Kaliningrad - Königsberg

  • dass Königsberg wieder einen Teil seiner alten Schönheit wiedergewinnt!

    Auch ein Teil einer Wiederherstellung ist schon eine große städtebauliche Herausforderung.

    Russland hat zur Zeit sehr hohe militärische Ausgaben.Da bleibt wohl kaum ein Rubel für eine zumindest kleine Teilreko von Königsberg übrig.

  • Und warum sollten sie eine deutsche Stadt rekonstruieren???

    So wie ich es von den Fotos her sehe, geht es dort in den zentrumsnahen Bereichen um eine historisierende Phantasie-Bebauung, um den sozialistischen Wohnblöcken der 60er und 70er Jahr etwas Menschenfreundlicheres entgegenzusetzen.

    Kann ich gut verstehen. Interessiert mich aber nicht. Und mit dem, was mal "Königsberg" war, hat das allemal nichts zu tun.

    Irgendwann ist eine (große) Kultur auch mal am Ende, und das muss man dann akzeptieren.

    Ich beschäftige mich seit Monaten mit dem berühmten Mausoleum von Halikarnassos, einem der legendären Sieben Weltwunder. Das Bauwer stand faktisch fast 1700 Jahre lang (am Ende 300 Jahre lang noch als Ruine) und soll von vollendeter Schönheit gewesen sein, die überall gerühmt wurde. Heute weiß man noch nicht einmal, wie es ausgesehen hat.

    Geblieben ist für die Ewigkeit nur der Name "Mausoleum".

    So verhält es sich mit Königsberg. Von "Königsberg" bleiben nur der Dom (immerhin) und die Klopse....

  • Ein Video mit vorher/nachher Ansichten der letzten ca. 10-20 Jahre:

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    Ist das bei 22:22 eine Rekonstruktion?

  • Kaum, wenn auch nicht ganz auszuschließen.

    Haben die so ein Bevölkerungswachstum??? In dieser Exklave???

    Mit Grünflächen gehen sie jedenfalls nicht sehr sorgsam um. Die Stadt scheint sich in die Ostpreußische Landschaft hineinzufressen. Am Schluss scheinen sie auf Zersiedelung sogar stolz zu sein...

    Die stilistische Unbekümmertheit zB bei 7:01- 05, 7:20 (!) oder 9:33, wobei sie sogar auf dezidiert deutsche Formen bezugnehmen (so auch zB bei 12: 15, 12; 58, 25:00, 25:26) und das nicht einmal schlecht.

    Allerdings: ohne Schloss wird aus dieser Stadt nie etwas.

  • Ist das bei 22:22 eine Rekonstruktion?

    Das ist das Business Center Gostinaja 3, benannt nach der Adresse. Ein Neubau im klassischen Stil.

    Am Schluss scheinen sie auf Zersiedelung sogar stolz zu sein...

    Die Einfamilienhaussiedlungen, die am Schluss zu sehen sind, liegen im Umland der Stadt (Gurjewski rayon).

    Haben die so ein Bevölkerungswachstum?

    Bis 2021 hat die Bevölkerung der Stadt Kaliningrad zugenommen. Sie stagniert seitdem bei etwa 490.000.

    Das Video zeigt letztlich ein ähnliches Phänomen wie den Aufbau Ost in der ehemaligen DDR. Eine durch Jahrzehnte kommunistischer Herrschaft ruinierte Großstadt erblüht wieder und erlebt einen Modernisierungsschub. In den 1990er Jahren hatte sich in Kaliningrad kaum etwas getan, aber nach 2000 wurden viele Gebäude saniert. Es entstanden viele Neubauten und Freiflächen wurden neu gestaltet. Wir sehen in dem Video, dass Kaliningrad sich als eine russische Großstadt entwickelt. Die Annahme deutscher Ostpreußen-Nostalgiker, die Stadt könnte sich zu einer Art Königsberg 2.0 "zurück" entwickeln, hat keinen Halt in der Realität. Im modernen Kaliningrad sind die deutschen Namen alter Stadtviertel und einiger Gebäude bekannt. Zuweilen wird bei Sanierungen oder Neubauten die deutsche Architekturtradition aufgegriffen. Doch insgesamt ist die Stadt ihrem Wesen nach ein Stück modernes Russland.

  • Die Stadt scheint sich in die Ostpreußische Landschaft hineinzufressen. Am Schluss scheinen sie auf Zersiedelung sogar stolz zu sein...


