Denkmalpflege und Denkmalschutz in Deutschland

  • Das Gebäude des Deutschen Museums in München steht unter Denkmalschutz (Aktennummer D-1-62-000-4668). Dort heißt es u.a.

    Quote

    nach Kriegsschäden alle Bauteile bis 1959 in stilistischer Kontinuität wiederhergestellt durch Karl Bäßler; mit Ausstattung

    Jetzt wird dennoch der Prometheus von 1955 zerstört werden, mit Erlaubnis des Denkmalschutzes - aus Kostengründen. Die gleiche Begründung hat bereits in der Bergwerksausstellung (noch im urspünglichen Zustand von der Erbauungszeit) zu einem absehbaren Verlust von 85% der Kulissen, ebenfalls mit Genehmigung, geführt.

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  • Eine interessante Debatte denke ich für alle Denkmalschutzinteressierten.

    Die Himmelspagode könnte doch inzwischen als identitätsstiftender Bau gelten. Gerade mal 21 Jahre alt und schon "in die Jahre gekommen", schreiben die da in dem Artikel. Eigentlich ein Wahnsinn! Wollen wir uns dazu mal als Verein äußern?

  • Die Pagode könnte verwechselt werden mit der europäischen Liebhaberei im 18. Jahrhundert für chinesische oder fernöstliche Gestaltung, hier in Form von Gartenpavillons. Wo sind da eigentlich die Leute, die eine Verwechslung fürchten?

  • Heute ist die letzte Gelegenheit zur Live-Anmeldung an dieser sehr interessanten Veranstaltung nächsten Dienstag in Franken, ansonsten ist es auch online möglich dabei zu sein:

    Vorträge & Symposien – NATURDORF BÄRNAU

    Symposium "Ethik in Bau und Denkmalpflege"

    30.04.24 | 9.30-17.30 Uhr | Geschichtspark Bärnau-Tachov |

    Veranstaltung im Rahmen des Projekts „Altes Handwerk neu gelernt“ des Geschichtsparks Bärnau-Tachov

    ONLINE-TEILNAHME MÖGLICH: Einfach Option „online“ auf der Anmeldeseite wählen.

  • Meine einzige Hoffnung ist, so einfach wie es ist, tatsächlichen Denkmälern ihren Schutz wieder abzusprechen, so einfach wird es hoffentlich auch in Zukunft (wenn alle wieder zur Vernunft gekommen sind) diesen "Denkmälern" ihren Schutz wieder abzusprechen.

  • Ja, das ist besorgniserregend, da es den Denkmalschutz zunehmend diskreditiert.

    Ich verstehe ja den wissenschaftlichen Ansatz, Dinge, die für eine Epoche oder Ereignis besonders prägend sind, unter Denkmalschutz zu stellen. Aber das ist m.E. zur kurz gegriffen und gehört dringend neu gedacht. Denn das führt erst dazu, was man dem Denkmalschutz immer vorwirft, er macht unsere Städte zu Museen, die vollstehen mit Objekten, die man nicht mehr benutzen kann. Das kann man ja nicht wollen.

    Mehr noch, es gibt ja auch Naturdenkmale, besonders alte Bäume usw. Müsste man nicht auch die letzten deutschen Tagebaugruben unter Denkmalschutz stellen und sie erhalten, anstatt sie zu renaturieren? Was ist mit den alten Autobahnen noch aus der Nazizeit, die aus aneinandergelegten Betonplatten bestehen, hier müsste es doch auch Denkmalschutz geben. Und wie sieht dann das Konzept für deren Erhalt aus.

