Leipzig - Bau- und Sanierungsprojekte

  • Ganz bestimmt wollte ich keine Ost-West-Debtte einleiten. Es ist ein Trugschluß, dass Privat-Invetoren alles selbst investieren, ökonomisch ist das Quatsch, das gibt der Wohnungsmarkt in [lexicon='Leipzig'][/lexicon] nicht her.

    Meine Infos bezog ich aus der LeipzigerVolkszeitung, die ich in Hannover lesen kann. Da wurde der Soli in diesem Zusammenhang genannt. MP Tillich wurde da auch zitiert.

    Der Harz war schon immer arm. Damals konnte man keine Firmen anlocken wegen Grenze und so. Heute tut genau das aber Sachsen-Anhalt. Es zeigt insgesamt, dass Subventionspolitik Mist sein kann.

    Fazit: Also nicht falsch verstehen. Ich zahle gerne den Soli. Ich finde es schön, dass viele Städte ihren Altbestand aufwendig sanieren. Für Dresden und [lexicon='Leipzig'][/lexicon] sehe ich eine glänzende Zukunft - ich möchte die Städte auch bald besuchen.

    Und selbstverständlich sage ich, wenn ich im Osten bin, dass alles ich bezahlt habe. Das ist nicht verboten und Spaß muss sein! :zwinkern:

  • Wenn man hier wirklich über Aufbauhilfe spricht, muss man das Ganze wesentlich weiter fassen. Klar finanzierte und finanziert der Westen einen Großteil des Wiederaufbaus seit der Wende. Ohne das Geld wäre hier wohl nichts los gewesen. Ähnlich der EU-Ost-Erweiterung, wo u.a. Deutschland als Hauptzahler ja auch indirekt z.B. die Infrastruktur in Polen finanziert.
    Aber man sollte auch berücksichtigen, dass die westlichen Städte nach dem Krieg nur durch (aus ihrer Sicht) extrem glückliche Zustände zu Reichtum und Wohlstand gekommen sind. Ohne Marshallplan sowie vor allem das Know-How x-tausender vermögender Intellektueller und Großfirmen wäre das Wirtschaftswunder sicher so nicht möglich gewesen. So gesehen relativiert sich alles auf den zweiten Blick.

    Leipzig - Back to the roots

  • Hmm, das ist ein weites Feld...

    Belassen wir es doch einfach. Ich freue mich hierschon auf weitere schöne Bilder und hole mir schon mal Anregungen für meinen [lexicon='Leipzig'][/lexicon]/Dresden-Trip nächstes Jahr.

  • Quote from "Leine1977"

    Es ist ein Trugschluß, dass Privat-Invetoren alles selbst investieren, ökonomisch ist das Quatsch, das gibt der Wohnungsmarkt in [lexicon='Leipzig'][/lexicon] nicht her.

    Im Bezug auf die Sanierung von Altbauten ist das falsch! Die Firmen finanzieren sich wie folgt.

    Zunächst erwirbt der Projektentwickler z.b. die GRK-Holding (http://www.grk-holding.com) Altbaubestände, oft in großen Paketen, zum Teil von privaten Personen aber auch oft von der LWB (kommunale WohnbauGesellschaft). Diese Objekte werden nach und nach abgearbeitet. Die Objekte kommen in den Vertrieb, jede einzelne Wohnung des Objektes wird an Privatpersonen verkauft in Ausnahmefällen wird das Objekt im eigenen Bestand gehalten. Dieser Verkaufspreis deckt bei weitem die Sanierungskosten und den Erwerb. Sind die Wohnungen verkauft bzw ist ein gewisser Prozentsatz verkauft, beginnt man mit der Sanierung. Die Wohnungen werden vermietet in seltenen Fällen auch von den Eigentümern direkt bezogen.
    Meine Wohnung gehört z.B. einer Familie aus Speyer. So läuft es eigentlich bei allen Sanierungen die nicht durch genossenschaftliche Träger durchgeführt werden. Da 90% der Altbauten im privaten Besitz sind, wird es auch bei 90% der Gebäude so ablaufen.

    Meist werden die Objekte durch den Bauträger, hausverwaltungstechnisch weiterbetreut, somit stellt sich die Situation für die Eigentümer ganz angenehm dar.


    Warum funktioniert das?!