    Russland hat durch seine expansive Landnahme eben kein Landproblem. Daher asen die so verschwenderisch mit Land und Ressourcen. Eher isr also das Gegenteil der Falll. Im Ganzen Territorium verschwinden Dörfer in einem rasanten Tempo. Daher ist man vielleicht stolz wenn Russen das Land besetzten, urbar machen. Klappersiedlungen auf guten Wiesen errichten? Vielleicht weiß da jemand mehr?

    Der Ausdruck „Land ohne Volk“ bezieht sich daher meist auf die russische innenpolitische Erzählung, dass Russland ein riesiges Territorium mit einer vergleichsweise kleinen Bevölkerung ist. Ich kann mir vorstellen, dass eine solche Doktrin auch Auswirkungen auf städtebauliche Erzählungen hat.

    In dieser Logik entsteht bei der politischen Führung die Angst, dass Russland zu schwach werden könnte, um dieses große Territorium zu halten. Und die äußere Mächte (NATO, Westen, China im Fernen Osten) das ausnutzen könnten. Bevölkerungsrückgang, Abwanderung und wirtschaftliche Probleme langfristig die staatliche Kontrolle über das Land gefährden könnten. Jedes gebaute Haus ist in diesem Sinne ein Beweis für die Virilität Russland. Was das Video durch Schnitt, Musik und Militarismus ja zu demonstrieren gedenkt.


    Diese Vorstellung wird häufig genutzt, um sicherheitspolitische Maßnahmen, Militarisierung und eine aggressive Außenpolitik zu rechtfertigen. Die Militarisierungen sehen wir in dem gezeigten Video auf jedem 7 Slide. Nicht gerade zur Zierde der Stadtbaukunst, wenn auf öffentlichen Stadtplätzen Panzer ausgestellt werden oder?

    Rastrelli hat recht, die Stadt ist nun eine moderne russische Stadt. Die Überformung durch Wachstum wird nun rasant fortschreiten und mit jeder weiteren Sanierung das Deutsche Erbe weiter schleifen. Ein paar kulturhistorisch sehr bedeutsame Spolien werden übrig bleiben, so wie man es ganz selbstverständlich aus dem Modernen Athen oder dem Modernen Bagdad kennt. Gewöhnen wir uns dran.

  • Daher ist man vielleicht stolz wenn Russen das Land besetzten, urbar machen. Klappersiedlungen auf guten Wiesen errichten? Vielleicht weiß da jemand mehr?

    Ich weiß nicht, ob man in diesen bräsigen Vorstadtsiedlungen jetzt unbedingt irgendwas ideologisches hineininterpretieren muss, außer vielleicht eine kleine Erfolgsgeschichte des Kapitalismus. Es ist wohl die - auch aus Westeuropa - sattsam bekannte Geschichte einer langsam wachsenden Mittel- und Oberschicht, die keine Lust mehr hat, in diesen sozialistischen Wohnsilos zu wohnen oder in verfallenden Dörfern in der Pampa. Und so wachsen die Speckgürtel um die größeren Städte während sich (nicht nur in Kaliningrad) ganze Landstriche entvölkern oder entvölkert haben. Ich glaube, dass man dort auf dieses differenzierte Denken, wie es das hier mittlerweile gibt, dass diese neuen Siedlungen eine Zersiedelung der Landschaft bedeuten können, dort gar nicht kommt, ja sogar für absurd halten würde. Es wird schlicht und einfach als das Zeichen eines wachsenden Wohlstands gesehen, auf den man Stolz ist. "Seht her, bei uns schaut es nicht mehr nach Dritter Welt aus! Wir können uns nun auch Schüco, Velux, Alulux etc. einbauen und mit Wienerberger eindecken!"

  • Die Annahme deutscher Ostpreußen-Nostalgiker, die Stadt könnte sich zu einer Art Königsberg 2.0 "zurück" entwickeln, hat keinen Halt in der Realität.

