Rom - Zentrum des Katholizismus

  • Die Idee zu dieser Galerie hatte ich schon länger. Nun geht es los. Thema ist das Rom der Kirchen und das Rom der Kirche, die ewige Stadt als Zentrum der katholischen Welt.

    Ich stütze mich insbesondere auf Bildmaterial, das im Zusammenhang mit Pilgerreisen tschechischer, slowakischer und ungarischer Katholiken entstanden ist. Die mit dem Zusatz "Člověk a Víra" gekennzeichneten Fotos wurden durch den tschechischen Verein "Člověk a Víra" (Mensch und Glaube) zur Verfügung gestellt. Diese Vereinigung christlicher Fotografen hat sich das Ziel gesetzt, das kirchliche Leben in hochwertigen Aufnahmen zu dokumentieren und so einen Beitrag zur Evangelisierung zu leisten. Die Bilder sind für die nichtkommerzielle Verwendung lizensiert. Bei Weiterverwendung bitte den Namen der Fotografin oder des Fotografen sowie den Vereinsnamen "Člověk a Víra" angeben!

    Die folgende Aufnahme entstand an einem Spätsommerabend um 19:46 Uhr.

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    Rom, Via della Conciliazione mit Blick zum Petersdom (Foto: Tomáš Fečo, 1. September 2022, Člověk a Víra, CC-BY-NC)

  • Die wunderbarste Stadt der Welt

    Dazu möchte ich unseren Rom-Spezialisten Leonardo di Monaco zitieren:

    Ich glaube nicht, dass es eine Stadt auf dieser Erde gibt, die es bzgl. historischer Bau- und Kunstsubstanz mit Rom aufnehmen kann. Das von der UNESCO als Welterbe deklarierte historische Zentrum Roms beträgt mehr als 14 km², auf dem sich 25000 Denkmäler befinden, darunter über 500 Adelspaläste und ca. 300 Kirchen (im gesamten Stadtgebiet über 900) - das ist die höchste Dichte an Denkmälern pro qm in der ganzen Welt. Dabei handelt es sich um Denkmäler von der Antike bis heute, ein solches Spektrum deckt keine andere Stadt weder von der Quantität noch von der Qualität her ab, selbst Städte wie Wien, Prag, Venedig oder Paris kommen da nicht mehr mit.
    Natürlich ist es immer eine subjektive Frage, welche Stadt man als schön empfindet, aber ich finde, es gibt durchaus objektive Kriterien, mithilfe derer man den künstlerischen und kunsthistorischen Wert eines Kunstwerkes oder einer Stadt messen kann. Und unter diesem Gesichtspunkt ist Rom halt absolute Spitze!

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    Rom, Blick über die Innenstadt (Foto: Tomáš Fečo, 2. September 2022, Člověk a Víra, CC-BY-NC)

    Die beiden dicht zusammenstehenden Kuppeln gehören zu den Kirchen Sant'Andrea della Valle und Trinità dei Pellegrini. Weiter rechts im Bild die Kuppel der Großen Synagoge mit rechteckigem Tambour. Die Aufnahme entstand an einem 2. September um 19:13 Uhr. Gegen 20:07 Uhr drückte unser slowakischer Fotograf Tomáš Fečo noch einmal auf den Auslöser

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    Blick über die Innenstadt (Foto: Tomáš Fečo, 2. September 2022, Člověk a Víra, CC-BY-NC)

    Ich mache an dieser Stelle gerne Werbung für unsere bereits bestehende allgemeine Rom-Galerie "Rom, die ewige Stadt".

