• Nachfolgend noch ein paar Bilder aus Fredelsloh, einem Dorf westlich von Northeim am Solling, das für seine (ehemals) zahlreichen Töpferwerkstätten bekannt ist. Ich packe sie der Einfachheit halber mit in diesen Strang.

    Klosterkirche

  • Hier heißt es:

    "Seit 2006 wird einmal jährlich ein nach Funden rekonstruierter Brennofen in Betrieb genommen, in dem Gefäße, die ebenfalls nach Funden aus der Region gefertigt wurden, gebrannt werden. Dies geschieht einmal im Jahr, meist im August."

    Als Hobby-Töpferin klingt das für mich hoch spannend. Ein nettes Reiseziel.

    Beauty matters!

  • Von mir nun als Finale meiner Südniedersachsenrunde noch Northeim. Als Göttinger haben wir die Stadt so gut es ging ignoriert. Das Kennzeichen NOM galt als gleichbedeutend für völlig unfähige Autofahrer. Der Spruch lautete: NOM, OHA (Osterode) und DUD (Duderstadt) machen den Verkehr kaputt. Nun gut, diese Sprüche gibt's überall und oft sogar witziger. Fakt ist jedoch: genau wie in Osterode bis 2017 war ich in meinem ganzen Leben noch nicht in der Altstadt von Northeim gewesen.

    Osterode habe ich immerhin 2017 rein zufällig kennengelernt, im Juni 2025 nach fast 50 Lebensjahren, von denen ich gute 25 im gerade mal 20 km südlich gelegenen Göttingen verbracht habe, nun also endlich auch Northeim. Hatte ehrlich gesagt auf der Fahrt schon wieder mit dem Gedanken gespielt, mir Northeim aus Zeitgründen zu knicken, bin aber froh, es nicht getan zu haben.

    Wie witzigerweise auch Markus als "Begründer" der Galerie habe ich es geschafft, den Markt(platz) quasi zu verpassen. Er liegt anders als in den anderen besuchten Städten etwas seltsam orthogonal und schmal seitlich der Hauptstraße und ist zudem an der Seite, die man wenn man von West nach Ost durch die Stadt geht, als erstes sieht, von etwas mediokrer gründerzeitlicher Bebauung geprägt.

    Der uns leider wieder verlassen habende Frosch Frolo hat aber gerade im Januar den Markt mit kleinem Rathaus ausführlich bebildert, so dass wir gsd. ein paar Bilder haben.

    Generell zum Gesamteindruck: So schwer es mir fällt, Northeim machte den gepflegtesten Eindruck der vier besuchten Städte. Ich hatte mich ja auch schon überrascht über Osterode geäußert, Northeim war - würde ich sagen - sogar noch einen Tacken schicker und hatte noch weniger (wenn auch nicht keine) unrenovierte Häuser in schlechtem Zustand. Auch die Fensterkrankheit wirkt hier fast besiegt. Wenn ich also die vier Städte inklusive Bad Gandersheim Revue passieren lassen müsste, müsste Bad Gandersheim auf Platz 4 und Einbeck läge ziemlich klar hinter Osterode und Northeim. Schade, ist es doch ganz ohne Zweifel die architekturhistorisch bedeutendste der 4 Städte.

    Was allerdings Northeim hat und keine andere ist das unsägliche "City-Center", eine Art Miniatur-Ihmezentrum mitten im westlichen Herzen der Altstadt. Dass dafür anscheinend keine oder kaum historische Bausubstanz abgerissen wurde und/oder man es wirklich nur an wenigen Stellen störend sieht, tröstet mich hier wenig. So etwas darf einfach nicht passieren. Genug gebrabbelt, los gehts:

    Auf meinem Weg von Nordwesten in die Altstadt sieht man es hier schon im Hintergrund, im Vordergrund diese seltsam ländlich wirkende Ackerbürgerarchitektur, wie wir sie auch aus den Einbecker Randbereichen kennen:

    Vorbei am Straßenzug "Neustadt" mit - ja - neueren Fachwerkhäusern, die Frosch Frolo auch abgebildet hatte und die ich mir spare und den praktisch umlaufen vorhandenen Resten der Stadtbefestigung:

    noch ein letzter Blick auf das wirklich fürchterliche "City Center":

    mit seinen erstaunlichen Ausmaßen.

