Nürnberg - der Wiederaufbau

  • Ein Bericht mit Bildern der zerstörten Stadt – in Erinnerung an den Luftangriff vom 2. Januar 1945.

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    "Der Himmel hat Erbarmen mit der unglücklichen Stadt. Während der verflossenen Nacht ist Schnee gefallen. Über dem, was man einst das Schatzkästlein des Deutschen Reiches nannte, breitet sich jetzt ein großes Leichentuch", notierte der Chronist den Untergang der Nürnberger Altstadt, Fritz Nadler, am 5. Januar 1945.

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    Von dem Inferno und der Zerstörung ließ sich kurz nach dem Angriff nur wenig sehen, denn Rauch umhüllte die Stadt. Doch was in mehr als 600 Jahren gewachsen war, lag nun in Trümmern.

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    Überall brannte es, Flammen schlugen aus zahlreichen Gebäuden: Allein die Löscharbeiten dauerten noch bis zum 10. Januar an.


    Als Nürnberg in Schutt und Asche lag: Luftangriffe vom 2. Januar 1945 jähren sich
    Um etwa 19.20 Uhr fallen die ersten Bomben. Am 2. Januar 1945 sterben mehr als 1800 Einwohner Nürnbergs, innerhalb von nicht einmal einer Stunde werden 90…
    www.nn.de

    "Seine Welt zeige der Künstler - die niemals war noch jemals sein wird“

    - Hermann Bahr (Inschrift des Ateliergebäudes der Darmstädter Künstlerkolonie)

  • Nein. Dafür fehlt mir der Sinn. Die Wiederherstellung der Kirchen und der Burg war letztlich eine Selbstverständlichkeit. Städtebaulich ist 's und bleibt 's ein Totalverlust.

    Abgesehen davon: Was genau ist wiedererstanden, was nicht substanziell ohnedies erhalten war (vom Rathaus vielleicht abgesehen)? Weinstadl, Fembohaus, Dürerhaus, Pilatushaus, Unschlittplatz, Weißgerbergasse, Obere Krämersgasse? Ich warte immer noch auf die Nennung EINES Beispiels für die ach so großartigen Nürnberger Wiederaufbauleistung. Ich wär ja wirklich gerne dankbar, das ist angenehmer als der gegenteilige Zustand des ewigen Haderns. Ich bin gerne dankbar, auch wenn das nicht immer so rüberkommt. Ich bin auch den Forumsmitgliedern für alles von ihnen Bewirkte dankbar, etwa Octavian, Heimdal, Konstantin etc. Ich bin auch dankbar für den Hildesheimer Markt, für die Braunschweiger Alte Waage, für das Berliner Schloss uva. Ich wehre mich dagegen, immer alles und jedes nur negativ zu sehen und das Positive zu ignorieren. Aber in Sachen Nürnberger Stadtbild sehe ich einfach nichts Positives, so sehr auch Gegenteiliges behauptet wird. Dieser Fall ist das Musterbeispiel eines viel zu schnell und billig und vor allem geschmacklos erfolgten Neuaufbaus.

  • ursus carpaticus Einige Bauten wurden schon rekonstruiert, z. B. das Heilig-Geist-Spital, natürlich kein Vergleich zu Potsdam oder Dresden und viel zu wenig. Vielleicht gibt es bald ja mit dem Wiederaufbau des Hauses zum Savoyischen Kreuz endlich mal wieder ein gutes Beispiel. Es ist zumindest endlich mal wieder ein wirklich qualitatives Bürgerhaus, was komplett wieder entsteht.

  • Vom Hl Geist-Spital sind sehr wohl die zumindest die Einzigartigkeit des Baus prägenden Umfassungsmauern stehengeblieben.

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    Nachdem die Heilig-Geist-Kirche im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war, wurde sie im Gegensatz zu den übrigen Spitalbauten nicht unter Verwendung der Originalteile wiederaufgebaut. Auch die übrigen Teile des Gebäudes wurden 1945 durch Bombardierung schwerst getroffen. Das Spital war bis auf die Erdgeschossmauern zerstört, vom Brückentrakt standen nur noch die Bogenkonstruktionen über der Pegnitz und Reste der Außenmauern.

