Nürnberg - der Wiederaufbau

  • Niemand wird bestreiten, daß der Hildesheimer Marktplatz besser aussieht als der Nürnberger Hauptmarkt, der vor allem im Süden stark abfällt.

    Ansonsten bietet Hildesheim meiner Meinung nach recht wenig.

    Mir missfällt in Nürnberg auch, daß es ständig unschöne Einsprengsel gibt. Ich ärgere mich dann, weil mit geringen Mitteln einfach viel mehr ginge. Es bleibt dann die Frage, ob man das Hauptaugenmerk auf das Schöne oder das Hässliche legt.

    Vergleiche zu Dresden sind müßig. Dieses lebt als ehemalige Residenzstadt von einzelnen Großbauwerken. Natürlich sind dort die Rekonstruktionen sehr zu loben. Ich selbst mag gerade die Kunstmuseen dort sehr. Außerhalb dieser rekonstruierten Insel wird es hingegen sehr schnell wieder real-sozialistisch.

  • Es geht nicht darum, ob Hildesheim oder Dresden als Städte schöner sind. Aber der Marktplatz in Hildesheim wurde in den 1980er Jahren rekonstruiert, und der Neumarkt in Dresden entsteht gerade in Echtzeit.

    Was passiert gerade in Nürnberg? Das Pellerhaus?

    Es geht nicht um andere Städten – es geht um den Stillstand. Der Nürnberger Wiederaufbau ist kein Goldstandard und seit langem überholt.

  • Was passiert gerade in Nürnberg? Das Pellerhaus?

    Der Pellerhof war eines der bekanntesten Deutschland-Motive überhaupt:


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    Wo hat zum Beispiel Frankreich ähnliches geschaffen in den letzten Jahren? Man muss auch mal die Kirche im Dorf lassen. Kein Land der Weltgeschichte hat jemals so viel rekonstruiert wie Deutschland.

  • Majorhantines Ja, aber das hat man in Augsburg, München und selbst Erfurt, Halle oder Nördlingen doch auch. Und nein, ich gehe immer noch nicht mit, wenn du von "ein paar alten Bauten dazwischen" sprichst. Wie gesagt, die Beispiele oben sind alles Straßen, wo man keine oder kaum Nachkriegsbauten hat. Mir gehts vor allem dadurch, ob man mal durch eine Straße laufen kann, wo gar kein Bruch erkennbar ist.

    Kohlgasse, Platzgasse, Rabengasse und einige weitere sind alles gute Beispiele, die ich in Stuttgart beispielsweise nicht so kenne und eben auch nicht in Nürnberg. Dazu das Viertel auf dem Kreuz, wo im nördlichen Teil alles da ist. Das kann man doch nicht als komplett modern mit einzelnen Altbauten dazwischen bezeichnen. So sehe ich eher eine Stadt wie Stuttgart oder eben Nürnberg.

    Es ist eben ein gemischtes Stadtbild, teils alte Straßenzüge, teils neue. Soll das nun heißen, dass Ulm zu den am besten erhaltenen Altstädten zählt und alles super ist? Natürlich nicht, aber es ist eben auch weit von den schlimmsten wie Nürnberg weg.

    johan v2 Naja, es gibt halt Unterschiede zwischen den jeweiligen Städten. Manche sind wesentlich besser erhalten als andere. Und in manchen ist der Trend viel besser als in anderen. Dresden, Potsdam, Frankfurt und jetzt vielleicht Magdeburg machen doch Hoffnung, dass es langam in Richtung flächigere und qualitativere Rekonstruktionen geht. Nürnberg ist schon ein besonders schlimmes Beispiel, wo sowohl sehr viel vernichtet als auch danach falsch bebaut wurde und wird. Viele andere Städte haben viel schönere Innenstädte, selbst wenn sie Schäden durch den Krieg hatten. Nürnberg war ein Totalverlust und danach hat man nichts dagegen gemacht.

