• Es geht vor allem anderen Städten in WESTdeutschland ähnlich. Der Osten steht weitaus besser da*. Wer hätte das 1989 gedacht?

    *Bevor mir die Eröffnung einer Neiddebatte unterstellt wird, ich freue mich sehr für Ostdeutschland, aber ich will auch keine umgekehrten sondern möglichst gleiche Verhältnisse im ganzen Land.

    In dubio pro reko

    Der größte Feind der Ideologie ist die Realität

  • Hier geht es in erster Linie um das gesamte Deutschland! Es muss wieder ein Verständnis und die Bereitschaft vermittelt werden, dieses Land und seine langjährige Geschichte zu lieben. Auf Städte wie Lübeck, welche eine fast 1000 jährige Geschichte nachweisen kann, sollte man stolz sein und das historische Erbe sorgsam pflegen. Sogar meine Heimatstadt Herford hat immerhin über 1200 Jahre auf dem Buckel! Vielleicht nicht die Gebäude oder das Stadtbild ansich.

    Doch was passiert in diesem Land stattdessen???

    Ausländische Touristen staunen über unsere Städte. Aber wir behandeln unsere Städte wie 'Altlasten der ungeliebten Vergangenheit'.

  • Man darf gar nicht daran denken, daß die Sanierung der architektonisch wertlosen Kölner Oper mal eben 1,5 Milliarden Euro gekostet hat. Mit diesem Geld wäre Lübeck alle Sorgen los.

  • Es geht vor allem anderen Städten in WESTdeutschland ähnlich. Der Osten steht weitaus besser da*. Wer hätte das 1989 gedacht?

    *Bevor mir die Eröffnung einer Neiddebatte unterstellt wird, ich freue mich sehr für Ostdeutschland, aber ich will auch keine umgekehrten sondern möglichst gleiche Verhältnisse im ganzen Land.

    Kein Problem...die Wende in dieser Richtung ist doch mit der aktuellen Haushaltssparpolitik längst eingeleitet...auf das es überall mehr Verfall gibt 🥳 *könntezynischeSpurenenthalten'

  • Ich weiss nicht, ob der Osten soviel besser dasteht. Man schaue doch mal nach Hildesheim mit seinem marktplatz. Das Knochenhaueramtshaus ist nach meinem Dafürhalten eine 100 % Reko und der umgestülpte Zuckerhut auch.

    Oder Lübeck mit Rekonstruktionen an Originalen, dem Gründerviertel, oder Frankfurt / M. Ich finde man sollte nicht pauschalisieren.

  • Ich weiss nicht, ob der Osten soviel besser dasteht. (...)

    Ich denke, daß Königsbau den allgemeinen Zustand der Städte in den "Neuen Ländern" meint, ganz unabhängig von irgendwelchen Rekonstruktionen. Im Osten ist seit der Wiedervereinigung sehr viel Geld in die Sanierung geflossen, während man im Westen dachte, es sei schon alles perfekt. Diese Fehleinschätzung rächt sich jetzt. Denn Gebäude verfallen ja nicht innerhalb von 5 Jahren. Da hätte man schon viel früher reagieren müssen.

  • Es geht vor allem anderen Städten in WESTdeutschland ähnlich. Der Osten steht weitaus besser da*. Wer hätte das 1989 gedacht?

    *Bevor mir die Eröffnung einer Neiddebatte unterstellt wird, ich freue mich sehr für Ostdeutschland, aber ich will auch keine umgekehrten sondern möglichst gleiche Verhältnisse im ganzen Land.

    Das möchte ich auch, von Herzen - einen richtig schönen (ehemaligen) Westen. Jeder Pfennig an Soli war so notwendig damals und heute geht einem das Herz auf vor so viel Pracht in Ostdeutschland. Wir haben es zusammen geschafft, jetzt werden wir das andere an Sanierungsstau auch zusammen schaffen! Da fallen mir meine Lieblingssanierer in Bremerhaven ein - Goetheviertel welche Perle aus dir werden wird.

  • Denn Gebäude verfallen ja nicht innerhalb von 5 Jahren. Da hätte man schon viel früher reagieren müssen.

