandschaft, sondern auch Abrundungen an den straßenseitigen Ecken müssen gefordert werden. Gerade die Gestaltung der Ecken eines Quartiers ist für den Gesamteindruck sehr wichtig, da die Blicke des Passanten sich in erster Linie darauf richten. Das Dortmunder „Institut für Stadtbaukunst“ hat der Eckgestaltung städtischer Blöcke und ihrer stadträumlichen Bedeutung sogar eine eigene Publikation gewidmet.
Eine Ecke lässt sich auf verschiedene Weise betonen. Die einfachste Methode ist eine Abrundung, Standard waren zusätzliche Balkone oder auch Erhöhungen (kleine Ecktürme), oft beides.
Die Überarbeitung der bisherigen Lingnerstadt-Entwürfe sollte daher – neben der stärkeren Akzentuierung der Dächer – dringend auch bei den Eckausformungen einen Schwerpunkt setzen.

Kompromissvorschlag zum Palais Oppenheim: Erhöhung der Gebäudehöhen an den Eckparzellen
Es ist begrüßenswert, dass der Investor Gesprächsbereitschaft zum Wiederaufbau des Palais Oppenheim signalisiert hat.  Bisher ist an der Stelle des Palais laut B-Plan noch eine sechsgeschossige Bebauung vorgesehen. Das Einverständnis, das kleine Grundstück zu einem akzeptablen Preis zu verkaufen, dürfte daher erst dann gegeben werden, wenn die Gateway Real Estate AG an anderer Stelle Ausgleichsfläche dafür erhält.

Die von der Gestaltungskommission geforderten unterschiedlichen Dachhöhen sowie die Ausgleichsfläche für das Oppenheim-Grundstück können auf ein und dieselbe Weise erreicht werden: Durch Erhöhung der Gebäudehöhen an den Eckgrundstücken!

Die Lingnerallee sowie die St. Petersburger Straße sind breit genug, dass eine Erhöhung der maximal zulässigen Bebauung städtebaulich sowie baurechtlich problemlos möglich sein sollte. Der Verein schlägt daher eine Erhöhung der Eckgrundstücke auf acht Stockwerke vor (ca. 24 Meter). Selbst bei acht statt wie bisher maximal sieben Geschossen wären die Gebäude dann immer noch ein Stockwerk niedriger als etwa der neungeschossige Block St. Petersburger 10-12, der schräg gegenüber, südlich des Ferdinandplatzes, steht.

Eine zeitraubende Änderung des B-Planes ist dafür nicht zwingend notwendig. Sie kann umgangen werden, indem sich die Stadt mit der Gateway Real Estate durch eine zusätzliche vertragliche Vereinbarung einig wird.

Dieser Zusatzvertrag sollte folgende Punkte enthalten:

  • Die Gateway Real Estate erhält die Erlaubnis, die an Straßenecken stehenden Parzellen in Richtung St. Petersburger, Zinzendorfer sowie Lingnerallee auf acht Etagen zu erhöhen (siehe Plan am Ende des Dokuments).
  • Die Dachgeschosse der so erhöhten Parzellen sollen straßenseitig als sehr steiles Schrägdach ausgeführt werden, möglichst mit Dachgauben. Dadurch wird die Dachzone zusätzlich akzentuiert.
  • Die Straßenecken des neuen Quartiers sollen eine leichte Abrundung erhalten und zusätzlich betont werden. Denkbar wäre z.B. eine zusätzliche Abknickung.
  • Die Gateway Real Estate verpflichtet sich, das Grundstück des Palais Oppenheim zu einem marktüblichen Quadratmeterpreis an den bereit stehenden zusätzlichen Investor zu verkaufen. Der Wiederaufbau der Fassaden des Palais wird darin vertraglich festgeschrieben.

Die Stadträte, die Gestaltungskommission sowie die Geschäftsführer der Gateway Real Estate AG haben jetzt die Chance, durch Nachbesserungen ein wirklich qualitätvolles neues Stadtviertel zu ermöglichen, das sich langfristig harmonisch an die innere Altstadt anschließen kann.

Der Vorstand von Stadtbild Deutschland bittet daher die verantwortlichen Stadträte, sich maßgeblich für diese Vorschläge und für mehr gestalterische Qualität einzusetzen!