Dresden - Rekonstruktion des Narrenhäusels (in Planung)

  • Bei den abfälligen Bemerkungen von "Kurfürst" bin ich mit Dir ausnahmsweise absolut d'accord.

    Alles andere - wie immer, lieber Pronto. :tongue:

  • Lieber Prontosoccorso,

    teilweise Zustimmung. Der "verbastelte" Zustand wird aber ja gerade nicht wiederhergestellt.

    Es wird eine barocke Idealversion geplant, die so nie existiert hat, denn das Haus hatte ja ursprünglich rechts eine Brandwand und war deshalb gar nicht symmetrisch.

    Leider scheint kein besonderes Augenmerkt auf Geschosshöhen und originalen Proportionen zu liegen. Auch nehme ich an, dass z.B. die Fenstereinfassungen bestenfalls rechteckige Sandsteinquerschnitte haben werden, was aber auch beim Original nicht zwingend so war. Das ganze wird eine ziemlich freie Interpretation. Kann man gutfinden. Ich selber hätte es gerne lieber deutlich originaler gehabt, inklusive der ganzen "Verbasteleien". Beim Berliner Schloss hat man die Unregelmäßigkeiten mit wieder aufgebaut - gerade das macht Altstädte so lebendig.

  • ...und war deshalb gar nicht symmetrisch

    .... aber zweifelsohne so gedacht.

    Leider scheint kein besonderes Augenmerkt auf Geschosshöhen und originalen Proportionen zu liegen. Auch nehme ich an, dass z.B. die Fenstereinfassungen bestenfalls rechteckige Sandsteinquerschnitte haben werden, was aber auch beim Original nicht zwingend so war. Das ganze wird eine ziemlich freie Interpretation.

    Hm, woher weißt du das? Gerade das mit den Gewändequerschnitten. Bist du in die Planung involviert?

    Ich selber hätte es gerne lieber deutlich originaler gehabt, inklusive der ganzen "Verbasteleien".

    Na ja vor 1945 war es gar nicht so verbastelt, sondern aus zwei, sogar ziemlich egalisierenden Umbauten hervorgegangen. Hätte ich auch lieber gehabt, aber Bauherr, Architekt und Politik wollten es so und mich hat man seltsamerweise nicht gefragt

  • Die Ami- und Japsentouries werden Schlange stehen.

    Das japanische Palais und Schloss Pillnitz sind seit 300 Jahren eindrucksvolle Zeugen dafür, wie sehr gegenseitige kulturelle Teilhabe und Integration der japanischen Kultur in den eigenen sächsischen Mikrokosmos funktionieren. Für Dresden war und ist ein solches Alleinstellungsmerkmal ohnehin schon ein enormer Glücksfall, mit solch einer kulturellen Kontinuität aufwarten zu können. Die gegenseitige Reflektion spiegelt sich bekanntlich in einer inspirierten Kopie des Zwingers wider. Die japanische Kultur ist so groß und so vielfältig, daß man mit großer Bereicherung an ihr teilhaben kann, ohne daß sie etwas von sich verlierte. Die Beziehungen der beiden Völker sind tief und von gegenseitiger Hochachtung geprägt. Mit der Tradition, die am Japanischen Palais oder auch in Pillnitz mit den Händen greifbar wird, kann diese "Wahlverwandtschaft" für die Zukunft von enormem Potential und eine große Bereicherung sein. Japanische Touristen sollten in Dresden und Sachsen zu den willkommensten Gästen überhaupt gehören - die Bezeichnung Japsen(touri): - kein Kommentar.

  • In der Sache hat Kurfürst wohl recht, auch wenn die Wortwahl daneben war – da muss man nicht gleich die moralische Keule über die ganze Stadt schwingen. Die wunderbaren kulturhistorischen Ausführungen von Weingeist zeigen sehr schön, wie tief und respektvoll die eigentlichen 'Völkerverbindungen' hier verwurzelt sind.

    Danke auch an lokus für die sachlichen Infos zur Planung. Ob man nun die gewachsene Asymmetrie bringt oder die barocke Wunsch-Version, finde ich spannend. Noch viel spannender bleibt allerdings, ob und wann es baulich überhaupt realistisch weitergeht. Mancher mag Herrn Wiesner hier als Fanatiker bezeichnen, aber Gott sei Dank ist er es und gibt nicht auf. Der Weg durch diesen bürokratischen Elbsandstein ist eben verdammt hart – man könnte fast meinen, es wäre Granit.

  • Egal ob als Rekonstruktion in welcher Fassung auch immer, in der prominenten Lage muss es einfach wirklich richtig gut werden. Im Moment bin ich da zumindest mal skeptisch.

