• Es ist ja nun wirklich nicht so, dass ich – oder andere – tagein, tagaus nur über das Dachcafé oder womöglich unvorteilhaft platzierte Photovoltaik-Anlagen nachdenke. Im Gegenteil: Ich bin in erster Linie dankbar, dass das Berliner Schloss überhaupt in dieser Form zurückgekehrt ist. Das allein ist ein großer Erfolg – vor allem für all jene, die sich über Jahre engagiert haben und die in der Rekonstruktion etwas Positives sehen.

    Aber genau deshalb kommt es jetzt eben auch darauf an, wie sensibel man mit dem Bau umgeht – oder eben nicht. Manche Entscheidungen hinterlassen einen faden Beigeschmack. Das muss nicht einmal aus Böswilligkeit oder Absicht geschehen. Oft ist es einfach nur ein Mangel an Feingefühl. Aber Irritation, Verwunderung oder Unverständnis bleiben eben doch zurück.

    Und trotzdem: Ich kann mich an den Fassaden und den Figuren aufrichtig erfreuen. Aber wenn dann wieder Nachrichten auftauchen, die den eigenen Überzeugungen widersprechen, darf man sich doch auch mal kritisch äußern. Und das geht sowohl den Befürwortern als auch den Gegnern so.

  • Auch die Rossebändiger (RB) werden aus Denkmal-Sicht grundlegend falsch behandelt: Die von Peter Clodt von Jürgensburg geschaffene Doppelskulptur stand ursprünglich an einer Brücke in St. Petersburg. Ihre Kopien wurden ein Geschenk das Zaren Nikolaus II an König F. Wilhelm IV als Symbol russisch-preußischer Waffen-brüderschaft im Krieg gegen Napoleon. Alexander v. Humboldt bewunderte begeistert den repräsentativen Standort in Berlin, ausgesucht von F. W II. Hier stehen die Skulpturn flankierend rechts und links vor Portal IV und für die Besucherströme weithin sichtbar in direkter Sichtachse von Unter den Linden. Später platzierte K. F. Schinkel die Rossebändiger Castor und Pollux als Pendent gegenüber auf dem Alten Museum. Auch die Amazone von August Kiss und der Löwenkämpfer von Christian Wolff wurden Teil dieses Skulpturenensembles. Da das Schloss 1945 zerbombt war, wurden die RB auf Befehl von Stadtkommandant Nikolai Bersarin in den Kleistpark versetzt - als „Zufluchtsort“, damals verständlich entschieden. Aufmarschplatz und Palast der Republik verhinderten lange eine Rückkehr der RB aus ihrem einsamen, abgelegenen Exil. Während der Rekonstruktion des Schlossbaus als Humboldtforum verhinderte Bauhaus-Schülerin und Stadtbaudirektorin Frau Regula Lüscher die Rückversetzung der RB mit dem sehr merkwürdigen Argument, man wolle auf dem neuen Schloßplatz kein "Freilandmusum". Der Platz bleibt bis heute schmucklos. Ausnahme: Kopie des indischen Sanchi Tores.

    Da nun das Ensemble Lustgarten rundum wiedererstanden ist, wäre es logisch, ja zwingend, die Originale (!) RB an ihren bedeutenden Originalplatz zurückzustellen. Der Standpunkt des Denkmalamtes, die Skulpturen hätten im Kleistpark „inzwischen eine konstitutive Rolle gewonnen“, missachtet die hohe künstlerische, städtebauliche und historische Bedeutung der Kunstwerke.
    Man stelle sich vor, ein Museum gerät in Brand. Ein wertvoller Rubens wird in ein entferntes Gebäude gerettet und dort gesichert abgestellt. Nach vielen Jahren wird das Museum saniert. Kunstbanausen entscheiden, dass der Rubens in dem abgelegenen Ausweichraum „inzwischen eine konstitutive Rolle eingenommen habe und dort als sichtbare "Zeitschicht" bleiben solle“.
    Wie kann man verstehen, wie wenig wertschätzend Berlin mit seinen hochrangigsten Kunstwerken umgeht?

