• Ich überlege, welches Leitbild das Landesdenkmalamt Berlin bei Rekonstruktionen von Bauwerken, Kunstwerken und Ensembles im Stadtbild verfolgt: Mehrere Prioritäten fallen mir ein:

    Hä? Das Berliner Landesdenkmalamt verfolgt (wie traurigerweise alle übrigen LfD) keine Rekonstruktionen, dementsprechend hat man dafür auch keine Leitlinien parat.

  • Resurrectus

    Ja, du hast natürlich recht. Man könnte allerdings die Rückversetzung von Original-Kunstwerken an ihre Originalplätze auch als "Rekonstruktion eines Ensembles" betrachten, nicht handwerklich, aber städtebaulich. Das könnte, sollte m. M., auch Thema und Verantwortung eines Landesdenkmalamtes sein, eher als die Festnagelung der verstreuten Kunstwerke an "kostituierend" ersessene, zweitrangige, z.T. abgelegene Plätze in einer letzten oder favorisierten Zeitschicht?
    So habe ich es gemeint.

  • ... Dafür müsste man dort aber zusammenhängendes Wissen und nen Überblick haben.

    Kann man das vom Senat für Stadtentwicklung ... und vom Landesdenkmalamt nicht erwarten?
    Die Baudirektorin sagt, das Thema sei "komplex" u. die Standorte seien "konstituierend". Das heißt: Der Hausherr hat die prächtigsten Bilder desinteressiert in Nebenzimmern abgestellt. Das sei konstituierend.

    Eine solche Missachtung von Kunst gibt es m.M. nicht in anderen europäischen Hauptstädten.

  • Resurrectus

    Ja, du hast natürlich recht. Man könnte allerdings die Rückversetzung von Original-Kunstwerken an ihre Originalplätze auch als "Rekonstruktion eines Ensembles" betrachten, nicht handwerklich, aber städtebaulich. Das könnte, sollte m. M., auch Thema und Verantwortung eines Landesdenkmalamtes sein, eher als die Festnagelung der verstreuten Kunstwerke an "kostituierend" ersessene, zweitrangige, z.T. abgelegene Plätze in einer letzten oder favorisierten Zeitschicht?
    So habe ich es gemeint.

    Aber was ist denn bei dem Neptunbrunnen mit seinem aus DDR-Tagen stammenden, größeren Becken der "originale" Standort, wenn er auf dem Schloßplatz und vor dem Fernsehturm in beiden Fällen rund 60 Jahre gestanden hat? Die Denkmalpflege betrachtet den heutigen Standort des Schloßbrunnens mit einiger Logik auch als historisch (1969-2025; 56 Jahre), Schloßplatz (1891-1951; 60 Jahre). Im kollektiven Bewußtsein der Berliner ist sicher der heutige Standort eingegraben.

    Bei den Rossebändigern lieget die Sachlage etwas anders: sie standen 101 Jahre vor dem Schloß, bis sie im Juli 1945 von Georg Pniower im Auftrag der britischen Besatzungsmacht aufgestellt wurden. 80 Jahre lang stehen sie jetzt in Schöneberg. Nur mittels Anciennität ist da die Rückversetzung nicht zu begründen, das geht nur mit dem provisörischen Charakter in Schöneberg, den der Entwurfsurheber Pniower selbst betont hat.

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  • Aber was ist ... mit dem größeren Becken der "originale" Standort, wenn er auf dem Schloßplatz und vor dem Fernsehturm in beiden Fällen rund 60 Jahre gestanden hat? Die Denkmalpflege betrachtet den heutigen Standort des Schloßbrunnens ... auch als historisch (1969-2025; 56 Jahre), Schloßplatz (1891-1951; 60 Jahre). Im kollektiven Bewußtsein der Berliner ist sicher der heutige Standort eingegraben. ... Rossebändiger ... standen 101 Jahre vor dem Schloß, ... 80 Jahre lang stehen sie jetzt in Schöneberg. Nur mittels Anciennität ist da die Rückversetzung nicht zu begründen, das geht nur mit dem provisörischen Charakter in Schöneberg, den der Entwurfsurheber Pniower selbst betont hat.

