Prognose: Rekonstruktionsprojekte in kommenden Jahrzehnten

  • Eine kleine optimistische Zukunftaussicht: Welche größeren Rekonstruktionsprojekte (vergleichbar mit Neuer Frankfurter Altstadt und Dresdner Neumarkt) haltet ihr für möglich bzw. realistisch, welche in den kommenden Jahrzehnten in Deutschland entstehen könnten? In welchen Städten könnten die Vorzeichen für solche Projekte demnächst gut stehen. Ich freue mich auf eure Meinungen!

  • Angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland, insbesondere der Kommunen, halte ich überhaupt kein Projekt dieser Größenordnung in den kommenden Jahren für realistisch. Reicht das als Antwort?

    In dubio pro reko

    Der größte Feind der Ideologie ist die Realität

  • Und genau so ist es!!! Wacht endlich auf und seid dankbar für das sehr Viele, was in den letzten 25 Jahren positiv gelaufen ist.

    Am Neustädter Königsufer sieht es darüber hinaus recht gut aus. Die vier Häuser an der Großen Meißner Straße und das Narrenhäusel sowie zahlreiche sehr gut angepasste Neubauten an der Klostergasse werden in den nächsten Jahre kommen.

  • Der unbebaute Neumarkt wurde als Parkplatz, später auch (nach der Grundsteinlegung zum Wiederaufbau der Frauenkirche) als Lager- und Arbeitsfläche genutzt. Um 2003/04 waren Schütz / Köhler die einzigen fertiggestellten Bauten innerhalb einer städtischen Wüstenei. Der Platz war in dieser Form ein Solitär und kaum mit anderen Städten zu vergleichen, orientiert man sich z.B. an Frankfurts technischem Rathaus und dem überbauten Hühnermarkt.
    Die Fragestellung rechnet mit drei Unbekannten - der zukünftigen Verfügbarkeit einer zentralen Baufläche, dem Willen zur Bebauung (der bei Kommunen gegen Null tendiert) und dem wahrscheinlichen Finanzier. Einen vierten Faktor stellen die dann notwendigen Fachleute dar, um ein solches Projekt zu betreuen. Mit solchen Zahlen kann man nicht rechnen.
    Gedankenspiele, was in ein paar Jahrzehnten alles sollte, könnte und hätte - befremdlich und nicht gut. Das Augenmerk auf die Große Meißner Straße und das Narrenhäusel zu richten, ist da doch viel mehr verheißungsvoll.

  • Wacht endlich auf und seid dankbar für das sehr Viele, was in den letzten 25 Jahren positiv gelaufen ist.

    Dankbar wäre ich, wenn die Politik auch gute Voraussetzungen für die nächsten 25 Jahre geschaffen hätte. Sie hat aber das Gegenteil getan.

    In dubio pro reko

    Der größte Feind der Ideologie ist die Realität

  • Angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland, insbesondere der Kommunen, halte ich überhaupt kein Projekt dieser Größenordnung in den kommenden Jahren für realistisch. Reicht das als Antwort?

    Nicht dass ich große Hoffnungen habe, aber waren Projekte dieser Ordnung in Planung/Bau in Wirtschaftlichen starke Zeiten?

  • Es wird keine großen Rekonstruktionsprojekte in den nächsten Jahrzehnten in Deutschland geben. Das Land ist im wirtschaftlichen Niedergang - was jetzt in der Industrie verloren geht, wird nicht mehr wieder kommen. Der Dienstleistungssektor kann das nicht auffangen und wird durch KI & Co. nicht weiter wachsen. Die Musik wird künftig woanders auf der Welt spielen und der Grund ist nicht das wir zu wenig arbeiten. By the way die Kommunen sind jetzt schon hochverschuldet und haben genug damit zu tun irgendwelche abgewrackten Kaufhäuser in Innenstadtlagen zu erwerben und zu ertüchtigen (was meistens nicht klappt und als Geldverbrennungsmaschine endet).

  • Ob ich selbst daran glaube? Keine Ahnung.

    Ich hoffe, dass viele kleine idyllische Orte endlich anfangen zu sanieren, statt abzureißen, und dass insbesondere unpassende Nachkriegsbauten abgerissen werden, um neue Gebäude zu errichten, die sich stärker an früheren Baustilen orientieren. So könnte der Tourismus angekurbelt und der wirtschaftliche Zwang zumindest teilweise gemildert werden.

    Außerdem hoffe ich, dass viele Amerikaner mit deutschem Hintergrund – begünstigt durch die aktuelle Politik – wieder nach Deutschland zieht und dies einen positiven wirtschaftlichen und vielleicht auch demographischen Aufschwung mit sich bringt.

