Periphere allgemeine Meldungen

  • Da ich keinen eigenen Strang anlegen wollte für ein Thema, über das wohl kaum diskutiert werden wird, lege ich nun auch hier noch einen "Peripher-Strang" an. ;)


    Ist trotzdem ein netter, kleiner Artikel über eine sicherlich interessante Ausstellung:
    Luftschlösser sind schöner als echte Schlösser
    Vom Gedankengebäude zum echten Haus ist ein weiter Weg. Eine Ausstellung in München widmet sich fiktiven Bauten aus zwei Jahrtausenden. Heutige Architekten haben das poetische Denken ein wenig verlernt.

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • Das hier ist nett:

    Perfekte Städte
    Zur Konstruktion urbaner Identität

    Quote

    Mit der Frauenkirche jedenfalls, so lässt sich mit dem Denkmalpfleger Hans-Rudolf Meier abschliessend feststellen, besitzt Dresdens Stadtsilhouette wieder eine Landmarke. Doch gerade der vielbeschworene Canaletto-Blick ist entlarvend. Zeigt er am Elbufer doch weit mehr Bauten des 19. und 20. Jahrhunderts als originale Bausubstanz des Barock. Dem touristischen Wohlfülambiente inmitten des Dresdner Kulissenschwindels tut dies keinen Abbruch. Doch trotz der Marktgängigkeit solcher konstruierter Identitäten bleibt die Herausforderung bestehen, «sich der Reduktion der Komplexität unserer Städte auf einfache Bilder entgegenzustellen, insbesondere dem Bestreben, den Baubestand diesen anzupassen», schlussfolgert Meier. Besteht doch sonst die Gefahr, dass sich Imitation und Denkmalbestand in nicht mehr nachvollziehbarer Weise vermischen.

    Jawoll, wider die "Reduktion der Komplexität unserer Städte auf einfache Bilder"... ;)

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • Quote

    Besteht doch sonst die Gefahr, dass sich Imitation und Denkmalbestand in nicht mehr nachvollziehbarer Weise vermischen.

    aha, vermischung ist also die drohende, schreckenverbreitende konsequenz :applausgrinsen:
    ja ja, dinge nicht nachvollziehen zu koennen wird wohl mit den jahren beaengstigend :gg: :gg:

    glaube ich ihm nicht, dass er das als wirkliche gefahr ansieht, alter heuchler er 8)

  • Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • Architekturpreise verliehen

    Man liest

    Quote

    in Bernau die Rekonstruktion eines Denkmals. Die preisgekrönten Arbeiten könnten unterschiedlicher kaum sein.

    und denkt "Aber Hallo, sollte Besserung in Sicht sein?" Weit gefehlt. Der Modernismus sieht steht's nur sich selbst, denn

    Quote

    Ganz anders das Ensemble in Bernau. Dort stellte der Laudator vor allem die "außergewöhnliche Leistung der Sanierung eines hochrangigen Denkmals" heraus. Architekt Winfried Brenne habe das 1928 bis 1930 entstandene Gebäude der Bundesschule von den späteren, rein pragmatischen Veränderungen wieder befreit.

    Die Welt bleibt berechenbar.

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • In einer von der faz inszenierten Debatte anläßlich der Büchnerpreisrede M. Mosebachs (der mit dem schönen Hinweis an die Frankfurter, daß "7 Altstadthäuser keinen Krieg weglügen") kotzt sich ein Welt-Redakteur mal so richtig aus. Viel Vergnügen.

    Die Modernen gehen auf die Nerven

    Und darin dann u.a.:

    Quote

    Jedoch, die Leute sind's jetzt leid. Sie sind es leid, sich von autistischen Architekten ihre Städte verschandeln zu lassen. Wie viele Jahrzehnte sollen sie noch unter Beweis stellen dürfen, dass sie keinen Sinn für urbane Strukturen haben und am Menschen vorbeikonstruieren? Wahrlich, sie haben ihre Chance gehabt. Bauen wir halt wieder auf, was seine Probe bestanden hat! Die Leute sind es auch leid, in der Malerei und in den anderen darstellenden Künsten das konzeptuelle Getue von handwerklichen Stümpern bestaunen zu sollen, deren Grips allenfalls für die zeitgeistgemäße Selbstdarstellung reicht. Darum: Her mit der figürlichen Malerei! Die Leute sind es auch leid, im Theater die so uninteressanten wie belanglosen Privatobsessionen zu sehen, mit denen Proleten und Illiterate unter dem Deckmantel des "Regietheaters" ihre trübe Soße über die Klassiker ausgießen. Dann schon lieber Hörspiele! Am besten aber das Texttheater eines Peter Stein. Und schließlich haben die Leute es satt, sich in der Literatur anöden lassen zu sollen von Autoren, die nichts erlebt, durchdacht und folglich nichts zu sagen haben und mit Befindlichkeitsprosa langweilen, die noch nicht einmal durch Charme für sich einnimmt. Darum hoch die welthaltigen Erzählwerke eines Martin Mosebach! Es gibt noch andere, aber er ist nun einmal jetzt ihr Exponent.

