Potsdam - Garnisonkirche

  • tegula @ Christarori, Konstantindegeer, potsdam-fan, Neupreusse:

    wenn jemand vor Ort sein sollte, nehmt doch bitte Handzettel und Infomaterial der Kritiker des Wiederaufbau der Garnisonkirche mit.

    Auch der Tagesspiegel (PNN) aus Potsdam berichtet am 22.08.2024 über die Eröffnung des Turm der Garnisonkirche.

    Garnisonkirche in Potsdam: So läuft die Eröffnung des Turms
    Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnet heute den Turm der Garnisonkirche in Potsdam. Gegen den umstrittenen Wiederaufbau protestieren vor Ort rund…
    www.tagesspiegel.de
  • Ja die Rede vom Bundespräsidenten war inhaltlich gut und traf wohl auch den richtigen Ton. Und ich stimme auch tegular in seinem letzten Punkt zu, dass der Wunsch nach Erhalt des Rechenzentrums für weitere Kontroversen sorgen wird.
    Überrascht hat mich doch tatsächlich mehr die Rede des OB. Denn diese fand ich ebenfalls sehr ausgewogen und im Endeffekt deutlich offener ausgelegt, was eine zukünftige Umfeldgestaltung betrifft. Einen Erhalt des Rechenzentrums habe ich hier nicht heraushören können.

    Grüße aus Berlin

  • Zur Erinnerung nochmal die letzten Bilder der alten Garnisonkirche.

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  • Weiß jemand von euch, ob oder wo man die Übertragung nochmal sehen kann? Ich kam zu spät und sah nur noch die letzten 10 min und bei YT scheint das Video privat zu sein. Danke und Grüße

  • Ich fand die Rede Steinmeiers recht positiv und ausgewogen. Dass er Präsident aller Deutschen ist und damit auch gewisse Zugeständnisse an die Gegner der Kirche macht, sehe ich nicht problematisch.

    Ich persönlich habe nichts gegen einen Fortbestand des Rechenzentrums als Gruppe von Künstlern und Aktivisten. Es geht mir – wie sicher den meisten hier – eigentlich nur darum, dass das hässliche Gebäude an der Straßenecke zurückgebaut wird. Die jetzigen Nutzer werden sich hoffentlich nicht ausschließlich über dieses Gebäude identifizieren, sondern über ihre Arbeit, alles andere wäre ja traurig.

    Dass den Wiederaufbaugegnern die Künstler an sich egal sind und sie lediglich die unbegrenzte Nutzung des Gebäudes als Blocker eines möglichen Wiederaufbaus des Kirchenschiffs wollen, ist klar. Aber diese Leute können nicht maßgeblich sein.

  • Bei RBB gibt es ein neues drei Minuten langes Video:

    Turm der Potsdamer Garnisonkirche wiedereröffnet
    Offizieller Festakt für ein nach wie vor umstrittenes Bauwerk: Am Donnerstagvormittag wurde in Potsdam der wieder aufgebaute Turm der Garnisonkirche eröffnet.…
    www.rbb24.de

     Darin sind einerseits Aufnahmen von dem Festakt heute.
    Am Ende werden noch historische Aufnahmen gezeigt, dabei wird die Heilig-Geist-Kirche mit der Garnisonkirche verwechselt.

    Edit: Mittlerweile wurde das drei Minuten Video durch ein sieben Minuten langes Video ersetzt.

  • Auch in der Tagesschau um 20 Uhr wurde heute über die Garnisonkirche berichtet, ab Minute 12:05:

    tagesschau
    tagesschau
    www.tagesschau.de


    Als Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier über das vergangene Unheil durch Eroberungspolitik redet, wurde Georg Friedrich Prinz von Preußen gezeigt (der im Publikum saß), das fand ich irgendwie unterhaltsam.

    Auch hier wurde die Heilig-Geist-Kirche mit der Garnisonkirche verwechselt.

    Es sind außerdem noch Aufnahmen aus der Ausstellung im Turm zu sehen.

    Hier ist außerdem noch der Instagram Beitrag von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, mit mehreren Bildern, unter anderem von der Ausstellung im Turm und von der Aussichtsplattform:

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  • Bin ich der einzige der Steinmeiers Rede absolut unsäglich fand? Mal ganz abgesehen von dem Quatsch mit dem Rechenzentrum und der Tatsache, dass er Friedrich II. als den Soldatenkönig betitelt hat, finde ich hat er sehr undifferenziert gesprochen. In seiner Rede waren die Zeitschichten, die ja den ganzen Tag so in den Himmel hoben wurden, überhaupt nicht zu erkennen. Der Subtext war:" alle zwischen 1735 und 1945 waren totalitäre Demokratiefeinde. Von 1945 bis 1990 war auch nicht so toll, und jetzt ist alles toll und es muss alles einen Bruch haben weil vor 1945 gab es ja nur Antidemoktaten und deshalb muss das Rechenzentrum erhalten werden." Im Grunde hat er überwiegend das wiedergekäut, was uns schon seit Jahren von den unreflektiert Gegnern um die Ohren geschmissen wird.