    Ebenso hoffe ich, dass der rekonstruierte Hauptbahnhof von Mönchengladbach positive Auswirkungen auf NRW haben wird.

    Es gab immer wieder Überraschungen also wer weiß, was noch kommt.

    Mehr Vertrauen habe ich dabei in den Osten als in den Westen (leider).

  • Die Messe ist gelesen.

    Ich sehe auch nicht, wie Deutschland wirtschaftlich wieder auf die Beine kommen könnte. Autos, Maschinenbau, chemische Industrie etc. haben hierzulande keine Zukunft mehr, da spielt die Musik in China. Man findet in den Industriezweigen hier auch kaum noch offene Stellen.

    In Deutschland wird nicht mehr viel Geld verdient, ergo ist auch für Rekonstruktionen nicht mehr viel übrig. Auch mit bürgerschaftlichen Engagements wird es auf absehbare Zeit vorüber sein.

  • Na hoffentlich sind wir zukünftig wirtschaftlich und technisch noch in der Lage Foren im Internet zu betreiben. Sonst hätten wir ja keine Möglichkeiten mehr unseren Pessimismus in alle Welt zu tragen.

    Dieser Strang und was hier geschrieben ist wirklich wieder mal mehr als flüssig.....

  • Na hoffentlich sind wir zukünftig wirtschaftlich und technisch noch in der Lage Foren im Internet zu betreiben. Sonst hätten wir ja keine Möglichkeiten mehr unseren Pessimismus in alle Welt zu tragen.

    Dieser Strang und was hier geschrieben ist wirklich wieder mal mehr als flüssig.....

    Danke. Was bin ich für mich froh, dass es mir (und meinen Lieben) gut geht. Man kann auch in allem das Schlechte sehen und zur "Dauerheulsuse" verkommen. Ändert aber an der eigenen Situation nichts, außer dem massiven Verlust der Ernsthaftig- und Glaubwürdigkeit. Es ist mir unklar, was sich so manch Zeitgenosse einbildet?

    Das jegliche Einnahmen in der Wirtschaft und den Kommunen nur in Rekonstruktionen fließen? Lachhaft! Es gibt genug andere Baustellen und Ausgaben. Es kommen schon wieder vereinzelte Rekonstruktionsobjekte, ob von öffentlicher Hand (wie dem langen Franz) oder privaten Investoren (wie etwa dem Hotel Stadt Rom).

    Dennoch: Der Wunsch nach der Rekonstruktion ganzer Marktplätze, etc. mag ein Wunsch (oder Traum) so mancher Menschen bleiben. Ich schließe mich da natürlich auch ein. Dieser Wunsch hat aber mit der Realität rein garnichts zu tun. KEIN privater Bauherr(und schon gar keine Kommune) kauft mehrere dutzend Gebäude aus der Wiederaufbauzeit auf, um sie dann mit kleinteiligen Gebäuden neu zu bebauen. Alleine aus ökonomischen, finanziellen und sozialen Gründen nicht. Wer das in Zeiten von massiver Wohnungsnot noch nicht verstanden, dem ist auch nicht zu helfen.

    Eine Kommune wird dies noch weniger tun. Niemandem (außer evtl. ein paar wenigen Träumern) wird man erklären können, dass man Kindergärten, etc. nicht mehr unterhalten kann, aber für mehrere Millionen Gebäude XY rekonstruiert.

    Da einige wenige User ja immer wieder den Unmut (über das eigene Scheitern???) kundtun und damit vom jeweiligen Thema abschweifen müssen:

    Es gibt bei Wikipedia eine Liste mit potentiellen Rekonstruktionen. Ein einfacher Blick in die Suchoption hier im Forum bietet ebenfalls viele Möglichkeiten bzw. Anreize. Die großen Würfe wird es (erstmal) nicht geben, die gab es aber auch in den letzten 20 Jahren schon. Konzentriert euch auf kleine Projekte, sprecht Gebäudeeigentümer an, präsentiert eigene Ideen oder (realisierbare) Wünsche. Bei der Fülle und Individualität des Forums und der User, kommen da sicherlich viele tolle Ideen bei herum. Zudem bieten unsere Stadt- und Dorfkerne viel Potential zur Aufenthaltsqualität, Sanierung, etc. Sei es die kleine Hofreite in der brandenburgischen Provinz oder das Patrizierhaus in Limburg/Lahn. Sicherlich fällt jedem von uns mindestens ein Gebäude ein, welches durch Sanierung bzw. Restaurierung zu einem Juwel werden könnte. Darauf sollten wir uns konzentrieren und nicht auf die Ewig-Jammerei. Diese bringt hier keinen weiter!

  • Ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen.

