Unterschätzte deutsche Städte

  • Ich frage mich, ob Giessen vielleicht auch unterschätzt wird? Soweit ich auf Google erkennen kan, gibt es einen (zumindest teilweise) vernünftigen Bereich zwischen den beiden Schlösser und dem Kirchplatz. Auch gibt es in der Innenstadt einige angepasste postmoderne Bauten und Gründerzeitbauten.

    Innenstadt

    Brandplatz

    Wetzsteinstrasse

    Hier wurde übrigens einen Gründerzeithaus teilweise aus dem Nichts rekonstruiert, nachdem das Haus in 2012 abgerissen wurde.

  • Ich frage mich, ob Giessen vielleicht auch unterschätzt wird? Soweit ich auf Google erkennen kan, gibt es einen (zumindest teilweise) vernünftigen Bereich zwischen den beiden Schlösser und dem Kirchplatz. Auch gibt es in der Innenstadt einige angepasste postmoderne Bauten und Gründerzeitbauten.

    Innenstadt

    Brandplatz

    Wetzsteinstrasse

    Hier wurde übrigens einen Gründerzeithaus teilweise aus dem Nichts rekonstruiert, nachdem das Haus in 2012 abgerissen wurde.

    Nein, Gießen wird nicht unterschätzt. Neben Heilbronn und einigen Ruhrgebietsstädten eine der hässlichsten Städte, die ich kenne.

  • Kann sein, ich bin ehrlich gesagt positiv überrascht. Kein Vergleich zu Dessau oder Pforzheim meiner Meinung nach. Gibt es andere Meinungen dazu?

  • Der beste Kenner von Gießen ist janpmw. Er hat über Jahrzehnte ein Modell der historischen Stadt erstellt und auch den einen oder anderen Bau in Mittelhessen durch eigene Initiative gerettet.

    Ich selbst bin erst einmal in Gießen gewesen, damals vor 35 Jahren noch mit wenig Vorstellung, was mich erwartet. Ich war erschrocken über die Lieblosigkeit der Innenstadt. Erst im Nachklang wurde mir bewusst, wie zerstört die Stadt war.

  • Immerhin gibt es ein kleiner angepasster Kernbereich (Schloss, Zeughaus, Kirchplatz). Aber natürlich ist es kein Quedlinburg...

  • Immerhin gibt es ein kleiner angepasster Kernbereich (Schloss, Zeughaus, Kirchplatz). Aber natürlich ist es kein Quedlinburg...

    Gießen steht für den ganzen Irrsinn der Nachkriegsstadtgestaltung mit hässlichen 60iger-Jahren-Bauten, "verkehrsgerechten" Schneisen und rücksichtslosen Abrissen der wenigen erhaltenen Altbauten. Einiges hat man dann noch in den Hessenpark verfrachtet - auf der grünen Wiese stehen dort wahllos zusammengetragene Fachwerkbauten in einem künstlichen Freilichtmuseum...

  • Attraktive Bebauung wie dieses Eckhaus ist wohl eher die Ausnahme. Ich gebe zu, mit Gießen habe ich mich bisher überhaupt nicht beschäftigt.

    https://www.alamy.de/giessen-deutschland-innenstadt-altstadt-das-zentrale-stadtviertel-mit-bunten-gebauden-geschaften-und-schildern-image356959231.html

    Auch das Stadttheater ist schön:

    Stadttheater Gießen
    Das Stadttheater Gießen ist eines der sechs großen, öffentlich geförderten Theater in Hessen.
    www.hr2.de

    In dubio pro reko

    Der größte Feind der Ideologie ist die Realität

  • In Gießen habe ich 2011 mal drei Tage verbracht, aber nur als Standort für Ausflüge in die Umgebung, die Innenstadt habe ich natürlich trotzdem angeschaut.

    Ich fand es ziemlich belanglos, nicht extrem häßlich, aber auch keine Reise wert (Hanau gefiel mir z. B. deutlich weniger).

    Die Innenstadt gibt es hier zu sehen: klick

  • Es wurden wohl schon alle unterschätzten Städte genannt (nein, da gibts noch so einige), wenn wir jetzt bei Städten wie Gießen landen. Nicht mehr viel länger und Ludwigshafen wird erwähnt. :wink:

  • Unterschätzt werden wahrscheinlich im Westen Braunschweig (viele Traditionslinien), Düsseldorf (schöner Marktplatz mit historischem Rathaus) und diverse Industriestädte der DDR: Chemnitz, Zwickau, Eisenach.