    Er lobte ja an der Ausstellung, dass sie nichts auslasse. Tja, er schon.

    Stäblein: Naja ein Kirchenmann, der es schafft mit vielen diplomatischen Worten inhaltlich wenig zu sagen.

    Schubert: Wirkte wie ein Schülersprecher. Sprach aber für seine Verhältnisse wirklich gut und objektiv.

    Der einzige, der wirklich überzeugt hat war der Kurator der Ausstellung Dr. Reiche. Er hat objektiv Kampfbegriffe und Schlagzeilen entzaubert und hat dabei nichts beschönigt und nichts verteufelt.

    Das war eine professionelle Rede!!!

    Wenn es jemand kann, dann ist es keine Kunst. Und wenn es jemand nicht kann, dann ist es erst recht keine Kunst!

  • Bin ich der einzige der Steinmeiers Rede absolut unsäglich fand?

    Die Frage, wieviel Steinmeier nach Abzug des Textanteils des Redenschreibers der Rede selbst eigentlich beizutragen hatte, stellt sich zweifelsohne.

    Die Geschichte der Garnisonkirche begann 1735, nicht 1933. Zu den Persönlichkeiten, die mit ihr gerechterweise zu verbinden sind, zählen Johann Sebastian Bach, bedingt der Orgelbauer Joachim Wagner, Zar Alexander und Napoleon und sicher der eine oder andere mehr. Die "Herunterleierei" heute morgen hat es leider versäumt, die Frage zu stellen, was man von diesen und weiteren Personen aus der tieferen Tiefe der Kirchengeschichte heute und in die Zukunft mitnehmen möchte, was man von ihnen lernen kann. Hoffentlich wird es möglich sein, auch die weiteren Reden noch einmal nachzuhören, gegeneinander abzuwägen und ihnen ihren eigenen Beitrag belassen und nein, Herr Bundespräsident: eine Aussage dahingehend, daß sicher nach 1968 an diesem Ort ja auch neue Heimatgefühle erwachsen konnten, ist hier nicht angemessen und sehr enttäuschend. Ganz sicher werden sich nach 1933 in Wohnungen oder Häusern von Vertriebenen, Exilanten, Flüchtlingen und Ermordeten auch so manche Herrschaften eigentlich ganz wohl gefühlt haben. https://www.tmfm.de/dokumente/dieposchi.pdf

  • Hier wurde eine Aufzeichnung vom Festakt hochgeladen:

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    Und hier Interviews zur Eröffnung:

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  • [...] dass er Friedrich II. als den Soldatenkönig betitelt hat [..]

    Das kann ich nicht erkennen. Er hat schon von dem Soldatenkönig und von Friedrich dem Großen gesprochen, auch wenn er das "Und" dazwischen vielleicht nicht so deutlich ausgesprochen hat.

    Zur restlichen Rede muss ich wohl nichts weiter sagen, da das schon genug andere getan haben.

  • Mal ganz abgesehen von [...] der Tatsache, dass er Friedrich II. als den Soldatenkönig betitelt hat

    Im Redetext steht: "Die Kirche, zeitweise Ruhestätte des Soldatenkönigs und Friedrichs des Großen", und in dem Video ist zu hören, dass er zwischen beiden Namen wirklich ein "und" spricht (ab Minute 15:20)

    Die Frage, wieviel Steinmeier nach Abzug des Textanteils des Redenschreibers der Rede selbst eigentlich beizutragen hatte, stellt sich zweifelsohne

    Nein, die Frage stellt sich eigentlich nicht. Natürlich hat der Bundespräsident Leute, die ihm zuarbeiten, aber eine Rede des Bundespräsidenten gilt als seine Rede und nur als seine. Es war auch eine typische Steinmeier-Rede, in stilistischer wie in thematischer Hinsicht. Muss nicht jedem gefallen. Ich fand sie nicht schlecht. Überrascht hat mich, dass er sich so deutlich für den Erhalt des Rechenzentrums ausspricht, denn diese Einmischung in die Stadtentwicklung Potsdams steht ihm eigentlich nicht zu. Ich halte seine Position in diesem Punkt auch grundsätzlich für falsch. Ostdeutsche identifizieren sich nicht (nur) mit Ostmoderne. Ich bin mit dem Potsdam von vor 1989 vertraut. Ich weiß von mir und von anderen, dass man damals in der DDR durchaus ein positives Preußenbild entwickeln konnte. Mein Verständnis von Heimat beschränkt sich nicht auf das, was während der DDR-Zeit oder danach neu geschaffen wurde.Ich freue mich, dass der Kirchturm wieder da ist, den Steinmeier übrigens als ein Hauptwerk des norddeutschen Barock würdigt, das prägend für das Potsdamer Stadtbild gewesen sei.