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    Der römische Senator Cato sagte immer wieder: Cartaginem esse delendam!
    Ich sage immer wieder: Rossebändiger und Neptunbrunnen gehören zurück!

  • Hans-Dieter Hegner sagt im Tagesspiegel, der Bau war "etwas" vergleichbar mit dem BER. Wie kann das sein? Mir sind gar keine Kostenüberschreitungen oder Bauverzögerungen aufgefallen. Hat jemand Informationen dazu?

    Er hat lediglich etwas aufgegriffen, was andere ihm damals, also vor neun Jahren (!) prophezeiten:

    "2016, als ich zu diesem Objekt gekommen bin, hieß es, das sei der BER 2.0, Bauverzug und höhere Kosten und was weiß ich was alles. Da hatte Berlin den Plan gerade geändert: Zentral- und Landesbibliothek raus, dafür das Stadtmuseum hinein."

    Damit macht er deutlich, wie stolz er auf die Leistung ist, dass es eben kein BER wurde. Und ich finde, dafür kann man den Fachleuten, die diesen Bau realisiert haben, auch wirklich dankbar sein.

    Verzögerungen und Mehrkosten gab es übrigens trotzdem: "Im Projektverlauf stiegen die Kosten wegen baulicher Verzögerungen und technischer Mängel von 595 Millionen Euro auf schließlich 677 Millionen Euro", heißt es auf Wikipedia. Durchaus verträglich bei dieser Größenordnung. Es kann ja nicht jeder so ein Musterschüler sein wie die Sachsen mit ihrem Dresdner Residenzschloss. :P

    Im Übrigen beschreibt Hegner es als "einmalige Aufgabe und auch ein Höhepunkt" seiner Arbeit, die "größte barocke Fassade nördlich der Alpen mit fast 3000 figürlichen Darstellungen" mit Qualität und gutem Produktionsfluss mit errichtet zu haben und spricht von einem "schönen Haus".

  • Warum eigentlich nicht? Insofern diese Anlage vom Betrachterstandpunkt - davon gehe ich aus - nicht sichtbar ist, sehe ich nur positive Auswirkungen. Die Betriebskostenersparnis durch die Energiegewinnung dürfte enorm sein.

    Ob man den Solarkram wirklich nicht sehen kann ist noch völlig offen. Hinsichtlich der Energiebilanz bringen die Solarmodule, wie in vielen Teilen Deutschlands, nahezu nichts. Statistisch regnet es Berlin jeden zweiten Tag, die Sonnenstunden sind selbst im Sommerhalbjahr überschaubar und damit hinsichtlich Energiebilanz kläglich. Aber wir wissen ja, der Zeitgeist sieht nicht gerne kritische Anmerkungen.

    Klima Berlin - Jahresüberblick - Wetter24.de

  • Hinsichtlich der Energiebilanz bringen die Solarmodule, wie in vielen Teilen Deutschlands, nahezu nichts.

    Wir haben allein mit zwei Panels unseren Energiebedarf erheblich senken können. Und das gilt natürlich auch für jeden anderen Hauseigentümer oder Mieter, der sich dafür entscheidet. Die Teile sind aus gutem Grund so beliebt, weil enorm effizient. Das Humboldt Forum wird dies sicherlich durchkalkulieren.

  • Weil über das Café ja immer so viel gemeckert wird (mir gefällt es auch nicht), hier der Hinweis zur Genese:

    "Das Dachrestaurant als flacher, aber vom Lustgarten sicherbarer Pavillon neben der Kuppel war zunächst ebenfalls nicht vorgesehen gewesen. Die zwei Dachaufbauten der großen Aufzugsmaschinenhäuser seitlich der Zentralen Treppenhalle machten aber Überlegungen erforderlich, wie denn eine Verkleidung bzw. Umbauung gelingen könnte. Schließlich kam man auf die Idee mit dem Restaurant und beauftragte hierfür erneut Franco Stella."

    BAUWELT - Kritik zum Stadtschloss Berlin

    Das macht es auch nicht besser !!

  • Ein wertvoller Rubens wird in ein entferntes Gebäude gerettet und dort gesichert abgestellt. Nach vielen Jahren wird das Museum saniert. Kunstbanausen entscheiden, dass der Rubens in dem abgelegenen Ausweichraum „inzwischen eine konstitutive Rolle eingenommen habe und dort als sichtbare "Zeitschicht" bleiben solle“.