    Das größere Neptun-Becken war ein schwacher Versuch, den für den großen, leeren Ort offensichtlich viel zu kleinen Brunnen optisch, auch durch Bodenpflasterung in alle Richtungen zu spreizen. Bei Rückversetzung (auch bei neuem, abgeformtem Brunnen) würde dazu wieder ein passenderes Becken in Originalgröße gehören. Zu dem Umfeld der modernen großen Bauten mit Fernsehturm und HF-Ostfassade gehört eigentlich nicht das kleinteilige Barock, sondern ein viel größerer, moderner Brunnen, z.B. mit Fontaine.

    Die Standzeiten halte ich nicht für so maßgeblich. Viel wichtiger sind die Ästhetik des Stadtraumes, die stilistische Wirkung und Bedeutung des Brunnens innerhalb des abgestimmten Ensembles vor Portal II.
    Das kollektive Bewusstsein der Berliner am Ort halte ich für „vergänglich“. Sie kommen und gehen, Kinder wachsen auf, heiraten, ziehen in einer Generation um oder ganz weg. Der Brunnen ist für alle Berliner da, auch für internationale Schloßbesucher, im Zentrum, da wo sich Unter den Linden und Lustgarten treffen.

    Das gilt auch für die Rossebändiger. Friedrich Wilhelm IV und W. Humboldt haben das Geschenk von Zar Nikolaus sorgfältig für den Standort ausgesucht – aus gutem Grund. Die von K.F. Schinkel gestalteten Rossebändiger Castor und Pollux grüßten später vom Alten Museum ihre Pendants vor Portal IV. Der damals mit der Kleistpark-Planung beauftragte Gartenarchitekt Pniower hat selbst mit Recht den ihm vorgegebenen unscheinbaren Standort und die weit auseinandergezoge, verlorene Paarwirkung der vereinsamten Figuren im Kleistpark als "provisorisch" bedauert. Dass Bezirksbürgermeister um ihren "Besitz" kämpfen, verstehe ich, dass aber der Senat solche erstrangigen Prunkstücke der Städtebaukunst nicht mutig wieder als einrahmendes Paar vor Schloßportal IV ins verdiente "Rampenlicht" stellt, dient nur bedauerlichen, kleinkarierten Lokalinteressen. Seitlich vor dieses Gebäude des ehemaligen "Volksgerichtshofes" im Kleistpark gehört eigentlich ein Mahnmal angesichts der vielen dort verhängten unsäglichen Todesurteile durch den Nazi-Verbrecher Konrad Freisler. Auch ein Denkmal an die Zeit der Hohen Alliierten Kommission wäre seitlich zusätzlich sinnvoll und geeigneter als die dort festgehaltene "Raubkunst". Aber vielleicht hat Berlin die Schnauze voll von wippendn, misslingenden Denkmalversuchen.

  • Der jetzige Standort ist doch einfach mal unwürdig. Sie sind Büschen umwuchert und stehen so, dass man sie nicht von weitem schon sehen kann. Sie haben auch keinen Bezug zum Gericht. Dass man nicht einfach mal aus Vernunft entscheiden kann...

  • Vielleicht für manche interessant, die Position Kulturstaatsminister entscheidet ja soweit ich weiß zumindest teilweise über z.B. den Wiederaufbau der Gigantentreppe / Großes Treppenhaus von Schlüter im Stadtschloss / Humboldt Forum:

    " Es ist ein offenes Geheimnis, dass Kultursenator Joe Chialo (CDU) gerne eine Ebene nach oben fallen würde, um im Kanzleramt Kulturstaatsminister zu werden. Einen guten Draht zu Friedrich Merz hat er unbestritten. Aber hat sich Chialo mit seiner Performance in der Landespolitik wirklich für die Bundesebene empfohlen? Selbst vielen CDU-lern in Berlin fällt wenig Positives zu seiner Arbeit ein. Unter der Hand heißt es, "Merz holt sich keinen Fehler ins Haus". "

    Quelle: RBB

    Wie die Auferstehung der Linken die Berliner Politik erschüttert
    Die Hauptstadt tickte schon immer etwas anders als der Bundesdurchschnitt. So offensichtlich wie bei dieser Wahl war das aber noch nie. Erkenntnisse eines…
    www.rbb24.de
  • Die Durchfahrt von Portal V in zwischenstandlichen Aufnahmen von gerade eben.

