• Dieser Faden hat mich dazu inspiriert, ein wenig mehr auf die Fenster der Fachwerkhäuser in meiner Stadt zu achten. Die meisten sind in der Tat weiß, es gibt aber auch Ausnahmen:

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    Ich stimme Brotscheibe ja generell zu, daß mehr Diversität und weniger Gleichförmigkeit hier wünschenswert sind. Muß aber auch ganz ehrlich zugeben, daß das auf meiner Prioritätenliste jetzt ziemlich niedrig angeordnet ist. Wenn ich durch diese Straßen flaniere, tun auch die weißen Fenster der gemütlichen Atmosphäre, welche die Architektur hier erzeugt, keinen Abbruch. Und die meisten unserer Städte sind nach wie vor in ihrem Bild von gräßlichen Würfelklötzen und belanglosen Schuhkästen bestimmt, im Vergleich mit welchen selbst ein völlig achtlos saniertes Fachwerkhaus wie ein Traum erscheint.

  • Die Farbe der Fenster ist nicht zwangsläufig ausschlaggebend für schön oder hässlich. Ich betone es nur deshalb, da weiß wirklich überall in D die dominante Fensterfarbe ist. Weiß + 6er Sprossenteilung und Floatglas- ist das Standard-Denkmalschutzfensternach DIN EN 14055. Vor allem an den besonders alten und schönen Gebäuden vermisst man dann doch etwas Urigkeit. Bei den alten Backsteingebäuden der Niederlande hingegen sieht man oft weiße, kleingliedrige Schiebefenster, die super zum braunrötlichen Backstein passen - zudem sind die Fenster oftmals noch mit weißen Ziersteinen optisch abgesetzt. Bei den Fachwerkgebäuden mag ich die Fenster nicht. Nicht mehr, nachdem ich so viele schöne andere Gebäude gesehen habe.

    Eine kleine Fensterspielerei- weiße Fenster ersetzt durch rote französische Fenster:


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    Hier sehen die Kreuzstockfenster Bombe aus. Die Fensterreihe darüber entstammt kleineren Fenstern, die ich vergrößert habe. Zudem habe ich das Schnitzwerk nicht mit ' kopiert' , dadurch ähneln selbst die Bleisprossenfenster wie jenen der sog. ' Fensterkrankheit'.

    Man muss dazu sagen, das Rathaus sieht auch mit den weißen Fenstern schon sehr gut aus. Dennoch finde ich die roten Kreuzstockfenster einen tuck schöner.

    :lehrer:

  • Eben, hier haben wir den Beweis für das, was wir schon vor längerem diskutiert haben. Bei Fachwerkhäusern dieser Art müssen sich die Fenster der Farbe der Balken anpassen. Anders bei jüngeren Fachwerkhäusern, die von Anfang an verputzt waren.

    Wer einer Halbwahrheit eine weitere Halbwahrheit hinzufügt, schafft keine ganze Wahrheit, sondern eine ganze Lüge.

  • Zuckerstraße 4 in Dieburg, der Plakette nach 1384 erbaut und das älteste Fachwerkhaus sowie der einzige erhaltene Ständerbau in Dieburg. Hier gibt es Kreuzstockfenster, sogar in Balkenfarbe.

  • Die Niederländer haben's bei den Fenstern meiner Meinung nach auch besser drauf als wir. Wer eigentlich nicht. An einigen Häusern im Zaanstreek konnte ich diese schönen alten (bzw. nachgemachten) Fenster entdecken. Die Fenster sind kleinteilig, die Abmessungen sind ebenfalls relativ klein. Wir sehen Windeisen, glasteilende Bleisprossen und ungleichmäßiges (Wald?-)Glas sowie Fensterläden:


    Summa-summarum: Die Fassaden wirken dadurch deutlich stimmiger. Der Unterschied zu den Schiebefenstern Schieberfenstern -

    -ist erheblich. Die Schiebefenster ihrerseits sind dabei immer noch kleinteiliger als unsere Sprossenfenster mit 6er-Teilung oder den Galgenfenstern die man bei uns ebenso häufig findet.