    1. Steuervorteile und Abschreibungsmöglichkeiten für die Käufer beim Erwerb von Denkmalschutzimmobilien, welche doch schon ziemlich erheblich sind. Diese Regelung gilt für ganz Deutschland!


    2. Durch eine hochwertige Sanierung, wie sie in den meisten Fällen erfolgt, sind die Objekte dauerhaft attraktiv für Mieter. Die GRK-Holding erreicht einen Vermietungsgrad von über 90%
    Schau dir doch einmal die Referenzen der GRK-Holding an, hier ist der Link -> Klick!


    3. Immobilien sind gerade in inflationären Zeiten, eine gute Möglichkeit Kapital relativ sicher anzulegen. Man geht langfristig in [lexicon='Leipzig'][/lexicon] von einer erheblichen Wertsteigerung der Altbauimmobilien aus, inkl. steigender Mieten.


    4. Die Preise für diese Wohnungen und diese Ausstattungsqualität, sind verglichen mit Westniveau geradezu lächerlich.


    ... man könnte das jetzt noch beliebig fortsetzen, aber so funktioniert es schon seit Jahren und eine Trendwende ist nicht in Sicht. Teilweise sind die Wohnungen der Objekte innerhalb von wenigen Wochen komplett verkauft. Bei der Vermietung sieht das ähnlich aus. Gründe hierfür sind auch, die steigende Einwohnerzahl, die große Nachfrage nach hochwertigem und günstigem Wohnraum im Altbau und die steigende Konzentration der Bevölkerung, hin zur Innenstadt. Da es so viel hochwertigen Wohnraum gibt muss auch weiter hochwertig saniert werden, oder die Bude bleibt leer. :o

    D.h. Plattenbauviertel verlieren zunehmenden ihre jungen Einwohner an die geschlossenen Altbauviertel.

    Ein Ende der Sanierungswelle ist nicht in Sicht, [lexicon='Leipzig'][/lexicon] wird auch insgesamt immer attraktiver vor allem auch durch die erhaltenen Stadtstrukturen und dem tollen Wohnraum.
    Deswegen studiere ich auch hier und nicht in Frankfurt. Für den Preis meiner genialen Altbauwohnung bekomme ich dort ein "Appartement" in der "Studentenwohnheimplatte"
    Ist zwar off topic, musste aber mal sein :gg:

    So des wars ihr Lieben, danke für die Aufmerksamkeit
    :zwinkern:

    MfG
    Steve

  • @Stiffler: Danke für deinen ausführlichen Bericht. Ich kann es nicht einschätzen, will es auch nicht. Möglicherweise hatte mich die Leipziger Volkszeitung da wohl in die Irre geführt.

    Bei den Preisen muss man sich aber nicht immer die Metropolen Frankfurt, Hamburg und München vergleichen. Eine schicke Altbauwohnung, Stuck und Grün vor der Tür gibts u.a. auch bei uns zum kleinen Preis. Das Niveau mit [lexicon='Leipzig'][/lexicon] ist in etwa gleich (lt. Studie der Landesbausparkassen).

    Ohne die Schönheit meiner eigenen Heimatstadt zuschmälern, die oft genug belächelt wird, freue ich mich einfach, dass sich [lexicon='Leipzig'][/lexicon] schön herausputzt.

    Als Partnerstadt hatten wir kurz nach der Wende einen Schüleraustausch mit Leipzigern - damals war ich angetan von den (noch) anderen Verhältnissen. Wenn ich jetzt sehe, wie sich alles geändert hat innerhalb kurzer Zeit... ich glaube kein Volk auf der Erde bekommt das so schnell hin wie die Deutschen (das darf ich doch so sagen oder?)

  • Hannover hab ich mal als kleener Junge besucht, kann mich allerdings nur dunkel an viele "Kästen" in der Innenstadt erinnern. Auf Live Search machen allerdings die Wohngebiete einen wirklich guten Eindruck, da kann sich manch andere Stadt etwas abschneiden. Und nun back to LE

    Gruß nach H

  • Ja, die Innenstadt hat im Krieg eine Totalzerstörung erlebt. Es tut sich aber seit neuestem sehr viel dort. Die Stadtteile sind tatsächlich Hannovers´ Plus.

    Grüße auch an den Bodensee (auch ne schöne Ecke).

