• Daher wäre ich dafür die Kolonnaden wiederzuerrichten und an Stelle eines Denkmals oder der Wippe einfach eine große Eiche zu pflanzen, mit einem schlichten Schild zum Gedenken an die friedliche Revolution, die zur Einheit Deutschlands führte. Noch gepflegter Blumenschmuck drumrum, fertig.

    Meine volle Zustimmung! Ich bin überzeugt, dass wenn man eine Umfrage starten würde, mit den beiden Varianten: "Wippe" und "Kolonnaden mit Eiche" wären über 90 % für diesen Vorschlag. Allerdings glaube ich, dass die Wippe gegen den Willen der Bevölkerung mit allen Mitteln und koste es was es wolle, errichtet wird. Mit den jährlichen abstrusen Folgekosten der Wartung. Man kann sich einfach nur an den Kopf fassen

  • All dieses hätte durch eine aktive Auswahlkommission noch durch Gespräche mit den Bildhauern gerettet werden können, aber die Mehrheit der Kommission lehnte ja die Attikafiguren als solches ab, weil sie eben nicht historisch sind. Für Fachleute z.B. der SPSG ist das Erfinden von Figuren das kunsthistorische Gottseibeiuns. Mitunter beschleicht einen das Gefühl, dass das gar nicht gelingen durfte, um die eigene Haltung gegen Rekonstruktionen zu stützen.

    Danke für diese HGInformationen. Das alles ist ja einfach nur noch unfassbar. Wie gut geht es uns doch in DD.

  • Und nicht zu vergessen der Schlossverein, und damit wir Spender, haben für die Figuren bezahlt. Hätten da nicht der Schlossverein und seine Leute mit Expertise mehr eingebunden werden müssen?

  • Ach, Ihr Lieben, was echauffiert Ihr Euch denn so arg!? Wie schon erwähnt wurde, sind diese Skulpturen in annähernder Barockmanier auf Untersicht in großer Höhe gearbeitet, das heißt, die Perspektive verändert sich von unten gesehen radikal. Da fällt auch die Venus mit dem langen Hals nicht mehr so ins Gewicht. Und eine Madonna mit ähnlich langem Hals gibt es aus der italienischen Kunstgeschichte ja auch. Ach, von wem war die gleich nochmal!? Ich bin froh, daß die Figuren ein wenig ein barockes, antikes Flair verbreiten und es darf sein, daß die Bildhauer und Bilderhauerinnen ihnen einen zeitgenössischen, individuellen Stileinschlag verpassen durften. Die extrem fein gearbeiteten Parthenonskulpturen aus der griechischen Klassik vergleichend gegenüber zu stellen, finde ich nicht ganz legitim. Um diese feine Gewandung ging es bei den Berliner Figuren nie und nimmer nicht. Dennoch vielen Dank für diesen Qualitätsvergleich. Er hat mich ins Staunen gebracht. Jedenfalls bleibt es ein Rätsel was der herkulisch daher kommende Rucksackträger in seinem Verpackungswust mit sich trägt. Und die Waschbrettbäuche, mein lieber Seinsheim, sind doch Ausdruck modernen, westlichen Körperkultes und faszinierten unsere weiblichen Bilderhauer beim Arbeiten sicherlich grandios.

  • Das ist ein sehr schönes Modell. Ästhetisch, grazil, dynamisch, stilistisch einwandfrei.
    Wenn die Ausführung in Stein gut wird, dann sind die Figuren von Portal V von ungleich höherer Qualität als die von Portal IV und dem Eosander-Bau.

  • Meinst du vielleicht die Figur von Portal I (zweite von links)? Bei Portal IV mache ich mir mit am wenigsten Sorgen. Die Figuren kommen von Andreas Hoferick, der schon Figuren für den Schlüterhof rekonstruiert hat.

  • Aaaaalso: Mir scheint nach Studium des Plans, dass diese missratenen Figuren alle von dem Quotenfrauentrio stammen und konzentriert sind vorne am Eosanderrisalit und dem schlossplatzseitigen Äquivalent.

    Die anderen sind von Hoferick, fer sehr gut ist, ebenso Eckhard Böhm und die Familie Kösler. Und bei Witschel arbeitet der göttlich Tillmann Richter. Der ist der allerbeste. Hat hier in Dresden leider nur einmal (British Hotel) gearbeitet. Werke für die Ewigkeit!

