Berlin - Wiederaufbau der Bauakademie

  • Ich glaube das erst, wenn ich den Text der Ausschreibung der Stiftung Bauakademie lese und selbst dann muss klargestellt sein, dass Beträge, die diesen Vorgaben nicht genügen in der Vorprüfung rausfliegen.

  • Ich freue mich, dass es nun einen Schritt in die richtige Richtung geht. Endlich einmal GUTE NACHRICHTEN aus Berlin. Ich dachte schon, dieser Senat bleibt mir mit NICHTS in Erinnerung außer Stromausfall und Tennisspiel.

    "Das Rot entstand beim Brennen besonders eisenhaltiger Tonziegel u.a. in Petzow an der Havel" - wie kann man dann mit Recyclingziegeln bauen? Sind das alles rote Alte Petzower Ziegel? Der äußere Eindruck sollte maßgeblich auch diesen originalen Farbeindruck widerspiegeln.

  • Quote from Bausenator Gaebler

    Dazu soll auch die Verwendung historischer Ziegel mit „Alterungsspuren“ zur Anwendung kommen.

    Man sollte nicht alles wörtlich nehmen, was Zeitungen so schreiben. Die Musterecke wurde ja auch nicht mit gebrauchten Ziegeln errichtet. Und es ist gar nicht möglich, so viele gebrauchte Ziegel derselben Qualität und Farbe zusammenzubringen. Bei Ziegeleien sind Sonderanfertigungen von Formsteinen und Ziegeln mit Spezialfarben kein unbekanntes Thema mehr.

    Historische Ziegel mit Alterungsspuren - das würde etwa so aussehen. Ob ein solches Aussehen für die Bauakademie erwünscht ist? Wohl kaum.

    20250102_153305.jpg

    Die beiden Vollgeschosse mit originalem, 'gereinigtem' Mauerwerk, das 1. Dachgeschoss aus geborgenen, gereinigten Backsteinen desselben Hauses, ab dem 2. Dachgeschoss mit gereinigten, wiederverwendeten Backsteinen eines andern Hauses.

    Ich glaube nicht, dass jemand in Berlin das so möchte. Weder Modernisten noch Denkmalpfleger noch Befürworter eines Wiederaufbaus der Bauakademie.

  • Abgesehen davon, dass das Gebrauchtsteine kein zugelassener Baustoff sind und im Einzelfall bauaufsichtlich zugelassen werden müssten. Viel Freude.

  • Ich glaube nicht, dass jemand in Berlin das so möchte.

    Gut, das ist jetzt auch ein extremes Beispiel, weil man dort nicht besser reinigen konnte oder wollte (womöglich wurde da in vergangenen Zeiten unsachgemäß Zementputz aufgetragen). Es gibt aber durchaus wiederverwendete Ziegel, die wesentlich besser aussehen - oftmals dann, wenn sie nie etwas anderes als Kalkmörtel und -putz gesehen haben. Abgesehen davon glaube ich aber auch nicht, dass man die Mengen, welche für die Bauakademie benötigt würden, irgendwo beziehen könnte. Da müsste schon irgendwo ein alter Frühindustriebau fallen, der zufällig passende Ziegel hat.

    Es gibt ja auch noch Ziegeleien, die Ziegel so herstellen können, sodass sie den originalen möglichst nahekommen:

    Handgestrichene Ziegel

    Ziegelei Hebrok – Die Privatziegelei in Natrup-Hagen

    Selmo e Standard | mattoni e listelli | Fornace S.Anselmo, Sant'Anselmo
    Due texture diverse per mattoni e listelli faccia vista per interni ed esterni. Selmo, dal tratto artigianale e Standard Flat dalla texture liscia ed elegante.…
    www.santanselmo.it
  • Es ist ein wesentlicher Unterschied, ob eine Backsteinfassade aus industriell gefertigten Ziegeln mit scharfen und geraden Kanten besteht oder aus handgefertigten Ziegeln mit gebrochenen, welligen Kanten. Auch wiederverwendete Backsteine haben gebrochene Kanten, egal ob sie ursprünglich industriell oder von Hand gefertigt worden sind.

    Wenn ich Nahaufnahmen der historischen Bauakademie betrachte, sehe ich nur scharfe und gerade Kanten - ein Indiz auf industriell gefertigte Ziegel. Dieser Ausdruck unterstreicht doch gerade das Wesen der Bauakademie - viele Bauteile vorgefertigt und seriell.