    Nun sind wir an der Haupteinkaufsstraße, die hier "Am Münster" und später "Breite Straße" heißt, angekommen. Vorne rechts sind zwei ältere Häuser, von denen zumindest das mit dem rötlichen Fachwerk und dem Cafe seit Markus' Besuch renoviert wurde:

    Das älteste Haus der Stadt, das Reddersen-Haus von 1420 hat sich gegenüber 2003 hingegen praktisch gar nicht verändert:

    Das Spital St. Spiritus am Münsterplatz ist einer der bedeutendsten freistehenden gotischen Fachwerkbauten Niedersachsens:

    Eine Grünfläche vor dem Münster:

    Auch hier wie in Osterode sollte man die relative Leere nicht unbedingt mit Leblosigkeit verwechseln - es war einfach mittags an einem sehr warmen Tag. Der Mittelteil der Hauptstraße ist dann geprägt von einem Mix aus gründerzeitlichen Bauten und Fachwerkarchitektur des späten 18., und 19. Jahrhunderts und nicht so wahnsinnig spannend:

    Interessanter wird es dann definitiv erst wieder östlich des Marktes....

  • Hier geht es dann links auf den von mir sprichwörtlich links liegen gelassenen Markt (den Frosch Frolo oben ausführlich dokumentiert hat):

    Wie in den anderen Städten durchaus auch Leerstand, aber selten geballt oder wirklich störend, geht alles einigermaßen, wobei ich davon ausgehe, dass die Ladenmieten in solchen Städten dann auch massiv gefallen sein müssten. Kleine Gasse nach Süden:

    Noch weiter östlich wird es dann langsam interessant. Hier ein von den Fenstern her anscheinend recht frisch und doch unglücklich renoviertes Haus:

    und weiter, hier ein paar etwas weniger gut gepflegte, aber ältere Häuser:

    wirklich praktisch die einzigen, die ich in einem solchen Zustand gesehen habe.... Nach Süden zweigt hier eine Straße zur St. Sixti-Kirche ab:

    Der kleine Kirchplatz bestanden von Fachwerk:

    Das recht frisch renovierte gotische Kassebeersche Haus in etwas seltsam anmutenden Farben:

    Im Schaupenstiel stehen weitere interessante Häuser:

    Eine erfreuliche Renovierung gegenüber dem von Markus dokumentierten Zustand im Schaupenstiel 7:

    Quote from Markus

    heute:

    Interessant ist die Wiederherstellung/Rekonstruktion des Torbogens links am Haus. Ich habe deshalb erst gedacht, dass dies gar nicht dasselbe Haus sein kann, aber das ist es zweifellos, auch wenn Markus es fälschlicherweise als "Schaupenstiel 15" bezeichnet hatte.

    Den Schaupenstiel nochmal nach Westen geblickt:

  • https://www.ndr.de/nachrichten/ni…hweig15572.html


    Hast du zufälligerweise auch dieses Gebäude gesehen?

    Nein, ich habe jetzt herausgefunden, dass das ganz im Westen am Wall liegt. Da bin ich nicht langgegangen, kann also nichts zum Zustand des Hauses sagen.

    Ich komme jetzt in die zwei, drei schönsten Straßen der Stadt im (Nord)osten. Als erstes die Häuserstraße:

    IMG-1898.jpg

    IMG-1899.jpg

    IMG-1900.jpg

    IMG-1912.jpg

    Die wirklich sehr schöne Holzhäuserstraße:

    IMG-1906.jpg

    IMG-1920.jpg

    Original research: Ich halte die etwas seltsamen Namen "Häuserstraße" und "Holzhäuserstraße" nicht für das, was sie scheinen. Warum sollte man in einer Stadt, deren Wesen nun einmal in der Anwesenheit von "Häusern" besteht, eine Straße "Häuserstraße" nennen oder gar "Holzhäuserstraße", wenn locker 90% der Häuser in der Stadt "Holzhäuser" sind - auch in allen anderen Straßen? (Auch ist der Begriff "Holzhäuser" für Fachwerkhäuser in der Region nie üblich gewesen).