  • Majorhantines Ja, aber das hat man in Augsburg, München und selbst Erfurt, Halle oder Nördlingen doch auch. Und nein, ich gehe immer noch nicht mit, wenn du von "ein paar alten Bauten dazwischen" sprichst. Wie gesagt, die Beispiele oben sind alles Straßen, wo man keine oder kaum Nachkriegsbauten hat. Mir gehts vor allem dadurch, ob man mal durch eine Straße laufen kann, wo gar kein Bruch erkennbar ist.

    Kohlgasse, Platzgasse, Rabengasse und einige weitere sind alles gute Beispiele, die ich in Stuttgart beispielsweise nicht so kenne und eben auch nicht in Nürnberg. Dazu das Viertel auf dem Kreuz, wo im nördlichen Teil alles da ist. Das kann man doch nicht als komplett modern mit einzelnen Altbauten dazwischen bezeichnen. So sehe ich eher eine Stadt wie Stuttgart oder eben Nürnberg.

    Es ist eben ein gemischtes Stadtbild, teils alte Straßenzüge, teils neue. Soll das nun heißen, dass Ulm zu den am besten erhaltenen Altstädten zählt und alles super ist? Natürlich nicht, aber es ist eben auch weit von den schlimmsten wie Nürnberg weg.

    johan v2 Naja, es gibt halt Unterschiede zwischen den jeweiligen Städten. Manche sind wesentlich besser erhalten als andere. Und in manchen ist der Trend viel besser als in anderen. Dresden, Potsdam, Frankfurt und jetzt vielleicht Magdeburg machen doch Hoffnung, dass es langam in Richtung flächigere und qualitativere Rekonstruktionen geht. Nürnberg ist schon ein besonders schlimmes Beispiel, wo sowohl sehr viel vernichtet als auch danach falsch bebaut wurde und wird. Viele andere Städte haben viel schönere Innenstädte, selbst wenn sie Schäden durch den Krieg hatten. Nürnberg war ein Totalverlust und danach hat man nichts dagegen gemacht.

    Genau so ist es. Nürnberg war – und ist – als zusammenhängende Stadt ein Totalverlust. Dazu kommt eine subjektive, aber für mich entscheidende Note: Ich empfinde die angepassten Neubauten der 1950er- und 1960er-Jahre als völlig klaustrophobisch, fast schon „schwedisch“. Solche Viertel gibt es massenhaft rund um Stockholm und überall in Schweden.

    Wer die Nürnberger Innenstadt liebt, wird vermutlich auch Stockholms Vororte außerhalb des Gründerzeitgürtels mögen.

    Das große Problem ist jedoch, dass es in Nürnberg keine Flucht aus diesem Stil gibt. Er ist allgegenwärtig – in der Innenstadt ebenso wie in den Vororten. Selbst die Gründerzeitviertel stellen letztlich einen Verlust dar. Dabei richtet sich meine Kritik keineswegs gegen deutsche Städte im Allgemeinen. Im Gegenteil: Es gibt in der Umgebung so viele wunderschöne Städte zu besuchen, und ich war ständig unterwegs.

    Die Maximilianstraße in Augsburg.

    Der Odeonsplatz in München.

    Die Krämerbrücke in Erfurt.

    Die Altstadt von Landshut.

    Der Haidplatz in Regensburg.

    Nach all diesen Ausflügen kam ich zurück in mein kleines Studentenzimmer am Hans-Sachs-Platz – und hatte das Gefühl, als würde ich in einem schwedischen Vorort wohnen, umgeben von translokierten Altbauten. So schön Bamberg oder Lindau sind, so deprimierend empfinde ich die Nürnberger Einkaufsstraßen, wie man sie in fast jeder kriegszerstörten Stadt Deutschlands findet.

    Gleichzeitig hatte das Ganze etwas beinahe Orwell’sches: Ich gehe durch diese Altstadt, die faktisch ein Totalverlust ist, und überall wird behauptet, sie sei „wunderbar wiederaufgebaut“.