    Ehem. Heilig-Geist-Spital und -Kirche (Nürnberg // Öffentliche Gebäude) -  Wiederaufbauatlas :: Haus der Bayerischen Geschichte
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    Hinsichtlich der Kirche ist der vereinfachte Neuaufbau nach Abbruch der Ruinen alles andere als eine Ruhmestat.

    Gerade der Vergleich mit Dresden und Potsdam hinkt natürlich etwas, weil man dort nach dem Krieg natürlich auch keineswegs "alles richtig" gemacht hatte, wie denn auch anders. Es leugnet auch keiner das Ausmaß der Nürnberger Zerstörungen und die Nachkriegsnot etc. Es ist nur einfach so, dass es einfach nicht gelungen ist, ein ansprechendes Stadtbild, das der historischen Würde dieses Ortes angemessen wäre, neu erstehen zu lassen, und dass dieser Umstand in offenbar epidemischem Ausmaße schöngeredet wird. Das heutige Nürnberg IST einfach KEINE SCHÖNE STADT, wenngleich auch eine Stadt mit (gar nicht so wenigen) einzelnen schönen Bauwerken. Und dieser Befund stellt angesichts der grandiosen Historie in rein städtebaulicher Hinsicht eine ästhetische Katastrophe dar.

  • Ja, der gelungene Wiederaufbau ist wirklich ein Mythos. Erst heute unternahm ich eine Führung in die Nürnberger Unterwelten. Wirklich fantastisch und sehr lehrreich. Aber auch da, wurde der Wiederaufbau gerühmt, weil so schnell, innerhalb von 25 Jahren etc...

    Beauty matters!

  • ursus carpaticus Umfassungsmauern oder nicht, bei so einer Zerstörung ist das definitiv eine Rekonstruktion gewesen. Trotzdem würde ich das heutige Nürnberg auch nicht als schön bezeichnen, viel zu durcheinander.

    Teile des Burgviertels sind schon noch schön sind und es zumindest einen minimal besseren Trend zu geben scheint. Kann man aber natürlich drüber streiten, alles in allem immer noch enttäuschend wenig.

    Perfekt ist gar nichts, nicht mal die Rekonstruktion der Altstadt Warschaus. Aber Dresden und Potsdam und selbst Frankfurt haben trotzdem viel richtig gemacht in den letzten Jahren. Bei allen Ensemblebrechern sind da doch teilweise beachtliche Teile der Altstadt wieder auferstanden (je nach Stadt mehr oder weniger).

    Mehr als das wird es sowieso nie werden, von daher kann man entweder sowas wie in Nürnberg hinnehmen oder sich freuen, wenn sowas wie am Dresdener Neumarkt entsteht. Ich kann mit ein paar etwss hässlicheren (aber formtechnisch trotzdem noch angepassten) Füllbauten leben, solange die Mehrheit orginal bzw nahezu original rekonstruiert wurde. Richtig schlimme Bausünden gibt es dort keine und ich glaube die meisten Touristen merken das nicht einmal wirklich.

    Ich hätte auch lieber nur Rekonstruktionen im großen Stil, aber wenn man nur damit zufrieden ist, wird man ewig unzufrieden sein. Deshalb bin ich kein Fan dieser Ki Visualisierungen, denn sie zeigen ein für heute vollkommen unrealistisches Bild und lassen das gut gelungene im Vergleich immer scheiße aussehen. Selbst komplett ohne Krieg und Abrisswahn, würde jede deutsche Stadt dagegen heute wenig beeindruckend aussehen.

  • Ich kann mit ein paar etwss hässlicheren (aber formtechnisch trotzdem noch angepassten) Füllbauten leben, solange die Mehrheit orginal bzw nahezu original rekonstruiert wurde. Richtig schlimme Bausünden gibt es dort keine und ich glaube die meisten Touristen merken das nicht einmal wirklich.