    Apropos, und um zum Thema des Stranges zurückzukommen: Seit heute ist nach der Hubbrücke, die schon seit zweieinhalb Jahren gesperrt ist, auch die nächste der vier im Altstadtbereich über den 1900 eröffneten Elbe-Lübeck-Kanal führenden Brücken gesperrt: Die Mühlentorbrücke von 1898:

    Mühlentorbrücke ab sofort gesperrt
    Lübeck - Innenstadt: Seit Jahrzehnten hat die Mühlentorbrücke die schlechte Zustandsnote 3,9. In der Nacht zu Freitag ergab eine Prüfung eine Verschlechterung
    www.hl-live.de

    Der schlechte Zustand der Brücke ist bereits seit Jahrzehnten bekannt. Die Sanierung sollten eigentlich schon 2007 durchgeführt werden, wurde aber aus verschiedenen Gründen immer wieder verschoben. Jetzt ist die Tragfähigkeit trotz verschiedener Maßnahmen - wie das Entfernen der beidseitigen Betonfußwege zur Gewichtsentlastung - nicht mehr gegeben. Um die Altstadt von Osten her per Auto zu erreichen, bleiben damit nur noch die ebenso alte Hüxtertorbrücke von 1899 (hierüber läuft der Umleitungsverkehr für die Hubbrücke) und die Rehderbrücke von 1935/36. Hierüber müssen nun fast alle Busslinien ausweichen. Diese beiden Brücken sind aber auch schon nur noch eingeschränkt befahrbar, und ihre Restnutzungsdauer ist abzusehen. Die Sanierung der Hüxtertorbrücke soll erst in einem Jahr beginnen und wird dann mehrere Jahre dauern. Die Hubbrücke wird wohl auch nicht eher fertig sein. Auch hier wurde nach bald 3 Jahren Sperrung noch nicht einmal mit der Sanierung begonnen. Wenn die beiden restliche Brücke auch gesperrt werden müssen, was abzusehen ist, wird man die Altstadt nur noch zur Fuß und Fahrrad von Osten her erreichen können: Über die Klughafenbrücke und über die Behelfbrücke neben der Mühlentorbrücke. Es gibt zwar noch die Burgtorbrücke, aber wenn man hier einfährt, ist an der Baustelle Beckergrube Schluss, und die Königstraße ist Einbahnstraße in die entgegengesetzte Richtung.

    Schlimme Nebenwirkung der Brückensperrung: Wegen der Neugestaltung der Beckergrube müssen alle Buslinien, die normalerweise nach Norden über den Koberg durch das Burgtor zum Burgfeld fahren, über die enge Wahmstraße und die marode Rehderbrücke aus der Altstadt fahren. Das sind - wie kürzlich zu vernehmen war - bis zu 71 Busse pro Stunde!. In der Wahmstraße stehen aber viele hochkarätige Baudenkmälder, die unter den Erschütterungen leiden. Zu dieser erheblichen Anzahl von Bussen kommen nun auch noch die Linien, die die Altstadt nach Süden über die Mühlentorbrücke verlassen. Diese werden jetzt noch zusätzlich durch die Wahmstraße geleitet, und das für mehrere Jahre! Wirklich ein Wahnsinn. Ich hoffe, dass an den Häusern keine zu großen Schäden entstehen werden. In dieser Hinsicht, wäre es sogar ein Segen, wenn die Rehderbrücke auch den Geist aufgeben würde...

    Lûbeke, aller Stêden schône, van rîken Êren dragestu de Krône. (Johann Broling, Lübecker Kaufmann und Ratsherr, um 1450)

  • Und diese Anhäufung von Problemen und Sanierungsstau findet sich ausgerechnet in einer der sehr wenigen gut erhaltenen deutschen Großstädte. In Duisburg wäre es mir relativ wurscht. Aber Lübeck?! :kopfschuetteln:

  • Ja, und das schlimme ist, es ist auch absolut kein Geld da. Es müssten neben vielen Brücken und Straßen auch dringend diverse städtische Gebäude wie das Rathaus, die Katharinenkirche, das Stadttheater und diverse Schulen saniert werden. Und der Haushalt für 2026 weist ein Defizit von über 100 Millionen Euro auf!

    Lûbeke, aller Stêden schône, van rîken Êren dragestu de Krône. (Johann Broling, Lübecker Kaufmann und Ratsherr, um 1450)

  • Zwar sind wir, finanziell gesehen, leider kein Jeff Bezos oder Elon Musk, doch jeder hier kann seinen eigenen kleinen Anteil zur Sanierung mit einer Geldspende beisteuern.

    Rettung der Sieben Türme

    7Türme+: Lübecks Stiftung zum Erhalt des UNESCO-Welterbes
    Stiftung 7Türme+: Erfahren Sie, wie Sie dazu beitragen können, die 5 Kirchen Lübecks als historische Wahrzeichen für kommende Generationen zu bewahren.
    www.7tuerme-plus.de
    Die Gesellschaft der Theaterfreunde Lübeck e.V.  ruft alle Lübecker*innen auf Stuhlpate zu werden für die Erneuerung der Stühle im Großen Haus des Theater Lübeck - Gesellschaft der Theaterfreunde Lübeck e.V. GTL
    Die Gesellschaft der Theaterfreunde Lübeck e.V.  ruft alle Lübecker*innen auf Stuhlpate zu werden für die Erneuerung der Stühle im Großen Haus des Theater…
    www.theaterfreunde-luebeck.de

    Spenden – Bürgerinitiative Rettet Lübeck e. V.