    Warum sehen alle etwas anderes – etwas, das ich nicht sehe?

  • Ich gehe durch diese Altstadt, die faktisch ein Totalverlust ist, und überall wird behauptet, sie sei „wunderbar wiederaufgebaut“.

    Warum sehen alle etwas anderes – etwas, das ich nicht sehe?

    Naja, faktisch ist es doch so, dass hier ein Narrativ geschaffen wurde, dass den NürnbergerInnen von klein auf eingebläut wird: Ihr lebt in einer der schönsten Städte Deutschlands, die nach dem Krieg vorbildlich und wunderbar wiederaufgebaut wurde. Danach richtet man sich ungefragt. Es ist ja wie bei jedem Gründungsmythos eines Staates: die Erzählung verfestigt und verselbständigt sich und wird dann nicht mehr hinterfragt. Diese Gedanken findet man von den "Normalos" bis ins Rathaus: die Stadt ist fertig, Veränderung braucht es nicht und schon gar keine Rekonstruktion, weil ja nach dem Krieg so viel wiederaufgebaut wurde. Dass tatsächlich quasi NICHTS ex nihilo rekonstruiert wurde, weiß keiner. Und die allerallermeisten Menschen werden sich nicht informieren, sie folgen dem Narrativ.

    All die Dinge, die beim Wiederaufbau falschgelaufen sind, interessieren folglich auch nicht. Es gilt also vor allem, ein sich manifestiertes, in den Köpfen festgesetztes Narrativ zu durchbrechen.

    Das sahen wir doch stellvertretend bei der Debatte um die Rekonstruktion des Pellerhauses: Ganz viele Menschen meinten, dass es NICHT NOCH einer Rekonstruktion bedürfe! Die Altstadt sei so miefig und historisch, dass nur Modernes das Aufbrechen könne. Dass die Altstadt zu mehr als 90% eben nicht historisch (im Sinne von vor dem Krieg stammend) ist, das wissen tatsächlich die meisten Menschen nicht. Ihnen fehlt hierzu einfach auch das Wissen und das Interesse.

    Fazit: Wer in der Altstadt etwas ändern möchte, muss dringend Bildungsarbeit leisten und sich damit zurechtfinden, dass man von Vornherein als Nestbeschmutzer oder Fantast bezeichnet werden würde.

  • P.S.: Die steigende Zahl der Mitglieder der Altstadtfreunde zeigt allerdings, dass das Bewusstsein offenbar langsam ansteigt. Die Stadt wäre tatsächlich in der Pflicht, hier Informationsarbeit zu leisten, beispielsweise mit Infotafeln an ehemals neuralgischen Punkten in der Altstadt (Winklergasse, Tucherstraße, Obstmarkt usw.), die den Ist-Zustand dem Vorkriegszustand gegenüberstellen würden. Nur: gewollt ist das momentan sicherlich nicht. Man denke nur an die Ablehnung der Rekonstruktion der Ausmalung des Rathaussaales. Für mich immer noch eine der größten verpassten Chancen der Nürnberger Nachkriegsgeschichte. Eigentlich völlig absurd, wenn man darüber nachdenkt. Bis heute hat man einfach weiße Wände und könnte eines der großartigsten Werke Dürers dort erleben. Irre.

  • Ich war zum Jahreswechsel einige Tage in Nürnberg. Die wenigen Nürnberger mit denen ich dort gesprochen haben, sagte alle, dass sie stolz seien, dass die zerstörte Altstadt nach dem Krieg wieder aufgebaut wurde. Als Besucher habe ich tatsächlich keine einzige Straße gesehen, in der nicht banale Nachkriegslückenfüller zu sehen waren. Aber Nürnberg besitzt mit dem Christkindlesmarkt und der Burg ein narrativ einer romantischen Stadt. Wenn der Weihnachtsmarkt schön beleuchtet und mit Buden vollgestellt ist, sieht man noch nicht einmal die weitgehend hässliche Bebauung des Hauptmarktes.

