• Konstruktion des Eiffelturmes.

    Über die Jahre war ich nun schon zu allen möglichen Jahreszeiten in Paris. Die Stadt besitzt zweifellos unzählige tolle historische Bauwerke. Doch irgendwie werde ich mit der Stadt nicht richtig warm und kann die Faszination/den Hype nicht teilen, der immer um Paris gemacht wird. Von oben finde ich sogar, hat Paris Ähnlichkeit mit Bangkok, nur ohne die vielen Wolkenkratzer. Eine ansehnliche Dachlandschaft gibt es jedenfalls nicht.

    Persönlich würde ich Wien jederzeit bevorzugen. In der österreichischen Hauptstadt fühle ich mich richtig wohl und spüre viel deutlicher die glamouröse Geschichte der Stadt. In Paris hatte ich dieses schöne Empfinden noch nie.

    Man mus das Zentrum auch nicht unbedingt verlassen, um auch hier viel Müll auf den Straßen und Graffiti an den Wänden zu finden. Das ist teilweise schon richtig widerwärtig.

  • Schloss Versailles

    Zwar gehört Versailles nicht wirklich zu Paris, für meine wenigen Bilder wollte ich aber jetzt keine eigene Galerie eröffnen. Das Schloss hat übrigens montags geschlossen.

  • Ich glaube, mit der "Haussmannisierung" hat man Paris nicht unbedingt einen großen Gefallen getan, so viel Schönes es auch nach wie vor dort zu sehen gibt. Es dominiert schon eine gewisse bauliche Monotonie. Da war das Vorkriegsberlin weitaus abwechslungsreicher, und eben auch Wien, trotz ähnlicher Überformung. In Paris wirken die Häuser teilweise sehr seriell und auch die Farbgebung gleicht sich meistens. Ich bin auch kein großer Fan davon. Und bezüglich Müll und Graffiti, wieso sollte es dort besser sein als bei uns. Nichtmal ein noch so schönes Stadtbild scheint dagegen immun zu sein, solange Laissez-faire herrscht.

    In dubio pro reko

    Der größte Feind der Ideologie ist die Realität

  • Paris ist attraktiv und aufregend aber ich stimme dir zu, sie ist definitiv überbewertet. Womöglich die am meisten überbewertete Stadt der Welt. Sie umgibt noch ein Mythos aus einer längst vergangenen Zeit. Das gibt die heutige, tatsächliche Stadt nicht mehr her. Nicht umsonst gibt es das Paris-Syndrom. Ein so drastischer Realitätscheck, dass Paris nicht diese glitzernde, elegante und romantische Schönheit ist, dass es besonders bei Ostasiaten zu Panikattacken und Depressionen führt.

    Aber sehr schöne Bilder, danke! :)

  • Paris ist zweifellos großartig. Man merkt, dass die Verantwortlichen über Jahrhunderte Hinweg bewusst auf Prunk, Glorie und Bombast gesetzt haben. Vielleicht fehlt deshalb an einigen Plätzen der gewisse Charme (den es aber in vielen Vierteln, wie bspw. Montmartre durchaus noch gibt).

    Deutlich schöner, zumindest von der Atmosphäre her, finde ich Rom. Für mich überhaupt die schönste Stadt der Welt.

    "Mens agitat molem!" "Der Geist bewegt die Materie!"

  • Jedes mal wenn ich diese kitchige Vergoldung auf die versailler Dächer sehe, bluten meine Augen.

    Um klar zu sein: diese waren nicht mal wirklich vergoldet. Damals wurde ein gelbes Lack auf erhitztes Messing angebracht. Dadurch waren die Materialien goldbraun, mit richtige braune Flächen.

    Vorteil: diese Technik war billig und schnell. Nachteil: die hielt die Witterungen nicht sehr lange.

    Die Direktorin entschied sich hier hingegen für eine knallige Blattgoldvergoldung die mehr oder weniger nichts mit der historischen Realität zu tun hat.

    Das selbe Problem betrifft die Fontänen, die mit eine Mischung aus Kupferpulver, öl und ein Trocknungsmittel "vergoldet" wurden. Was dann eine Kupfer-Look gab.

  • Jedes mal wenn ich diese kitchige Vergoldung auf die versailler Dächer sehe, bluten meine Augen.

    Zum Vergleich, vor der Vergoldung (sh. auch hier)

    Je nach Lichtstimmung wirkt die Vergoldung schon extrem aufdringlich, wobei das auf einiges zuträfe, das nicht mehr unsereren heutigen Sehgewohnheiten entspricht. Mir gefällt es ohne Vergoldung auch besser, es wirkt ruhiger, in-sich-ruhender, gravitätischer.

    Dadurch waren die Materialien goldbraun, mit richtige braune Flächen.

    Was dann wohl so oder so ähnlich ausgesehen hat.

  • Ja, so sah es wie auf das Gemälde aus, wobei es noch ein tickchen dezenter und "brauner" war. Der Maler hat die Realität ein kleines bisschen "verschönert", was auch ok ist.

    Generell verfolgt Versailles seit Anfang 2000 eine sehr dürftige Rekonstruktionspolitik was nicht mehr viel mit den Prinzipien der Venedig Charta zu tun hat, sondern eher mit Vergnügungsparks: das Fake Königsgitter (unter Ludwig den XV abgetragen), die sehr kreative Rekonstruktion des Bosquet des trois fontaines (unter Ludwig den XVI abgebaut), die Vergoldung... Man will halt ein "Ludwig den XIV Stand" rekonstruieren, was es bereits kurz nach seinem Tod nicht mehr gab, oder anders gesagt: ohne die 80 Folgenjahre in Betracht zu ziehen, und basierend auf falsche oder unzureichende Dokumentation.