    Ich halte diese Straßen für ursprünglich nach Dörfern der Umgebung benannt. Nördlich von Northeim liegt der Ort "Langenholtensen". Der Zusatz "Langen-" ist der Tatsache geschuldet, dass der Ortsname "Holtensen" in der Region extrem häufig ist, es gibt bei Einbeck ein weiteres Holtensen, auch Göttingen hat einen Ortsteil "Holtensen", im Landkreis Hannover soll es allein 5 weitere "Holtensen" geben, ebenfalls oft mit Zusätzen a la "Langen-", um Verwechslungen zu vermeiden. Der Ortsname "Holtensen" ist aus dem niederdeutschen "Holthusen" entstanden, wobei "Holt-" hier nicht Holz bedeutet, sondern "Wald", ein Holtensen ist also ein "Waldhausen".

    Meine These: Die Holzhäuserstraße ist nach dem Ort Holthusen benannt, dem heutigen Langenholtensen. Während der Ortsname in seiner dialektalen Form überlebt hat, hat die Bevölkerung Northeims diesen Zusammenhang irgendwann vergessen und im Rahmen der Durchsetzung des Hochdeutschen ist aus der "Holthuser Stroate" die Holzhäuserstraße geworden. Heute denken wahrscheinlich 99% der Northeimer, diese Straße heiße so, weil sie eben von "Holzhäusern" bestanden ist.

    Auch die Häuserstraße kann ich so erklären, denn südlich des östlichen Nachbarorts Hammenstedt gab es einen Ort, der als "Husen" ersterwähnt wurde. Er ist wüstgefallen und wurde volksetymologisch als "Husum" umgedeutet, nach diesem "Husum" ist jetzt immerhin ein sehr schönes Tal und Naturschutzgebiet benannt. Ähnlich wie die Tiedexer Straße in Einbeck nach einem im 15. Jahrhundert (!) wüstgefallenen Dorf "Tiedexen" benannt ist, könnte die "Häuserstraße" also eigentlich die "Häuser" oder niederdeutsch "Huser" Straße sein.

    Cave: Dies ist eine wilde Hypothese von mir, zu der ich online nichts finden konnte. Kann auch einfach sein, dass die Straßen nach Häusern und Holzhäusern benannt sind.

    Blick Richtung Entenmarkt, den ich tatsächlich auch verpasst habe. Ein weiterer, kleiner Altstadtplatz mit einem spätgotischen Fachwerkhaus (ganz hinten rechts zu sehen):

    IMG-1921.jpg

    Noch weiter:

    IMG-1923.jpg

    Als letztes ein Foto aus der Straße Neustadt, auch hier stehen praktisch durchgehend Fachwerkhäuser, allerdings neueren Datums:

    IMG-1930.jpg

    Insgesamt ist also auch Northeim durchaus präsentabel. Was den Zustand von Straßen und Häusern angeht, würde ich es wie gesagt auf Platz 1 setzen der 4 besuchten Städte. Die Stadt macht für Südniedersachsen einen geradezu "frischen" Eindruck, auch wenn es natürlich trotzdem auch Leerstand gab und ein paar Häuser in nicht so gutem Zustand.

    Verpasst habe ich meinem ewigen Zeitmangel und Uninformiertheit geschuldet den Entenmarkt und sicherlich auch einige ganze schöne Häuser in der südlich verlaufenden Hagenstraße.

  • Präsentabel auf jedem Fall! In Dänemark wäre Northeim die bedeutendste Altstadt ausserhalb Kopenhagens.

  • Wenn Braunschweig und Hildesheim überlebt hätten, hätte die Region des südlichen und östlichen Niedersachsens zusammen mit dem Sachsen-anhaltinischen Harzvorland die Chance gehabt, zu einer Art Toskana Norddeutschlands zu werden mit einem florierenden, auch internationalen Städte- und Kulturtourismus. Landschaftlich ist die Gegend ohnehin wirklich schön, v.a. die Regionen südlich der Mittelgebirgsschwelle, klimatisch war sie bislang benachteiligt, aber da arbeiten wir ja leider erstaunlich erfolgreich auch dran. Das Klima von Freiburg im Jahr 1980 haben Braunschweig oder Göttingen nun schon seit ein paar Jahren. Bald greifen wir das Burgund an.

    In ein paar Jahren dann südeuropäische Schickeria und Aussteiger, die in Sollingdörfern Resthöfe sanieren und Fachwerkhäuser in Bad Gandersheim als Sommerhäuser nutzen? Dit wär doch auch was.

  • Wenn Braunschweig und Hildesheim überlebt hätten, hätte die Region des südlichen und östlichen Niedersachsens zusammen mit dem Sachsen-anhaltinischen Harzvorland die Chance gehabt, zu einer Art Toskana Norddeutschlands zu werden mit einem florierenden, auch internationalen Städte- und Kulturtourismus.