    So, zurück zu [lexicon='Leipzig'][/lexicon] - ich will jetzt hier auch nicht weitersabbeln. Abschließend wünsche ich [lexicon='Leipzig'][/lexicon] viel Erfolg und ich freue mich auf bald. Ich schreibe ab und zu unsere Stadtverwaltung an und da erwähne ich inzwischen immer [lexicon='Leipzig'][/lexicon] und Dresden als positive Beispiele. Dank diesem Forum!

  • Beste Neuigkeiten zu später Stunde 8)

    Das Gebäudeensemble direkt gegenüber dem Schillerhäuschen ist nun ein Selbstnutzerprojekt und soll saniert werden.
    Artikel aus der LiZ

    Vielleicht kann noch einmal jemand ein Bild liefern, irgendwo schwirrt das hier rum :zwinkern:

    MfG
    Steve

  • In den Fokus privater Investoren geraten zunehmend auch Wohngebäude,
    die in der Weimarer Republik
    errichtet wurden. So auch das Ensemble in der
    Hildebrandstraße (Connewitz). Die megaron gmbh saniert hier die
    fast schon wie Hochhäuser anmutenden Art-Déco-Gebäude (Bj. 1927).
    Ausführender Architekt war damals Georg Wünschmann.
    Vor dem 1. Weltkrieg war er noch auf den Jugendstil spezialisiert;
    einige seiner Gebäude aus dieser Zeit stehen heute
    noch verstreut in der Stadt.

    Projekt-Visualisierung "Wünschmanns Gärten"

    Bild: megaron gmbh

  • Zur weiteren Illustration der beiden Projekte:

    Selbstnutzerprojekt Menckestr. 43 , Zustand 2007, der hinter dem Haus gelegene Saalbau wurde leider vor kurzem wegen Baufälligkeit abgerissen

    Wohnanlage Hildebrandstraße in Connewitz, Zustand 2007

  • Quote from "spacecowboy"

    Projekt-Visualisierung "Wünschmanns Gärten"

    Bild: megaron gmbh

    Also mir gefallen solche Bauten der Weimarer Republik wesentlich besser als die überladene wilhelminische Architektur. Hier wurde einen guten Mittelweg zwischen Modernität und Tradition gefunden - und daran sollte man Heute anknüpfen. Solche Bauten sollten unbedingt saniert werden.

    Offtopic:

    Die Bewegung "Besseres Bauen" wurde 1915 gegründet. Ziel war es die einfache und solide dänische Bautradition wieder auf zu leben. Im Mittelpunkt stand vor allem die handwerkliche Qualität. Die Bewegung hatte daher eine Berater-Funktion und hat Richtlinien zur Proportionen und viele Details publiziert (Dächer, Gauben, Zimsen). Man hat sich eher für schlichte Bauten eingesetz, oft in Backstein. Backstein wurde auch als "dänisch" gesehen. Referencen zur Gotik, Neobarock oder Klassizismus waren keineswegs verboten. Heute sind die Häuser aüsserst begehrt. Ich mag sie auch sehr gerne.
    Hier sind ein Paar Beispiele:

  • Leipziger hat uns ja schon das gelungene Resultat des Eckhauses in der Coppistraße gezeigt. Zwei Häuser weiter wird nun ein weiteres Wohngebäude saniert. Es bleibt zu hoffen, dass sich das Ergebnis ebenso sehen lassen kann. Heißt konkret: Wiederherstellung der Vorkriegsfassade erwünscht.


    Und noch ein paar Bilder habe ich letztes Wochenende eingefangen:

    Villa Gräfestraße 11

    Zustand 2007

    Foto: Leipziger

    Situation letztes Wochenende


    Das bereits von mir erwähnte 30er-Jahre-Wohnensemble in Gohlis-Nord wird ebenfalls saniert. Es ist bestimmt 10 Jahre her, wo hier der letzte Mieter auszog. Die Keller werden gerade abgedichtet:


    Um dieses Graffito wäre es ausnahmsweise mal fast schade, wenn es verschwindet

  • Frage an alle Leipziger bzw. Allwissenden:

    Hat jemand von Euch bitte Erfahrungswerte, wieviel so eine Wiederbestuckung einer durchschnittlichen Gründerzeitfassade in etwa per m² Fassadenfläche kostet?

    Danke!

  • Exilwiener. Warum fragst du dass???

    Kann oder soll Wiederbestückung auch in Berlin stattfinden???

