Ich halte Städte eher für statische Gebilde.
Das sind sie aber eigentlich nicht. Architektur mag statisch sein, aber eine Stadt ist doch weit mehr als ihre Architektur.
Ich halte Städte eher für statische Gebilde.
Das sind sie aber eigentlich nicht. Architektur mag statisch sein, aber eine Stadt ist doch weit mehr als ihre Architektur.
Das weiß ich schon. Es ist aber nun einmal so, dass "dynamisch" eine Unzahl an konkreten Bedeutungen haben kann und daher zu einem Unwort mutiert ist. In vielerlei Hinsicht, auch was Stadtbildpflege betrifft, muss dieses Adjektiv überhaupt für Menschen unserer Gesinnung so etwas wie eine gefährliche Drohung darstellen. "Dynamisch" waren alle diese heute grauenvoll anzusehenden Wirtschaftswunderstädte. Oder auch Brünn oder Ostrau vor hundert Jahren.
@ursus
Gemeint ist 1. Stadtbild = Historistmus geprägt und 2. Bewohner = jung und dynamisch! In Brünn wimmelt es von jungen Leuten (nehme an Studenten) und das ist wie ich immer mehr feststellen muß eine wichtige Komponente!
Ich habe schon Städte mit harmonischen Stadtbildlandschaften besucht aber leider ohne Leben!
Brünn hat wenig an Substanz vor sagen wir 1850 aber dafür eine Lebendigkeit!
Das war mein Eindruck der geblieben ist!
Ein interessanter Text über das Brünner "Hantec", einer lokalen tschechischen Sprachvariante mit altösterreichischen Einflüssen.
Quote"Hantec", die alte Brünner Umgangssprache, wird neu entdeckt. - Warum man als Österreicher in Brünn keine Sprachschwierigkeiten haben kann.
In Brünn hat sich im Laufe der Jahrhunderte eine Umgangssprache gebildet, die sich vom übrigen Tschechisch grundlegend unterscheidet. Das "Brünner Hantec", wie dieser Dialekt genannt wird, entstand, als die "Hannaken", die mährische Landbevölkerung aus der Hanna-Ebene nahe Brünn, in die aufstrebende Stadt gelangten und dort auf die deutschsprachige Bevölkerung trafen. Die deutsche (eigentlich altösterreichische) Umgangssprache vermischte sich mit dem mährischen Dialekt, und weil Brünn ein internationaler Kreuzungspunkt der Handelswege geworden ist, wurden auch Wörter aus dem Italienischem, dem Jiddischen und anderen Sprachen integriert.
http://www.powidl.eu/deutschlernen.html
http://www.hantec.cz/ (+ einziges Foto des Alt-Brünner Krautmarkts, welches ich fand.)
PS: Hat vielleicht jemand Fotos des vorhistoristischen Brünn?, ich konnte bisher keine finden. Es würde mich interessieren wie die Stadt vorher aussah.
Vom alten Brünn existieren noch viele Ansichtskarten. Ich hab keine davon, aber man kann sich auf AK-Seiten relativ leicht ein Bild davon machen. Die Stadt war sehr schön, ans alte Wien gemahnend, nur etwas gotischer.
Einige Bilder vom ca. 1,5 km nordwestlich der Altstadt gelegenen Konečného náměstí (benannt nach Alois Konečný und Hynek Konečný - ältere Namen 'Am Tivoli' und Hindenburgstraße).











Weitere Bilder bei Enzyclopedie Brna
Wow, sehr beeindruckend! Auch wenn solche Historismus-Bauten letztendlich k.u.k.-Standard sind, findet man so etwas in dieser Größe, dieser Qualität und diesem Erhaltungszustand in Deutschland nur selten - da kann man durchaus neidisch werden...
Einige Bilder vom ca. 1,5 km nordwestlich der Altstadt gelegenen Konečného náměstí (benannt nach Alois Konečný und Hynek Konečný - ältere Namen 'Am Tivoli' und Hindenburgstraße).
Der Platz ist nur nach einem Herrn Konečný benannt, nämlich nach dem tschechischen Lehrer und Politiker Alois Konečný (1858-1923), der in Brünn gelebt hat. Wäre der Platz nach zwei Personen benannt, stünde der Name im Plural - náměstí Konečných. 1974 soll der Platz zugunsten des 1964 verstorbenen Kommunisten Hynek Konečný umgewidmet worden sein. Das war aber praktisch bedeutungslos, da ja der Name Konečného náměstí nicht geändert wurde. 1990 wurde die Bezugnahme auf Alois K. bekräftigt.