    Interessanter Gedanke, den ich letztlich jedoch nicht teile.

    1) BS und Hi sind keineswegs Totalverluste, dh noch jedenfalls touristisch attraktiv. Das gilt auch für den 3. großen Verlust, Halberstadt. Diese Kriegszerstörung sind, gemessen für die von Heinzer ins Auge gefasste Kulturtourismus-Landschaft, mE nicht besonders maßgeblich.

    2) richtig große Fachwerkaltstädte sind erhalten, nicht nur Goslar und Quedlinburg (die ohnedies pittoresker gelegen sind und dem toskanischen Ideal mehr entsprechen). Duderstadt, Wernigerode,

    3) Landschaftspflege und Einbettung hat in D durch wirtschaftlichen Erschließungsdruck immer gelitten, begonnen mit dem viel zu dichten Autobahnnetz. Ich will gar nicht wissen, wie es im Harzvorland mit Windrädern heute aussieht. Deutschland wird als attraktive Kulturlandschaft kaum wahrgenommen, und das mit gewissem Recht. Andere Länder gehen sorgsamer mit ihren Landschaften um.

    4) Letztlich gilt das auch für Stadtbildpflege. Kahlschläge durch die Karstädte etc sind in der Toskana nicht dankbar.

    5) In Summe ist diese Kulturlandschaft ein wenig zu eindimensional, dh fachwerkorientiert. Die Städte sind einfach zu gleichförmig mit den ewigen Fachwerkzeilen. Die toskanischen Bergstädtchen geben einfach mehr an Monumentalität her.

    6) Der Kulturtourismus war immer schon etwas snobistisch. Bei der Toskana kommen Kulinarik und Wein dazu. Was hat das Harzvorland da zu bieten?

    Resumee:

    Dass sich Heinzers (fiktive) Vision nicht verwirklicht hat, liegt an ungünstigeren Rahmenbedingungen wie 5 und 6, dazu fehlendem Willen, Ignoranz und schnelle unnachhaltige Geldgier (3 und 4). Daran hätten auch ein intaktes Braunschweig oder Hildesheim nichts geändert.

    Ich halte dagegen: Thüringen und Franken, mit wirklich noch intakten großen Altstädten (wobei gewisse zerstörte Großstädte wirkungsvoll nicht als solche verkauft werden und immer noch gewisse Renner sind).

    Hier hat man interessante Kulinarik (von bayrischen Einflüssen begonnen bis zu diesen leicht angekohlten fetten Thüringer Bratengerichten als mE Relikt der sich französisch geben wollenden Duodezfürstentümer, die schmecken mir echt super), das herrlichste Bier überhaupt, große Geschichte (bis zur Weimarer Klassik). Aber eine Konkurrenz im allgemeinen Bewusstsein zu Italien und zur Toskana ist das überhaupt nicht.

  • Deutschland ist halb ein dicht besiedeltes Land mit viel Industrie. Ich finde perönlich nicht, dass man in D. besonders rigoros mit den Altstädten umgeht. Das ist anderswo genau so oder schlimmer - Italien (wo vieles dagegen Verfällt), Holland und Frankreich sind eher positive ausnahmen. Was in Ostdeutschland nach 1989 geleistet ist, ist einfach unglaublich und sollte auch gelobt werden.

    Was in D. fehlt sind wirklich atemberaubende Landschaften und eine erhaltene Metropole wie Paris und Rom. Dazu kommt das mässige Wetter und die Gastronomie, die anderswo doch interessanter ist (obwohl ich die D. Küche mag). Für mich ist D. aber gerade durch den vielen Mittel- und Kleinstädten unglaublich interessant.

  • Ja, das kann man so sehen, und es ändert nichts dran, dass keine dt. Landschaft "eine Toskana" werden kann. Für mich übrigens hat die Toskana als solche (dh metatouristisch über die unbestreitbar wunderbaren und faszinierenden Städte hinausgehend) überhaupt keine Faszination. Aber ich bin Bier- und kein Weintrinker, und gut essen tut man auch in Bayern oder Thüringen.