  • Herrliche Polemik! :daumenoben::daumenoben:

    ... und wenn jetzt nicht ganz allgemeine und durchgreifende Maßnahmen angewandt werden, so werden wir in kurzer Zeit unheimlich nackt und kahl wie eine Kolonie in einem früher nicht bewohnten Lande dastehen... (Schinkel 1815)

  • Hach - gerade wollte ich diesen Artikel auch hier einstellen. 8):D

    Das mußte doch endlich mal wieder gesagt werden:

    Sie sind es leid, sich von autistischen Architekten ihre Städte verschandeln zu lassen.
    Wie viele Jahrzehnte sollen sie noch unter Beweis stellen dürfen, dass sie keinen Sinn für urbane Strukturen haben und am Menschen vorbeikonstruieren?
    Wahrlich, sie haben ihre Chance gehabt.
    Bauen wir halt wieder auf, was seine Probe bestanden hat!

    Der Wind gedreht
    Albtraum verweht
    Zum Schluss jetzt das Glück
    Das Schloss kommt zurück!

  • Das Wort zum Sonntag an die Rekonstruktionsgemeinde:

    http://www.welt.de/welt_print/article1418748/Sehnsucht_nach_Baukunst.html\r
    http://www.welt.de/welt_print/article14 ... kunst.html

    Quote

    Angesichts dessen, was die architektonische Moderne in den letzten Jahrzehnten hinterlassen hat, grenzt es in den Augen vieler Menschen heute erneut an Hybris, wenn zeitgenössische Architekten glauben, sie könnten mit ihren Erfindungen gegen eine jahrhundertelang gewachsene Überlieferung antreten. Dies muss auch die große Mehrheit der Bundestagsabgeordneten so gesehen haben, als diese fraktionsübergreifend den Wiederaufbau der Schlüterschen Barockfassaden beschlossen.

    So laufen in den aktuellen Rekonstruktionsprojekten mehrere Entwicklungsfäden zusammen: das wieder erwachende Interesse für klassische Bauformen, der Wunsch nach später Wiedergutmachung für den Abrisswahn und die Bausünden der Nachkriegszeit, im weitesten Sinne die Sehnsucht nach Versöhnung mit der eigenen Geschichte. Die neu erstehenden Schlösser sind nur die jüngsten und sichtbarsten Zeichen dieser großen Zeitströmung.

  • Großartiger Artikel in unserem und aller kunst- wie auch feinsinnigen Menschen Sinne. Wie lang haben wir auf solche Artikeln gewartet? Während uns Bartezko und Co permanent mit den selben abgedroschenen Floskeln zugemüllt haben, konnten Guratzsch und Haubrich gegen diese Volksbarbaren etwas Anständiges entgegensetzen, was im Gegensatz zu den anderen jedoch überzeugt!

    Leute, hoffen wir, dass langsam das nervende Stadtzerstören ein Ende finden wird und auch bei den Architekturstudenten sich ein Öhrchen für diese andere Seite findet.

  • Da gibt's nichts mehr hinzuzufügen. Wichtig ist dieser Artikel aber auch deswegen, weil er artikuliert, was der gemeine Mann auf der Straße sicher oft denkt, aber mangels Interesse oder Zeit nicht weiter verfolgt.

    Ich merke in Gesprächen immer wieder, dass die Wahrnehmung bei der Bevölkerung durchaus da ist, nur wie bei so vielen Themen herrscht ein gewisser Fatalismus, was den Glauben an eine Veränderung angeht.

  • Die meisten Menschen interessieren sich nicht für Kunst, Kultur und Architektur

    Diejenigen, die anfangen, aktiv über diese Themen nachdenken, laufen leicht Gefahr von der Modernisten-Mafia "intellektuell gekapert" zu werden. Denn die quasi offizielle Kunst- und Kulturkritik ist fest in Hand der selbstverliebten, sog. Avantgarde.

    Derjenige, der sich ernsthaft für Architektur interessiert und nicht dem Modernismus verfallen soll, muss somit zwei Hürden überwinden: Er muss bereit sein, sich überhaupt mit der Thematik zu beschäftigen und die Dürftigkeit der offiziell angebotenen Denkschablonen der offiziellen Kulturkritik und der herrschenden Meinung in der Architektur durchschauen.

  • Quote from "Spongebob"

    Die meisten Menschen interessieren sich nicht für Kunst, Kultur und Architektur

    Diejenigen, die anfangen, aktiv über diese Themen nachdenken, laufen leicht Gefahr von der Modernisten-Mafia "intellektuell gekapert" zu werden. Denn die quasi offizielle Kunst- und Kulturkritik ist fest in Hand der selbstverliebten, sog. Avantgarde.