    Ist das nicht der übliche Lauf der Geschichte? Wird nicht ganz ähnlich argumentiert, weshalb die einst aus dem Sand "gerettete" Nofretete in Berlin bleiben soll, obwohl die Ägypter inzwischen ein brandneues, fantastisches Museum für ihre Kultur haben? Vergleichbare Beispiele gibt es doch in Masse. Es wäre natürlich toll, wenn das Merseburger Spiegelkabinett wieder in Merseburg zu sehen wäre (nicht in Berlin) oder Feiningers Halle-Serie in der Moritzburg in Halle (wo sie entstanden ist). Aber einen Automatismus gibt es da eben nicht.

    Im Fall der Rossebändiger wäre eine Rückführung - gegen den Willen von Bezirk und Landesdenkmalamt - dennoch einfacher und ihr gegenwärtiger Standort scheint auch mir ihrer Bedeutung nicht angemessen. Der Neptunbrunnen hat hingegen heute einen bedeutsamen Standort. Auch ich finde den Brunnen-Standort vor den Schlossfassaden geeigneter und es ist auch nicht ausgeschlossen, dass der Verein dies noch erwirkt. Allerdings sieht es zu Zeit nicht danach aus. Wenn dort ein gelungener neuer Brunnen entsteht, kann man das als eine der üblichen Wirrungen der Geschichte verbuchen, mit denen jeder Kunstliebhaber leben muss, die oft auch spannende neue Beziehungen ergeben und zu neuen Blickwinkeln herausfordern.

    Auch bei diesem Fall wäre so oder so etwas mehr Gelassenheit angenehm. Du hast doch nun schon in hunderten Kommentaren begründet, warum du eine Rückversetzung gut finden würdest. Die Chancen dafür werden nicht besser, wenn auf Seite 336 dieses Stranges noch einmal das Gleiche gesagt wird.

  • Es hängt eben alles vom politischen Willen ab. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg!

    Wissen allein bringt nichts. Nur das angewandte Wissen verändert die Dinge.

  • Im Fall der Rossebändiger wäre eine Rückführung - gegen den Willen ... einfacher. Der Neptunbrunnen hat hingegen heute einen bedeutsamen Standort. ... Wenn dort ein gelungener neuer Brunnen entsteht, ... Auch bei diesem Fall wäre so oder so etwas mehr Gelassenheit angenehm. Du hast doch nun schon in hunderten Kommentaren begründet

    Danke für deine ausführliche Antwort und deine Sorge um meine Gesundheit. Ich bin absolut gelassen, machmal eben auch gründlich. Ja, ich gehe oft (< 20mal) auf das Thema Rückführung NB und RB ein. Aber immer nur als Stellungnahme oder Antwort in Themen, die ich für wichtig halte und wenn in unserem Strang dazu Meinungen auftreten, wo ich Klärungsbedarf sehe. Auch, wenn ich Begründungen der zuständigen Bürokratie für nicht überzeugend oder für falsch halte. Unterschiedliche Meinungen sind Chancen zum Lernen. Ich habe in diesem Strang viel gelernt, wenn man Themen vertieft, mit anderen Teilnehmern begründet und beleuchtet. Dadurch entsteht natürlich der Eindruck von Wiederholungen.
    Beispiel NB: Der Standort Im Schnittpunkt Rathaus - Fernsehturm war damals an prominenter Stelle auf der Staatsachse richtig. Man hat sich daran gewöhnt. Unter heutigen Bedingungen ist der Standort falsch: städtebaulich (modernes, großflächiges Umfeld), künstlerisch (relativ zu klein, Barock), Empfindlichkeit (Abenteuerspielplatz, Demos, Schädigungen), authentischer Platz Portal II, größerer, stabiler, moderner Brunnen auf Rathaus Forum. Ich habe keine vernünftigen, stichhaltigen Gegenargumente gehört, weder vom Senat noch vom Landesdenkmalamt. Frau Kahlfeldt meint nur, man wird das "Umfeld ansprechend schön gestalten").