    Hier wurde eine Aufzeichnung vom Festakt hochgeladen:

    Die beiden Videos sind von dem Youtube-Kanal "BtB-concept", der dem Verteidigungsministerium nahesteht. Dort findet man interessante Dokus zu den Themen Bundeswehr, Bundespräsidialamt, staatliche Repräsentation, Protokoll und dergleichen mehr.

  • Heute morgen bei bester Fernsicht auf den Turm gestiefelt und einfach nur die Aussicht genossen. Herrlich.

    Blick über die Kernstadt Richtung Berlin. Am Horizont der Fernmeldeturm auf dem Schäferberg in Wannsee. Bessere Beleuchtung hätte man am späten Nachmittag – falls jemand hier Fotos vom Alten Markt, wiedererrichteter Mitte, Stadtschloss etc. machen will:

    Garnisonkirche – Aussicht 23.8.24

    Breite Str. Richtung Brandenburger Vorstadt bis zum Neuen Palais. Im Vordergrund gute erhalten und gepflegt der Militärwaisenhaus-Block und der Kiez, im Hintergrund die Bebauung um die Neustädter Havelbucht – hier hatten die Leute, die vor der Sprengung das letzte Mal auf dem Turm standen, sicherlich den größten Unterschied in der Aussicht zu heute:

    Garnisonkirche – Aussicht 23.8.24

    Plantagenplatz mit Langem Stall und Glockenspiel, am Horizont das Belvedere auf dem Pfingstberg, das eine ähnlich schöne Weitsicht bietet, aber eben nicht mitten in der Stadt steht:

    Garnisonkirche – Aussicht 23.8.24

    Das – baulich sehr verdichtete – neue Glockenweiß-Kreativquartier in der Übersicht:

    Garnisonkirche – Aussicht 23.8.24

    Blick über den Luisenplatz zum Schloss Sanssouci, Historische Mühle, Friedenskirche:

    Garnisonkirche – Aussicht 23.8.24

    Blick auf den Alten Markt mit Stadtschloss, Block III, Palast Barberini und Altem Rathaus. Und natürlich den zwei anderen Teilen des Dreikirchenblicks – Nikolaikirche und der in moderner Form nachempfundenen Heiligengeistkirche:

    Garnisonkirche – Aussicht 23.8.24

  • Also ich finde die Rede von BP Steinmeier recht gut und ausgewogen.

    Die Anmerkungen zum Rechenzentrum finde ich aber auch verfehlt. Das hätte er so explizit nicht hervorheben müssen/dürfen. M. E. hat er die architektonisch-städtebaulich und rechtlich-finanziellen Implikationen einer solchen Forderung nicht verstanden....

    Mit einer solchen Aussage von "höchster Stelle" ist damit die Reko des Kirchenschiffs m. E. gestorben. Hoffentlich klappt wenigstens ein schöner Saalneubau in den Kubaturen des Schiffs und der Abbruchs des RZ.

  • (...)

    Mit einer solchen Aussage von "höchster Stelle" ist damit die Reko des Kirchenschiffs m. E. gestorben. Hoffentlich klappt wenigstens ein schöner Saalneubau in den Kubaturen des Schiffs und der Abbruchs des RZ.

    Meine Rede. Ideen zur Nutzung eines solchen Neubaus in der alten Kubatur sind jetzt gefragt, die für "Otto Normalpotsdamer" zustimmungsfähig sind. Die Kosten dürfen nicht davongaloppieren und und ein Bedarf muss da sein.

  • Die Debatte ist immer wieder schräg. Man kann sich als Politiker zu allem Möglichen äußern, jedoch ist das keine Politik. Politik ist, wenn man etwas vorschlägt und dieses dann umsetzt.