    Ein Geheimtipp ist vielleicht Güstrow mit kleiner, aber guter Altstadt, Marktplatz mit Rathaus und Backsteinkirche und natürlich Schloss Güstrow. Vielleicht auch die Kaiserstadt Tangermünde mit der imposanten Stadtmauer an der Elbe.

  • Es gibt noch hunderte Kleinstädte, die man nennen könnte

    Z.B. Bretten, Schwäbisch Hall, Feuchtwangen, Bad Mergentheim, Güstrow, Meiningen, Stendal, Kronach, Dillingen/Donau, Ellwangen/Jagst, Uelzen etc

  • Eisenach.

    Was eine Unterlassungssünde wäre es, Eisenach ja, aber Arnstadt nein. Arnstadt ist ein so charmanter Einstieg in so viel sehenswertes in Thüringen, darf auf keinen Fall fehlen und wird einem viel Freude bereiten. Und dann noch Bach-Stadt...

  • Feuchtwangen

    ist leider sehr kaputtsaniert bzw. heruntergewirtschaftet. Die haben es geschafft irgendwie beides zu vereinen. Man erkennt, dass die Stadt selbst sich bemüht (vielleicht trotzdem ungeschickt agiert), aber von den aller meisten Eigentümern ziemlich hängen gelassen wird mindestens in den B Lagen, vereinzelt auch in A Lagen.

  • Ein Geheimtipp ist vielleicht Güstrow mit kleiner, aber guter Altstadt, Marktplatz mit Rathaus und Backsteinkirche und natürlich Schloss Güstrow. Vielleicht auch die Kaiserstadt Tangermünde mit der imposanten Stadtmauer an der Elbe.

    Güstrow ist weitgehend erhalten und wunderschön, aber ich hätte es einfach für “zu klein” gehalten, um es hier zu erwähnen.

    Wenn wir bis auf diese Grössenebene oder gar noch weiter herunterbrechen, wird es durch die große Anzahl der betreffenden Staedte arg unübersichtlich.

    Güstrow hat 28 000 Einwohner. Zum Vergleich Flensburg und Schwerin beide knapp 100 000.

    Aber vielleicht auch egal. Was meint Ihr?

  • Wieso denn das? Ob eine Stadt als Geheimtipp gilt, unterbewertet ist oder unter dem Radar schwimmt, hat doch nichts mit ihrer Einwohnerzahl zu tun. Es liegt bei jedem selbst, ob er es für sinnvoll hält, auch Städte unter 100.000 Einwohnern in seine Reiseplanung einzubeziehen.

    Und außerdem: Hier wird überhaupt nichts unübersichtlich. Es geht schließlich nicht schon wieder um ein Ranking – das wäre in diesem Zusammenhang weder sinnvoll noch zielführend. Es handelt sich um persönliche Empfehlungen und Einschätzungen. Jeder sollte sich am Ende selbst ein Bild der genannten Städte machen.

  • Wahrscheinlich ist Halle an der Saale ein Geheimtip, wenn ich sage, daß ich wieder mal mit dem ICE nach Halle düse (das ginge ja fast schon als Tagesausflug von Nürnberg), versteht das niemand - fahr doch nach Erfurt oder Leipzig.

    Aber trotz der DDR-Abrisse und diversem Verfall bietet Halle noch unglaublich viel erhaltene Bausubstanz.

    Einige Eindrücke:

    Jede Menge weitgehend erhaltene Gründerzeit:

    Inklusive Villen und Repräsentationsbauten - und der Pauluskirche:

    Erhaltene Straßenzüge:

    Reizvolle Perspektiven:

    Zumindest in der nördlichen Innenstadt tolle historische Bebauung:

    Einen gigantischen Platz im Zentrum:

    Sehenswürdigkeiten wie die Franckeschen Stiftungen:

    Eine reizvolle Ringstraße mit vielen hochwertigen Bauten und viel Grün:

    Mit Großstadtarchitektur:

    Wahrscheinlich die am meisten unterschätzte Stadt überhaupt, vermutlich, weil sie kaum jemand besucht.