    Allen Rom-Fans sei zudem die von Regiomontanus gestartete Galerie "Römische Villen und Palazzi" empfohlen, aus der ich hier die ersten Zeilen zitiere:

    Es gibt bereits eine Rom-Galerie mit sehr lesenswerten Beiträgen. Ich finde allerdings, dass eine einzelne Galerie der Bedeutung der Ewigen Stadt als Schaufenster der Architektur der letzten zweieinhalb Jahrtausende nicht gerecht wird. Es müsste mindestens drei Rom-Galerien geben, oder auch vier oder fünf. Die Sakralarchitektur ist ohne Beispiel. Das bürgerliche Rom, La Roma Profana, steht dem kirchlichen in puncto Prachtentfaltung kaum nach. Und dann die antike Stadt mit ihren Hinterlassenschaften.

    Dies ist nun die von Regiomontanus angeregte dritte Rom-Galerie - die zu den Kirchen.

  • Dies ist nun die von Regiomontanus angeregte dritte Rom-Galerie - die zu den Kirchen.

    Na, da hast Du Dir aber was vorgenommen ;)

    "Napoleon ist tot - aber Beethoven lebt."

    Bruno Walter

  • Ja, etwas Schönes habe ich mir vorgenommen. Ich empfinde die Kunst Italiens, sofern sie älter als 200 Jahre ist, als beglückend. Die Kirche Sant'Andrea della Valle hatte ich ja schon erwähnt. Sehen wir sie uns näher an!

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    Rom, Blick von der Engelsburg zu den Kirchen Sant'Andrea della Valle (links) und Santissima Trinità dei Pellegrini (rechts). Die eckige Kuppel der Synagoge ist nun optisch zwischen die beiden Kirchenkuppeln gewandert. In Wirklichkeit befindet sie sich im Hintergrund
    (Foto: Dguendel, 25. Januar 2015, CC-BY-3.0)

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    Blick von der Piazza San Pietro in Montorio zur Kirche Sant'Andrea della Valle (Foto: Krzysztof Golik, 14. November 2018, CC-BY-SA-4.0)

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    Blick vom Petersdom zur Kirche Sant'Andrea della Valle (Foto: Dguendel, 26. Januar 2015, CC-BY-3.0)

    Was für ein Stadtbild! Roma, die Göttin der Urbanität anbetend, sinke ich auf die Knie.

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    Sant'Andrea della Valle (Foto: Chabe01, 29. August 2021, CC-BY-SA-4.0)

    Die Kirche hat keinen Campanile, sondern nur einen kleinen Glockenstuhl, der hier an der rechten Seite sichrbar ist. Die Seitenfassaden und die Chorfassade sind schlicht gehalten. Die in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts errichtete Kuppel ist nach St. Peter die zweitgrößte Kuppel Roms aus der Frühen Neuzeit. Die Schaufassade zum Platz wurde 1655-1665 von Carlo Rainaldi unter Verwendung eines älteren Entwurfs von Carlo Maderno errichtet. Sie besteht aus Travertin. Auffällig ist das Fehlen von Voluten am Giebel. An ihrer Stelle befindet sich links ein stattlicher Engel, rechts jedoch nichts.

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    Sant'Andrea della Valle, Fassade (Foto: Chabe01, 29. August 2021, CC-BY-SA-4.0)

    Was soll man zu dieser Fassade noch sagen? Sie ist perfekt, ohne kalt zu wirken. Sie ist harmonisch, ohne sentimental zu sein. Sie ist mionumental, ohne zu erschlagen. Sie ist klassisch - im ureigensten Wortsinne.

    Die Platzfassade wird dem Spätbarock zugerechnet.

  • Für mein Dafürhalten ist die Fassade aber hochbarock, ich kann nichts spätbarock-schwungvoll-exzentrisches daran erkennen. Sie ist auf klassisch-barocke Weise zur Mitte hin rhythmisiert und wirkt ruhig und ausgewogen.

    "Napoleon ist tot - aber Beethoven lebt."

    Bruno Walter

  • Für mein Dafürhalten ist die Fassade aber hochbarock

    Das wäre an sich auch meine Meinung, aber die italienische Wikipedia sagt tardo-barocco.