    Dann schlag uns doch mal 3-5 realisierbare Gebäude oder Rekonstruktionen vor, von denen du überzeugt bist, dass (wägt man Finanzen - Kosten-Nachnutzung- Vor-Organisation ab) sie eine Chance zur Realisierung haben. Ich bin gespannt und freue mich auf deine Rückmeldung :biggrin:

  • Sehr negativ das hier alles. Manchmal geht es "ganz schnell", bzw bleibt fast unentdeckt (Rekonstruktion des Schauspielhaussaals in Dresden) und dann kommt es doch. Ob Privat (Liebhaberei als Eskapismus gibt es gerade in schlechten Zeiten, hier fallen mir aus der letzten Dekade immens viele Beispiele ein) oder Öffentlich, weil sich der politische Wille ändert (Bornplatzsynagoge). Oft liegt es wie wir wissen ja gar nicht am Geld, weil eine Rekonstruktion eines Klassizistischen oder Barockenhauses oft sehr viel günstiger kommt/käme, als ein aufwendiger und angestrebter Neubau mit allem Tamtam.

    AI ist hier Segen und Fluch. Es könnte dazu führen, dass sich die Befriedung am Sehen intakter deutscher Stadtbilder über das Internet befriedigen lässt. Es könnte aber auch mit Nachdruck dazu führen bestimmte Verluste ins Bewusstsein zu rufen. Was sich bisher nur starke und klug geführte Initiativen vornehmlich in Berlin, Potsdam und Dresden leisten konnten mit entsprechenden (teuren) Visualisieren.

    Gerade vor dem Hintergrund der ökonomischen Herausforderungen, wie Schrumpfung und erstarkendem Konservatismus, Entfall von Einzelhandel kommt aus den oben genannten Gründen womöglich sogar neue Fahrt im Bereich der "Restauration unserer Innenstädte". Wir werden sehen.

  • Sehr negativ das hier alles. Manchmal geht es "ganz schnell", bzw bleibt fast unentdeckt (Rekonstruktion des Schauspielhaussaals in Dresden) und dann kommt es doch. Ob Privat (Liebhaberei als Eskapismus gibt es gerade in schlechten Zeiten, hier fallen mir aus der letzten Dekade immens viele Beispiele ein) oder Öffentlich, weil sich der politische Wille ändert (Bornplatzsynagoge). Oft liegt es wie wir wissen ja gar nicht am Geld, weil eine Rekonstruktion eines Klassizistischen oder Barockenhauses oft sehr viel günstiger kommt/käme, als ein aufwendiger und angestrebter Neubau mit allem Tamtam.

    AI ist hier Segen und Fluch. Es könnte dazu führen, dass sich die Befriedung am Sehen intakter deutscher Stadtbilder über das Internet befriedigen lässt. Es könnte aber auch mit Nachdruck dazu führen bestimmte Verluste ins Bewusstsein zu rufen. Was sich bisher nur starke und klug geführte Initiativen vornehmlich in Berlin, Potsdam und Dresden leisten konnten mit entsprechenden (teuren) Visualisieren.

    Gerade vor dem Hintergrund der ökonomischen Herausforderungen, wie Schrumpfung und erstarkendem Konservatismus, Entfall von Einzelhandel kommt aus den oben genannten Gründen womöglich sogar neue Fahrt im Bereich der "Restauration unserer Innenstädte". Wir werden sehen.

    Unsere Innenstädte werden sich auf jeden Fall einem Wandel unterziehen (müssen). Die Zeiten der Fußgängerzone a la 1985 sind lange vorbei. Wir müssen viele Teile unserer Städte neu denken und uns dabei-wie du auch sagst, lieber Strelizius , vieler Verluste im klaren werden. KI bietet uns hier Möglichkeiten, die vor 5 Jahren nicht möglich waren. Wir können hier anregen, wünschen oder Empfehlungen mit belegbaren Argumenten aussprechen, nicht fordern, darauf drängen, usw. Unsere (themenverwandten) SocialMedia Kanäle bereiten unseren Gedanken dabei momentan einen Bärendienst, indem sie die Menschen ansprechen, die in den 2030ern bis 2050ern die Entwicklungen bestimmen

  • Ich denke auch nicht, dass es fortan gar keine Rekonstruktionen mehr geben wird. Aber solche umfangreichen und ambitionierten Flächen-Projekte wie Potsdam, Frankfurt und Dresden wird es nicht mehr geben. Einzelne Projekte hingegen schon, ich denke gerade an das Haus zum Savoyischen Kreuz, evtl. die Gigantentreppe, Narrenhäusel und Große Meißner Straße (was an sich schon ein irrer Traum von mir ist), Bornplatzsynagoge, (hoffentlich in ein paar Jahren) der (schon vorgeplante) Marmorsaal im Zwinger. Mehr sehe ich aber ehrlich gesagt nicht.

