• @ Bauaesthet

    "Alles ist Stückwerk ohne Zusammenhang und ohne Respekt vor dem Ganzen" - Stückwerk, vielleicht; so wie das Schloss auch vor der Zerstörung Stückwerk war ebenso wie die umliegenden Gestaltungen. Aus verschiedenen Epochen, mit verschiedenen Stilen und Funktionen. Bis auf die Fassaden, die ja heute wieder da stehen, war das meiste kein ganzer Guss.

    Nach dem Krieg wurden jahrhunderte Entwicklung platt gemacht. Diese lassen sich auch nur Stück für Stück wieder herstellen, mit neuen Zutaten, den jetzigen Bedürfnissen angepasst. Die nächsten 20 Jahre wird das Schlossumfeld sich stetig weiter entwickeln, und bisher sehe ich nur positive Ansätze (das temporäre Mobiliar mal ausgenommen).

    Der Kurfürst

    Im Museumsumfeld Kunst aufzustellen ist gang und gebe...im übrigen hat es in seiner Position eine schöne Rahmenwirkung auf wahlweise den Rathausturm oder Fernsehturm. Ein Miniaturmodell steht daneben und gibt info über seine Natur und regt dadurch dazu an sich auch die Ausstellungen im Museum anzuschauen. => sozusagen ein Dreidimensionaler Werbebanner ;)

  • Ich bin mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher, ob hier alle schon verstanden haben, dass hier eben kein Schloss (in seiner Funktion als Sitz eines Monarchen, Fürsten o.ä.) steht, sondern ein zeitgenössisches Multifunktionsgebäude mit vornehmlich musealer Nutzung namens Humboldtforum. In diesem eben die ethnologischen Sammlungen. Insofern passt das Sanchi-Tor hier ganz besonders gut und unterstreicht den Anspruch des Gebäudes.

    Wer das nicht kapiert, lebt halt einfach ein Stück weit an der Realität vorbei. Aber dann sollte man sich zuhause im dunklen Zimmer vor dem Laptop/Computer seine eigene Welt schaffen und nicht die ganze Zeit nur motzen, wie doof alles ist (habe als Jugendlicher gerne Anno1602 gespielt, als ich so ne „Realität-ist-blöd-Phase“ hatte).
    Ich persönlich bin oft vor Ort und erfreue mich an den meisten Fassaden, Dekorationen, Nutzungen usw. (Nur die Ostfassade, die schau ich mir tatsächlich nicht an. Gibt ja auch an sich nichts zu sehen…)

  • Ich bin mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher, ob hier alle schon verstanden haben, dass hier eben kein Schloss (in seiner Funktion als Sitz eines Monarchen, Fürsten o.ä.) steht, sondern ein zeitgenössisches Multifunktionsgebäude mit vornehmlich musealer Nutzung namens Humboldtforum. In diesem eben die ethnologischen Sammlungen. Insofern passt das Sanchi-Tor hier ganz besonders gut und unterstreicht den Anspruch des Gebäudes.

    Wer das nicht kapiert, lebt halt einfach ein Stück weit an der Realität vorbei. Aber dann sollte man sich zuhause im dunklen Zimmer vor dem Laptop/Computer seine eigene Welt schaffen und nicht die ganze Zeit nur motzen, wie doof alles ist (habe als Jugendlicher gerne Anno1602 gespielt, als ich so ne „Realität-ist-blöd-Phase“ hatte).
    Ich persönlich bin oft vor Ort und erfreue mich an den meisten Fassaden, Dekorationen, Nutzungen usw. (Nur die Ostfassade, die schau ich mir tatsächlich nicht an. Gibt ja auch an sich nichts zu sehen…)

    Mein Reden. ich hab auch nichts gegen das Sanchi- Tor. Es ist ein zeitgenössisches Multifunktionsgebäude richtig. Ich freue mich auch an den Fassaden, aber ich hasse den Pfeil.


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  • ... nicht sicher, ob hier alle schon verstanden haben, dass hier eben kein Schloss (in seiner Funktion als Sitz eines Monarchen, Fürsten o.ä.) steht, sondern ein zeitgenössisches Multifunktionsgebäude mit ... musealer Nutzung namens Humboldtforum. In diesem eben die ethnologischen Sammlungen. Insofern passt das Sanchi-Tor hier ganz besonders gut und unterstreicht den Anspruch des Gebäudes. Wer das nicht kapiert, lebt halt einfach ein Stück weit an der Realität vorbei. Aber dann sollte man sich zuhause ...