    Das waren aber eben nicht nur "deutsche Ostpreußen-Nostalgiker" sondern auch Russen, die das Bewusstsein um diese Stadt bewahrt haben, wie Arthur Sarnitz und seine Mitstreiter. Wenn man die Kommentare unter seinen Bildern und Videos liest, weiß man auch, das sich auch Russen diese Architektur schätzen und sich mehr davon zurück gewünscht hätten. Politisch-ideologisch war das freilich immer hochumstritten. Letztlich haben die Gegner, die Ideologen gewonnen. Ich würde sagen, es gab mal ein kurzes Zeitfenster, wo so etwas sogar möglich gewesen wäre, zumindest Rekonstruktion des Schlosses und/oder der Kneiphof-Insel.

  • Im modernen Kaliningrad sind die deutschen Namen alter Stadtviertel und einiger Gebäude bekannt. Zuweilen wird bei Sanierungen oder Neubauten die deutsche Architekturtradition aufgegriffen. Doch insgesamt ist die Stadt ihrem Wesen nach ein Stück modernes Russland.

    Ein Problem wird natürlich eine neue der Reziprozität geschuldete dh letztlich unvermeidliche Deutschfeindlichkeit sein, die ohne Frage diverse früher vorhandene Ansätze von Verständnis und auch Verständigungsbereitschaft zunichte macht. Den zweiten Satz würde ich besonders hervorkehren, die Bezugnahme auf deutsche Architekturtradition sehe ich in diesem Video absolut gegeben. Ich würde hier sagen:

    Die Überformung durch Wachstum wird nun rasant fortschreiten und mit jeder weiteren Sanierung das Deutsche Erbe weiter schleifen.

    dass anhand dieses Videos jedenfalls das schiere Gegenteil der Fall zu sein scheint. Die lange Sequenz ab 2:40 zeigt dies deutlich, wobei besonders auf 3:05 zu verweisen wäre. Ich glaube, viel mehr deutsches Erbe wird es dort gar nicht mehr geben. Was vielmehr zu verschwinden scheint, ist die sozialistische Ästhetik, und zwar sowohl jene der Stalin-Ära als auch die späteren moderneren. Erstere erfährt einen deutlichen Trend zur Germanisierung, dh von russisch-sowjetischen Klassizismus zu deutschem Mittelalter bzw früher Neuzeit, Zweitere zur Postmoderne. Was jemand, was dieser Ritter bei 3:38 soll? Eine Referenz an den Dt. Orden gar, oder an den Namensgeber Ottokar Przemysl, eine Referenz der Niederwerfung der heidnischen Pruzzen und somit ein antibaltisches Element?

    Diese Tendenz der architektonischen Germanisierung erfährt natürlich bei den kirchlichen Bauten einen extremen Widerpart. Der erwähnte Postmodernismus ist international und omnipräsent, dh er stellt kein Unterscheidungskriterium zum heutigen Deutschland dar. Zur dezidiert russischen Stadt, worin Rastrelli letztlich wahrscheinlich Recht hat, wird Kaliningrad erst durch die Sakralarchitektur. Da verstehen sie keinen Spaß, und hier wird auf so etwas wie lokal überkommene Formen nicht die geringste Rücksicht genommen, leider auch nicht makrostrukturell. Dazu ist auch zu sagen, dass Königsberg protestantisch war, was der Orthodoxie weit entgegengesetzt ist, als es etwa der Katholizismus wäre. Eine gewisse Referenz an den Katholizismus wäre eventuell denkbar gewesen, den Lutherismus hingegen dürften sie als reine Ketzerei ansehen, bei dem man selbst jegliches Anstreifen vermeiden sollte. Der Dom ist ein eigenes, offenbar umstrittenes Kapitel:

    Quote

    Der Moskauer Patriarch Kyrill I. bat im April 2009 den Ministerpräsidenten Putin um seine Unterstützung für eine Unterstellung auch des Königsberger Doms unter die Russisch-Orthodoxe Kirche. Vorher hatte die orthodoxe Diözese von Königsberg an die dortige Verwaltung den Antrag auf Inbesitznahme des Doms einschließlich Grundstück und Nebengebäuden gestellt, „um ihn seiner zweckgemäßen Nutzung zuzuführen“

    (Wikipedia)

    Aus meiner katholischen Sicht wäre gegen diese Inbesitznahme nichts einzuwenden, sofern sie architektonisch äußerst behutsam erfolgen würde.

    In friedlichen Zeiten hätte man wohl über kurz oder lang, auch mit deutscher Beteiligung, an eine Wiederherstellung des Schlosses rechnen können. Daraus wird jetzt natürlich nichts.