    Es gibt Hoffnung, Freunde.

  • Meinst du vielleicht die Figur von Portal I (zweite von links)? Bei Portal IV mache ich mir mit am wenigsten Sorgen. Die Figuren kommen von Andreas Hoferick, der schon Figuren für den Schlüterhof rekonstruiert hat.

    Ich habe bisher auch immer große Stücke auf Hoferick gehalten, aber sind nicht viele der Statuen, die vorgestern hier gezeigt wurden, von Portal IV, und damit aus der Werkstatt Hoferick?

    Dieser Herr z.B., den ich eher als misslungen empfinde:

    IMG_9097.jpg

  • Danke, du hast Recht! Das ist aber die einzige Statue von Portal IV, die wir ausgepackt gesehen haben. Laut Plan handelt es sich um die Figur: APIV-1

    Des weiteren hatten wir hier schon als Foto:

    ER-1 Frauengestalt (Valerie Otte)
    ER-2 Mann mit Muschel und Umhang (Valerie Otte)
    [??]-1 Athlet mit abgewinkelten Arm (Valerie Otte)
    API-2 Mann mit gekräuseltem Gewand (Kai Rötger/ Andreas Klein)

  • Aaaaalso: Mir scheint nach Studium des Plans, dass diese missratenen Figuren alle von dem Quotenfrauentrio stammen und konzentriert sind vorne am Eosanderrisalit und dem schlossplatzseitigen Äquivalent.

    Ich habe eine dieser Frauen gegoogelt und ich finde die Werke der Bildhauerin Otte Valerie berührend und schön.

    (Ich arbeite im kreativen Bereich und mir ist in meinem Berufsleben noch nie eine Quotenbonus zuteil geworden, mag es in anderen Stellen anders sein).


    Obwohl ich die Kritik nachvollziehen kann und finde sie auch interessant, habe ich diese Ansprüche an diese Sandsteinfiguren nicht. Sie sind für mich und ihrem Zweck mehr als ausreichend und in ihrer Unperfektheit (abfallende Schultern) sogar originell. Interessant ist der Herstellungsprozess. Eine Tonfigur wurde auf Sandstein übersetzt. Mag sein, dass ein Faltenwurf auf Ton ganz anders wirkt, als dann auf Sandstein, genauso kann diese männliche Figur als Keramik viel natürlicher rüberkommen, als gefräst. Das wäre ein Forschungsgebiet. (By the way, mich freut auch die Technik dahinter).

    Beauty matters!

  • Eine Tonfigur wurde auf Sandstein übersetzt. Mag sein, dass ein Faltenwurf auf Ton ganz anders wirkt, als dann auf Sandstein, genauso kann diese männliche Figur als Keramik viel natürlicher rüberkommen, als gefräst. Das wäre ein Forschungsgebiet.

    Sorry, aber die Korrektheit oder Eleganz von Faltenwurf oder der Anatomie einer Figur verändert sich doch nicht grundlegend von einem Material zum anderen. Unterschiedliche Materialoberflächen können verschiedene subtile Wirkungen mit sich bringen. Ist die Oberfläche eher glatt und dadurch glänzend, oder porös und dadurch matter...
    Aber wenn du in Ton eine elegant trappierte Toga modelliert hast, dann wird diese nicht plötzlich unelegant, nur weil diese in Stein umgesetzt wird. Und eine dynamische Pose in Ton wird nicht plötzlich stocksteif, nur weil sie in Stein umgesetzt wurde.
    Seit Jahrtausenden werden doch schon Bozetti in kleinerer Form und von unterschiedlichem Material angefertigt, bevor man das Werk größer und in einem anderen Material ins Reine umsetzt.
    Normalerweise ist es genau umgekehrt, dem Endwerk kommt noch ein letzter Schliff zugute.