  • Ja skeptisch bin ich auch, freue mich aber,, dass der Herr Wießner bei der Stange bleibt. Ich denke auch, dass es möglich sein wird einen Zustand herzustellen, der dem Original zumindest sehr nahe kommen wird. In Dresden hat man Erfahrungen mit solchen Aktionen. Ich denke es gibt Unterlagen über den Vorkriegsbau, von denen ausgehend man einen Zustand erreichen kann der dem Ursprungszustand entspricht. Ich kenne hier zwei Abbildungen.

    Der Ausdruck Barockschlösschen war keinesfalls abfällig gemeint, sondern nur plastische Wirkungen entfalten. Den Vorkriegszustand wollte ich als Naziburg bezeichnen, habe ich aber nicht.

    Ferner wollte ich auch die japanische Kultur nicht beleidigen, sondern nur kurz und knapp ein sprachliches Bild über einen Zustand malen, wie ich ihn mir vorstelle.

  • In den Jahren 1935/ 36 wurde das Narrenhäuschen zu einer Gaststätte im Heimatschutzstil umfunktioniert. Das originale, verspielte barocke Dach wurde abgetragen und durch ein schlichtes, geradliniges Dach ersetzt, die Fenster erhielten Fensterläden. Der historisch kurze Ostflügel des Gebäudes wurde durch einen Anbau verlängert, um Symmetrie zu erzeugen und Platz für die Gasträume zu schaffen. Außerdem erhielten die achteckigen Turmanbauten breite gleichmäßige Fenster damit man besinnlich auf die Altstadt schauen konnte.

    Das Narrenhäuschen konnte so Kraft durch Freude spenden. Mein Vorredner Resurrectus hat sich wohl um ein Jahrhundert vertan, kann ja vorkommen.


  • Das originale, verspielte barocke Dach wurde abgetragen und durch ein schlichtes, geradliniges Dach ersetzt

    Eben gerade nicht. Das barocke Dach musste bereits der Aufstockung um 1835 weichen und wurde durch ein klassizistisches, geradkantiges Dach ersetzt. Und dieses klassizistische Dach blieb beim Umbau von 1935/36 erhalten.

    Auf dieser Seite kann man das durch Bildervergleiche selbst nachvollziehen:

    Narrenhäusel
    Joseph Fröhlich - der Hofnarr des sächsischen Kurfürsten Friedrich August I. - ließ sich dieses Haus im Jahre 1755 bauen. Der Legende nach wollte er damit…
    www.das-alte-dresden.de

    Resurrectus: Du hattest schon mehrmals eine Ansicht erwähnt, auf der vage das Narrenhäusel in seiner ursprünglichen, barocken Form dargestellt ist. Hier im Strang sind sehr viele Bilder verschwunden und Links nicht mehr gültig. Hast Du gerade Zugriff auf diese Ansicht?

  • @Jan Arnold: da das Narrenhäusel um einige Meter versetzt wird, könnten bei Bedarf Fundamente sichtbar belassen werden. Aber bei dem hohen Kostendruck, der auf dem Projekt lastet, würde ich eher davon ausgehen, dass hier Tabula Rasa gemacht wird. Die benachbarte Brückenbogen-Loggia bleibt erhalten. erhaltene Gewölbekeller gibt es meines Wissens nicht.

    Resurrectus: der Schlitterlau-Stich ist allerdings auch wieder recht ungenau. Er zeigt rechts beim Brandwand-Flügel pro Geschoss zwei Fenster, wo nachweislich nur eins war. Daher könnte er auch einfach nach Gutdünken das 1.OG ins EG herunterkopiert haben..

  • Jein. Ich denke nicht. Die Grundaussage des Stichs ist schon ziemlich eindeutig. Die Ausformung war von mir auch so vermutet worden, aber es gab nie einen Beweis. Jetzt ist man ein winzigkleines Stück weiter. Immerhin

  • Zweitere, auch wenn es eigentlich keine Doku dafür gibt. Es wurde aber so gewünscht und beschlossen.

    Man muss quasi die Baugeschichte aus den Vor 1945-Fotos herauspuhlen um zu einer Reko des Barockzustandes zu kommen. Auf verschiedene Dinge kann man mit etwas kunsthistorischem Sachverstand kommen.

  • Das Narrenhäusel war auf der Neustädter Seite ein Bindeglied zur Altstadt; auch zum Neustädter Markt und ein Kleinod des spätaugusteischen Zeitalters. Die Bedeutung für die Gesamtsilhouette dürfte man wohl erst nach Fertigstellung richtig nachvollziehen können. Was die "Qualität" der späteren Aufstockung betrifft, kann man eigentlich nur noch das da machen: huh:). Die Bezeichnung "Klein-Moritzburg" ist da nicht mehr gerechtfertigt, allenfalls reicht´s noch für Possenhofen II.
    Ein kleiner Hinweis auf eine Innenaufnahme vom EG:
    Neubau des Narrenhäusels in Dresden: Baubeginn im Sommer 2026 steht bevor