  • ursus carpaticus: "Aus meiner katholischen Sicht wäre gegen diese Inbesitznahme nichts einzuwenden, sofern sie architektonisch äußerst behutsam erfolgen würde."

    In welchem Zusammenhang eine russisch-orthodoxe "Inbesitznahme" mit einer "katholischen Sicht" stehen kann, erschließt sich mir nicht so richtig. Dass eine durch und durch blind staatsergebene russisch-orthodoxe Kirche früher oder später ihre Ansprüche durchsetzen will, war ja in diesen Zeiten abzusehen. Bisher fanden im Königsberger Dom Gottesdienste der drei großen christlichen Kirchen statt, sogar ökumenische Gottesdienste. Das ist dann wohl Geschichte. Eine russisch-orthodoxe "Inbesitznahme" wird ein innen russisch-orthodoxes Kircheninneres produzieren - "behutsam" wird da nichts erfolgen.

    Übrigens: wer an der Finanzierung des Wiederaufbaus beteiligt war, lässt sich im Internet leicht feststellen...

  • Bisher fanden im Königsberger Dom Gottesdienste der drei großen christlichen Kirchen statt, sogar ökumenische Gottesdienste.

    Das ist der Unterschied. Wir Katholiken sprechen von Heiligen Messen. Darin unterscheiden wir uns nicht von den Orthodoxen.

    Eine russisch-orthodoxe "Inbesitznahme" wird ein innen russisch-orthodoxes Kircheninneres produzieren - "behutsam" wird da nichts erfolgen.

    DAS wäre natürlich schon ein springender Punkt.

    Der Königsberger Dom ist immerhin sein 1567 evangelisch.

    Mit solchen Jahreszahlen lässt sich in den Deutschen Ostgebieten einfach nicht argumentieren. Die neue und faktisch maßgebliche Realität besteht seit 1945. Gibt es in Kaliningrad überhaupt noch Lutheraner? Eine Kirche, die den neuen konfessionellen Verhältnissen entspricht, wäre in puncto Lebendigkeit einem rein musealen Dasein schon vorzuziehen.

  • @usus carpaticus: "Eine Kirche, die den neuen konfessionellen Verhältnissen entspricht, wäre in puncto Lebendigkeit einem rein musealen Dasein schon vorzuziehen."

    Erinnert mich etwas an Istanbuler Umwandlungen - bloß entsprachen da zwei byzantinische Kirchen (Hagia Sophia und Chorakirche) den auch hier durch Vertreibung entstandenen "konfessionellen Verhältnissen" nicht mehr und wurden vor kurzem zu Moscheen gemacht. Also ich hätte auch inaktive Kirchen vorgezogen... In beiden Fällen (Königsberg/ Istanbul) sind ganz sicher politische Gründe ausschlaggebend! Zum Fall Istanbul: die Stadt ist geradezu gespickt mit Moscheen. Zum Fall Königsberg: Muss ich die Umwandlung in eine russisch-orthodoxe Kirche "vorziehen", die einen Moskauer Patriarchen zum Oberhaupt hat, der das ganz richtig findet, was sich seit Jahren in der Ukraine abspielt?

  • Muss das schon wieder sein, diese sinnlose Politisiererei? Wen interessiert deine Meinung über die Moskauer Geistlichkeit? Wir haben gesagt, das hat hier nichts verloren, und das ist gut so. Mit dem Königsberger Dom hat das nichts zu tun. Wir stimmen überein, dass das überkommene Erscheinungsbild im Inneren gewahrt bleiben soll. Aber mit der politischen Ausrichtung des Patriarchen hat das nichts zu tun. Wir diskutieren auch nicht bei deutschen Domen gewisse politische Äußerungen eures Episkopats.

    Mit den Istanbuler Umwandlungen hat das schon gar nichts zu tun. Immerhin ist der Königsberger Dom als katholische und nicht als lutherische Kirche errichtet worden (die Orthodoxie steht dem traditionellen Katholizismus unvergleichlich näher als dem Protestantismus), vom Umstand abgesehen, dass sich immerhin alles innerhalb der christlichen Religion abspielt.

  • Muss das schon wieder sein, diese sinnlose Politisiererei? Wen interessiert deine Meinung über die Moskauer Geistlichkeit?

    Naja...wenn man die Politisiererei beklagt, sollte man auch selbst nichts dazu beitragen.