  • War ja auch nicht ganz ernstgemeint. Nicht ganz übereinstimmen wir in der Einschätzung bzgl. Hildesheim und Braunschweig. Ja, das sind natürlich keine Totalverluste, die auch immer noch einen geringen domestischen Tourismus anziehen können, aber sie sind trotz des Hildesheimer Marktplatzes eben keine richtigen Kracher, die wirklich auch international wahrgenommen würden. Beide Städte kann man im Prinzip an einem halben, maximal ganzen Tag abfrühstücken, wenn man jetzt nicht sehr spezielle kunsthistorische Interessen hat. Das war vor dem 2. WK sicherlich anders.

    Sonst stimmt das Meiste. Die Region ist v.a. bzgl. der "Genussseite" natürlich eher von calvinistischer Freudlosigkeit geprägt, in vielen Orten dürfte das beste Restaurant ein etwas in die Jahre gekommener Italiener sein, der mittlerweile von Syrern betrieben wird. Die Rücksichtslosigkeit, mit der in viele Städten trotz fehlender Zerstörungen unpassende Klötze gestellt wurden (den Vogel schießt hier Northeim ab), hilft da auch nicht. Die Landschaft ist v.a. nördlich des Harzes natürlich ziemlich flach und nicht besonders reizvoll, aber im echten Süden Niedersachsens durchaus abwechslungsreich und lieblich mit Wäldern und Feldern und kleinen rotbedachten Fachwerkdörfern überall dazwischen.

    Die entscheidende Sache dürfte in der Tat sein, dass das ganze etwas monothematisch ist (man könnte vielleicht noch Magdeburg und die ottonische Romanik, die es auch überall in der Region gibt, miteinbeziehen) und selbst mir die kleinen Fachwerkstädte dann geballt nicht mehr so viel sagten auf meiner Tour neulich. Der Unterschied zwischen Volterra und Siena, zwischen San Gimignano und Fiesole ist dann doch noch größer als der zwischen Northeim und Goslar oder Celle und Duderstadt. Und was der Däne sagt, stimmt auch: Es fehlt auch eine unzerstörte echte Großstadt als Ankerpunkt (Göttingen zählt da obwohl formal "Großstadt" aus verschiedenen Gründen nicht), also um im Toskanabild zu bleiben, ein Florenz in der Region (das hätte noch am ehesten vielleicht Braunschweig werden können, aber im jetzigen Zustand reicht es eben meines Erachtens nicht).

    Trotzdem besteht im Gesamtauftritt noch Luft nach oben und ich war doch erstaunt, dass die kleineren von mir besuchten Städte doch in einem alles in allem besser als erwarteten Zustand waren und v.a. Einbeck auch recht erfolgreich den Tourismus erheblich ausgebaut hat in den letzten Jahren. Ist alles ziemlich behäbig, so wie die Mentalität in der Region, aber zusammen mit dem benachbarten Sachsen-Anhalt und seinen Schätzen zwischen Magdeburg und Harz doch durchaus eine sehenswerte Region. Auch Sachsen-Anhalt und seine wirklich schönen Nordharzrand- und Bördestädte leiden unter diesem schlechten Marketing oder Fachwerk und einmalige Romanik sind einfach nicht so cool wie Barock aktuell.

    Ist sicher auch mein persönlicher Geschmack, aber ich konnte mit Bürgerstädten und alten Kirchen schon immer mehr anfangen als mit Residenzstädten.

  • Also was die Kulinarik angeht, muss ich aus persönlicher Erfahrung immer ganz klar widersprechen, wenn die italienischen Küche gepriesen wird. Wir suchen im Urlaub immer nach guter einheimischer Küche und nehmen auch Geheimtipps zur Kulinarik in Reiseführern war. Wir finden die deutsche Küche gerade in Sachsen, Thüringen in Bayern insgesamt immer sehr gut (obwohl ich gerade in Sachsen in den letzten 5 Jahren eine abfallende Tendenz zu bemerken glaube). Letztes Jahr waren wir z.B. auf Sizilien und haben trotz Tipps von Einheimischen einen ganz schlechten Eindruck von der sizilianischen Küche. Ein Reinfall nach dem anderen - das heben wir auch immer hervor - wunderschöne Barockstädte, wunderschöne Strände, aber ganz schlechte Küche - vom fangfrischen Fisch bis sogar zum Fast food, welches sogar nochmal deutlich schlechter ist als in Deutschland. Ich habe dies übrigens von vielen Italienurlaubern bestätigt bekommen. - Auch die griechische Küche ist insgesamt nicht besser als die Deutsche, obwohl nach meinem dafürhalten besser als die Italienische. Es gibt vorzügliche Grillspezialitäten, nicht überall, aber man findet sie - aber ansonsten auch nur normale Küche. Es mag sein, dass die sizilianische Oma zu Hause supergut kocht, oder es für besonders gut betuchte tolle kulinarische Angebot gibt, für den Normalbürger, der sich durchaus auch auf die Suche begibt und bereit ist etwas tiefer in die Tasche zu greifen, bieten die Mittelmeerländer nichts besseres als Deutschland. Aber zur Relativierung: in der Toskana war ich noch nicht.