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    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • HALLELUJA!!!!!!!

    ENDLICH!!

    GOTT, IST DAS SCHÖN!

    DER ERSTE SCHLÜTERRAUM IST WIEDER DA!

    Und toll sind auch diese geschickten blau-grauen Absetzungen überall. Das verstärkt die plastische Wirkung.

  • Lieber Mantikor , hab 1000 Dank! Selten haben mir Bilder eine so große Freude bereitet!

    Wer einer Halbwahrheit eine weitere Halbwahrheit hinzufügt, schafft keine ganze Wahrheit, sondern eine ganze Lüge.

  • Mensch, da ist mir gerade ehrlich die Kinnlade runtergeklappt. :huh: Das sieht so schön aus! Noch schöner, als ich mir das vorgestellt habe. Ich liebe, die hellgrauen Akzente. Das macht alles noch viel plastischer. Vielen Dank für die Bilder, Mantikor! Damit hatte ich jetzt gar nicht gerechnet.

    Ich komme nicht darüber hinweg. Das ist so fein und edel... Mir fällt im Moment gar kein anderer jederzeit öffentlich zugänglicher Raum ein, der so feine Stuckaturen wie im Inneren eines Palastes aufweist.

  • Jetzt muss endlich die Gigantentreppe kommen!

    Wer einer Halbwahrheit eine weitere Halbwahrheit hinzufügt, schafft keine ganze Wahrheit, sondern eine ganze Lüge.

  • Das Geld wäre wohl da, aber es fehlt der Wille dazu. Noch.? :weinenstroemen:

    Laut Aussage von unserem Mentor Herrn von Boddien sind wohl 20 Mio. Spenden dafür vorhanden, war mal eine Aussage von vor einigen Jahren.

    Und im übrigen bin ich der Meinung das die geldverschlingende Verschaukelungswippe endlich zu Grabe getragen wird. :daumenoben:

  • Natürlich fehlt auch noch der der Durchfahrt vorgelagerte Gartensaal. Seine Rekonstruktion wäre aufgrund der recht schlichten Dekoration viel einfacher. Aber ich weiß nicht, ob seine Rekonstruktion vorgesehen ist.

    Wer einer Halbwahrheit eine weitere Halbwahrheit hinzufügt, schafft keine ganze Wahrheit, sondern eine ganze Lüge.

  • Aber ich weiß nicht, ob seine Rekonstruktion vorgesehen ist.

    Also, auf den Plänen, die immer wieder im Schloss-Newsletter gezeigt wurden, ist eine (Teil)Rekonstruktion des Gartensaals geplant.
    Womöglich baut man ja jetzt alles zum Schlüterhof ab und zieht weiter zum Gartensaal, um dort weiterzumachen?

  • Natürlich fehlt auch noch der der Durchfahrt vorgelagerte Gartensaal.

    Also bis jetzt wurde auf den Plänen immer auch eine simple Gestaltung diese Saals gezeigt, dann wird sie hoffentlich auch noch kommen.

    Was anderes wäre aber noch interessant, auf der Webseite vom Berliner Schloss steht über der Spendenuhr:

    Quote

    Geldbedarf für die Rekonstruktion der 27 Balustradenfiguren über den Portalen und der Kuppel sowie den Ausbau des Rohbau-Vestibüls im Portal IV sowie der vollständige Ausbau der Portaldurchgänge I und V noch mindestens 0.3 Mio. €
    (Stand 11/2024)

    …vollständiger Ausbau der Portaldurchgänge I… (!) kommt da dann im Portal eins auch noch was oder ist das ein Fehler? Und was würde dann kommen? Ich kann mich nicht erinnern, dass ich je die Details in historischen Bildern von diesem Portal gesehen hätte…