    :lehrer:

  • Beispiele aus Hoorn:

    Ich weiß nicht ob ich mit der Benennung 100% richtig liege aber dieses sieht mir aus wie ein feststehendes Reihenfester mit Bleisprossen. Die unteren Fenster haben immerhin eine 15er Teilung:

    Hier wieder ein schönes Kreuzstockfenster mit Waldglas, Bleisprossen, Windeisen und Fensterläden:

    Hier sind die Kreuzstock-Fenster noch mit weißen Ziersteinen geschmückt. Im Erdgeschoss sind die Fenster deutlich weniger ansprechend:

    Bei diesem Beispiel scheint das Glas schon einmal ersetzt, da sehr klarsichtig und ohne Bleisprossen:

    Hier der Hoofdtoren mit Kreuz- und Querstockfenstern aus Stein:

    Nirgends weiße Sprossenfenster zu sehen, ein Segen (obwohl die Fenster im Erdgeschoss nicht so hübsch sind wie die Oberen):

    :lehrer:

  • Bei dem letzte Bild würde mich die Statik interessieren. Ruht die obere Fassade auf einem Eisenträger?

    Wer einer Halbwahrheit eine weitere Halbwahrheit hinzufügt, schafft keine ganze Wahrheit, sondern eine ganze Lüge.

  • Dafür gibt es keinen statischen Nachweis falls du das meinst. Die Ziegelsteinfassade hat nur eine raumabschließende Funktion, keine statische. Das Vorkragen der Fassade kennt man auch vom Fachwerkbau und ist gewollt, also keine Folge von Setzungen o.Ä. Die Giebelscheibe und m.E. auch das 1 OG liegt auf dem Rähm ( Puibalk) auf, ist leicht schräg gemauert und wird ausschließlich über Zuganker stabilisiert. Wegen des Gewichts liegt die Wand direkt auf dem Rähm, ohne das dieser vorkragt.

    Ein interessanter Artikel dazu S. 160 ff.:

    Op vlucht bouwen

    Op vlucht 2

    :lehrer:

  • Die Stadt Neckergemünd schreibt weiße Sprossenfenster in ihrer Gestaltungssatzung vor:

    Neckergemünd §17

    Ansonsten keine Aussage zum Glas, Floatglas also i.O... Dachziegelwildwuchs gemäß §8 ebenfalls zulässig.

    Die Stadt Nördlingen schreibt in §11 ebenfalls weiße Fenster vor, andere Farben sind ggf. zulässig:

    Nördlingen

    Für Schaufenster ist Klarglas vorgeschrieben. Es gibt keine Beschränkung bei der Schaufenstergröße bezogen auf das Erdgeschoss.

    :lehrer:

  • Ich glaube, bei der Frage nach der Fensterfarbe greifen einfache Regeln schnell zu kurz. Historisch gab es da keine einheitliche Lösung, sondern immer starke Abhängigkeiten von Zeit, Region, Materialien, Kosten und auch von Lichtverhältnissen.

    Weiße Fenster sind deshalb weder automatisch richtig noch falsch. Sie sind oft Ergebnis späterer Vereinheitlichungen oder praktischer Erwägungen. Umgekehrt ist auch die Annahme problematisch, dass Fachwerk grundsätzlich dunkle oder holzfarbene Fenster gehabt haben müsse.

    Für mich ist entscheidend, den konkreten Bestand zu betrachten: Bauzeit, Umbauphasen, Fensterkonstruktion, Glas und Einbindung in Wand und Innenraum. Pauschale Aussagen helfen da selten weiter.

    Wer sich vertieft mit historischen Fenstern beschäftigen möchte, findet hier eine gut gebündelte Sammlung fachlicher Quellen und Leitfäden:

    Innenausbau - Handwerkliche Denkmalpflege in Sachsen
    Erhalten Sie Fachwissen zur Restaurierung von Fenstern, Türen, Treppen und historischen Bodenbelägen im Innenausbau für Denkmalpflege.
    www.sachsen-denkmal.de