  • Ich denke auch nicht, dass es fortan gar keine Rekonstruktionen mehr geben wird. Aber solche umfangreichen und ambitionierten Flächen-Projekte wie Potsdam, Frankfurt und Dresden wird es nicht mehr geben. Einzelne Projekte hingegen schon, ich denke gerade an das Haus zum Savoyischen Kreuz, evtl. die Gigantentreppe, Narrenhäusel und Große Meißner Straße (was an sich schon ein irrer Traum von mir ist), Bornplatzsynagoge, (hoffentlich in ein paar Jahren) der (schon vorgeplante) Marmorsaal im Zwinger. Mehr sehe ich aber ehrlich gesagt nicht.

    Es muss doch noch nicht mal ein großes Projekt sein, oder etwa doch?


    Esgibt Unmengen Giebel, Fassaden, Fachwerkhäuser, Dächer, kleine Gebäude zu rekonstruieren, die im Gesamtbild dazu beitragen, als ein großes ganzes zu wirken. Bsp. Frankfurt Braubachstraße, Zeil/Roßmarkt, Nürnberg, Erfurt, usw.

  • Es muss doch noch nicht mal ein großes Projekt sein, oder etwa doch?


    Esgibt Unmengen Giebel, Fassaden, Fachwerkhäuser, Dächer, kleine Gebäude zu rekonstruieren, die im Gesamtbild dazu beitragen, als ein großes ganzes zu wirken. Bsp. Frankfurt Braubachstraße, Zeil/Roßmarkt, Nürnberg, Erfurt, usw.

    Kann ich hunderprozentig unterschreiben. Diese "feinen" Unterschiede unterscheiden ja schon heute die sehr schönen Stadtbilder/Stadträume und die ganz passablen, die uns dann trotzdem nicht berühren. Hier gibt es überall an Stadt und Land viel zu tun. Gerade im Grenzgebiet, dem Weichbild gibt es enorm viel privates Eigentum. Hier konserviert Armut und kluger Wille mit begrenzen Mitteln in vielen Fällen. Mehr ist hier oft weniger. Weniger Geld vielmehr Baukultur im eigentlichen kulturellen Sinne, also Wissen um die Häuser und das herausarbeiten bestehender Qualitäten. Hier geht es oft eher darum, bei notwendigen Pflege- und Ertüchtigungsmaßen bauzeitliche Farben zu wählen, oder veraltete oder zu große Werbeanlagen zu demontieren und der gleichen mehr. Am Rand dieser Maßnahmen, dann auch um "Rekonstruktion" bzw. "Wiederherstellung". Das muss in jedem Einzelfall und von vielen Bürgern in der Summe eben mehr gewollt als unliebsames Übel sein, damit es in der Tendenz einen Aufwärtstrend gibt.

    Diese Art von softer Rekonstruktion und Wiederherstellung sieht man teilweise am Land recht deutlich. In Mecklenburg Strelitz zum Beispiel überwiegt das positive deutlich in den vielen Dörfern. Ich wüsste nicht wieso diese Art des kulturellem Mehrverständnisses, welches gerade herrscht aktuell abnehmen sollte.

  • Für Dresden: Ich gehe davon aus, dass in der kommenden Dekade das Hotel Stadt Rom rekonstruiert werden wird und auch das Narrenhäusel, sehr wahrscheinlich auch das eine oder andere Bürgerhaus an der Großen Meißner begonnen oder bestenfalls gar beendet sein wird.

    Wenn sich der Fokus im Diskurs auf das Belvedere richten ließe, gebe es erhebliche Potentiale dieses Aufgrund seiner Lage und Bespieglung in die Umsetzung zu bringen. Gleiches gilt mittlerweile für den Kaiserpalast. Ich finde ihn scheußlich, so viel sei gesagt, aber er ist schlichtweg so präsent bei sehr, sehr vielen Menschen, dass man einer ernstgemeinen Auseinandersetzung zu seiner teilweisen oder vollständigen Wiederherstellung beschäftigen wird (im Zuge einer generellen Neuordnung der östlichen Alstadtbereiche. Ich könnte mir vorstellen, dass es dabei auf einen seltsamen und in diesem Falle dann faulen Kompromiss, also eines Wiedergängers a la "Postgebäude" hinausläuft. Das wäre natürlich bitter.

    Eine beginnende Wiedergewinnung der Innenräume im Palais im Großen Garten halte ich ebenfalls für möglich im kommenden Jahrzehnt, wenn nicht sogar wahrscheinlich. Nicht falsch verstehen, so wie bei vielen Dresdner Projekten mit langem Atem: Die Raumkubatur ist da, als nächstes könnte die primäre Wiederherstellung der raumgliedernden Bauelemente erfolgen. Die handelnden Akteure sind hier sehr gut aufgestellt.