  • Über die Jahre war ich nun schon zu allen möglichen Jahreszeiten in Paris. Die Stadt besitzt zweifellos unzählige tolle historische Bauwerke. Doch irgendwie werde ich mit der Stadt nicht richtig warm und kann die Faszination/den Hype nicht teilen, der immer um Paris gemacht wird. Von oben finde ich sogar, hat Paris Ähnlichkeit mit Bangkok, nur ohne die vielen Wolkenkratzer. Eine ansehnliche Dachlandschaft gibt es jedenfalls nicht.

    Persönlich würde ich Wien jederzeit bevorzugen. In der österreichischen Hauptstadt fühle ich mich richtig wohl und spüre viel deutlicher die glamouröse Geschichte der Stadt. In Paris hatte ich dieses schöne Empfinden noch nie.

    Man mus das Zentrum auch nicht unbedingt verlassen, um auch hier viel Müll auf den Straßen und Graffiti an den Wänden zu finden. Das ist teilweise schon richtig widerwärtig.

    So verschieden sind die Wahrnehmungen und Geschmäcker. Ich fand Paris letztes Jahr grandios, viel besser als erwartet. Ich kenne die Stadt aus den 90ern eigentlich als einen in Verkehr und Dreck erstickenden Moloch. Wir waren damals öfter dort weil meine Eltern Freunde in der Nähe der Stadt hatten. Müll, Graffiti, auch das Unsicherheitsgefühl waren damals eher schlimmer. Und über allem thronte das Auto, die Straßen durchgehend verstopft, Gehupe, es stank.... dagegen diesmal viel weniger Verkehr, eine Stadt zum Gehen, Fahrradfahren, genießen. Nichtmal die notorischen Gammelecken um die Gares (erinnere mich noch an den Gare du Nord und Umgebung in den 90ern) waren noch so richtig siffig.

    Wien ist natürlich lieblicher, v.a. weil es einfach kleiner ist. Ich liebe Wien, aber die Städte lassen sich nun nicht richtig vergleichen. Wenn man große Städte insgesamt nicht so mag, ist Paris natürlich schon einschüchternd, und das ist nicht herablassend gesagt, das ist vollkommen legitim als Meinung.

    Aber diese hier gerne durchscheinenden Niedergangsnarrative kann ich allenfalls teilweise teilen. Ich fand die Leute supernett, das war auch eine richtige Überraschung, man bricht sich da einen mit seinem Schulfranzösisch ab, und alle sind nett. In den 90ern taten die Kellner immer so, als könnten sie einen nicht verstehen, selbst wenn man wie mein Vater wirklich passables Französisch sprach.

    Bin quasi ein "später" Parisfan geworden, obwohl von den großen Metropolen Europas immer eher London "meine" Stadt war.

  • "Potsdam in groß" verkennt völlig das Alter von Paris. Es gibt zwar Barockviertel und -Gärten, weil es hier einfach alles gibt, aber das ist nicht das Haupterkennungsmerkmal bzw das prägende Element. Von Le Marais bis St Germain gibt es bedeutende Altstadtquartiere mit großen mittelalterlichen Kirchen.

  • So verschieden sind die Wahrnehmungen und Geschmäcker. Ich fand Paris letztes Jahr grandios, viel besser als erwartet.

    Auch wenn ich es nicht gern zugebe :zwinkern: aber hier liegt Heinzer hundertprozentig richtig. Wenn man von einer Stadt sagen kann, dass sie „großartig“ ist, dann ist es Paris.

    Dass Paris „einschüchtert" und deshalb bei vielen Besuchern Unbehagen auslöst, trifft es und ist angesichts der zum Teil überdimensionierten Architektur (Arc de Triomphe, Place de la Concorde, Versailles) nachvollziehbar. Aber das imperiale Paris ist ja nur eines von vielen Gesichtern der Stadt.

    Dass es der Stadtverwaltung (oder den Gesetzen des Marktes?) gelungen ist, die „Problembevölkerung" in die äußeren Bezirke zu vertreiben, ist mir bei meinen letzten Besuchen auch aufgefallen. Mit dem - möglicherweise in Kauf zu nehmenden Nachteil -, dass das Innere der Stadt in weiten Bereichen musealer wirkt.

  • Versailles ist nicht Paris. Es ist so als würde man den kölner Dom erwähnen wenn man über Düsseldorf spricht floet:)

    Es klingt trivial, aber Versailles wurde ja präzise als Alternative zum unruhigen Paris konzipiert.

    Ich verstehe auch nicht wirklich was hier mit "Barockviertel" gemeint wird. Wenn es ein Stil gibt, was in Paris kaum vertreten ist, dann ist es (leider) Barock. Ausser den Hausmannischen Stil ist was man das "französische Klassizismus" nennt, was die älteren Gebaüde dominiert. Sprich den Stil aus der Zeit von Heinrich der IV und Ludwig den XIII. Es gibt ein paar Beispiele von der Empire-Architektur. Und einiges an Neo-Barock.

    Aber reines Barock ist wirklich selten.

  • Oh doch, in Paris gibt es alles. Rue de Varenne par exemple.

    Photo 4

    kann mich an recht schöne Barockstraßen in dieser Gegend erinnern. In Paris gehen solche Kleinigkeiten fast unter.

  • Die meisten Gebaüde dieser Strasse sind nach der Barok-Zeit entstanden. Oder wurden zwischen 1750 und 1820 stark überarbeitet.

    Das grosse Ensemble mit den Saülen ist das Agrarministerium (nr78-80), zwischen 1881 und 1889 errichtet, eher ein Symbol vom Klassizismus.

    Das Gebaüde links daneben (nr82) ist ein hausmannisches Gebaüde (selbe Architekten die andere Haüser in der Zeit gebaut haben) und wurde 1865 errichtet.