• Quote from "silesianospostato"


    Meines Erachtens unterscheidet sich Stuttgart von Duisburg in erster Linie durch die Weinberge und den Schloßplatz. Der Rest ist nicht so prickelnd.

    Nun gut, das kommt auf die Sichtweise an. Ich weiß nicht, wie das Umfeld von Duisburg ist, aber in dieser Beziehung hat Stuttgart schon was zu bieten. So hässlich ich auch die Innenstadt finde (da sich hier die ganzen Nachkriegs-Architekten ausgetobt haben) so toll finde ich das Umfeld wie Bad Cannstatt, Esslingen, Waiblingen und Ludwigsburg. Und wenn man Bad Cannstatt als die eigentliche Altstadt und den Rest von Stuttgart als "Neubaugegend" betrachtet, ist es schon mal ein kleiner Trost... :augenrollen:

    Der Tiefpunkt der Baukultur wurde in den 60er und 70er Jahren des 20sten Jahrhunderts erreicht...

  • Esslingen finde ich auch super, schon allein, weil ich dort wohne :P

    Bad Cannstatt - na ja, die Fußgängerzone ist auf 400 Metern ganz nett, die angrenzenden Straßen bestehen dann schon aus teilweise recht unattraktiven Neubauten. Ab dem Wilhelmsplatz hat dann wieder der Abrißbagger zugeschlagen...

    Ludwigsburg finde ich abgesehen vom Schloß auch nicht besonders, unter einer Barockstadt würde ich etwas anderes verstehen als die kleinen schmucklosen Häuschen, die irgendwie an Erlangen erinnern.

    Was mich immer am meisten verblüfft, ist die Häßlichkeit der Stuttgarter Vororte - während Dresden da glänzt, bieten Zuffenhausen, Botnang und Co. immer nur leicht angegammelte 60er Jahre Gebäude in Verbindung mit den unvermeidlichen Wohnblocks, ohne die hier offensichtlich nicht mal das kleinste Dorf auskommt.

    Da ist Esslingen echt ein Lichtblick.

  • Stuttgarter Zeitung:Breuninger und Land Hand in Hand
    Neue Ministerien für tausend Mitarbeiter sowie Hotel und Geschäfte

    "...Im Technikausschuss des Gemeinderats wurden am Dienstag kritische Stimmen gegen beide Projekte des Landes laut. Sprecher von SPD, Grünen, FDP und Freien Wählern erklärten unter anderem, die Baumasse an der Willy-Brandt-Straße sei zu hoch und dem extrem belasteten Stadtklima unweit des Neckartors nicht förderlich. Skepsis herrschte auch gegenüber der Absicht des Landes, in den Ministeriumsbauten am Karlsplatz rund tausend Mitarbeiter unterzubringen. Gerade in diesem Quartier der Innenstadt müsse auf die benachbarten Gebäude Rücksicht genommen werden, insbesondere auf die Markthalle und das Alte Schloss. Außerdem müsse eine angemessene Lösung für das "Hotel Silber" gefunden werden, das ehemalige Gestapogefängnis, in welchem Nazigegner gefangen gehalten, gefoltert und ermordet wurden. FDP-Stadtrat Matthias Werwigk vertrat die Ansicht, alle neuen Ministerien sollten auf dem Gelände von Stuttgart 21 konzentriert werden..."

    Luftbild des Bestandes mit Umrandung des Da-Vinci-Vorhabens

    Luftbild der zukünftigen Bebauung; das eheml. Hotel Silber würde dem Vorhaben demnach zum Opfer fallen


    Stuttgarter Nachrichten:Land und Breuninger bei Da-Vinci-Projekt einig
    Eckpunkte für Neubauprojekt am Rande des Karlsplatzes geklärt - Stadt befürchtet zu große Baumasse

    „…Das konservative Lager brach eine Lanze für das ehemalige Hotel Silber. Es passe zum Alten Waisenhaus und sei eines der wenigen prägenden historischen Gebäude, die Stuttgart geblieben seien, sagte Roland Schmid (CDU). Sorg hatte zuvor erklärt, der Entwurf für so ein neues Viertel "macht nur Sinn, wenn das Hotel Silber weg ist". Er beteuerte aber, man wolle angemessen an die Geschichte dieses Hauses erinnern. In der Nazizeit folterte die Gestapo dort ihre Opfer. Nach Auffassung von Städtebaubürgermeister Hahn muss das Schicksal dieses Gebäudes wie die Frage der möglichen Baumasse im Rahmen des beabsichtigten Architektenwettbewerbs geklärt werden. Bereits jetzt ist klar, dass die Stadt eine Überbauung der Karlsstraße nicht akzeptieren will…“