    Deutsche Stiftung Denkmalschutz - Ortskuratorium Lübeck

  • Nordöstlich der Lübecker Altstadt befindet sich das 1962 erbaute, denkmalgeschützte Gerichtsgebäude des Land- und Amtsgerichts Lübeck, welches für 30 Mio. € generalsaniert wurde.


    Quote

    Eine große Fensterfläche begrüßt die Besucher mit Einblicken in den Schwurgerichtssaal. Das Erdgeschoss springt etwas zurück und macht so Platz für einen überdachten Eingangsbereich. Das Sockelgeschoss ist mit Waschbetonplatten verkleidet. Das Obergeschoss wurde hingegen mit einer Vorhangfassade aus Glas und hochglanzpolierten Natursteinplatten ausgestattet. Obwohl sich die beiden Volumen zwischenzeitlich effektiv im Rohbauzustand befanden, zeigen sie sich jetzt wieder in ihrer ursprünglichen Gestaltung.


    Mit Blick auf die Details - Sanierung eines Justizbaus in Lübeck von ppp

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.

    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • Heute ein Artikel (Bezahlschranke) in der LN über die (geplante ?) Sanierung des Heiligen - Geist - Hospitals:

    Sanierung des Heiligen-Geist-Hospitals kostet 41 Millionen: Wo soll das Geld herkommen?
    Das historische Heiligen-Geist-Hospital muss grundsaniert werden. Aber weder die Hansestadt Lübeck noch die Stiftung, der das Gebäude gehört, können das…
    www.ln-online.de

    Vielleicht kann frank1204 aus dem Inhalt zitieren? ;)

  • Quote

    […]
    In einigen Jahren muss das Gebäude jedoch grundsaniert werden[…] Zudem solle das Haus in Teilen gedämmt und mit einer neuen Heizung versehen werden. „Hochbaulich wird das gesamte Gebäude weitestgehend komplett entkernt und neu wiederaufgebaut“, schreibt die Stadt in einem Bericht an die Politiker.

    […]

    Das Gebäude gehört der Stiftung Heiligen-Geist-Hospital. Diese sei finanziell nicht in der Lage, die Investition zu finanzieren, schreibt die Stadt. „Eine pauschale Übernahme der Kosten durch den städtischen Haushalt ist bei der aktuellen Haushaltslage ebenfalls ausgeschlossen.“

    […]

  • Ergänzung meinerseits zum Inhalt der Artikels:

    Das HGH muss grundsaniert werden, u.a. wegen brandschutztechnischer Mängel und weil der Innenausbau generell nicht mehr den aktuellen Erfordernissen entspricht. Die Sanierung würde aktuell insgesamt 33,9 Millionen Euro kosten, bei einem Baubeginn 2031 wären es wegen der zu erwartenden Kostensteigerungen gar 41 Millionen.

    Unterschieden werden muss aber zwischen dem "musealen Teil" des HGH, der die Kirche und das Langhaus umfasst und dem von der Stadt betriebenen Altenpflegeheim, dass sich im Trakt an der Großen Gröpelgrube befindet. Für den musealen Teil können Zuschüsse beantragt werden, für das Pflegeheim nicht. Das Zitat zur desaströsen Finanzlage hat thommystyle™ ja im Vorbeitrag gebracht.


    Vielleicht noch eine Bemerkung zu diesem etwas unklaren Zitat aus dem Artikel: Hochbaulich wird das gesamte Gebäude weitestgehend komplett entkernt und neu wiederaufgebaut“.

    Keine Panik: Es geht um den Teil des Pflegeheims. Für diesen wurde in den 1970ern frevelhaft fast die gesamte überaus umfangreiche mittelalterliche Bausubstanz nördlich des Langhauses bis auf die Außenmauern an der Großen Gröpelgrube weggerissen. Inklusive diverser Gebäude in den Innenhöfen und der originalen gotischen Dachstühle. Da kann nicht mehr viel kaputtgemacht werden. Bei den original aus dem 13. Jahrhundert erhaltenen Teilen Kirche und Langhaus wird sicher nichts "entkernt" werden.