    Derjenige, der sich ernsthaft für Architektur interessiert und nicht dem Modernismus verfallen soll, muss somit zwei Hürden überwinden: Er muss bereit sein, sich überhaupt mit der Thematik zu beschäftigen und die Dürftigkeit der offiziell angebotenen Denkschablonen der offiziellen Kulturkritik und der herrschenden Meinung in der Architektur durchschauen.

    Kein Problem! Die beiden Hürden habe ich schon überwunden :zwinkern: . Und wie weiter?

  • weiter gehts mit ärgern... :?

    ob all derer, die so einfache sachverhalte nicht verstehen und denken, an der modernisten-uni toll was über echte kunst und architektur gelernt zu haben und sich somit mit ihrem halbhirn zum kreis der initiirten künstler zählen, bei der einweihung ihres neuen galeriebunkers inmitten eines alpendorfes usw :boese:

  • Natürlich darf jeder, der will, sich zurückziehen und sich ärgern - aber der Artikel von Rainer Haubrich zeigt doch auch, dass sich nur dort etwas ändert, wo Bürger aktiv werden. Bei allen drei Schlossprojekten, die in letzter Zeit Schlagzeilen gemacht haben, waren es Initiativen von Bürgern, die sich organisiert haben, um der Arroganz und Ignoranz der Modernisten etwas entgegenzusetzen - mit Erfolg! :)

  • Die Modernisten spüren schon sehr deutlich, dass ihnen heute ein anderer Wind entgegenweht. Die Kritik an ihrer Zunft wurde niemals so deutlich geäußert. Die Sabotageversuche der Schlossrekos sehe ich eher als letzten hilflosen Versuch, das Enabänderbare abzuwenden. Aber dieser Kampf wird bald entschieden sein - zu unseren Gunsten.

  • Solche Häuser mit reduzierten Formen und rostender Cortenstahlverkleidung werden vermutlich in Zukunft häufiger gebaut werden, da die immer häufigere Umnutzung ehemaliger Industrieanlagen zu Kultur- und Freizeitzentren eine Neubewertung von Industriearchitektur zur Folge haben wird. Man denke nur an so spektakuläre Orte wie Ferropolis, die Völklinger Hütte und die Zeche Zollverein. Ähnlich wie im bürgerlichen 19. Jahrhundert die mittelalterlichen Burgruinen einer untergegangenen Adelsgesellschaft die Phantasie von Schriftstellern, Künstlern und Villenarchitekten anregten, so könnte eine Gesellschaft, die immer mehr Industriearbeitsplätze in Billiglohnländer auslagert, bald nostalgisch auf ihr Industriezeitalter zurückblicken und dessen rostende Relikte zitieren.

    http://www.ferropolis.de/ferropolis.html\r
    http://www.ferropolis.de/ferropolis.html
    http://www.voelklinger-huette.org/\r
    http://www.voelklinger-huette.org/
    http://www.zollverein.de/\r
    http://www.zollverein.de/


  • http://www.berlin.de/landespressestelle/archiv/2008/05/06/99959/index.html\r
    http://www.berlin.de/landespressestelle ... index.html

  • Ausstellung (14. Juni bis 8. September 2024) zum 1926 in Marktoberdorf geborenen Künstler Helmut Huber

    Quote

    [...]
    In feinen Setzungen hielt er bauliche Details fest, wie lange nicht reparierte Stalltüren, Kamine, mehr oder weniger aufgeräumte Hinterhöfe oder das Farbspiel verblichener Stadelwände. Der behutsame Blick des Malers richtete sich auf Unspektakuläres, auf kleine Entdeckungen in seiner unmittelbaren Umgebung. [...]

    „Ich liebe die einfachen Dinge und suche die Beredsamkeit der Stille." (Helmut Huber)

    https://www.kuenstlerhaus-marktoberdorf.de/Ausstellungen/Aktuell/STILLE-WELTEN-HELMUT-HUBER


    Zum Künstlerhaus als solches:
    https://www.kuenstlerhaus-marktoberdorf.de/Museum/Architektur

    Quote


    Kaum ein Marktoberdorfer Bauprojekt hat für so viel Gesprächsstoff gesorgt wie das Künstlerhaus, das 2001 eröffnet wurde.[...]
    "Viel Gesprächsstoff" ... Gebaut wurde "es" (so) trotzdem. ;)

  • Da ich keinen eigenen Strang anlegen wollte für ein Thema, über das wohl kaum diskutiert werden wird, lege ich nun auch hier noch einen "Peripher-Strang" an. ;)

    [...]


    Pfaffenhausen (Lkr. Unterallgäu):

    Südlich des Bahnhofsplatzes entsteht eine "Bahnhofsallee"


    Blickrichtung Nord:

    Vom Haus(teil) äußerst rechts im Foto Bildanschluss, Direktroute ins Ortszentrum ;) :