• Gestern war in den Nachrichten, dass in der Altstadt von Tangermünde Richtfest für ein neues "Erlebnishotel" gefeiert wurde. Laut Meldung besteht es aus zwei restaurierten FWH und "fünf Neubauten". Weiß jemand was darüber?

  • Das Erlebnishotel Exempel Schlafstuben eröffnete im November 2010. Es hat die Adresse Lange Straße 24 und geht um die Ecke bis zur Kirchstraße. Es befindet sich also gegenüber der Stephanskirche.

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    Tangermünde, Lange Straße mit Stephanskirche (Foto: Schiwago, 18. September 2011, CC-BY-SA-3.0)

    Die letzten drei Häuser, beginnend mit der roten Brandmauer, gehören zum Hotel Exempel Schlafstuben.

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    Lange Straße 24, Hotel Exempel Schlafstuben (Foto: Dguendel, 13. September 2024, CC-BY-4.0)

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    Lange Straße, Ecke Kirchstraße, Hotel Exempel Schlafstuben (Foto: Dguendel, 13. September 2024, CC-BY-4.0)

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    Kirchstraße, Hotel Exempel Schlafstuben (Foto: Cosal, 24. September 2017, CC-BY-SA-4.0)

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    Kirchstraße, Hotel Exempel Schlafstuben (Foto: Orwendel, 16. Januar 2019, CC-BY-SA-4.0)

  • Auf den ersten Blick wirkt das Gesamtbild wie ein Teil des Tangermünder Ganzen; auf den zweiten Blick (und mit Kenntnis des Brandhintergrunds) kann man den Hotel (das genau identisch auch in Las Vegas stehen könnte), nur mit Befremden und Skepsis gegenübertreten. Der Erker ist einerseits nicht schlecht, ist aber trotzdem etwas, das es im Raumbild nicht gab. Dem Ensemble haftet etwas von Jahrmarkts- und Unterhaltungsarchitektur an - man fragt sich, ob man da a u c h mit einem gotischen Spitzhut rumlaufen muß. Und wenn Türen in einem Hotel im Nichts enden, kommt einem daß schon ein bißchen suspekt vor. Das gabs schon öfter.

    H. H. Holmes – Wikipedia
    de.wikipedia.org

    Ich würde mich dort (trotz der benachbarten Lieblingsorgel) so unwohl fühlen, wie man sich´s nur vorstellen kann.

  • Ich find das Ensemble sehr gelungen. Der mittlere Backsteinbau des Häuserzeile imitiert die Typologie eines alten Speichers, bei dem die Türen in den Obergeschossen schlichtweg als Ladeluken dienten, um Waren per Seilzug nach oben zu befördern. Das findet man im norddeutschen Raum zu Tausenden – ganz ohne Gruselfaktor. Ob man historisierende Neubauten mag, bleibt natürlich Geschmackssache. Aber dieses Ensemble nimmt die Kleinteiligkeit, die Materialität und die regionaltypische Bauweise Tangermündes hervorragend auf. Mir ist so eine detailverliebte Einfügung ins Stadtbild jedenfalls tausendmal lieber als der nächste seelenlose Betonklotz mit Flachdach. Man sollte die Kirche – oder das Hotel – also ruhig im Dorf lassen. 😉

  • Das Erlebnishotel eröffnete im November 2010. Bilder siehe oben. Vor allem die Dreiergruppe gegenüber der Kirche ist unsäglicher Kitsch. Man achte auf die Tür unter dem Erker an der Ecke und den fehlenden Eingang zum "Speicher"!

    Die Tür ist womöglich das einzige, was man kritisieren kann. Aber wenn ich das verfügbare Foto vom Innenraum anschaue, dann ist das ja sogar theoretisch ein echter Durchgang. Nur halt nicht genutzt. Das Ensemble ist nicht kitschig und bildet einen schönen Abschluss (oder Auftakt) der anliegenden Straßen. So wichtig: Man hat sich an den Elementen orientiert welche die lokale Architektur zu bieten hat. Und zwar nicht nur ungefähr, sondern auch im Detail. Man hat sicherlich nicht wenig Geld in die Hand genommen, um mit echtem Fachwerk und hochgemauerten Wänden zu arbeiten. Im Nachbarfaden von Dinkelsbühl sehen wir gerade wie ein vormals altes innerstädtisches Gebäude in Beton hochgezogen wird, mit maximal einem Abschluss aus Fachwerk.

    Wer hier von "Las Vegas" oder "Disneyland" schwadroniert wahr wohl noch nie dort. Eine wesentlich bessere Lösung konnte man unter den gegebenen Prämissen (gastronomische Nutzung mit entsprechenden Platzbedarf, Einfügen in das Ensemble) nicht erhoffen. In Westdeutschland wäre dort eine öde Einheits-Kiste entstanden, in Süddeutschland diese typischen (überdimensionierten) schnurgeraden, aalglatt verputzten, sterilen Ersatzbauten, deren einzige Reminiszenz an eine alte Bebauung evtl. ein rotes Dach wäre und etwas ungelenk eingearbeitete Faschen im Putz ("altstadttauglich")...

    Im übrigen ist das Konzept der Räume durchaus interessant. In einem anderen Gebäude ist es fast wie ein Heimat- oder Dorfmuseum.

  • Tangermünde 1936, ein Film ohne Propaganda jener Zeit

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  • Ist die Bezeichnung Tangermünde´s als "norddeutsches Rothenburg" in der Wahrnehmung der damaligen Zeit nicht gerade unglaublich? Es ist sicher eine weitere Auszeichnung für die Stadt, die es nun wahrlich verdient.
    Filmaufnahmen der Scherer-Orgel - auch geradezu unglaublich eek:) . Sie dürften zu den ältesten überhaupt gehören. Klasse!

    (O.T.: Der Sprecher; seelenlos und etwas blutarm; hat etwas von einem Kappeskrämer, der Tante Hildchen die Ankunft einer neuer Ladung Schonkaffee verkündigt).

  • Die Stadt verdient die Bezeichnung als norddeutsches Rothenburg wahrlich. Aber es gibt noch weitere Städte die diese Bezeichnung verdienen. Mir fallen da Brandenburg, Salzwedel, Jüterbog, Stendal, Gardelegen und sicher noch mehr ein. Alle in der Mark Brandenburg gelegen, eine Gegend, die oft vergessen wird.

  • Man kann es komisch sehen, man kann aber auch ersehen, daß Rothenburg offenbar bereits länger "der Ball zugespielt" wurde bzw. wird. Wie hoch die Anzahl der Städte ist, die dieses Privileg nicht hatten, ist eine etwas schwierige Frage. Die Aufgabe sollte bestehen, daß jeder unbeeinflußt seine Favoriten unter den Städten sucht und findet.