    Lûbeke, aller Stêden schône, van rîken Êren dragestu de Krône. (Johann Broling, Lübecker Kaufmann und Ratsherr, um 1450)

  • Wie die Entwicklung in Marien und im Dom in den nächsten Jahren (oder doch Jahrzehnten) weiterverlaufen wird, war realistisch gesehen schon vor Jahren absehbar. Für das Heiliggeist-Hospital trifft dies bedingt auch zu. Sei, wie es sei - nachdem der erste Teil eines Menschenlebens darin bestanden hat, Zeuge des Wiederauferstehens der Frauenkirche und des Neumarkts zu sein, wird das restliche Leben sozusagen in den obengenannten Kandidaten bestehen.

  • Ein interessanter Beitrag bei 'Titel, Thesen, Temperamente' über die aktuelle Situation in der Lübecker Altstadt bzw das St. Annen Museum:

    ttt titel thesen temperamente auf Instagram: "Bröckelnde Bauten und klamme Kommunen: Wie gefährdet sind Baudenkmäler in Lübeck? 🥴 Das Lübecker Rathaus, fast 800 Jahre alte, reich verzierte Backsteingotik – heute stark baufällig. Beim Lübecker Kloster…
    922 likes, 13 comments - ttt_titel_thesen_temperamente am February 14, 2026: "Bröckelnde Bauten und klamme Kommunen: Wie gefährdet sind Baudenkmäler in Lübeck?…
    www.instagram.com
  • In diesem Artikel wird über die Zukunft des ehemaligen Schlachthofareals (St. Lorenz - Nord) gesprochen. Auf dem Gelände sollen ca. 320 Wohnungen entstehen, davon 100 als Sozialwohnungen. Auch ein Supermarkt und eine Kita sind vorgesehen.

    20 Jahre Verfall: Bauausschuss beschließt Konzept für ehemaligen Schlachthof
    Seit 20 Jahren verfällt das ehemalige Schlachthofgelände in Lübeck. Jetzt haben sich Eigentümer und Stadt geeinigt.
    www.ndr.de
    Lübecker Schlachthof: Gut, dass die Endlos-Debatte beendet ist
    Investor Kaufland soll seine Pläne umsetzen dürfen. Es wurde ausreichend diskutiert, sagen Politiker des Bauausschusses. Und sie haben recht. Das gilt…
    www.ln-online.de
    Nächste Einigung bei der Bebauung des Schlachthofs
    Lübeck - St. Lorenz Nord: Seit 20 Jahren rottet das große Schlachthofgelände an der Schwartauer Allee vor sich hin. Jetzt hat die Mehrheit in der Bürgerschaft…
    www.hl-live.de
  • Noch als Ergänzung hier ein Link mit Bild, aus dem der Umfang des Projekts und die Lage nordwestlich der Lübecker Altstadt deutlich werden:

    Kaufland stellt Konzept für Quartier im historischen Schlachthof Lübeck vor
    An der Schwartauer Allee in Lübeck plant Kaufland, auf dem Areal des früheren Seegrenzschlachthofes einen Verbrauchermarkt sowie 320 Wohnungen zu errichten.…
    www.iz.de

    Ob das tatsächlich die endgültige Planung ist, weiß ich nicht - es hat aber fast den Anschein. Die neuen Wohnhäuser sind die üblichen Klötze. Was aber überaus positiv ist: Die allermeisten Gebäude des unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen Seegrenzschlachthofs von 1928/29 werden erhalten, von der diese fast vollkommen umschließenden Nachkriegs-Umbauung befreit und offenbar weitestgehend in den Originalzustand versetzt. Da der Zerstörungsgrad nach den vielen Umbauten, jahrzehntelangem Leerstand und Vandalismus sehr hoch ist - es ist gar ein Wunder, dass es überhaupt noch steht, kommt das einer Teilrekonstruktion gleich. Damit war nicht unbedingt zu rechnen, da Lübeck sich sonst im Normalfall seiner frühen Industrie- und Gewerbebauten entledigt (siehe weiter oben in diesem Strang).

    Auf dem Projektbild gehen die Altbauten von unten links bis etwas rechts der Bildmitte. Man erkennt die fast vollständige Erhaltung gut im Vergleich mit dem oberen Plan in dem oben verlinkten Wikipedia-Artikel. Diesen muss man um 180 Grad drehen, damit er von der Richtung her mit dem Projektbild übereinstimmt. Wenn das jetzt nach jahrzehntelanger Diskussion und Zerredung tatsächlich so kommt, wäre ich ganz glücklich damit.

    Lûbeke, aller Stêden schône, van rîken Êren dragestu de Krône. (Johann Broling, Lübecker Kaufmann und Ratsherr, um 1450)