    Ähm, reden wir gerade von Dresden? Da ist der Neumarkt wieder erstanden, aber der weitaus größere Bereich drumherum besteht eben aus Plattenbauten. Wenn man nicht mit Scheuklappen herumläuft kommt man gar nicht drum herum, dieses anti-urbane Umfeld ertragen zu müssen. Und deswegen ist mir Nürnberg als kleinteilige Gesamtstadt allemal lieber. Weil es eben nicht nur um schöne Fassaden geht, sondern auch um das menschliche Maß.

    In dubio pro reko

    Der größte Feind der Ideologie ist die Realität

  • Ich kann mit ein paar etwss hässlicheren (aber formtechnisch trotzdem noch angepassten) Füllbauten leben, solange die Mehrheit orginal bzw nahezu original rekonstruiert wurde. Richtig schlimme Bausünden gibt es dort keine und ich glaube die meisten Touristen merken das nicht einmal wirklich.

    Ähm, reden wir gerade von Dresden? Da ist der Neumarkt wieder erstanden, aber der weitaus größere Bereich drumherum besteht eben aus Plattenbauten. Wenn man nicht mit Scheuklappen herumläuft kommt man gar nicht drum herum, dieses anti-urbane Umfeld ertragen zu müssen. Und deswegen ist mir Nürnberg als kleinteilige Gesamtstadt allemal lieber. Weil es eben nicht nur um schöne Fassaden geht, sondern auch um das menschliche Maß.

    Aber darum geht es nicht:


    Es gibt in Nürnberg praktisch keinen Ort – abgesehen von der Stadtmauer –, der die Bedeutung und Großartigkeit der Stadt wirklich verrät. Nicht einmal der Bereich um das Tiergärtnertor lässt die einzigartige Geschlossenheit der Stadt erkennen.

    Es ist doch schwach, dass es dort kein einziges wirklich intaktes großes Ensemble oder keine vollständig erhaltene Straße gibt. Dresden hat immerhin sein Elbpanorama. Selbst jede Traditionsinsel in Braunschweig steht über allen Ensembles, die es in Nürnberg gibt. Der Marktplatz in Hildesheim ist im Vergleich ein Meisterwerk.

    Die Großartigkeit Nürnbergs existiert heute nur noch auf Bildern. Der Wiederaufbau hat keinerlei überzeugende Ensembles entstehen lassen.

    Übrigens: Das Heilig-Geist-Spital ist nur eine Teilrekonstruktion, da Teile deutlich moderne Züge tragen. Ich habe ja selbst im Studentenwohnheim gewohnt.

  • Nürnberg hat seinen Stadtorganismus bis heute weitaus stärker als Dresden bewahrt. Den haben dort die DDR-Sozialisten beseitigt, und auch der Neumarkt bringt das nur auf sehr begrenztem Raum wieder zurück. Dass es in Dresden mehr erhaltene bzw. wiederhergestellte Baukunst zu besichtigen gibt als in Nürnberg, darüber brauchen wir nicht streiten, das ist klar. Aber es geht ja auch darum, was eine Stadt als Ganzes ausmachen sollte.

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    Der größte Feind der Ideologie ist die Realität

  • Die Gründerzeitviertel rund um die Nürnberger Altstadt sind insgesamt weder besonders gut erhalten noch in einem wirklich guten baulichen Zustand. In dieser Hinsicht bietet Dresden mit der Äußeren Neustadt, Blasewitz oder Loschwitz deutlich überzeugendere und geschlossenere Viertel.

    In Nürnberg ist es zudem schwierig, selbst außerhalb der Altstadt eine durchgehend gut erhaltene Straße mit historischer Bausubstanz zu finden.

  • Willst du mich nicht verstehen? Ich rede nicht von erhaltener Bausubstanz, sondern von der Stadtstruktur. Luftbildvergleiche von Nürnberg und Dresden reichen zur Erklärung völlig aus. Oder wenn das nicht genügt, einfach mal die Königstraße und Prager Straße vergleichen.

    In dubio pro reko

    Der größte Feind der Ideologie ist die Realität

  • Hier mal ein älteres Video von mir zum aktuellen Nürnberg. In dem Video werden quasie alle heute noch erhaltenen schönen Seiten der Stadt gezeigt.

