Berlin - Molkenmarkt und Klosterviertel

  • Man kann für jedes Bodendenkmal in Berlin nur hoffen, daß es NICHT gefunden wird. Etwas Altes steht in der Hauptstadt immer im Verdacht dem Fortschritt entgegen zu stehen, so ist das seit über 100 Jahren.
    Auch hier: von der Reichsmünze bis zu den Rathauspassagen freier Blick und Leere - aber die Leitungen müssen natürlich genau HIER hin, wo das 800 Jahre alte Bodendenkmal liegt.

  • Stimmt schon. Wobei wohl die Leitungen schon zu Kaiserzeiten dort verlegt worden sind. Das Nichtbeachten von Berlins Historie hat ja durchaus Tradition in dieser sich stets schnell und zeitgeistig wandelnden Stadt.


    Mal einige wichtige Fragen zum Altstadtareal in die Runde hier:
    Was wünscht ihr euch konkret für das Molkenmarktviertel und Klosterviertel? Wie soll es werden?
    Seid ihr dafür, den bislang recht ahistorischen B-Plan noch einmal zu überarbeiten und von großteiligen Bauherren (Stadt und Bund / Wohnungsbaugenossenschaften) zu kleinteiligeren zu überführen (z.B. in Erbpacht wie im Gründungsviertel Lübeck)?

  • Im Abräumen von Geschichte war Berlin schon immer unerreicht. Warum sollte sich das auf einmal ändern?

    In dubio pro reko

    Der größte Feind der Ideologie ist die Realität

  • Schönes Video: Rundgang durch das Klosterviertel

    External Content www.youtube.com
    Content embedded from external sources will not be displayed without your consent.
    Through the activation of external content, you agree that personal data may be transferred to third party platforms. We have provided more information on this in our privacy policy.

  • ^ Die beiden prämierten Teams stellen ihre überarbeiteten Entwürfe der Jury vor:

    External Content www.youtube.com
    Content embedded from external sources will not be displayed without your consent.
    Through the activation of external content, you agree that personal data may be transferred to third party platforms. We have provided more information on this in our privacy policy.

  • Da kann man nur hoffen, dass Albers Team sich letztendlich durchsetzt. Deren Entwuf scheint der harmonischste, nimmt Bezug auf die Vorkriegsbebauung und würde sogar einige Rekonstruktionen möglich machen. Der andere Entwurf ist der übliche experimentelle, modernistische Würfelhusten. Die Beispielsbilder, die Fassaden und Straßen zeigten, fand ich gruselig.

  • ...ja, der andere Entwurf von OS arkitekter versucht durch viel grün in den Bildern und der ständigen Betonung von Nachhaltigkeit, Stadterwärmung, Jahrhundertregen-Ereignissen etc. zu "ködern", aber allein die total unübersichtliche Dachlandschaft mit den sehr unterschiedlichen Höhen irritiert.

    Noch eine Frage zu Albers: Wie seht ihr das mit den Dächern? Im heute präsentierten Entwurf hatten sie nur an der Grunerstraße und an einem Stück der Jüdenstraße Schrägdächer vorgesehen, sonst nur Flachdächer. Das fand ich schade, denn man sieht doch andernorts (z. B. am Neumarkt in Dresden) wie viel ordentliche Schrägdächer zu einem schönen Stadtbild beitragen.

    Oder ist das alles später noch möglich, sowas dann in die Vorgaben für die Gebäude aufzunehmen? Ich kenne mich mit diesen kommunalen Verfahren und deren Ablauf nicht wirklich aus, deshalb die Frage.

  • Auf der Molkenmarkt-Seite der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung (Link) kann eine schriftliche, teilweise tabellarische Zusammenfassung des 1. digitalen Werkstattverfahrens zum Molkenmarkt am 3.2.22 heruntergeladen werden:

    Dokumentation (PDF, 19 Seiten)

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Da kann man nur hoffen, dass Albers Team sich letztendlich durchsetzt. Deren Entwuf scheint der harmonischste, nimmt Bezug auf die Vorkriegsbebauung und würde sogar einige Rekonstruktionen möglich machen. Der andere Entwurf ist der übliche experimentelle, modernistische Würfelhusten. Die Beispielsbilder, die Fassaden und Straßen zeigten, fand ich gruselig.

    Sicher. Wobei dazu gesagt sei, dass es in dieser Phase lediglich um Details der stadträumlichen Planung geht.
    Der Architekturwettbewerb folgt erst nach Erstellung der Charta im Jahr 2023.
    Dann wird es auch um konkrete Fassaden und Einzellösungen gehen.