    Das Vermauern wiederverwendeter, sorgfältig gereinigter Backsteine würde etwa der oberen Giebelpartie auf dem von mir oben zitierten Bild entsprechen. Die Fugen könnte man bei der Bauakademie mit dunklerem Mörtel verschliessen. Aber das dann nach wie vor wellige Backsteinbild entspräche nicht dem Wesen der originalen Bauakademie. Sie hatte viel mehr eine industrielle Ausstrahlung als jene eines rustikalen Hauses.

  • Wenn man sich dieses Foto bewusst anschaut, so geht der einst schöne Schinkelplatz (hist.Platzgestaltung )durch diese völlig unpassenden Neubauten unter.

    Die dann irgendwann neu errichtete BA wird es immer schwer haben, sich neben diesen aufdringlichen und dominanten Neubauten optisch zu behaupten.

    Städtebaulich und Architektonisch bildet der Schinkelplatz eben durch diese äußerst unsensieblen Neubauten keine harmonische Einheit mehr.:sad:

  • Ich würde mich sehr freuen, wenn es mit dem Wiederaufbau der Bauakademie los gehen würde.

    Berlin hat in diesem Jahr Wahlen zum Abgeordnetenhaus und wenn Kai Wegner (CDU) als Oberbürgermeister bei dem großen Stromausfall nicht so viele Fehler gemacht hätte, dann würde die CDU auch nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus den Oberbürgermeister stellen.

    Wenn man nach den aktuellen Umfragen geht, könnte es passieren dass man 26 Jahre nach der Deutschen Einheit einen linken Oberbürgermeister bekommen, mit einer dunkelrot/rot/grünen Koalition.

    Ich weiß nun nicht ob der Wiederaufbau der Bauakademie nicht Sache des Bundes ist bzw. das Grundstück der Stadt Berlin gehört. Wir wissen alle, wie viele Steine die Berliner Linke dem Wiederaufbau des Stadtschloss Berlin (HuF) in den Weg gelegt hat.

  • Das Grundstück wurde vor fünf Jahren vom Land an den Bund übertragen. Ich denke aber, der Architekturwettbewerb ist die entscheidendere Hürde. Wenn die Reko-Vorgabe Teil des Wettbewerbes wird und auch respektiert wird, wird das Land nicht mehr so wahnsinnig viele Einflussmöglichkeiten haben, denke ich.

    Manche hier waren ja der Meinung, das Land solle eine Gestaltungssatzung beschließen und nicht nur androhen. Aber diplomatisch war die Drohung wohl geschickter, um einen gemeinsamen Standpunkt mit dem Bauherren (Bund, Stiftung) herbeizuführen. Dieser offenbar gefundene Konsens dürfte nun Bestand haben, hofft man.

    Bei einer beschlossenen Satzung (die eine andere Landesregierung auch wieder kassieren kann), hätten sich Bund und Stiftung vielleicht ihrerseits stur gestellt und den Wettbewerb konsequent auf die Zeit nach der Landtagswahl geschoben. Das kann immer noch passieren.

    Wir können hier wirklich die Windungen allerhöchster Politikränke besichtigen, zumindest die Auswirkungen davon. Eine absurde Posse, die leider mit der Bauakademie ein Thema betrifft, bei dem mir das Lachen vergeht.

  • Na, das sind heute doch mal gute Nachrichten! :) Die kamen gerade recht bei mir.
    Daumen drücken, dass es jetzt auch schnell weiter geht und der Wettbewerb noch vor der Berlin-Wahl über die Bühne geht. Dann kann der zukünftige Senat wirklich nichts mehr über den Haufen werfen.

    Wenn man sich dieses Foto bewusst anschaut, so geht der einst schöne Schinkelplatz (hist.Platzgestaltung )durch diese völlig unpassenden Neubauten unter.

    Die dann irgendwann neu errichtete BA wird es immer schwer haben, sich neben diesen aufdringlichen und dominanten Neubauten optisch zu behaupten.


    Ich glaube, die leuchtendrote Bauakademie wird sich sogar sehr gut gegen die weißen und beigen Kisten behaupten können. Das hat man schon zu Zeiten der BA-Planen gesehen. Die Schuhschachteln werden die sein, die in den Hintergrund gedrängt werden.
    Es ist natürlich trotzdem etwas tragisch, dass fast die gesamten östlichen Linden und der Lustgarten wieder von den originalen Schönheiten umringt werden, aber sich zwischendurch unter Frau Lüscher diese lieblosen Kisten am Schinkelplatz reinmogeln konnten.