    Das Kernproblem des Denkmalschutz ist seine Fixierung auf Substanzerhalt. Das mag im reinen Museumsbetrieb bei Gemälden und Kunstwerken leichter sein, die kann man in konservatorisch eingerichteten Depots aufbewahren und für die Nachwelt erhalten. Dort stören sie auch niemanden. Bei Bauwerken und im Stadtbild ist das natürlich vielschichtiger: Nur schwer beginnen sich die Fachleute damit auseinanderzusetzen, wie man diese Objekte auch tatsächlich durch Benutzung wirtschaftlich erhalten kann. Noch schwerer tun sich die Fachleute mit dem Feedback aus der Bevölkerung. Und wenn man das formaljuristisch sieht: Wenn die Mehrheitsmeinung gegenüber dem heutigen Denkmalschutz kippt wird man an dessen gesetzliche Grundlagen gehen, denn die sind veränderlich. Wir sehen das ja schon im Hinblick auf den Klimaschutz, der hartnäckig am Denkmalschutz nagt.

  • Ich bleibe bei dem, was ich schon an anderer Stelle schrieb:

    Auch wenn das natürlich gleich wieder Protest der selbsternannten "Faktenchecker" hervorrief.

    In dubio pro reko

    Der größte Feind der Ideologie ist die Realität

  • Wie das denkmalgeschützte Mainzer Rathaus aus den 70er Jahren, das jetzt für über 100 Mio. Euro saniert wird. Es gibt natürlich Zuschüsse vom Land und die chronisch verschuldete Stadt hat im doppelten Sinne eine Goldgrube (Biontech hat seinen Sitz in der Straße An der Goldgrube). Ohne diesen unverhofften Geldregen wären die Kosten für den Stadtsäckel realistischerweise nicht zu stemmen gewesen.

    "Seine Welt zeige der Künstler - die niemals war noch jemals sein wird“

    - Hermann Bahr (Inschrift des Ateliergebäudes der Darmstädter Künstlerkolonie)

  • Wobei ich ja davon ausgehe, dass in diesem Forum Nachvollziehbarkeit bzgl. der Denkmalschutzwürdigkeit des Mainzer Rathauses besteht. Bei dem Hamburger Beispiel jedoch, tuh ich mir wirklich schwer...

    Ich, der ja in der Stadtplanung später arbeiten möchte - natürlich Bestehen der Masterarbeit vorausgesetzt - sehe mit Schrecken einer Zukunft entgegen, in der jede sinnvolle Verbesserungsinitative, gerade für viele geschundene Innenstadtbereiche, durch die Unterschutzstellung aller städtebaulichen Missstände der 60er bis 80er Jahre schon gestoppt wird, bevor man sich überhaupt Gedanken über eine Verbesserung der Situation machen kann.

    „Das Misstrauen gegenüber architektonischem Schmuck an Gebäuden begünstigt eine ästhetische Verarmung der Bewohner und überlässt sie orientierungslos dem kommerziellen Kitsch.“

    - Christoph Kohl

  • Wikos und DerDat Was wären denn eure Kriterien für den Denkmalschutz von Bauten der "Moderne"? Oder sind Sie eurer Ansicht nach nicht denkmalwürdig, weil "nicht schön"?

    In Bayern gibt es schon Erwägungen kein Denkmalschutz für Bauten jünger als 60 Jahre. Das finde ich schon einmal als ersten Ansatz ganz gut.

  • Von solch einer Pauschalregelung halte ich nichts. Denn damit nimmt man sich auch bei den wenigen jüngeren Bauten, die eine Unterschutzstellung verdient haben (Standardbeispiel: Neue Pinakothek in München) die Optionen aus der Hand, und der Umgang des 20. Jahrhunderts mit der Bausubstanz des Historismus hat gezeigt, dass die ersten 60 Jahre gerne mal die wichtigsten sind, wenn es um den Erhalt eines originalen Bauzustands geht.

    Sinnvoller wären meines Erachtens klare und transparente Kriterien für die Unterschutzstellung solcher Bauten und die öffentliche Kommunikation des Prozesses. Und es darf nicht der Eindruck entstehen oder befördert werden, dass diese Bauten ganz besonders wertvoll und schützenswert sind, nur weil es wenige sind.