    Die zuständigen Behörden argumentieren nicht. Sie nehmen ihre Aufgabe hinhaltend, passiv, ausweichend und bequem wahr. Sie haben keinen Mut, konsequent zu entscheiden. Das reicht für mich als Demokrat nicht aus.

  • Könnte mal jemand einige Aufnahmen von der Lustgartenseite des Schlosses machen und zwar von der Treppe zum Alten Museum aus: jeweils eines mit der Amazone und eines mit dem Löwenkämpfer samt Lustgarten und Schloss und eines ohne die beiden Statuen, ebenfalls mit dem Lustgarten und,Schloss.

    Ich komme wahrscheinlich nicht mehr hin und würde mich sehr freuen!

    Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen,

    Daß er, kräftig genährt, danken für Alles lern‘,

    Und verstehe die Freiheit,


    Aufzubrechen, wohin er will.


    Hölderlin

  • Ich frage mich, wo die Solarpanels eigentlich angebracht werden sollen? Doch nur auf dem schrägen Kupferdach. Und das sieht man bereits von überall. Wäre das Schloss ein Flachdachbau, könnte man die Panels eventuell so zurücksetzen, dass man sie von der Straße aus nicht sieht. Aber diese Möglichkeit ist nicht gegeben.
    Wir werden also eine ästhetische Einbuße haben, die durch die Eniergieeinsparung keineswegs wettgemacht wird. Wie mir scheint, geht es wieder einmal um Ideologie. Mit dem Argument des sogenannten Klimaschutzes wird das barocke Erscheinungsbild des Schlosses weiter geschmälert.

    Wer einer Halbwahrheit eine weitere Halbwahrheit hinzufügt, schafft keine ganze Wahrheit, sondern eine ganze Lüge.

  • Doch nur auf dem schrägen Kupferdach.

    Ist das nicht ein vergleichbares Dach wie beim Reichstag? Zumindest da ist mir die Solaranlage noch nie aufgefallen.

    "Das Dachrestaurant als flacher, aber vom Lustgarten sicherbarer Pavillon neben der Kuppel war zunächst ebenfalls nicht vorgesehen gewesen. Die zwei Dachaufbauten der großen Aufzugsmaschinenhäuser seitlich der Zentralen Treppenhalle machten aber Überlegungen erforderlich, wie denn eine Verkleidung bzw. Umbauung gelingen könnte. Schließlich kam man auf die Idee mit dem Restaurant und beauftragte hierfür erneut Franco Stella."

    Man hätte hydraulische Aufzüge wählen können, die benötigten m. E. keinen großen Kopfraum am Ende des Schachts.

  • Ist das nicht ein vergleichbares Dach wie beim Reichstag? Zumindest da ist mir die Solaranlage noch nie aufgefallen.

    Das Reichstagsdach habe ich vom Boden aus noch nie gesehen, das vom Schloss hingegen schon.

    Wer einer Halbwahrheit eine weitere Halbwahrheit hinzufügt, schafft keine ganze Wahrheit, sondern eine ganze Lüge.

  • Könnte mal jemand einige Aufnahmen von der Lustgartenseite des Schlosses machen und zwar von der Treppe zum Alten Museum aus: jeweils eines mit der Amazone und eines mit dem Löwenkämpfer samt Lustgarten und Schloss und eines ohne die beiden Statuen, ebenfalls mit dem Lustgarten und,Schloss.

    Ich komme wahrscheinlich nicht mehr hin und würde mich sehr freuen!

  • lieber Konstantindegeer, vielen Dank!

    Ich habe aber leider vergessen hinzuschreiben, dass ich das Schloss nach seiner ÄUSSERLICHEN VOLLENDUNG meine, also mit den Balustradenfiguren!

    Vielleicht kannst Du oder sonst jemand diese drei Aufnahmen mal machen: Das fertige Schloss einmal mit Löwenjäger, einmal mit der Amazone und einmal nur den Lustgarten und das Schloss als Abschluss.

    Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen,

    Daß er, kräftig genährt, danken für Alles lern‘,

    Und verstehe die Freiheit,


    Aufzubrechen, wohin er will.


    Hölderlin