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    und zum Vergleich das alte verlorene Nürnberg

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  • Die Schwäche Nürnbergs liegt nicht an einzelnen erhaltenen Gebäuden oder an der grundsätzlichen Stadtstruktur. Nürnberg besaß nie eine große Dichte an monumentalen Museumsbauten wie Dresden – etwa mit der Gemäldegalerie Alte und Neue Meister, dem Zwinger oder dem Residenzschloss. Abgesehen vom Germanischen Nationalmuseum war das auch nicht die Stärke der Stadt.

    Nürnbergs eigentliche Bedeutung lag in der Enge und der außergewöhnlich geschlossenen Altstadtstruktur. Genau diese Qualität ist heute nirgends mehr wirklich erlebbar.

    Der Wiederaufbau Nürnbergs hat keines seiner zentralen Merkmale überzeugend zurückgebracht. Nüchtern betrachtet gibt es heute keinen Ort, an dem ein wirklich erhaltenes „Alt-Nürnberg“ noch existiert.

    Man sollte daher aufhören, Nürnberg als Musterbeispiel eines gelungenen Wiederaufbaus darzustellen.

  • Königsbau

    Der Bereich um den Neumarkt und auf der anderen Elbseite die ebenfalls noch vorhandenen Straßen der Inneren Neustadt machen schon einen größeren Teil der Altstadt aus. Nur der Bereich um den Neumarkt fehlt halt.

    Ich glaube das war auf die äußeren Teile bezogen, Johannstadt und co oder? Dort herrscht halt absolut rein garnichts, das ist tatsächlich so. Aber die Neustadt ist auch ein Stadtteil der gut erhalten ist.

    Es ist halt ein gemischtes Stadtbild, aber wenigstens mit einem ansehnlichen Zentrum. Nürnberg hat halt gar kein altes Zentrum mehr, nur bedeutungslose Nachkriegsarchitektur.

  • Man sollte daher aufhören, Nürnberg als Musterbeispiel eines gelungenen Wiederaufbaus darzustellen.

    Richtig. Mit einem Sachstand 1970, kurz vor Einführung der Denkmalschutzgesetze, würde ich sagen hat das gestimmt, die Feststellung, dass Nürnberg ein "gelungener Wiederaufbau" sei. Und diese Erzählung hat sich bis heute fortgetragen, obwohl seither sämtliche Wiederaufbauchancen vertan wurden, mal abgesehen von alledem, was die 1973 gegründeten Altstadtfreunde vollbracht haben. Ich sehe das immer so, wer sagt "Nürnbergs Wiederaufbau ist gelungen" spricht vom einem etwa 50 Jahre alten Sachstand, der heutigen Maßstäben nicht mehr gerecht wird. Mittlerweile hat es anderswo ebenfalls Wiederaufbauprojekte gegeben, die viel stärker noch dem Rekonstruktionsgedanken verpflichtet sind, und die deshalb überzeugender wirken.

    Bleibt die Maßstäblichkeit: Aus der Luft oder einem Hochhaus z.B. am Hauptbahnhof oder der Burg ausgesehen wirkt Nürnberg erstaunlich heil und geschlossen. Die paar Störenfriede in der Dachlandschaft kann man sich wegdenken, die wären so vermutlich auch ohne 2. WK entstanden. Das große Aber: Dieses Geschlossenheitsgefühl verschwindet leider, sobald man eintaucht in die Straßen und Gassen. Und das hinterlässt einen zwiespältigen Geschmack, der es schwer macht von gelungenem Wiederaufbau zu sprechen. Passender wäre es zu sagen "Effizienter Wiederaufbau". Wenn ein 1945 ausgebombter von einem Wiederaufbau geredet hat meinte er gewiss keine Rekonstruktionen der Gassen und Handwerkerhäuser, das sollte explizit alles in "neu" entstehen. Und so ist es auch gekommen. Leider in einer Bauepoche, die heute die am wenigsten überzeugenden Einzelleistungen hervorbrachte. Nürnberg hat aber noch ein paar "Chancen", die Rekonstruktionen ermöglichen würden, und für die lohnt es sich einzusetzen. Noch ist nicht alles mit Betonbunkern für die nächsten tausend Jahre zugeknallt.