  • Man stellt sich das mal vor: Da maßt sich ein Kaufhaus an, den zentralen Punkt einer Stadt maßgeblich zu "gestalten" und alle machen mit, inkl. dem "Abnickverein" Dekmalschutz.Man schaue sich auch mal den Stuttgarter Marktplatz an, den Breuninger schon dermaßen mit seinem Betonklotz verschandelt. Hier wäre doch die Möglichkeit gegeben, etwas wie das Da Vinci Projekt hochzuziehen. Aber nein, da wird eines der letzten Vorkriegsbauten geopfert, um den Größenwahn eines Bürgermeisters und eines Kaufhauses zu befriedigen...Alles schon mal dagewesen unter Klett...scheint in Stuttgart Tradition zu sein.

    Der Tiefpunkt der Baukultur wurde in den 60er und 70er Jahren des 20sten Jahrhunderts erreicht...

  • Das heutige Hotel Silber mag als Mahnmal für den Gestapo-Terror erhaltenswert sein, hat aber mit dem eigentlichen Vorkriegsgebäude doch optisch überhaupt nichts mehr zu tun. Das sieht aus wie ein beliebiger 50er Jahre Bau und ist meines Erachtens in der jetzigen Form nicht erhaltenswert.

  • Und was hat man mit dem Gebaeude des Liegenschaftsamtes vor? Es gehoert eigentlich optisch noch zum Schillerplatz, und stoert dort mit seiner modernen Fassade ein wenig. Vor dem Krieg stand dort ein rekonstruierenswuerdiges Gebaeude. Aber auch eine klassische Fassade wuerde dem heutigen Gebaeude und der Ecke schon gut tun.

    VBI DOLOR IBI VIGILES

  • Ich finde aber, das Haus sieht deutlich besser aus als ein beliebiger 50-er Jahre Bau:

    http://foto.stuttgarter-zeitung.de/download.php?file=25730.jpg

    Außerdem: Fassaden kann man rekonstruieren (wenn man denn will).
    Was hingegen einmal weg ist, bleibt (in den allermeisten Fällen) weg.

    Das Hotel Silber ist das einzige Gebäude der Vorkriegszeit in diesem Areal, und gibt die Maßstäblichkeit vor. Stuttgart kann es sich einfach nicht leisten, auch noch die letzten Reste der noch vorhandenen historischen Bausubstanz zu beseitigen. Daher muss das Gebäude unbedingt erhalten bleiben. Saniert oder gar teilrekonstruiert wäre es ein Schmuckstück an diesem Ort, auch als Bestandteil des neuen Quartiers.

    In dubio pro reko

    Der größte Feind der Ideologie ist die Realität

  • Grabkapelle

    Täter verwüsten Aufgang
    An der Württenbergischen Grabkapelle sind von Vandalen vier Schalen umgeworfen und zerstört worden.

    Stuttgart - In der Nacht zum Mittwoch haben Unbekannte Teile des Aufgangs zur Grabkapelle auf dem Württemberg zerstört. Zwar sind die Täter noch nicht gefunden, aber es gibt Hinweise, dass sie die Tat geplant haben.

    Das Bild, das sich Doris Grau gestern, kurz vor zehn Uhr morgens, auf dem Rotenberg bietet, übertrifft ihre schlimmsten Befürchtungen: Die vier gusseisernen Opferschalen, die den Aufgang zur Kapelle flankieren, sind von ihren Sandsteinsockeln gestoßen und alle in mehrere Teile zerbrochen. Der Aufschlag der knapp einen Meter großen, massiven Eisenteile hat den Boden aufgerissen. Im Sandstein der Sockel fehlen ganze Brocken.

    Hier geht es weiter: http://www.stuttgarter-nachrichten.de/stn/page/21034…en-aufgang.html

    Ich finde das eine riesengroße Schweinerei, was sich diese Chaoten da geleistet haben! Mir geht da echt die Hutschnur hoch. In Stuttgart sind historische Bausubstanzen schon rar genug gesät und dann kommen da irgendwelche (vermutlich jugendliche) Krawallbrüder daher und treten die Vergangenheit mit Füßen!
    Die Teile waren Unikate, fast 200 Jahre alt, aus dem Schwäbischen Hüttenwerk in Wasseralfingen und man weiß nicht mal, ob sie überhaupt originalgetreu wiederherstellbar sind, da nicht sicher ist, ob die original Gussform noch existiert! Der Rotenberg bzw. Württemberg (ehemalige Stammburg des Hauses Württemberg) ist seit langem als abendlicher/nächtlicher Treffpunkt jugendlicher Cliquen von Saufgelagen bekannt, würde mich deshalb nicht wundern, wenn das solche Vollidioten waren. einfach nur traurig!