  • Achitektonisch bildet der Schinkelplatz eben durch diese äußerst unsensieblen Neubauten keine harmonische Einheit mehr.:sad:

    Dass die Vorkriegssbebaung (zuletzt historistisch) ästhetisch deutlich besser war ist gar keine Frage. Dennoch meine ich dass die Neubauten im Ganzen nicht schlecht sind und sich wohltuend von so mancher nicht weit entfernten Rasterfassade absetzen. Bei den Bauten von Schultes und Steidle lassen sich auch gewisse Anklänge an den schlichten Klassizismus des frühen 19. Jahrhunderts erkennen. Das recht banale Bürogebäude von Staab wird allerdings nicht wirklich dem städtebaulichen Kontext gerecht.

    43620-6455299b68fde5d644cc4c90bef9d7334f130432ca6fbcd344aa3c682fff157e-variant.jpg

    P.S. die Beiträge zur Architektur des Schinkelplatzes könnten in den dementsprechenden Strang verschoben werden.

  • Aus der Sitzung des Senats am 20. Januar 2026

    .... Ziel ist es, sich beim Bund und der Bundesstiftung Bauakademie für eine originalgetreue Wiederherstellung der Fassaden einzusetzen.

    ... Die historische Fassadenrekonstruktion wird darin als maßgebliches Leitbild verankert. ...
    • Orientierung am Schinkel‘schen Original • Verwendung der spezifischen baukünstlerischen Gliederungselemente • Verwendung historischer Ziegel

    Das ist vernünftig, beruhigend und selbstverständlich. Mir ist schleierhaft, wie Experten überhaupt auf die Idee einer abweichenden Fassade Richtung Auswärtiges Amt kommen und noch Bezug nehmen konnten auf die moderne Fassade des Humboldt Forums (HF).

    Das originale Berliner Schloss hatte eine abweichende Renaissance Fassade, kleinteilig, teilweise später in historistischem Stil nachempfunden und in den Raum- und Fensterdimensionen für Museumszwecke wenig geeignet. Eine Rekonstruktion dieser originalen Ostseite wäre weder funktional noch im Stil sinnvoll gewesen, zumal eine neue Bebauung ob und wie auf der östlichen Spreeseite ungewiss ist.

    Dagegen ist die Bauakademie ein Solitärgebäude rundum. Gerade die vier gleichen Seiten betonen den auf allen Seiten gleichen, schön strukturierten, noblen Kubus-Charakter. Auch gibt es kein nahe anschließendes, optisch anspruchsvolles Gebäude, das eine stilistische moderne Lösung aufdrängt. Das Auswärtige Amt vermeidet geradezu den Eindruck einer korrespondierenden, rhytmisch geschlossenen Fassade.

    All das müsste ich eigentlich nicht schreiben, weil es so offensichtlich und selbstverständlich einleuchtet. Aber es ärgert doch, wie die nach vielen Jahren und Streitereien erfolgte Entscheidung nach endlosen Wehen und zeitvergeudender Zangengeburt erst jetzt zustande kommen konnte.

  • Mir ist schleierhaft, wie Experten überhaupt auf die Idee einer abweichenden Fassade Richtung Auswärtiges Amt kommen und noch Bezug nehmen konnten auf die moderne Fassade des Humboldt Forums (HF).

    Das kennt man aus dem Möbelbau: Fast jeder Schrank hat genau eine hässliche Seite, nämlich die Rückseite.

    Leider wenden manche dieses Designprinzip offenbar auch auf Gebäude an, bei denen diese Rückseite nicht verdeckt ist.

    _______________________________________
    Gutmensch = Gut gemeint, nicht zuende gedacht, schlecht gemacht

  • Fast jeder Schrank hat genau eine hässliche Seite, nämlich die Rückseite.

    Na von unten sehen die meisten Schränke auch nicht allzu schön aus 🙃 die Oberseite meines geliebten 50er Jahre Küchenbüffets ist auch nicht gerade dessen Schokoladenseite und bei noch modereren Schränken machen die Seitenwände dem Auge auch keine rechte Freude mehr.

  • Martintre Na ja, über Wert, Schönheit oder Hässlichkeit von Rückseiten kann man lange streiten. Auch eine Rückseite kann man schlicht, ohne viel Auwand dennoch sorgfältig gestalten (auch ein Mensch, der von vorne eitel aufgehübscht, attraktionsgeladen und elitär aufmarschiert, muss von hinten nicht aussehen wie aus dem Müll gezogen).

    Die Besonderheit der Bauakademie K.F. Schinkels ist ja gerade, dass dieses Gebäude absichtsvoll gar keine Rückseite hat. Der Kubus erscheint gleichermaßen gediegen durchstrukturiert und edel von allen Seiten. Das ist ein seltenes Alleinstellungsmerkmal. Ein Glück, dass der Senat nicht irgendeinem besonders ehrgeizigen Architekten die Realisierung eines experimentell provozierenden Zerstörungswerkes erlaubt hat,