Auch wenn solche Historismus-Bauten letztendlich k.u.k.-Standard sind, findet man so etwas in dieser Größe, dieser Qualität und diesem Erhaltungszustand in Deutschland nur selten
Logisch! Deutschland war ja auch nicht Teil der Habsburgermonarchie. Für mich war Österreich-Ungarn das Reich der Schönheit. Allerdings finden wir solche Prachtbauten wie die zu Beginn des 20. Jahrhunderts am Konečného náměstí errichteten Häuser dort auch nur in großen und bedeutenden Städten.
Logisch! Deutschland war ja auch nicht Teil der Habsburgermonarchie. Für mich war Österreich-Ungarn das Reich der Schönheit. Allerdings finden wir solche Prachtbauten wie die zu Beginn des 20. Jahrhunderts am Konečného náměstí errichteten Häuser dort auch nur in großen und bedeutenden Städten.
Es geht auch nicht darum, ob "Deutschland" oder vielmehr die Fürstentümer des Deutschen Reiches Teil des Habsburger Reiches waren, sondern auf Metaebene darum, dass man bei einer sehr verwandten Kulturgeschichte, als Nachbarn, bei gleicher/ähnlicher oder sogar größerer wirtschaftlicher Potenz doch Bauten solchen Ausmaßes wesentlich seltener auf dem Gebiet des Reiches findet. Schon im (Vorkriegs-) München wird man suchen müssen, um mehrere solche Bauten zu finden. Wenn man in kleinere Städte in Tschechien kommt, findet man solche Gebäude zwar auch nicht mehr, aber im Verhältnis zur Größe der Städte dann doch wieder Gebäude, die mit unseren Sehgewohnheiten ungewöhnlich groß und prachtvoll erscheinen, und auch in der Vorkriegszeit bei vergleichbaren Städten diesseits der Grenze eher selten bis nicht vorhanden waren.
Solche prachtvollen Bauten gab es mehr als genug in Berlin, aber z.B. auch in Frankfurt. Nur wurde das meiste davon zerstört oder abgerissen. Und das was noch existiert wird nicht gepflegt oder entstellt, man denke nur an die dortige Kaiserstraße.
Solche prachtvollen Bauten gab es mehr als genug in Berlin, aber z.B. auch in Frankfurt. Nur wurde das meiste davon zerstört oder abgerissen. Und das was noch existiert wird nicht gepflegt oder entstellt, man denke nur an die dortige Kaiserstraße.
Die KuK-Architektur war allerdings schon noch prächtiger als die Frankfurter Architektur zur Kaiserzeit...
Das würde ich nicht sagen, ausgehend von dem was ich davon gesehen habe. Allenfalls vielleicht "strahlender" durch die Farbigkeit.
Nein, der Berliner Historismus war schon eine Nummer für sich, wie ein paar erhaltene Beispiele noch immer belegen. Die österreichische Gründerzeit ist dagegen ziemlich fad und einfallslos, im Grunde immer dieselbe ewige Neorenaissance. Die Brünner Gründerzeitarchitektur ist überhaupt ziemlich unterdurchschnittlich, die gezeigten Beispiele (außerhalb der früheren Altstadt) gehören zweifelsohne zur besseren Hälfte, vor allem das mit den Jugendstilanklängen. Insgesamt ist das Brünner Stadtbild sehr enttäuschend, die Stadt ist eigentlich nur ob ihrer Kirchen richtig sehenswert. Da die Kommunisten die Gründerzeit (noch dazu mit diesen ewigen Wiener Anklängen) überhaupt nicht geschätzt und oft abgerissen haben, erinnert die Stadt mitunter fatal an den BRD-Städtebau. Im Gesamtkomplex der historischen Großstädte Altösterreichs, von Budapest über Linz bis Agram, steht Brünn unzweifelhaft stadtbildmäßig an letzter Stelle. Den kulturhistorischen Rang verdankt es fast weitgehend den Kirchen (dh Barock und auch Gotik).
Die österreichische Gründerzeit ist dagegen ziemlich fad und einfallslos, im Grunde immer dieselbe ewige Neorenaissance.
Wer definiert das eigentlich – und auf welcher Grundlage? Gibt es tatsächlich eine so umfassende wissenschaftliche Auswertung der unterschiedlichen Ausprägungen der Bauten der Gründerzeit, dass man solche Pauschalurteile treffen kann?
Liegt die Stärke dieser Epoche nicht doch auch in ihren regionalen oder gar nationalen Unterschieden? Umso erstaunlicher, wie eindeutig hier bisweilen geurteilt wird – bis hin zu der Feststellung, bestimmte Städte hätten außer ihren Kirchen „nichts zu bieten“ (das fiel mir im Utrecht-Strang ebenfalls schon auf).
Da die Kommunisten die Gründerzeit (noch dazu mit diesen ewigen Wiener Anklängen) überhaupt nicht geschätzt und oft abgerissen haben, erinnert die Stadt mitunter fatal an den BRD-Städtebau.
Bemerkenswert ist ja, dass hier genau jene Pauschalität bemüht wird, die man anderen anlastet.