  • Solitude 7, 11, Kavaliershäuschen des Schlosses Solitude

    http://www.bing.com/maps/default.a…54334&encType=1

    Beidseits des Schlosses Solitude gibt es östlich acht und westlich (noch) sechs Kavaliershäuschen. Die beiden zum Schloss nächstgelegen davon, die Häuser 7 und 11, sollen nun abgebrochen und wieder aufgebaut werden.

    http://www.ez-online.de/lokal/stuttgar…tikel456701.cfm
    Das Bild zeigt vermutlich die Häuser 11 und 13.

  • Umhhh ... bei solchen Edikten dass ein Gebaeude wegen Verfallserscheinungen abgerissen werden muss kommen mir grosse Zweifel. :augenrollen:

    In diesem Fall allerdings wird eine 1:1 Rekonstruktion am Originalstandpunkt angesagt und--der Himmel helfe uns--ich wuenschte, dass dies deutschlandweit viel oefter der Fall waere. :engel:

    Wie ich den Artikel lese scheint es, dass die sonst so abrissfreudige und modernitaetssuechtige Stadt Stuttgart in diesem Kavaliershaeuschenensemble um das Schloss herum eine gewisse Geschichtstraechtigkeit spuert und sich jedenfalls augenblicklich in der Lage befindet, (a) den historischen Wert dieser Gebaeude anzuerkennen und (b) gewisse Gelder in deren Erhalt fliessen zu lassen.

    Moegen der Wille und die Finanzierung zum Erhalt der Kavaliershaeuschen lange andauern und der Geist dieses Erhaltenssinns sich auf andere Teile der Stadt ausweiten!

  • Die Initiative Gedenkort Hotel Silber fordert das Hotel Silber nicht abzureißen.


    Dazu heißt es u.a. : "...Den Erhalt des Gebäudes als Vorgabe bzw. als Bedingung in die weiteren Verhandlungen zwischen den Beteiligten und als Vorgabe/Bedingung in die Ausschreibung des beabsichtigten Architektenwettbewerbs aufzunehmen.

    Einrichtung einer Gedenkstätte mit NS-Dokumentationszentrum, als Lernort und Bildungsstätte, mit Bibliothek und Räumen für Veranstaltungen, nach dem Vorbild des seit 1981 bestehenden EL-DE Hauses in Köln.

    Die nach 1945 aufgebrachten Übertünchungen in den Kellerräumen wieder behutsam wie in Köln zu entfernen, um festzustellen, ob und welche Inschriften und Zeichnungen der dort inhaftierten Menschen noch erhalten sind, um diese zu restaurieren.

    Eine ständige Ausstellung zum Thema „Stuttgart im Nationalsozialismus“ einzurichten, die bei der Eröffnung der geforderten Gedenkstätte gezeigt wird.

    Einrichtung einer Forschungsstelle, die weitere Unterlagen über die NS-Zeit in Stuttgart und Württemberg zusammenträgt und die Biographien von Opfern und auch von Täterinnen und Tätern erforscht..."

    Weitere Informationen unter: http://gedenkort-hotel-silber.de/hintergrund.html\r
    gedenkort-hotel-silber.de/hintergrund.html

  • Also ich gehe davon aus, daß der Investor die Fassade wirklich neu errichtet, so daß man hier nicht von einem Verlust sprechen muss. Aber in Stuttgart kann man da nie 100 % sicher sein.

    In dubio pro reko

    Der größte Feind der Ideologie ist die Realität

  • Projekt am Karlsplatz: OB will Denkpause
    Artikel aus der STUTTGARTER ZEITUNG vom 29.12.2010
    Da-Vinci-Neubau / Rathauschef Wolfgang Schuster ist dafür, die Debatte erst nach der Landtagswahl fortzusetzen.

    Von Thomas Borgmann


    http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2761353_0_9223_-projekt-am-karlsplatz-ob-will-denkpause.html\r
    http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/p ... pause.html

    "Wie berichtet, hat jedoch die Parteibasis der Grünen ihre Ratsfraktion auf einer Mitgliederversammlung mit knapper Mehrheit dazu aufgefordert, den Abriss des Hotels Silber unter allen Umständen zu verhindern.[/b] Diese Forderung wird seit Monaten auch von der Initiative Gedenkort Hotel Silber öffentlich erhoben; hinter dieser Initiative stehen mittlerweile 22 verschiedene Vereine und Gruppierungen. Die Sorge des Oberbürgermeisters: wenn der Druck auf die Grünenfraktion weiter anwächst, könnte die Neuordnung am Karlsplatz gänzlich kippen. Das aber möchte der Rathauschef unbedingt verhindern: "Das Projekt ist richtig und sinnvoll."