    Aus meiner katholischen Sicht wäre gegen diese Inbesitznahme nichts einzuwenden

    Bei der Vereinahmung von Religion und Konfessionen durch die Politik, zumal der russisch-orthodoxen Kirche durch Putin ist doch klar, dass dein Betrag nicht im unpolitischen, luftleeren Raum steht.

  • Mannometer, es ist heute eine rein russische Stadt ohne eine deutsch-lutheranische Restbevölkerung (im Gegensatz zu den siebenbürgischen Städten Hermannstadt oder Kronstadt, wo die protestantischen Kirchen noch tatsächlich von der dt. Minderheit gehalten werden können und somit lebendig sind, oder sogar Breslau, wo die kleine dt. Minderheit noch die St. Christophorus-Kirche betreibt). Was für einen Sinn soll daher ein lutheranische Kirche in einer solchen Stadt haben außer einen quasi musealen? Ist da eine lebendige Nutzung als Gotteshaus nicht besser? Wär es im Sinne einer Völkerverständigung nicht wünschenswert, dass die Russen einen mitteleuropäischen, deutschen gotischen Dom als ihr eigenes Gotteshaus akzeptieren, kennen und lieben lernen würden? Einen derartigen Fall gibt es, soweit mir bekannt, in der orthodoxen Welt nicht. Würde das nicht dazu führen, dass sich Kaliningrad etwas mehr mit Königsberg versöhnt? Dass mir als Katholiken die Orthodoxie ungleich näher steht als der Lutherismus, übrigens schon (aber nicht nur) aus rein persönlichen, biographischen Gründen, ist verglichen mit diesem Argument sogar zweitrangig. All das hat mit Politik nix zu tun und ist überdies in keiner Weise eine Parteinahme im ggst Konflikt. Mit der beanstandeten Bemerkung verhält es sich gegenteilig.

    Ganz abgesehen davon: das auslösende Begehren war 2009, lange vor dem Krieg.

  • Mannometer, a) es ist heute eine rein russische Stadt ohne eine deutsch-lutheranische Restbevölkerung

    Mannometer....bevor du schon was tippst, warum informierst du dich nicht mit ein paar Klicks im Internet?

    I.Ü. ist es - wenn du schon so auf der Konfession rumreitest - insoweit egal, ob die Lutheraner Deutsche oder Russen sind.

    "Die Evangelisch-Lutherische Propstei Kaliningrad ist einer von zwölf Kirchenbezirken der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER) im Verbund der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland, der Ukraine, in Kasachstan und Mittelasien (ELKRAS). Sie hat ihren Sitz in Kaliningrad (ehemals Königsberg (Preußen)).

    Die Propstei Kaliningrad liegt im früheren Nordostpreußen in der heutigen Oblast Kaliningrad ...

    Erst nach dem Zerfall der Sowjetunion 1990/91 versammelten sich einige der hier verbliebenen Deutschen sowie erste Russlanddeutsche zu regelmäßigen, wenn auch improvisierten Gottesdiensten, u. a. im Gebietskrankenhaus und auch im Kino „Pobeda“. Immer mehr Gemeindeglieder fanden sich ein, die als Flüchtlinge und Umsiedler aus Kasachstan, Kirgisien, Usbekistan, Moldawien, von der Wolga, aus dem Ural, aus Sibirien u. a. kamen. Sie hatten in ihrem Umfeld im Verborgenen und unter großem Risiko ein bescheidenes Gemeindeleben aufrechterhalten und fanden hier – anfangs noch unstrukturiert – als Gemeinden in Kaliningrad und in verschiedenen Städten und Dörfern in der Oblast zusammen.

    Mit Unterstützung durch das Gustav-Adolf-Werk in Sachsen, durch die Nordelbische Kirche, die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), die Gemeinschaft Evangelischer Ostpreußen (GEO) sowie zahlreiche Kirchengemeinden und finanzielle Einzelförderer gelang ein strukturierter Gemeindeaufbau mit heute acht Pfarrstellen mit Amtsträgern aus Russland und Deutschland. Die Gottesdienste werden meist zweisprachig, zunehmend aber in russischer Sprache gehalten....