Ursus, erstens geht es hier nicht um eine Gesamtbeurteilung des Brünner Stadtbildes, sondern um die gezeigten gründerzeitlichen Zinshäuser. Zweitens weiß ich zwar, dass die Geschmäcker verschieden sind, aber es kommt mir schon vor, dass Du Dich an den Wiener Spielarten des Historismus einfach sattgesehen hast und diesen deshalb ungerecht bewertest. Ich finde diese Brünner Beispiele hervorragend, nicht nur das jugendstilige, sondern auch das neobarocke und zwar beide aufgrund ihrer ausgewogenen und gekonnt das Dekorative mit der Architektur vereinenden Pracht und der daraus resultierenden Eleganz und Noblesse. Dazu kommt, dass es nicht einzeln aneinander gereihte verschiedene Fassaden sind, sondern anscheinend ganze einheitlich durchgestaltete Blöcke mit Mittelrisalit und Ecktürmen. Solche Beispiele gibt es in Wien natürlich relativ häufig und genau das macht u.a. für mich die Schönheit der Wiener Gründerzeitviertel aus. Sicherlich hat es auch in Berlin ähnliche Zinshäuser gegeben, aber die Beispiele, die ich hiervon kenne, finde ich meistens überladener, unruhiger und fratzenhafter, während die Wiener Pendants mehr in sich ruhen und zeitloser sind. Was wären denn Beispiele in Berlin - untergegangen oder noch existierend - die Du so deutlich besser findest?
Auf jeden Fall gibt und gab es in Deutschland meines Erachtens erstaunlich wenig Beispiele solch gekonnter Zinshauspaläste, da muss man auch in größeren und bedeutenderen Städten als Brünn länger danach suchen, da hat thommystyle absolut recht - vor allem, weil wir ja hier nicht von wichtigen Prachtbauten in der Innenstadt reden wie in der Frankfurter Kaiserstraße, sondern von Wohnhäusern in einem Wohnviertel.
Insgesamt ist das Brünner Stadtbild sehr enttäuschend, die Stadt ist eigentlich nur ob ihrer Kirchen richtig sehenswert. Da die Kommunisten die Gründerzeit (noch dazu mit diesen ewigen Wiener Anklängen) überhaupt nicht geschätzt und oft abgerissen haben, erinnert die Stadt mitunter fatal an den BRD-Städtebau. Im Gesamtkomplex der historischen Großstädte Altösterreichs, von Budapest über Linz bis Agram, steht Brünn unzweifelhaft stadtbildmäßig an letzter Stelle.
Entschuldige, aber von dem, was du da schreibst, stimmt gar nichts. Damit scheidest du als ernstzunehmender Diskussionsteilnehmer aus, was ich sehr schade finde.
Ein gotisch-barockes Brín wäre in die Liste der Städtischen Denkmalreservationen aufgenommen worden
Brünn ist seit 1989 städtisches Denkmalschutzgebiet. Das gesamte Gebiet innerhalb des Rings, zuzüglich des Areals um den Spielberg. Das sind 158 Hektar, auf denen rund die Hälfte der Objekte als Kulturdenkmal geschützt ist. Der Konečného náměstí liegt in Veveří und damit außerhalb dieses Gebiets.
Die Schreibweise "Brín" geht übrigens nicht (auch wenn es nur eine Spielerei sein soll). Zum einen kann nach r im Tschechischen nur ein y stehen und zum anderen ist hier nur ein kurzes y möglich. Vgl. die Hantec-Bezeichnungen Bryncl und Brnisko.
Gibt es tatsächlich eine so umfassende wissenschaftliche Auswertung der unterschiedlichen Ausprägungen der Bauten der Gründerzeit, dass man solche Pauschalurteile treffen kann?
Die gibt es natürlich nicht. Wissenschaftler treffen auch keine Pauschalurteile, sondern äußern sich differenziert. Die Epoche des Historismus wird in den Nachfolgestaaten der Donaumonarchie allgemein geschätzt. Es war die Zeit, in der sich die modernen Nationalgesellschaften herausbildeten. Österreich-Ungarn bot den Völkern relativ gute Entwicklungsmöglichkeiten
Ich möchte hier auch betonen: Auch in Berlin und anderen deutschen Großstädten gab es prächtige Gründerzeitler und wenn sich Leute dafür begeistern, geht das für mich absolut in Ordnung. Leider ist dort vieles verloren gegangen. Insgesamt ist der europäische Historismus in seiner Vielfalt schwer zu fassen. Manches was in der Gründerzeit gebaut wurde, darf man auch kritisch beurteilen. Aber insgesamt halte ich eine negative Beurteilung jener Kunstepoche für nicht gerechtfertigt.