  • Klar und transparent sind die Kriterien für die Unterschutzstellung ja bereits. Sie werden nur unterschiedlich ausgelegt. Auch schwierig finde ich das Spannungsfeld, dass einerseits ein Objekt mehr als 60 Jahre also sein soll um es als Denkmal schützen zu dürfen, andererseits gesagt wird, dass das viele Gründerzeitgebäude gerettet hätte: Über diese Schiene wird man so nicht weiterkommen, denn man landet dann wieder bei einer Geschmacksdiskussion. Ein Instrument, das man hätte nutzen können um mehr Gründerzeitsubstanz zu retten findet man toll, wenn dasselbe Instrument aber dazu führt, den Betonbrutalismus zu schützen ist es schlecht, das ist eine eindeutig geschmackliche Bewertung. Man könnte sich dem nähern wenn man mal untersucht, wie alt die jüngsten Objekte waren, die man zur Einführung des Denkmalschutzes in den 1970'ern geschützt hat, und das als Prämisse hernimmt.

    Andererseits sind die Modernisierungszyklen und Nutzungsdauern heute deutlich kürzer als damals, es wird oft bereits nach 30 Jahren kernsaniert, deshalb könnte man sagen, dass heutige Gebäude einen Denkmalstatus kaum noch erreichen können, wenn man dabei voraussetzt, dass es unverändert sein muss.

  • Ich wollte damit nicht sagen, dass ein Gebäude nach 60 Jahren in seinem Bestand gesichert wäre - wir werden hier fortlaufend mit Gegenbeispielen beworfen. Aber die Chancen stehen nicht schlecht, dass es bis dahin die übliche Phase großer Abneigung (die Mode von Gestern) überstanden hat.

    Und der letzte Punkt ist für mich der Hauptgrund, wieso es in begründeten Ausnahmefällen möglich sein sollte, jüngere Bauten unter Schutz zu stellen. Denn heute wird in der Regel in Form großer Kampagnen saniert - Kernsanierung, all den altmodischen Kram raus etc. Und das ist auch für bedeutende Bauten des späteren 20. Jahrhunderts, egal welcher Stil, stets ein Risiko.

  • Was wären denn eure Kriterien für den Denkmalschutz von Bauten der "Moderne"?

    Ich finde, was heute dem Denkmalschutz schmerzlich fehlt ist ein Kriterium für gestalterischen Mehrwert. In manchen Fällen geht die Rechnung quasi zufällig auf, weil man eine bestimmte Zeitschicht als Gesamtkunstwerk wiederherstellt und damit ein stimmiges Bild erhält. Je mehr jedoch der Fokus auf Geschichtsdokumentation bzw. dem Erhalt eines Baus, der nie konzipiert war, um einen positiven Beitrag im Stadtbild zu erzeugen, im Vordergrund steht, umso eher zementiert man unannehmbare Stadtbilder und schürt den Eindruck aus belebten Räumen (was eben Dörfer und Städte sind) tote Exponatumgebungen zu kreieren.

  • Von den 60 Jahren, die Wikos vorgeschlagen hat, halte ich auch nicht viel. Als Beispiel dazu vielleicht die "Postmoderne", eine schon abgeschlossenen Epoche, die bei einigen Architekten nach wie vor unbeliebt ist. Ich empfinde viele postmoderne Bauten als ziemlich genial, eine Unterschutzstellung finde ich wichtig, als denkmalwürdiges Beispiel dazu vielleicht die die Frankfurter Saalgasse. Würde man jetzt noch weitere 30 Jahre ins Land ziehen lassen, wären die Bauten bestimmt abgerissen oder totsaniert.

    Bei Nachkriegsbauten sehe ich aber wie nothor natürlich auch das Problem der Substanz. Wurden Vorkriegsbauten gefühlt für die Ewigkeit gebaut und können hier und da mal ausgebessert werden, ist bei Stahlbeton, dessen Bewehrung angegriffen oder gerostet ist meistens nicht mehr viel zu machen. Da muss der Denkmalschutz flexibel sein, damit nicht aus Angst eines Totalschadens weitere denkmalgeschützte Ruinen in unseren Innenstädten stehen.