    La facciata, di gusto tardo-barocco, fu realizzata dal 1655 al 1665 da Carlo Rainaldi che ampliò il progetto originario di Carlo Maderno. In travertino, alta, sontuosa, presenta due ordini di colonne appaiate e lesene corinzie. I lavori furono finanziati dal cardinale Francesco Peretti di Montalto, nipote di Alessandro, l'originale finanziatore dell'opera

    Und die deutschen Kollegen schreiben unter Berufung auf einen "Architekturführer Rom":

    Die Fassade „spiegelt den Geist des Spätbarocks wieder".

    Meine Qualifikation reicht aus, um zu sehen, dass in dem Satz ein e zu viel ist (widerspiegeln). Aber ob der Geist des Spätbarock hier seinen Schabernack mit uns treibt? Irgendeine Grundlage müsste diese Einschätzung doch haben, obwohl Mitte des 17. Jahrhunderts ja eigentlich zu früh für eine spätbarocke Geisterstunde ist.

    Mit Rom ist man doch eigentlich ganz schnell fertig

    Aber wer will das schon sein? Ich denke ja immer, dass ich mich zu wenig mit Rom und überhaupt mit Italien beschäftige. Für jemanden, der sich für europäische Kunst- und Kulturgechichte interessiert, kann es eigentlich nur zu wenig sein, sofern er nicht hauptamtlicher Italien-Spezialist ist, was ich bekanntlich nicht bin.

    Sehr angenehm ist die städtebauliche Einbettung der Kirche Sant'Andrea della Valle, die übrigens nicht geostet, sondern nach Süden ausgerichtet ist.

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    Rom, Piazza Sant'Andrea della Valle, links neben der Kirche die Piazza Vidoni (Foto: Chabe01, 29. August 2021, CC-BY-SA-4.0)

    Direkt vor der Kirche führt der Corso Vittorio Emanuele II (lies: Secondo) entlang. Dort fährt der Bus. Das Auto rechts an der roten Ampel kommt vom Corso del Rinascimento, einer Schöpfung der Mussolini-Ära. Das helle Gebäude, das der Kirche gegenübersteht, ist der Palazzo dell'INA, erbaut 1936-1938. Der Brunnen, der scheinbar zum alten Platzinventar gehört, steht dort erst seit 1957. Er wurde 1614 von Carlo Maderno geschaffen und befand sich ursprünglich in der Spina del Borgo, jener Gegend, die für die Anlage der Via della Conciliazione abgeräumt wurde.

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    Piazza Sant'Andrea della Valle (Foto: Jensens, 6. Juli 2008, public domain)

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    Piazza Sant'Andrea della Valle, Brunnen von Carlo Maderno, dahinter links Palazzo della Valle an der Ecke zum Corso Vittorio Emanuele II, rechts angeschnitten die Kirchenfassade (Foto: Sean MacEntee, 14. August 2013, CC-BY-2.0)

  • Ich bin ja auch nicht vom Fach, aber auf Wikipedia und in vielen Touristenführern steht auch mancherlei Unsinn...
    Der Zeitpunkt der Entstehung der Fassade zwischen 1655 und 1663 wäre natürlich recht früh für Spätbarock, aber ungefähr zur gleichen Zeit (ab 1664) entstand auch die Fassade von San Carlo alle Quattro Fontane (von Borromini), die definitiv einen spätbarocken Charakter besitzt... auch Sant’Ivo alla Sapienza (1642-60, ebenfalls von Borromini) kann man nicht als klassischen Hochbarock bezeichnen. Wahrscheinlich kommt man im römischen Barock mit dem Versuch einer sauber nacheinander ablaufenden Stilgeschichte eh nicht weit, da dort vieles gleichzeitig passiert ist und Borromini, der Wegbereiter des Spätbarock, schon 1667 gestorben ist... außerdem beginnt in Rom der Barock ja schon viel früher als in Mittel- und Nordeuropa, wo der Barock eigentlich erst ab dem letzten Drittel des 17. Jhs an Fahrt aufnimmt. Aber vielleicht können Seinsheim oder Resurrectus Näheres zur stilistischen Einordnung der Fassade von Sant'Andrea beitragen.