    Das größte Hindernis für gute Bauten bleibt hier mE die Bauherrenstruktur. Mit nur 3 staatlichen Bauherren (WBM, degewo, BIM) kann das kein lebendiges Quartier werden. Zumal vorallem die landeseigenen Baugesellschaften doch viel zu tun haben und sich hier unnötig für gerade einmal 300 Wohnungen verausgaben, wo sie jährlich zigtausende Wohnungen bauen sollen. Zumal das eine ungeheure Belastung für die öffentlichen Kassen ist.

    Und wenn man dann noch sieht, was Degewo und WBM sonst so bauen, darf man noch skeptischer sein - alles so billig und schnellebig wie nur irgend möglich, rein auf Quantität ausgerichtet, Plattenbau-Stil:

    https://www.degewo.de/wachstum/neubau/

    https://www.wbm.de/neubau-berlin/neubau/

  • War jemand bei der heutigen Bürgerwerkstatt mit dabei und kann eine kurze Zusammenfassung der wesentlichen Punkte geben? Ich konnte mich erst zur abschließenden Diskussion dazu schalten. Positiv fand ich dort die Aussage des WMB Vertreters, dass man keine hässlichen Typenbauten an den Molkenmarkt setzten wolle, dass der WBM die Bedeutung des Ortes durchaus bewusst sei und dass man hochwertige Architektur vorsehen möchte.

  • Der "Tagesspiegel" schreibt, dass die für diese Woche geplante Entscheidung für einen der beiden städtebaulichen Entwürfe für den Molkenmarkt auf "nach den Sommerferien" verschoben wird (Artikel hinter der Bezahlschranke).

    Konflikt um Berliner Molkenmarkt: Entscheidung über künftige Gestaltung verschoben (tagesspiegel.de)

    Wissen allein bringt nichts. Nur das angewandte Wissen verändert die Dinge.

  • Behauptung aus dem Artikel:
    "Kritiker sehen darin eine Trickserei des Senats"

    Frau Kahlfeldt, bitte tricksen sie was das Zeug hält, damit wir ein halbwegs gutes Resultat bekommen, danke.

  • Es ist schon erstaunlich, wie eine kleine Truppe linker Aktivisten versucht, die Senatsverwaltung und die Jury unter Druck zu setzen. Bei den Werkstattveranstaltungen zum Molkenmarkt gab es eigentlich nur einen einzigen Teilnehmer, der sich unermüdlich und beharrlich gegen den Albers-Malcovati- und für den Czyborra-Entwurf eingesetzt hat, die übrigen Stimmen - auch von Anwohnern - waren eher pro-Albers-Malcovati. Dieser Teilnehmer verfügt anscheinend über exzellente Kontakte zur Presse, in diesem Fall bekanntermaßen ja auch zum Tagesspiegel.

    Letztlich stellt es sich wohl so dar, dass es gar nicht mehr darum geht, mit dem Czyborra-Entwurf dem besseren städtebaulichen Entwurf zum Erfolg zu verhelfen, sondern darum, den "bürgerlicheren", kleinteiligeren und differenzierteren Entwurf von Albers und Malcovati zu verhindern, warum auch immer. Hierfür werden mit der vermeintlichen besseren Klimawandel-Kompatibilität und den behaupteten niedrigeren Baupreisen des Czyborra-Entwurfs Argumente ins Feld geführt, die gefällig klingen, jedoch bei genauerem Hinsehen kaum wirklich Substanz haben.

    Vielleicht sollte man in diesem Fall noch einmal daran erinnern, was im Koalitionsvertrag steht: "Für den Molkenmarkt streben wir eine kleinteilige Bebauung mit vielfältiger Nutzung und sehr guter Architektur an". Die Grundlage hierfür wäre der Entwurf von Albers und Malcovati, nicht der die historischen Parzellen großmaßstäblich überbauende und Leitbauten faktisch unmöglich machende Czyborra-Entwurf.

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Aufnahmen vom vom fortschreitenden Straßenbau am Molkenmarkt.

    Tja, und hier fällt es in der Tat schwer, ein Argument gegen den Erhalt des Gebäudes zu finden. Wer nicht sieht, dass dieser zeitlos-elegante Bau nach kostenmäßig kaum ins Gewicht fallender Sanierung ein absolutes Schmuckstück des neuen Viertels sein dürfte, hat wohl Tomaten auf den Augen, mindestens...

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)