    Wie geht es weiter? Ursprünglich war geplant, die Anfang Dezember eingeleitete Denkpause am Karlsplatz Mitte Januar zu beenden und im Technikausschuss des Gemeinderats weiterzudiskutieren. Außerdem sollte sich der Städtebauausschuss des Gemeinderats am 8. Februar mit diesem Thema befassen. Daraus wird nun nichts - wann aber die Debatte konkret fortgesetzt wird, ist gegenwärtig offen.

  • Das Stuttgarter Ufo: Spaciger Dachaufbau in Stuttgart
    Er scheint hier nur kurz gelandet zu sein, dieser spektakuläre Dachaufbau mitten in Stuttgart. Das futuristische Doppelstockgebäude steht auf einem Gründerzeithaus und bietet einen fantastischen Panoramablick über die Stadt. Gebaut hat es ein Architekt zur Eigennutzung.

    http://www.manager-magazin.de/lifestyle/wohnen/0,2828,736377,00.html\r
    http://www.manager-magazin.de/lifestyle ... 77,00.html

    Zitate daraus:

    "Futuristisch: In Stuttgart nennt man den Dachaufbau respektvoll "Ufo" "
    oder
    "In der Immenhoferstraße mitten in Stuttgart thront auf einem Gründerzeithaus ein Aufbau, den die Nachbarn bewundernd "Ufo" nennen".

    Interesant auch:

    "Da muss aber noch ein Geländer dran", monierte das Bauamt bei der Abnahme. Reine Formalität - ein Treppengeländer ist zwar Vorschrift, sein Weglassen aber nicht mal eine Ordnungswidrigkeit."

    "Das Bauamt bestand partout und so lange auf einem konventionellen Dach, bis sich Bürgermeister Matthias Hahn einschaltete. Heute sind - na klar - alle stolz und gratulieren Danner für seine visionäre, mutige und markante Aufstockung."

  • Quote

    In Stuttgart nennt man den Dachaufbau respektvoll "Ufo"

    Na ja, der Weltraum, die Loslösung von allem Überlieferten, beherrscht zwar seit Anfang der Moderne die feuchten Phantasien der zugehörigen Kulturschickeria. Indes wirken die meisten Produkte (auch dieses) noch weniger nach Ufo, denn nach Schifffahrt. Da hat es eben nicht richtig zur Luxusyacht in Monaco gereicht, also muß Stuttgart dran glauben, samt Reling für den Hobbykapitän. Das aufdringlich-pflegeschwere Weiß im Inneren (wahrscheinlich kinderloser Haushalt) indes beflügelte wirklich auch häufig den SF-Film, der sterile Zukunftswelten beschreiben will, z.B. "Star Wars" oder "Die Insel" von Michael Bay. Das Ganze ist natürlich gewollte Disharmonie. Schließlich hätte er sein Wohnobjekt ja gerne auch auf ein 70er-Jahre-Hochhaus setzen können, wo es womöglich wirklich eine Verbesserung dargestellt hätte. Aber man hat ja Politiker mit Geschmack, die gerne helfend unter die Arme greifen, wenn es um Stadtbildverschandelung geht. Insofern plädiere ich für den Aufbau von Krüppelwalmdächern, Fachwerkaufbauten und Kuppeln auf weißen Kuben. :D

  • Hier eine schneidend, scharfe Rede zur Wiedergewinnnung eines menschlichen Städtebaus und die treffend vernichtende Abrechnung mit den Investorenorientierten, seelenlosen Architekturauswüchsen derzeitiger Stadterweiterungen von Joe Bauer, Kolumnist bei den Stuttgarter Nachrichten, gesprochen auf der letzten Montagsdemo, am 31.01..
    Sehr sehenswertes Video, das Ihr Euch reinziehen solltest, da es unserer Argumentationslinie für die Würdigung der architektonischen Werte der alten europäischen Stadt voll entgegen kommt! :D
    Es tut sich was im städtebaulichen Bewußtsein in Stuttgart!!!

    110131_mo_demo: Kopfbahnhof 21 - Die bessere Lösung

    runterscrollen, letztes Video auf der Seite!