    Sehr angenehm ist die städtebauliche Einbettung der Kirche Sant'Andrea della Valle

    Auf dem Foto mag das so scheinen, aber in der Realität hat mich der doch recht stark befahrene Corso Vittorio Emanuele II, der ja direkt vor der Kirche vorbeigeht, immer gestört... da gibt es schöner "ambientierte" Kirchen in Rom.

    Es ist einfach die schönste Stadt der Welt. Es gibt nichts Vergleichbares.

    Mich hat Rom auch von Anfang an unglaublich fasziniert... es ist der Ursprung von fast allem, was wir in Europa kulturell sind und besitzt so überwältigend viele Schätze, wie man sie als normaler Mensch in einem Leben niemals alle erfassen kann. Ich hab mir z.B. in mehreren Romaufenthalten tagelang den Spaß gemacht und bin in so viele Adelspalais hineingegangen wie nur möglich - bei einigen muss man vorreservieren, um hineinzukommen, bei einigen kann man nur an bestimmten Tagen hinein und in andere bin ich einfach durch offene Türen hinein, bis ich manchmal hinauskomplimentiert wurde... aber ich habe trotzdem nur einen kleinen Bruchteil dessen gesehen, was dort alles herumsteht. Es ist endlos.

    "Napoleon ist tot - aber Beethoven lebt."

    Bruno Walter

  • Ich vermag in der Fassade von Sant'Andrea nicht wirklich spätbarocke Architektur zu erkennen, wobei eine gewisse Dynamik durch die Verkröpfungen bereits Einzug gehalten hat. Letztlich bleibt die Gesamtstruktur der Fassade aber doch klassischen Vorbildern wie Il Gesu geschuldet. Man darf zudem die starren Epocheneinteilungen auch nicht zu hoch bewerten. In der Kunstgeschichte versucht man zunehmend, flexibleren Kriterien den Verzug zu geben.

  • Wer in Rom auf den Spuren der Deutschen wandelt, stellt fest, dass es nicht nur die Casa di Goethe, den Campo Santo Teutonico, den protestantischen Friedhof (mit dem Grab von August Goethe), die Villa Massimo und das Gästehaus des Deutschen Ordens (preiswerte Übernachtungen!) gibt ...

    ... sondern auch eine Kirche, in der bis heute fast täglich Gottesdienste in deutscher Sprache abgehalten werden: Santa Maria dell'Anima.

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    Da sie in einer engen Gasse der Altstadt unweit der Piazza Navona liegt, lässt sie sich schlecht fotografieren.

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    Der Renaissancebau macht im Inneren einen sehr barockigen Eindruck. Bei der Planung soll Bramante seine Finger im Spiel gehabt haben.

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    Auch ein Papst ist in der deutschen Nationalkirche begraben. Um den Erhalt kümmert sich die bereits im 14. Jahrhundert gegründete Animabruderschaft.

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  • Noch bis zum 11. Dezember ist eine außerordentlich sehenswerte Doku in der Arte-Mediathek verfügbar.

    Vatikanstadt. Ein Hauch von Ewigkeit

    Der Film informiert über die Baugeschichte des Petersdoms und weiterer Gebäude des Vatikans.

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    Rom, Vatikanische Museen, Holzmodell des Vatikans (Foto: Jakub Kozák, 24. Mai 2023, Člověk a Víra, CC-BY-NC)

  • Die Dokumentation machte mir erst bewusst, was mir auf der dreistündigen Führung durch den Vatikan alles vorenthalten worden war. Manche Schätze wie die Nikolauskapelle kriegt man als normaler Tourist nicht zu sehen. Aber ich komme wieder, Rom.