  • Habe hier noch zwei interessante Seiten gefunden, die ich glaube ich noch nicht kannte:

    Hier gibt es ein paar Infos und Bilder zur Rekonstruktion und ein Dankes-Video vom Bundespräsidenten, in dem er allen Spendern dankt und über Preußen spricht:

    Rekonstruktion | Humboldt Forum
    Drei der barocken Außenfassaden des Berliner Schlosses samt der Kuppel und drei der Fassaden des historischen Schlüterhofes wurden detailgetreu rekonstruiert.
    www.humboldtforum.org

    Hier gibt es verschiedene Modelle, die zeigen wie sich das Stadtschloss über die Zeit verändert hat und einige Bilder:

  • Gibt es eine Möglichkeit, dass Bild etwas zu schrumpfen?

    Ja. Erst: "Bild einfügen" - "Per URL einfügen". Dann siehst du einen blauen Rahmen um das Bild. Gegebenenfalls das Bild anklicken, damit der blaue Rarhmen erscheint. Du greifst mit der Maus nach der Ecke oben rechts und ziehst sie in Richtung unten links. Dann wird das Bild verkleinert, wobei die Proportionen beibehalten werden. Du kannst mit der Maus auch mehrmals oben rechts ansetzen. Das Foto ist ungewöhnlich schmal und ungewöhnlich hoch. Da hat das kleine Nagetier ganz schön zu tun. Der Pixelzähler (Breite x Höhe) läuft mit. Ich habe bis Breite 369 verkleinert, damit die ganze Figur im Browserfenster sichtbar ist.

    Hinweis: Man kann seinen eigenen Beitrag nachträglich bearbeiten. Dann wird das Bild unter Umständen nicht korrekt angezeigt. Das ist aber nur in der Bearbeitungsansicht der Fall. Die angezeigte Bildgröße lässt sich trotzdem ändern. Wieder blauer Rahmen und die Maus ziehen lassen. Nach dem Veröffentlichen ist die Bildanzeige wieder korrekt.

    Noch ein genereller Tipp: Ihr könnt Fotos in Forumsbeiträgen anklicken und nach Rechtsklick "Bild in neuem Tab öffnen" auswählen. Dann erscheint das Bild in einem neuen Browsertab, wobei die Anzeige für das Browserfenster optimiert ist. Das ganze Bild ist dann optimal sichtbar. Durch Anklicken kann auf Originalgröße vergrößert werden.

    Rosendame.jpg
    https://www.adaart.de/assets/Rosendame.jpg

    Portal V: Ada Kösler, Eckahrt Böhm: Rosendame

  • Ich finde die Entscheidung wieder Skulpturen auf die Portale aufzustellen ganz fantastisch.

    Es gibt dem wuchtigen Schloss ein sehr viel filigraneres Erscheinungsbild denke ich.

    Dass es Neuschöpfungen sind hat ja wohl auch bei der SPSG Tradition. Schloss Charlottenburg hat ja noch "kreativere" Lösungen gefunden.

  • Zitat aus dem oben verlinkten Artikel in der BZ:
    "Die Skulpturen, die man im 19. Jahrhundert aufs Schloss setzte, stellten preußische Gewerke wie die Kriegskunst oder die Königsfamilie als Götter dar. Die wollte man nicht wieder haben."

    Das ist wieder mal der übliche Stuss. Bei 12 der 16 Balustradenfiguren ging es nicht um spezifisch "preußische" Gewerke, sondern um allgemein übliche Gewerke und Disziplinen (Handel, Rechtswissenschaften, Technik etc.)., wobei diese bis auf die Kriegskunst rein ziviler Natur waren. Und schon gar nicht waren sie - einschließlich der Kriegskunst - typisch preußisch.

    Außerdem wurden die Mitglieder der Königsfamilie nicht als Götter dargestellt, sondern es erhielten vier Tugendpersonifikationen, die Teile eines an Portal III intonierte Tugendzyklus waren, die Gesichtszüge der Königs- und des Kronprinzenpaares, was eine Selbstverpflichtung enthielt. Die Herrscher warfen sich nicht als Götter auf, sondern unterstellten sich im Gegenteil einem Tugendkanon im Sinne des traditionellen Fürstenspiegels.

    Aber solch grundlegende Unterscheidungen widersprechen natürlich den allgemein verbreiteten Stereotypen, wie sie nicht zuletzt in der Stiftung Berliner Schloss - Humboldt-Forum gepflegt werden.

    Wer einer Halbwahrheit eine weitere Halbwahrheit hinzufügt, schafft keine ganze Wahrheit, sondern eine ganze Lüge.