    @Däne: ja einig. Die Bauten der Weimarer Zeit sind schön traditionel ohne überladen zu sein aber gleich auch "warm" modern.

    Die Wilhelminische Bauten finde ich sehr eindrucksvoll, aber die Bauten aus 1910-1934 finde ich am schönsten: nich zu überladen aber doch traditionel und machmal auch modern zugleich.

    Danach (nach 1934) zu "einfach" oder zu "billig".

  • Quote from "uaoj36"

    Exilwiener. Warum fragst du dass???

    Kann oder soll Wiederbestückung auch in Berlin stattfinden???

    Weil ich ein Haus kenne, dass unbedingt wieder attraktiv gestaltet werden muss und am Besten wäre es natürlich via einer Herstellung der alten Fassade.

  • Wie teuer eine Wiederbestuckung ausfällt, hängt natürlich von Einzelfall ab.
    Da müsste schon mal ein Bild her wie es jetzt aussieht und ein Plan her, wie es später aussehen soll. Für Glattputz mit irgendeiner Struktur kann man mal schnell einen Quadratmeterpreis angeben (könnte ich nachgucken, was das bei uns gerade kostet), hinzukommen dann Zulagen für die Profilierung der lfm Gesimse, lfm Fenstergewände.... u.a. Es kommt auch drauf an, ob die Unterkonstruktion für die Gesimse noch da ist (auskragende Steine) - wenn nicht, muss man sich was neues ausdenken - dafür gibts dann die Fachleute. Wenn dir keine Putzgesimse, sondern Natursteingesmise vorschweben, wirds richtig teuer (Material, Bearbeitung, wegstemmen der alten Leibungen u.a....)

    Fazit: Dazu muss man schon im Einzelfall die Fachleute kontaktieren.

    Und noch eines: An der Villa Gräfestr. in Eutritzsch wird (wurde) die gesamte Ziegel-Verblendung abgeschlagen und genau nach alten Vorbild neu aufgemauert. Was für ein Aufwand, hätte man da nicht doch besser "nur" ausgebessert? Ein bisschen Spuren der Zeit darf man doch durchaus auch nach der Sanierung noch erkennen. Danke für das Foto, Cowboy, als ich letztens da war, war gerade kein Foto-Wetter... halb duster oder so.

  • Leipziger, Stiffler

    Vielen Dank!

    Naja, ich meine dieses, nachfolgende Haus. Bei einem Bombenangriff ist das Haus stark zerstört worden und dann Ende der 40er Jahre wieder aufgebaut worden...mit dem Ergebnis, dass dort, wo die Fassade kaputt war, nur notdürftig instandgesetzt wurde. Eine Seite ist noch vorhanden, sodass man einen Eindruck des vorherigen Zustandes noch erahnen kann:

    Eine Wiederbestuckung wäre meiner Meinung nach überlegenswert, jedoch sollte dies im finanziellen Rahmen bleiben. Die Wohnungen sind, obwohl das Haus von außen nicht schön ausschaut alle vermietet. Aber in Wien gibt es ja im Gegensatz zu [lexicon='Leipzig'][/lexicon] einen Wohnungsmangel. Wenn in Wien die gleichen Verhälnisse herrschen würden wie in L, dann würden vielleicht die Sanierungen in Wien ähnlich schön werden...

  • Das finde ich ein sehr gutes Beispiel, wo eine Wiederbestuckung lohnen würde. Jedoch wird man sich in Wien da mehr zieren, dort würde die Wohnung im Haus wahrscheinlich auch so vermietet, das wäre also ein Zuckerl obendrauf.

    In [lexicon='Leipzig'][/lexicon] hingegen läßt sich ein 08/15-Haus in einer 08/15-Gegend wie Reudnitz oder Lindenau nur schwer vermieten. Es kommt auf das gewisse Extra an. Das kann der Balkon oder die Einbauküche wie bei meiner Wohnung sein. Das kann aber auch eine interessante Architektur sein. Ich denke, man muss das im Zusammenhang sehen, ob eine teure Bestuckung lohnt. Nur aus ästhetischen Gründen wird sie kaum ein Bauherr angehen. Stehen jedoch handfestere Argumente dahinter, wie eine höhere Mieteinnahme, dann wird das schon eher was.

    Den Willigen führt das Schicksal, den Unwilligen zerrt es dahin. (Seneca)