    Alles ist Frage der Prioritäten. Wenn ein Demokrat ein Barockschloss wunderschön findet oder ein Atheist einen gothischen Dom bewundert, muss man nicht gleich Monarchist oder fromm werden. Natürlich ist das Humboldt-Forum ein Museum und rekonstruierter Funktionsbau, auch ohne rekonstruierten König. Die Gigantentreppe war voll aussagestarker Herrschaftssymbolik und ein prächtiges, einmaliges Kunstwerk. Auch Schlüters schwarze Adlerkammer oder ein anderer Saal wären mit erhaltenem Originalmobiliar räumlich begrenzte, am Ort perfekte Beispiele früherer europäischer Kultur. Wenn wir hier Kunst aus anderen Regionen der Welt zeigen, warum nicht integriert auch ein Beispiel des europäischen 18. Jahrhunderts? Das wäre passender als die im HF hineingequetschte Ausstellung "Berlin". Es war europäische Arroganz, die Kunst der Welt in "ethnologischen Museen" zu zeigen und sie so von der europäischen (höherwertigen???) Kultur zu trennen nach dem Prinzip: Europäische Kunst gegen ethnologische Kunst der "Naturvölker". Das Sanchi-Tor ist eine Rekonstruktion, passend zum ethnologischen Museum. Einverstanden. Dann zeigen wir doch auch in diesem Rahmen ethnologische Beispiele europäischer Kunstwerke, z. B. Rossebändiger und Neptunbrunnen, passend und integrativ zum Ethnologischen Museum. Es ist doch absurd, ein Museum für alte Kunst der Welt zu schaffen, mit Kunstwerken innen und außen zu füllen, ein indisches Sanchi-Tor als Beispiel der Platzkunst davor zu stellen und andererseits direkt daneben die erhaltenen wertvollsten Kunstwerke Berlins von ihrem Originalplatz entfernt zu halten, dort wo kein Museumsbesucher und kein Besucher der Stadt Berlin hingeht.

  • Mir war gar nicht bewusst, dass ... uns der rote Balkon oder die Leuchtanzeige hätte blühen können. Beides hätte auch die barocke Fassade massiv gestört. Der Pfeil ist das kleinste Übel...aber auch ein Übel. ... Geht da noch was?

    Als ein in derartigen Wettbewerben völlig ungeübter Amaturkünstler hätte ich die von der Jury so lobend hervorgehobene „minimalistische Einfachheit“ des Kunstwerks noch erheblich noch steigern können:

    ein Pfeil, steingrau, statt 3 m lang nur 30 cm lang und zur Hälfte weit unten in der Wand steckend. Damit hätte ich auch einen noch subtileren Eindruck erreicht und Chancen zumindest auf eine Anerkennung gehabt.

  • Es handelt sich wieder einmal um „Kunst am Bau“.

    Das gibt es auch am Stadtschloss in Potsdam mit dem Schriftzug „Dies ist kein Schloss“ oder mit den Pavillons die im Innenhof des Stadtschloss (Landtag).

    Braucht man nicht und kostet viel Steuergelder.

  • Wie wohl die Modernisten reagieren würden, wenn man verfremdende Elemente am rekonstruierten Barcelona-Pavillon von Mies anbrächte? Und das auch noch mit einem ähnlichen Worthülsen-Bla-Bla wie in der Wettbewerbsauslobung für das HuFo?

    Wer einer Halbwahrheit eine weitere Halbwahrheit hinzufügt, schafft keine ganze Wahrheit, sondern eine ganze Lüge.

  • Ich habe Franco Stella auf den Pfeil angesprochen, er war wohl selbst im Schiedsgericht. Er findet die Idee reizvoll und sieht in dem Pfeil keine Attacke auf seine Architektur, sondern eher ein Attribut Amors, das zugleich an eine Sonnenuhr erinnert.

    Wer einer Halbwahrheit eine weitere Halbwahrheit hinzufügt, schafft keine ganze Wahrheit, sondern eine ganze Lüge.

  • Na, dann können wir alle wieder ausatmen. Man mag den Pfeil nicht für die beste Lösung halten, aber eine Gestaltung dieser Wand erscheint mir noch immer als willkommene Aufwertung der Schlossfassaden. Mit Stellas Urheberrecht kollidiert er schon gar nicht.

  • Es ist ja nicht so, dass die Umgebung des Schlosses architektonisch oder kulturell oder historisch so berauschend wäre, dass man jeglicher Aufpeppung von vornherein kritisch gegenüberstehen müsste. Was mich jedoch vielleicht ein wenig (dh nicht allzu sehr) befremdet, ist die etwas kaltschnäuzig anmutende Mischung zwischen Surrealismus und Zynismus, mit der man ein kultisches Element einer völlig fremden Zivilisation hierhin sozusagen transloziert. Die Intention scheint mir klar: Man will den unerfreulichen Umstand, dass das Schloss letztlich nur eine neue Replik ist, auf lustige Weise überspielen, indem man dieses gleichfalls unechte Trumm sozusagen an seine Seite stellt, etwa nach dem Motto: schauts her Leutl, wir können alles, denn alles ist relativ. Mein Sinn für religiöse oder kulturelle oder was weiß ich-Toleranz etc ist ungefähr so ausgeprägt wie jener des großen Pius IX. (der Religionsfreiheit nur für nichtkatholische Gegenden postuliert, dh in katholischen Gegenden bekämpft hat), aber ich meine, auch ganz jenseits des Getues um kulturelle Aneignung, hier könnte man schon etwas netter und sensibler gegenüber der betroffenen Kultur sein. Wie wird das jemand sehen, der innerlich dran hängt? Man könnte sogar weitergehen und beklagen, dass auf diese Weise der Christus-Spruch über dem Kuppeltambour somit auch nur zum beziehungslosen "Zitat" wird. Das könnte man dagegen einwenden.