  • Das eigentliche Problem in der Nürnberger Altstadt ist doch weniger das, was ist. Sondern vielmehr das, was wird. Und das sieht nicht gut aus. Die Altstadtfreunde wuppen ein Mammutprojekt nach dem anderen, aber das gleicht leider nicht die Wucht aus, mit der die Stadt selbst unter Einfluss des unseeligen "Bund deutscher Architekten" und entsprechend fragwürdiger "Architekturwettbewerbe" sich selbst ruiniert. Die vertane Chance des Wiederaufbaus des Luitpoldhauses zur Stadtbibliothek war damals mein erstes Erlebnis mit dem Mindset der Offiziellen hier, die allen Ernstes daraus unbedingt eine Schaumstoffkiste machen wollten. So ist es auch gekommen (klick). Das ist seither allen Ernstes die Eingangssituation zur Altstadt an der Stelle. Danach musste ich miterleben, wie am Augustinerhof Altbaubestand abgerissen wurde, zu einem Parkplatz planiert und schließlich ein Neubaukomplex errichtet wurde. Die Rekonstruktion der Rathaussaal-Ausmalung scheiterte 2014. Die unsäglich piefige Diskussion um das Pellerhaus, in der es als "Gesamtkunstwerk des Wiederaufbaus" hochgejazzt wurde, ganz vorne BDA-Vertreters. Klar, einer der Ihren hat den Entwurf ja Ende der 1950'er da in gestellt. Dabei wurde natürlich gerne ausgeblendet, dass die Bibliothek vielleicht 40 Jahre funktioniert hat und nun bald 30 Jahre Leerstand und Unternutzung auf dem Tacho stehen. Das spricht gewiss nicht für ein "Kunstwerk" des Wiederaufbaus, sondern für einen einfachen Zweckbau, der Weg kann sobald sein Zweck wegfällt. Zuletzt hat die Stadt selbst das Pilatushaus abgestoßen, weil ihr der Erhalt dieses 1A-Denkmals zu teuer war. Obwohl sie sich damit in allen Tourismusannoncen schmückt. Das machen nun die Altstadtfreunde. Die Sanierung des evangelischen Pfarrhauses in der Burgstraße musste natürlich auch durch klobig-hässliche Dachgauben angezeigt werden. Denn damit tut der Anblick des bis dahin makellosen Mittelalterbaus endlich auch weh. Die Altstadtfreunde haben sich auch um das Haus zum Savoyischen Kreuz bemüht, wurden aber ausgebootet. Sicherlich hatten da auch wieder Stadtpolitik und BDA ihre Finger im Spiel. Nun ist zwar dessen Rekonstruktion angekündigt, aber man muss leider davon ausgehen dass man sich nicht um Perfektion bemühen wird.

    Kurzum: Unterm Strich wird die Altstadt in Nürnberg immernoch jedes Jahr ärmer anstatt reicher. In Nürnberg liebt man alles Moderne und findet es schön. Wenn auswärtige darauf hinweisen, was das denn soll, z.B. wenn sie am GNM vorbeigehen Richtung Kornmarkt, was das für eine Altstadt sein soll, werden sie reflexartig darauf hingewiesen, dass hier ja alles zerstört gewesen sei und es doch nun wieder schön ist.

    In Nürnberg herrscht ein Ungeist, der die Stadt stetig historische Substanz raubt, und das spürt man hier nach einiger Zeit. Das macht die Stadt so hässlich. Es ist der Geist in den Köpfen, nicht die Substanz. Wie heißt es immer so schön? Häuer kann man wiederaufbauen. Ja, man muss es aber auch wollen! Der Nürnberger will nicht, er will lieber bemitleidet werden für die Kriegsverluste und gelobt werden dafür, dass wieder überall irgendwas hingebaut wurde. Dieses Lob wird nun aber immer weniger, weil die Menschen nun auch andere Wiederaufbauleistungen kennen.