    Zur evangelisch-lutherischen Kirche in der Oblast Kaliningrad gehören etwa 1.000 Gemeindeglieder in 38 Gemeinden. Sie werden von vier Pastoren sowie einem Propst betreut, deren Pfarrbezirke den drei Kirchenregionen entsprechen:

    Mit dem Propst-Amt verbindet sich – neben der pfarramtlichen Tätigkeit des Amtsinhabers – die geistliche Leitung der Gemeinden im Propsteigebiet. Amtssitz ist das Gemeindezentrum der Auferstehungskirche im Prospekt Mira 101 in Kaliningrad."

    Propstei Kaliningrad - Wikiwand
    Die Evangelisch-Lutherische Propstei Kaliningrad ist einer von zwölf Kirchenbezirken der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER) im…
    www.wikiwand.com

    b) und die Orthodoxie steht mir als Katholik einfach ungleich näher als der Lutherismus. ...Das hat mit Politik nix zu tun und ist überdies in keiner Weise eine Parteinahme im ggst Konflikt. Mit der beanstandeten Bemerkung verhält es sich gegenteilig.

    Also die ständigen, sehr krassen Aussagen des Oberhauptes der streng hirarchisch aufgebauten russischen Orthodoxie, die er ja nicht als Privatperson tätigt, samt seiner Gefolgsleute sind natürlich politisch und stehen selbstredend auch für diese Kirche und Glaubensrichtung. Wenn du hier unbedingt wiederholt deine Nähe zu dieser Kirche zum Ausdruck bringen willst, ist es mehr als seltsam, wenn du dies einfach ignorierst. Es ist doch kein Wunschkonzert, in dem man sich das rauspickt, was einem gefällt

    Lutherismus ist übrigens ein seltsamer Begriff. Es gibt Luthertum, selten auch Lutheranismus genannt.

  • Wenn du hier unbedingt wiederholt deine Nähe zu dieser Kirche zum Ausdruck bringen willst, ist es mehr als seltsam, wenn du dies einfach ignorierst. Es ist doch kein Wunschkonzert, in dem man sich das rauspickt, was einem gefällt

    Noch einmal, Politik und Parteinahme im ggst Konflikt haben hier nichts zu suchen. Abgesehen davon ob ich mit der Ausrichtung des Moskauer Patriarchen ein Problem hab oder nicht, hat dich nicht zu kümmern. Ich schreib nichts über meine Einstellung in dieser Frage und will auch in Ruhe gelassen werden.

    Darüber hinaus wären 1000 Mitglieder, offenbar noch dazu zerstreut, für eine Oblast nicht sehr viel. Und sie haben ja eh ihre Kirche, sogar in der Großstadt. Ich finde daher, dass meine Argumente hinsichtlich des Doms stichhaltiger und nützlicher für alle Seiten sind.

    Der derzeitige Dom dürfte etwas sehr Museales und Touristisches an sich haben. Schon die Lage in einem parkartigen Umfeld ist ungewöhnlich (wenngleich ästhetisch vielleicht nicht die schlechteste Lösung). Eine gewisse Verankerung im Gefüge der heutigen Großstadt wäre mE günstiger.

  • Liebe Leute, ihr könnt euch beruhigen! Der Königsberger Dom dient nach wie vor als Baudenkmal, Museum und Konzertsaal. In den Turmuntergeschossen gibt es zwei kleine Kapellen, eine evangelische und eine orthodoxe. In orthodoxen Kapellen finden grundsätzlich keine Gottesdienste statt. Sie dienen nur der Andacht. Das Langhaus des Domes ist profaniert.

    Es gibt im Kaliningrader Gebiet eine ganze Reihe alter deutscher Kirchen, die heute durch die Russische Orthodoxe Kirche genutzt werden. Beispiele kann ich nachher noch vorstellen.

    In Kreisen der russischen Opposition ist es übrigens nicht üblich, die orthodoxe Kirche pauschal zu kritisieren, sondern es herrscht der Respekt, den man Religionen im Allgemeinen entgegenbringen soll. Kritisiert werden konkrete Personen und Missstände. Dies gehört hier aber nicht her, worauf ursus zu Recht hinweist.

  • Die Hauptkirchen des ehemaligen Breslaus, Danzigs, Stettins dürften ebenfalls wie der Dom zu Königsberg im 16. Jahrhundert evangelisch geworden sein und sind heute katholische (polnische) Kirchen.

    "Wenn wir die ehemalige Schönheit der Stadt mit der heutigen Gemeinheit verrechnen, kommen wir, so die Bilanz, aufs direkteste in den Schwachsinn." (E.H.)