    Es ist ein gewisser Spagat. Vielleicht rührt eine gewisse leichte latente Abneigung auch daher, dass man für gewöhnlich mit derlei Exotizismen in Speiselokalen auf unzweifelhaft kitschige Weise konfrontiert wird, was eine Abwehrhaltung hervorrufen kann, die im gegenständlichen Fall wohl unangemessen ist. Fazit: Die Idee ist nicht ganz schlecht, aber bestehen gewisse geschmackliche und auch taktmäßige Einwendungen, aber davon geht die Welt ganz sicher nicht unter.

  • Jetzt, da der wunderschöne, die Fassade bereichernde Pfeil realisiert wird, bleibt dem gutmütigen Stella nichts anderes übrig als Ironie. Das Kunstwerk wird wenigstens nichts kaputt machen außer einem Loch im Stein.

    Oft frage ich mich bei moderner Kunst: Welches Ziel hat der Auslober des Wettbewerbs? Welches Motiv steht dahinter? wirkt die Wand ohne Kunst zu öde? Braucht die Wand oder der ganze Schlossbau Provokation, Kontrathese, oder nur Deko? Wer will warum wen belehren? zu Überlegungen zwingen? Offensichtlich hat Kunst oft keine eindeutige Zeigefunktion mehr wie Bedeutung, Erhabenheit, Aufrütteln, Nachdenken, keinen Anspruch auf Ästhetik, eher Minimalismus. Soll der Betrachter selbst draufkommen, was gemeint ist. Ihm bleibt oft nichts anderes übrig, als unverstandene Kunst achselzuckend und ironisch zu tolerieren. Lieber Franko Stella, hilf mir, entscheide dich, was reizt dich mehr: Sonnenuhr oder Amors Pfeil? Mein Herz hat der blöde Pfeil nicht bewegt.

  • Bauaesthet: Ich stimme Dir voll zu. Es geht hier genau wie in Potsdam um Belehrungen. In Berlin sogar um feindliche Angriffe. In Potsdam kann man sich über die Vervielfältigung von Sanssouci und dem Spruch an der Schlosswand lustig machen, in Berlin ist es ein regelrechter feindlicher Akt, obwohl man es auch so interpretieren könnte, dass sich der Täter gegen die Ostseite wendet.

    Nein, es ist sind unglaubliche großkotzige Gesten, einer überheblichen Clique, die meint in jeder Hinsicht etwas besseres zu sein.

    Aufatmen werde ich nicht, und die Schlossfassade wird durch diesen Primitivismus nur gestört.

  • Ich vermute fast auch, dass Stella gute Miene zum bösen Spiel gemacht hat, um selber aus der Schusslinie zu kommen.

    Wer einer Halbwahrheit eine weitere Halbwahrheit hinzufügt, schafft keine ganze Wahrheit, sondern eine ganze Lüge.

  • Kunstinstallationen als feindlicher Akt? Künstler als Täter? Das ist eine Wortwahl und ein Weltbild, das mich schaudern lässt. Können wir bitte mehrere Level verbal abrüsten!

  • Früher war Kunst etwas, was nur wenige konnten und alle mochten. Heute ist es häufig umgekehrt.

    Wissen allein bringt nichts. Nur das angewandte Wissen verändert die Dinge.

  • Kunstinstallationen als feindlicher Akt? Künstler als Täter? Das ist eine Wortwahl und ein Weltbild, das mich schaudern lässt. Können wir bitte mehrere Level verbal abrüsten!

    Vielleicht ist es ja weniger das Weltbild der Kritiker, das einen erschaudern lässt, als die Ideologie jener Aktivisten, die ihre Handlungen als Medium des politischen Kampfes missbrauchen und dies dann auch noch zur Kunst erklären. Schließlich sind es nicht Leute wie Der Kurfürst , die die Kunst politisieren.

    Wer einer Halbwahrheit eine weitere Halbwahrheit hinzufügt, schafft keine ganze Wahrheit, sondern eine ganze Lüge.

  • die ihre Handlungen als Medium des politischen Kampfes missbrauchen und dies dann auch noch zur Kunst erklären.

    Welcher politische Kampf wird denn hier ausgetragen und welche politische Botschaft wird denn hier konkret mit diesem Wettbewerb auf die Welt losgelassen? Und wer sind denn hier die politischen Aktivisten? Die federführende Stiftung Humboldt Forum? Ich kann da keinerlei politische Botschaft erkennen, die kommuniziert wird. Und inwiefern werden die Künstler dabei Täter in einem feindlichen Akt (wer ist hier das Opfer und wer die Feinde)?