  • Majorhantines Ja, aber das hat man in Augsburg, München und selbst Erfurt, Halle oder Nördlingen doch auch. Und nein, ich gehe immer noch nicht mit, wenn du von "ein paar alten Bauten dazwischen" sprichst. Wie gesagt, die Beispiele oben sind alles Straßen, wo man keine oder kaum Nachkriegsbauten hat. Mir gehts vor allem dadurch, ob man mal durch eine Straße laufen kann, wo gar kein Bruch erkennbar ist.

    Kohlgasse, Platzgasse, Rabengasse und einige weitere sind alles gute Beispiele, die ich in Stuttgart beispielsweise nicht so kenne und eben auch nicht in Nürnberg. Dazu das Viertel auf dem Kreuz, wo im nördlichen Teil alles da ist. Das kann man doch nicht als komplett modern mit einzelnen Altbauten dazwischen bezeichnen. So sehe ich eher eine Stadt wie Stuttgart oder eben Nürnberg.

    Es ist eben ein gemischtes Stadtbild, teils alte Straßenzüge, teils neue. Soll das nun heißen, dass Ulm zu den am besten erhaltenen Altstädten zählt und alles super ist? Natürlich nicht, aber es ist eben auch weit von den schlimmsten wie Nürnberg weg.

    johan v2 Naja, es gibt halt Unterschiede zwischen den jeweiligen Städten. Manche sind wesentlich besser erhalten als andere. Und in manchen ist der Trend viel besser als in anderen. Dresden, Potsdam, Frankfurt und jetzt vielleicht Magdeburg machen doch Hoffnung, dass es langam in Richtung flächigere und qualitativere Rekonstruktionen geht. Nürnberg ist schon ein besonders schlimmes Beispiel, wo sowohl sehr viel vernichtet als auch danach falsch bebaut wurde und wird. Viele andere Städte haben viel schönere Innenstädte, selbst wenn sie Schäden durch den Krieg hatten. Nürnberg war ein Totalverlust und danach hat man nichts dagegen gemacht.

    Ich finde, das sind sehr übertriebene Darstellungen. Frankfurt am Main z. B. war vor dem Krieg die deutsche Stadt mit den meisten Fachwerkhäusern. Natürlich ist die Rekonstruktion der Teil-Altstadt zwischen Römer und "Dom" zu loben. Allerdings ist das Areal kaum größer als der Handwerkerhof in Nürnberg.

    Ansonsten ist der Rest der ehemaligen Altstadt in Frankfurt weitgehend architektonische Wüste.


    Natürlich sollte in Nürnberg mehr rekonstruiert (Peller- und Toplerhaus z. B.) oder schlicht verschönert werden. Es gibt dort einfach nicht solche Brachen wie in Dresden, wo man heute dankenswerter Weise freilich historisch hochwertig baut.

    Zu ,oben in Nürnberg ist immerhin, daß der Straßenraum und einige Plätze in der Innenstadt verschönert werden sollen (weniger Asphalt und Autos, dafür mehr Fußgänger und Grün). Der Rest wird sich zeigen.

  • All jenen, die Nürnberg so leidenschaftlich loben, möchte ich daher vorschlagen: Wohnt mindestens ein oder zwei Jahre in der Altstadt – und erzählt mir danach, ob eine zweite Wiederaufbauwelle wirklich nicht bitter nötig wäre.

    Dazu noch ein Vergleich zu der Rekostadt in Deutschland:

    DRESDEN 

    :saint:

  • Ja, aber das hat man in Augsburg, München und selbst Erfurt, Halle oder Nördlingen doch auch.