    Also müsste beim Rechenzentrum eine Sanierung des Hauses, ob man das jetzt gut findet oder nicht, von irgendwem bezahlt werden. Ganz erhalten kann man es ohnehin nicht (Abstandsflächen) und eine Sanierung würde stets eine neue Baugenehmigung voraussetzen. Das Haus sähe dann völlig anders aus (oder man rekonstruiert den schon lange abgebrochenen DDR-Zustand) und die Kosten lägen bei 30-40 Millionen Euro. Eine Pro Potsdam würde hieraus einen Miete von ca. 25-30 Euro/qm errechnen - damit wäre der sanierte Bau unvermietbar. Der Baukostenrechner führte aber auch bei jedem anderen Bauherren (Genossenschaft etc.) zu einem ähnlichen Ergebnis. Eine dauerhafte Subvention der Flächen ist nach der Subvention der Flächen im Kunst- und Kreativquartier nicht vorstellbar. Potsdam sagt sogar die Erweiterung von so unstrittigen Bauten wie der Erweiterung der Kinderbibliothek der SLB aus Kostengründen ab - da wird man einen kleinen Wirtschaftszweig wie die Kunst- und Kreativwirtschaft nicht doppelt subventionieren können.

    Das "Haus der Demokratie" anstelle des Kirchenschiffs, das das RZ und den Turmbau zu irgendeinem polymorphen Klops verbinden soll, soll als Kern den Plenarsaal der Stadtverordneten beherbergen. So soll nach der Vorstellung des OB der Ort "neu besetzt" werden. Die SVV hat jedoch auf ihrer letzten Sitzung im Juli beschlossen, ihren Plenarsaal im Campus an der Hegelallee zu nehmen. Nun erklärt OB Schubert, man könne auch zwei Plenarsäle bauen, aber diese Position ist angesichts der Haushaltslage kaum vermittelbar, eine Mehrheit in der neu zusammengesetzten SVV gibt es hierfür nicht, da das Projekt sowohl von rechts als auch von links abgelehnt wird. Zustimmung bekäme es allenfalls von Grünen und SPD, die zusammen jedoch nur 20 von 56 Stimmen haben. Alternativ könne ein kirchennaher Bauträger ein Flüchtlingsheim oder ein Studentenwohnheim auf der Fläche bauen und für 500 Euro pro Platz vermieten - auch dies leidlich unrealistisch.

    Eine Reko des Kirchenschiffs ist vom Architekturbüro HS&A vor zehn Jahren mit ca. 50 Mio. Euro geschätzt worden., nach Baukostenindex wären das heute ca. 70 Millionen. Ein solcher Saal refininziert sich nicht durch Kulturveranstaltungen und die Kirche verfügt nicht über Finanzmittel in der Größenordnung. Insofern erscheibt auch dieses Projekt völlig utopisch.

    Deshalb wird es darauf herauslaufen, dass das Rechenzentrum mit Nutzungsaufnahme des Kunst- und Kreativquartiers im Januar 2026 abgerissen wird und dort die im B-Plan festgelegte Grünfläche angelegt wird - auch die politische Linke und die Grünen fordern doch immer mehr Grün statt Beton. Die Fläche des Kirchenschiffs wird auf absehbare Zeit frei bleiben und kann im Sommerhalbjahr für Open-Air-Veranstaltungen genutzt werden. Wer etwas anderes will muss das Geld mitbringen. Das hat unser Bundespräsident nämlich auch nicht angekündigt.

    Anstelle der Kirchenstiftung würde ich mich darum kümmern, dass die Haube und der Bauschmuck an den Turm kommen - da fehlen ja noch ein paar Millionen Euro zu Finanzierung. Sonst werden die erhofften Einnahmen aus der Turmbesteigung, die den Bau, den Unterhalt, die Ausstellung und die Gehälter des Pfarrers und der Stiftungsmitarbeiter refinanzieren sollen, kaum in die Kasse kommen.

  • Eine Grünfläche anstelle des grottenhässlichen Rechenzentrums wäre nicht die schlechteste Interimslösung. Eine spätere Reko des Kirchenschiffs wäre damit keinesfalls auf alle Zeiten "gestorben". Vielleicht wären die fanatischen Gegner eines Wiederaufbaus mit den Jahren etwas abgekühlt...

  • (...)

    Eine Reko des Kirchenschiffs ist vom Architekturbüro HS&A vor zehn Jahren mit ca. 50 Mio. Euro geschätzt worden., nach Baukostenindex wären das heute ca. 70 Millionen. Ein solcher Saal refininziert sich nicht durch Kulturveranstaltungen und die Kirche verfügt nicht über Finanzmittel in der Größenordnung. Insofern erscheibt auch dieses Projekt völlig utopisch.

    (...)

    70 Millionen sind allerdings heftig. Da ist dann wirklich guter Rat teuer - im doppelten Sinn.