Dazu kommt, dass es nicht einzeln aneinander gereihte verschiedene Fassaden sind, sondern anscheinend ganze einheitlich durchgestaltete Blöcke mit Mittelrisalit und Ecktürmen.
Die Häuser haben den gleichen Bauherrn - Franz Pawlu.
u. c. hat ja recht, dass Brünn nicht unerheblich mit weniger schönen Bauten durchsetzt ist, aber deswegen die Stadt mit westdeutschen Wiederaufbaustädten gleichzusetzen oder sie als unattraktiv einzusortieren, ist m. E. schon arg schräg.
Es geht ein wenig stadteinwärts über die Jiráskova und Veveří.










Blumig...
Am Beginn der Veveří vor der Altstadt befindet sich am Žerotínovo náměstí der imposante Sitz der Regionalverwaltung Südmähren.

Entschuldige, aber von dem, was du da schreibst, stimmt gar nichts.
Aha, überhaupt nichts. Mr Supergscheit wieder in action. Zwar ohne Begründung, aber als gemeines Fußvolk hat man solche Expertise hinzunehmen.
Zum einen kann nach r im Tschechischen nur ein y stehen und zum anderen ist hier nur ein kurzes y möglich. Vgl. die Hantec-Bezeichnungen Bryncl und Brnisko.
Mhm. Siehe Frýdek, Frýdlant...
QuoteDie österreichische Gründerzeit ist dagegen ziemlich fad und einfallslos, im Grunde immer dieselbe ewige Neorenaissance.
Wer definiert das eigentlich – und auf welcher Grundlage?
Das kann jeder definieren, das ist nicht schwer, jeder der das Land und seine Architektur kennt (das sollte aber schon der Fall sein). Hab übrigens auch nicht ich erfunden. Wiener Standard ist Neorenaissance.
Liegt die Stärke dieser Epoche nicht doch auch in ihren regionalen oder gar nationalen Unterschieden?
Eher schwer feststellbar, diese angeblich regionalen Unterschiede. Jedenfalls nicht zwischen Wien und Brünn.
wissenschaftliche Auswertung der unterschiedlichen Ausprägungen der Bauten der Gründerzeit,
Wie gesagt, jedenfalls zwischen Wien und Brünn ziemlich absurd.
findet man so etwas in dieser Größe, dieser Qualität und diesem Erhaltungszustand in Deutschland nur selten
Vielleicht ist es im Westen seltener, aber nicht im Osten. Beispiele gibt es noch genug, auch in zerstörten Städten. Weiß nicht, ob du zB schon was von Görlitz gehört hast... mE viel beeindruckender in seiner Geschlossenheit.
aber es kommt mir schon vor, dass Du Dich an den Wiener Spielarten des Historismus einfach sattgesehen hast und diesen deshalb ungerecht bewertest.
Schwer zu sagen. Mir kommt meine Gleichgültigkeit durchaus angemessen, eure Begeisterung für diese Dutzendware jedenfalls leicht läppisch vor. Gerade in der CR gibt es wirklich bemerkenswerte Beispiele für große Gründerzeitensembles, die mehr individuelle Klasse haben. Brünn ist ja doch nur ein müder, leicht provinzieller Abklatsch von Wien, was sich ohne weiteres gesellschaftlich und kulturhistorisch begründen lässt.
Ich hab durchaus schon von Görlitz gehört, war zwar selber leider noch nicht dort, habe aber viele Fotos davon gesehen, auch hier im Forum. Ich habe auch viele Galerien von anderen Städten in Ostdeutschland gesehen und bin mir bewusst, dass es dort noch viel mehr geschlossene Gründerzeit als im Westen gibt. Aber: meine Aussage bezog sich ausschließlich auf die von Mantikor gezeigten Fotos in Beitrag #26 und ich kann mich nicht erinnern, von Görlitz viele ähnlich beeindruckende Zinshauspaläste wie in diesem einen Beitrag gesehen zu haben, ehrlich gesagt überhaupt keine. Ich finde nicht, dass das neobarocke und das Jugendstil-Zinshaus "müder Abklatsch" sind, diese wären auch in Wien erstklassig - nochmal, wir reden hier von Wohnhäusern und nicht von Monumentalbauten. Dass es in der CR noch viele andere solcher Ensembles gibt, sei unbestritten, ändert aber nichts daran, dass solche Paläste wie diese beiden in dieser Größe, Gestaltung und Opulenz in D. incl. Ostdeutschland eher selten sind. Die meisten Zinshäuser in Görlitz - bei aller Anerkennung - sind kleiner und "provinzieller" und haben mitnichten diese großstädtische Eleganz wie die beiden Beispiele in Beitrag 26. Das kannst Du doch nicht abstreiten.
Aha, überhaupt nichts. Mr Supergscheit wieder in action.
Generell würde ich mich über ein etwas sozialverträgliches Verhalten im Forum freuen.