    Dem würde ich unbedingt widersprechen wollen. Schon allein deshalb weil hierbei eine Differenzierung absolut essenziell ist, um eine gute von einer schlechten Entwicklung zu unterscheiden. Wir reden hier zwar eindeutig von einem Spektrum, weshalb man keine Stadt einer Seite zuschreiben kann, außer vielleicht die Altstadt von Dinkelsbühl, Nördlingen ist schon auch extrem nah dran, uä. Aber Ulm liegt auf diesem Spektrum dennoch schon relativ deutlich auf der Gegenseite von den meisten der genannten Städte, es befindet sich, wie ich ausführte auf dem Weg Richtung Nürnberg auf dem Spektrum.

    Und nein, ich gehe immer noch nicht mit, wenn du von "ein paar alten Bauten dazwischen" sprichst. Wie gesagt, die Beispiele oben sind alles Straßen, wo man keine oder kaum Nachkriegsbauten hat. Mir gehts vor allem dadurch, ob man mal durch eine Straße laufen kann, wo gar kein Bruch erkennbar ist.

    Sorry, aber dann willst Du die Brüche aber auch einfach nicht sehen. Die Beschränkung auf Nachkriegsbauten ist zudem inkonsequent, da in Deinen genannten Beispielen durchaus auch störende Gründerzeitler stehen, aber geschenkt. Viel mehr wundert mich, dass Du offenbar Bauten, wie Kohlgasse 2, Kohlgasse 22 und Kohlgasse 31 ignorierst, die daran anschließende Katastrophe im Hafenbad sowieso, insgesamt, dass wir hier von einer winzigen Insel(gasse) sprechen, eingefasst von Neubauten, und dann aber von ,,keine Brüche erkennbar" schreibst. Umso schlimmer, wenn in so einer Gasse wie der Kohlgasse überhaupt nur ein unangepasster Neubau reingeknallt wird, d.h. nämlich, dass man deren besonderen Wert gar nicht erkannt hat als Stadt.
    Du hast mich da auch nicht richtig verstanden, wenn ich von ein paar alten Bauten dazwischen rede, dann von einer Zukunft, die Nürnberg zeigt, weiter auf einer Seite des o.g. Spektrums, in dessen Richtung sich aber ganz klar Ulm bewegt. Ich beschreibe damit einen Endzustand. Dazu muss man wissen, dass sehr viele, der in geschlossene Stadtbilder sich drängenden, auffallenden Bauten in den letzten 30 Jahren erst gebaut wurden!

  • Ja, aber das hat man in Augsburg, München und selbst Erfurt, Halle oder Nördlingen doch auch.

    Dem würde ich unbedingt widersprechen wollen. Schon allein deshalb weil hierbei eine Differenzierung absolut essenziell ist, um eine gute von einer schlechten Entwicklung zu unterscheiden. Wir reden hier zwar eindeutig von einem Spektrum, weshalb man keine Stadt einer Seite zuschreiben kann, außer vielleicht die Altstadt von Dinkelsbühl, Nördlingen ist schon auch extrem nah dran, uä. Aber Ulm liegt auf diesem Spektrum dennoch schon relativ deutlich auf der Gegenseite von den meisten der genannten Städte, es befindet sich, wie ich ausführte auf dem Weg Richtung Nürnberg auf dem Spektrum.

    Und nein, ich gehe immer noch nicht mit, wenn du von "ein paar alten Bauten dazwischen" sprichst. Wie gesagt, die Beispiele oben sind alles Straßen, wo man keine oder kaum Nachkriegsbauten hat. Mir gehts vor allem dadurch, ob man mal durch eine Straße laufen kann, wo gar kein Bruch erkennbar ist.