  • Frank-W dann hast du wirklich Pech gehabt. Das Durchsnittsniveau in Italien ist wirklich sehr hoch - deutlich höher als in Frankreich. Das man Sizilien kulinarisch so negativ beurteilen kann, ist wirklich erstaunlich um es freundlich zu sagen!

    Ein kleiner Tipp: "Osterie d’Italia" – Slow Food Guide hat jede Menge tolle Restaurants in Italien. Der französische Routard-Guide auch. Aber bitte nicht weitersagen ...

    Und jetzt zurück zum Thema Northeim :)

  • @Däne Es ist erstaunlich wie da die Ansichten auseinandergehen. Ich bin durchaus nicht der einzige, der das so wahrgenommen hat. Vielleicht liegt es auch an der Region. Ich war in der Region Noto, Ragusa, Sicli, Syracus unterwegs - nachher noch kurz in Taormina. - Vielleicht auch am Geschmack allgemein. Eine Pizza ist für mich Grundsätzlich nichts besonderes - und die Pizza in Südostsizilien war auch nicht besonders - richtig gute Pizza habe ich in El Calafate in Argentinien gegessen, dort sind ja auch Italiener hin ausgewandert. - In Noto habe ich die schlechteste Spagethi Carbonara in meinem Leben gegessen - dies waren aber Zufallsfunde, ohne Planung. Wir waren aber auch in 4 Restaurants, die uns im Reiseführer für individualreisende - Müller Verlag als Tipp empfohlen wurden - und wählten Fisch- und Fleischgerichte- maximal okay. Überhaupt ist mein Eindruck von Italien, dass die um ihr großartiges Erbe wissen und sich was den Service angeht keine große Mühe geben, das ist z.B. in Griechenland ganz anders. - Aber schön, wenn Du andere Erfahrungen machen durftest. Einige meiner Freunde, die auch viel Reisen, haben aber meinen Eindruck bestätigt. Architektur Note 1A - Essen maximal Mittelmaß. - Aber danke für deinen Tipp - vielleicht suche ich nächstes Mal noch gründlicher und greife auf diese Guides zurück. Übrigens laut Guide Michelin hat Deutschland die zweitmeisten Restaurants mit Michelin-Sternen nach Frankreich. - Aber okay. Ich bin auch eher der Bier- und Krustenbratentyp. Ich fand die Küche in der Region Coburg z.B. vorzüglich. Da war kein einziges Negativerlebnis dabei.

    Und Northeim kenne ich leider noch nicht - dafür die Region um Hann. Münden sehr gut. Ist schon eine schöne Ecke.

  • @ Frank-W

    Natürlich kann man in Italien schlecht essen. Aber zum Beispiel Carbonara in Noto zu bestellen ist schon Blasphemie :wink:. Carbonara bekommt man eher in Lazio/Rom (man hätte genau so gut Weisswurst in Flensburg bestellen können). Wenn sowas auf Sizilien auf der Karte steht, ist es ganz sicher eine Touristenfalle. Die Regionalküche Siziliens bietet ganz andere Gerichte, die zum Teil sehr exotisch sind, weil auch Arabisch geprägt. Wir haben zum Beispiel Pasta mit Thunfisch und Rosinen bekommen! Dazu kommen unzählige Antipasti (eigentlich fast wie Tapas).

  • man hätte genau so gut Weisswurst in Flensburg bestellen können

    Am besten auch noch nach 12 Uhr und mit scharfem Senf, dann bricht in Bayern die Revolution aus. Vom gekonnten zuzeln habe ich dann noch gar nicht gesprochen.

    Die deutsche Küche hält durchaus ein paar Fettnäpfchen bereit :wink:

    "Seine Welt zeige der Künstler - die niemals war noch jemals sein wird“

    - Hermann Bahr (Inschrift des Ateliergebäudes der Darmstädter Künstlerkolonie)