  • Nüchtern betrachtet gibt es heute keinen Ort, an dem ein wirklich erhaltenes „Alt-Nürnberg“ noch existiert.

    Naja, also das stimmt so nicht. Die Obere und die Untere Wörthstraße, die Pfeifergasse, in Teilen die Hintere Ledergasse, der Unschlittplatz, Tiergärtnertorplatz, Weißgerbergasse, Mostgasse/Schlehengasse/Schlotfegergasse, die Füll evtl., das sind ja schon noch einigermaßen gut erhaltene Straßen und Plätze. Da kann man das alte Nürnberg auf jeden Fall noch erleben. Viele der dortigen Häuser müssten halt mal saniert werden.

  • Nüchtern betrachtet gibt es heute keinen Ort, an dem ein wirklich erhaltenes „Alt-Nürnberg“ noch existiert.

    Naja, also das stimmt so nicht. Die Obere und die Untere Wörthstraße, die Pfeifergasse, in Teilen die Hintere Ledergasse, der Unschlittplatz, Tiergärtnertorplatz, Weißgerbergasse, Mostgasse/Schlehengasse/Schlotfegergasse, die Füll evtl., das sind ja schon noch einigermaßen gut erhaltene Straßen und Plätze. Da kann man das alte Nürnberg auf jeden Fall noch erleben. Viele der dortigen Häuser müssten halt mal saniert werden.

    Das zentrale Problem ist, dass Nürnbergs frühere Enge, die geschlossenen Straßenräume, dicht bebauten Gassen und charakteristischen Höfe dauerhaft verloren gegangen sind. Der heutige Bestand kann diese Atmosphäre leider nicht mehr vermitteln.

  • Ich komme ja aus dem "sächsischen Nürnberg". 1990 - nach der Wende war ich mit 12 Jahren in Nürnberg, wir hatten dort entfernte Verwandte, und der Mann war ein großer Nürnberg-Fan und im Altstadtverein tätig. Er hat für uns mit Herzblut und viel Leidenschaft eine Stadtführung durch Nürnberg gemacht und die Stadt als großes tolles wiederaufgebautes Gesamtkunstwerk präsentiert. Das hat auf mich als Zwölfjährigen einen großen Eindruck gemacht und ich fand Nürnberg auch toll. Ich erinnere mich aber auch daran, dass ich als ich zurück in Bautzen war, am Bahnhof ausgestiegen bin und die Taucherstraße nach Hause lief ich plötzlich Bautzen unglaublich schön fand (die Stadt war noch komplett unsaniert, wobei die Villenviertel ja nie richtig runtergekommen waren)- mich regelrecht befreit fühlte. Ich war seit dem noch 4 mal in Nürnberg, teils mit einem guten Freund aus Dresden, und jedes weitere mal wo ich dort war, hat mir Nürnberg weniger gefallen. Mir haben sehr die perfekt stimmigen, "authentisch" wirkenden Ensembles gefehlt. Stadtstruktur hin oder her - die bietet vielleicht ein Potential - aber wenn man überall Vereinfachte Anpassungsneubauten dazwischen findet, stört mich das sehr. - Ich persönlich finde eine Stadt wie Greifswald, wo eine Hälfte durch die DDR radikal umgestaltet/verunstaltet wurde, wo aber die andere Hälfte noch ziemlich vollständig und stimmig erhalten ist, deutlich schöner als eine Stadt mit komplett erhaltener historischer Stadtstruktur, aber wenigen komplett stimmigen Straßen.

  • Grimminger, deine Beispiele sind sämtlich durch irgendwas verdorben oder günstigstenfalls extrem kleinteilig. Das alte Nürnberg ist dort definitiv nur dann noch erlebbar, wenn man sich förmlich bemüht, über gewisse Dinge hinwegzusehen. Zu den eklatanten Schwächen Neu-Nürnbergs zählt die Unfähigkeit, teilerhaltene Ensembles mit würdigen Füllbauten zu schließen.