    Sorry, aber dann willst Du die Brüche aber auch einfach nicht sehen. Die Beschränkung auf Nachkriegsbauten ist zudem inkonsequent, da in Deinen genannten Beispielen durchaus auch störende Gründerzeitler stehen, aber geschenkt. Viel mehr wundert mich, dass Du offenbar Bauten, wie Kohlgasse 2, Kohlgasse 22 und Kohlgasse 31 ignorierst, die daran anschließende Katastrophe im Hafenbad sowieso, insgesamt, dass wir hier von einer winzigen Insel(gasse) sprechen, eingefasst von Neubauten, und dann aber von ,,keine Brüche erkennbar" schreibst. Umso schlimmer, wenn in so einer Gasse wie der Kohlgasse überhaupt nur ein unangepasster Neubau reingeknallt wird, d.h. nämlich, dass man deren besonderen Wert gar nicht erkannt hat als Stadt.
    Du hast mich da auch nicht richtig verstanden, wenn ich von ein paar alten Bauten dazwischen rede, dann von einer Zukunft, die Nürnberg zeigt, weiter auf einer Seite des o.g. Spektrums, in dessen Richtung sich aber ganz klar Ulm bewegt. Ich beschreibe damit einen Endzustand. Dazu muss man wissen, dass sehr viele, der in geschlossene Stadtbilder sich drängenden, auffallenden Bauten in den letzten 30 Jahren erst gebaut wurden!

    Ich wollte mit dem Beispiel Ulm lediglich zeigen, dass es dort schlicht mehr Altbausubstanz gibt. Ich war vor etwa zwanzig Jahren einmal dort und hatte den Eindruck, dass es eine spürbare Präsenz historischer Gebäude gibt. Tiefer gingen meine Motive nicht.

    Mir ist die immense Zerstörung bewusst, die Nürnberg getroffen hat. Die Ausgangslage nach dem Krieg war düster, und was die Bausubstanz betrifft, existieren nur noch wenige Reste – so wenige, dass man sie aktiv suchen muss. Was ich sagen möchte, ist Folgendes: Ich komme aus Schweden, und Nürnberg war für mich zunächst kein fest verankerter Begriff. In Kunst- und Architekturgeschichtsbüchern las ich jedoch von einer dichten, engen und geschlossenen Altstadt. Diese Altstadt existiert heute nicht mehr.

    Ja, die Burg steht noch, ebenso einige Kirchen und die Stadtmauer. Aber ich hatte keine konkreten Erwartungen – ich habe einfach geschaut, was da ist. Und was ich sehe, sind zu etwa 90 Prozent moderne, angepasste Gebäude, die stark an schwedische Vororte erinnern. Der Rest ist fragmentarisch erhalten und mit genau dieser modernen Bebauung durchmischt. Das ist eine Tatsache.

    Für mich sehen große Teile der Nürnberger Innenstadt aus wie Solna, Sundbyberg oder Hägersten in Stockholm.

    Nürnberg Altstadt

    Street View · Google Maps
    Ort in Google Maps noch intensiver erleben.
    maps.app.goo.gl

    Stockholm Vorort

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    Die erhaltenen Teile sind oft keine wirklichen Hingucker – eine einzelne Straße in Lübeck bietet mehr historisches Interesse. Ist Frankfurt schöner? Nein. Aber wer lobt Frankfurt als Ganzes für einen gelungenen Wiederaufbau? Dort entstehen heute kleine, klar begrenzte Rekonstruktionsflächen – nicht vor siebzig Jahren. Einen Hühner­markt wie in Frankfurt gibt es in Nürnberg nicht, weil entsprechende Plätze gar nicht wiederentstanden sind. Das ist durchaus lobenswert, aber kein Beweis für eine gelungene Gesamtheit.

    Hat Ulm objektiv mehr Altbauten? Ja.

    Für einen wirklich gelungenen Wiederaufbau besitzt Nürnberg schlicht zu wenig historisches Stadtbild. Gleichzeitig hört man von vielen Einheimischen, Nürnberg habe „zu viele alte Gebäude“. Genau dieser Gegensatz zwischen Erwartung und Realität ist auffällig – eine kognitive Dissonanz im Sinne Festingers.

    Es gibt im Wesentlichen drei Strategien, diese Dissonanz aufzulösen: Entweder sehen die Kritiker angeblich „falsch“, oder andere Städte seien noch schlimmer. Oder man behauptet, das Historische sei „fast da“ und brauche nur ein wenig Nachbesserung.