  • Es wurden wohl schon alle unterschätzten Städte genannt (nein, da gibts noch so einige), wenn wir jetzt bei Städten wie Gießen landen. Nicht mehr viel länger und Ludwigshafen wird erwähnt. :wink:

    Der Grund, weshalb ich Giessen erwähnt habe, war dass die Stadt allgemein als die vielleicht hässlichste in Hessen oder gar D. genannt wird. Soweit ich erkennen kann, scheint es nicht der Fall zu sein. Es gibt sogar einige schöne Ecken. Darmstadt wurde ja deshalb auch erwähnt.

  • Wenn ich an der Stelle mal Werbung für das Nachbarforum machen dürfte? Da geht es nämlich gerade um Durlach (ja ich weiß, eigentlich nur ein Stadtteil, dies aber unfreiwillig), das haben viele auch nicht "auf dem Schirm". Dabei wäre es hochverdient.

    https://club.baukultur.pictures/forum/index.ph…3648#post363648

    Stimmt, Durlach ist eigentlich auch mehr als ein einfacher Stadtteil, da es früher die Residenz war, bevor Karlsruhe nebenan als Planstadt 1715 erst angelegt wurde. Da Durlachs Zentrum im Krieg dadurch auch nicht getroffen wurde, ist dort einiges an lokalem Barock erhalten.


    Ich komme aus Karlsruhe und muss dazu noch hinzufügen, dass Karlsruhe ohnehin viele noch bestehende Viertel hat - vorwiegend natürlich aus der Gründerzeit.


    Besonders tragisch ist bei dieser Stadt auch, dass sie im Krieg mit ca 30 % Gesamtzerstörung eigentlich verhältnismässig gut wegkam, der Schwerpunkt eher ausserhalb der Innenstadt lag und der weitestgehend erhaltene barocke Kern erst durch einen idiotischen Straßendurchbruch nach dem Krieg geschaffen wurde, der auch den ansonsten erhaltenen Grundriss schwer missachtete. Karlsruhe hatte also ursprünglich 2 solche Altstädte wie Durlach.

  • Ich würde an dieser Stelle aus aktuellem Anlass noch tatsächlich auch Leipzig hinzufügen. Das erste Mal vor einem Jahr hat sie mir nicht wirklich gefallen, aber nun kam ich doch mal wieder kurzfristig vorbei und war erstaunt, wie viel mir offenbar das letzte Mal entgangen ist (bzw. evtl war die Erwartung da auch sehr hoch eben).

    Definitiv eine der schöneren Großstädte, kein Erfurt, Halle oder Regensburg, aber doch auch meilenweit besser als meine Geburtsstadt Stuttgart oder selbst meine Heimatstadt Karlsruhe.

    Ich war doch sehr beeindruckt von den vielen barocken Bürgerhäusern, die oft die Pracht der Dresdner Bauten meiner Meinung nach sogar übertreffen. Dachte nicht, dass Leipzig durchaus eine Barockstadt ist. Es gibt mehrere lange Straßenzüge, die einfach so gut wie erhalten sind, die Neubauten sind meist nicht zu zahlreich und fügen sich in vielen Fällen sogar echt ganz gut ein. Ein paar Bausünden sind natürlich immer zu finden.

    Bezogen ist diese Meinung natürlich vorwiegend auf das Zentrum. Ich habe auch ein paar andere Stadtteile schon gesehen und fand sie auch meist schön. Insgesamt wirkt die Stadt auf mich ziemlich kompakt und gut erhalten. Quedlinburg hat mich mehr begeistert, aber Leipzig war auf dieser Tour definitiv die Überraschung schlechthin.

  • definitiv die Überraschung schlechthin.

    Selbstverständlich findet man in Leipzig so einige Überraschungen schlechthin, vor allem bürgerliche Spitzenbauten des Barock schlechthin. Neben der Börse und dem Romanushaus ist es wohl unabdingbar, das Oertels Haus, das Fregehaus, das Zemischs Haus, und selbstverständlich den Coffeebaum kennenzulernen, denn sonst hat man echt was verpaßt. Leipzig hat damit einen Schatz, dem ganz sicher weniges Konkurrenz machen wird.