    Ich selbst habe keine solche Phantasie. Ich sehe, dass es in Nürnberg nur wenige historische Gebäude und kaum zusammenhängende Ensembles gibt, die eine gut wiederaufgebaute Stadt ausmachen würden.

    Dass Kassel hässlicher ist, macht Nürnberg nicht schöner.

  • Um die Nürnberger Altstadt städtebaulich noch etwas interessanter zu machen, müssen nicht gleich ganze Straßenzüge hist.wiederentstehen.Es reicht schon punktuell nur an den optisch wichtigen Stellen der Innenstadt einzelne Fassadenrekos (z.B. Pellerhaus, Toplerhaus,usw..) aufzubauen. Ich denke, die wenigen Rekos hätten durchaus schon eine große Wirkung auf das Stadtbild.

  • Besonders toll finde ich Nürnberg auch nicht, natürlich gibt es viel häßliches, auch innerhalb der Altstadtmauern, von der Südstadt mal ganz zu schweigen.

    Es gibt auch nichts, was mit dem Neumarkt vergleichbar wäre.

    Positiv: Es gibt ein richtiges städtisches Gefüge mit Plätzen und Straßen, das auch "funktioniert", es gibt überall Läden, Cafés, Bäckereien und Restaurants (in Dresdner Plattenbauvierteln wird im wesentlichen gewohnt, ein städtisches Leben gibt es dort nicht).

    Die Hauptachsen der Fußgängerzone sind schon attraktiv, Königstraße, Karolinenstraße. Die Bebauung zwischen St. Sebald und Burg finde ich annehmbar, leider fällt der Rest ziemlich stark ab, der Paniersplatz mit diesen seltsamen Garagen ist ein absoluter Tiefpunkt.

    Nördlich der Altstadt gibt es noch ganz nette Gründerzeitviertel, auch Jugendstil, zwar auch teilweise durchsetzt mit unpassenden Bauten, aber insgesamt positiv, auch der Archivpark ist schön.

    Ulm finde ich ziemlich enttäuschend, natürlich stand dort noch mehr, speziell nördlich des Münsterplatzes, indes: die Ecke zwischen Bahnhof und Innenstadt, aber auch die Neue Mitte zählen zum absolut häßlichsten in Süddeutschland. Das Fischerviertel ist ja letztlich auch winzig und geht sehr schnell in mehr oder weniger angepaßte Nachkriegsbauten über.

    Dresden hat den Neumarkt und schöne Vororte, dafür fehlen halt im Zentrum weitgehend urbane Strukturen. Die Prager Straße finde ich auch absolut häßlich.

    Dresden einige Gehminuten vom Neumarkt in Richtung Osten, Leere und Platte:

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    Die Neubauten sind meist ziemlich aseptisch, hier gleich östlich des Günzplatzes, die Bebauung am Postplatz und südlich davon finde ich noch schlimmer:

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    Realistischerweise leben die meisten Dresdner so, und das ist auch noch ein ziemlich zentrumsnaher Wohnblock gleich östlich des obigen Bilds:

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    Ansonsten viel Leere, Sachsenplatz:

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    Standort ehemaliges VEB Plattenwerk Johannstadt, direkt neben der Ruine der Trinitatiskirche:

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  • Ich weiß nicht wie belastbar die Zahlen sind, aber laut KI Recherche sind schätzungsweise in Ulm bis zu 400 Gebäude erhalten, in Nürnberg gerade einmal bis zu 150. Und das obwohl die Nürnberger Altstadt ungefähr doppelt so groß ist wie die Ulmer. Natürlich kommt es auch stets auf die Verteilung an. Ulm profitiert davon, dass man eine ganz spezifische Route durch die Stadt wählen kann, und dann nur immer kurze Unterbrechungen des Altstadtgefühls erleben muss. Dafür ist die Verteilung in Nürnberg offensichtlich zu weiträumig.