• Hier ist der von Johan Maurits erwähnte und am 1. März 2025 in diesem Strang veröffentlichte Bericht von Georg Pniower zu den Arbeiten im Kleistpark - Klick.

    Pniower berichtet, dass er die Umgestaltung des Kleistparks im Juli 1945 innerhalb weniger Tage planen und umsetzen musste. Bauleitung hatten die "US Headquarters" bzw. das "örtliche Truppenkommando" (S. 11, rechte Spalte). Unterstützt wurden die Arbeiten von Briten und Russen.

    Johan Maurits hat merhfach im Forum geschrieben, Pniower habe im Auftrag der Briten gehandelt. Das ist nicht richtig, wie der von ihm selbst vermittelte Bericht Pniowers belegt.

    Oh sorry, dann waren des die Amis, quel malheur. Das hatte ich offenbar wegen der Bauaufgabe "distinguished foreground" in meinem Gedächtnis falsch eingeordnet. Da Schöneberg US-Sektor war, macht das auch Sinn.

    Inhaltlich ändert das an meiner Kritik wenig: die Kernunterstellung von Bauästet war war, dies sei alles von den Sowjets angestiftete sozialistische Zwangsgestaltung ohne Wert. Dies ist und bleibt Unsinn und ein tumber politischer Reflex.

    Natürlich kann man einfach erklären, dass frühere Zeitschichten "ohne Wert" seien. Eine inhaltliche Auseinandersetzung ist mit derartiger Rumrotzerei nicht verbunden und somit gehören solche Beiträge kaum in ein Architekturforum. Die Vorstellung alles rückgängig machen zu wollen, was zwischen 1945 und 1990 passiert ist (vielleicht auch zwischen 1990 und 2025?) ist abseitig und führt auch argumentativ nirgendwo hin, es sei denn man möchte sich als kulturpessimistische Waldorf & Statler der Architektur betätigen.

  • ad Schlossaneignung

    Peinlich seinen Namen unter ein Pressestatement zu setzen, das nicht nur Tippfehler enthält. Auch wird mal wieder offen zur Schau getragen, dass man den Wert von Historie lediglich oberflächlich anerkennt. Was vermeintlich daher kommt als Forderung, die Geschichte in ihrer Gänze aufzuzeigen, ist eigentlich der Wille höchst selektiv kurze Zeitepochen überzubetonen. Das Stadtschloss wäre dieses Jahr 582 Jahre alt geworden. Stattdessen möchte man die Vernichtung und Umdeutung dieser Historie durch eine (kurzlebige) Diktatur aufwerten und letztlich die Zerstörung verstetigen. Natürlich waren die beiden Diktaturen enorm prägend für Deutschland und vor allem Berlin, weshalb eine reine Zeitdauerbeurteilung scheitern muss. Sie ist aber eben auch nicht völlig irrelevant, wie es die Unterzeichner hier darstellen.
    Zumal es anders als in anderen Nationen faktisch keine Verdrängung dieser dunklen Zeitepochen gibt, wie in dem Text aber behauptet wird. Tatsächlich existieren parallel mehrere Ausstellungen zu diesen Epochen auf der Museumsinsel und im Humboldt Lab, sodass von einer „Verdrängung“ nicht die Rede sein kann. Die modernen Fassadenelemente am Schloss laden dazu ein sich auseinander zu setzen zur Entstehungsgeschichte.
    Grundsätzlich stellt sich mir die Frage, wie viel bürgerliche Teilhabe darüberhinaus in einem Projekt stecken muss, das in seiner Gestalt von den Bürgern in freiwilliger Abgabe finanziert wurde. Das sich zum neuen weiteren Wahrzeichen der Stadt bereits entwickelt. Fehlt da ernsthaft die Identifikationsrolle, wie unterstellt?

    Wenn man tiefer einsteigt - und da greife ich nur einen (recht beleidigt wirkenden) Vorwurf heraus - findet man noch viel mehr dieser sehr eigenwilligen Deutungen:

    Im Zusammenhang mit der (vermeintlich ignorierten) Schlossaneignungspetition und dem Fassadenwettbewerb der Humboldt Stiftung werden schwerwiegende Vorwürfe geäußert. Es ginge beim Wettbewerb um eine „oberflächliche Eventisierung“. Tatsächlich war es ein offener, anonymer und kuratierter Wettbewerb mit internationaler Jury und klarer Programmatik. Dass mit der Petition das eigene „Ideenangebot ignoriert“ worden wäre, ist nicht nur insofern falsch, dass es ja noch im Bundestag geprüft wird, sondern dass der Wettbewerb explizit die Frage der Repräsentation und Fassade aufgriff. Dem Wettbewerb mangelnde Substanz zu bescheinigen, untergräbt das nicht die eigene Programmatik? Der Siegerentwurf thematisiert Kolonialgeschichte, Ambivalenz und Brüche – also substanzielle Inhalte/Forderungen der Schlossaneignungsinitiative. Ist das nun nicht genehm, weil man nicht selbst die Sache in der Hand hatte?

  • Bald soll das Restaurant "Wilhelm" im Stadtschloss eröffnen, vor kurzem hat das Café "Alexander" eröffnet:

    Link 1:
    Berlin: Sodexo eröffnet Café-Bistro Alexander im Humboldt Forum

    Link 2:

    Sodexo eröffnet Café-Bistro „Alexander“ im Humboldt Forum in Berlin
    Mit dem Humboldt Forum in der Mitte Berlins, erweitert Sodexo sein kulinarisches Angebot. Seit Kurzem betreibt das Unternehmen das neue Café-Bistro „Alexander“…
    www.tageskarte.io
  • Bald soll das Restaurant "Wilhelm" im Stadtschloss eröffnen, vor kurzem hat das Café "Alexander" eröffnet

    Das Vorgänger-Restaurant hatte eine sehr gute Küche mit klassischen deutschen und französischen Gerichten, wurde aber recht schlecht besucht und daher geschlossen. Man darf gespannt sein, mit welchem Konzept man nun versucht Kundschaft zu gewinnen. Die "offene Küche" wird sicher den Laden rocken..

  • ... wurde aber recht schlecht besucht

    Kein Wunder, bei der Hetze gegen das Berliner Schloss hat sich keiner getraut unter dieser Adresse Gäste zu empfangen. Nicht einmal die Mitarbeiter des Humboldtforums haben dort Weihnachtsfeiern oder ähnliches abgehalten.

  • Ich bin verwirrt, die Restaurants sind nicht dieselben, bzw. an verschiedenen Orten:

    Also wird das Bistro Alexander neu eröffnet und das Restaurant Wilhelm mit der deutsch-französischen Küche, das Maecenas meinte, hat vorübergehend geschlossen?

    Restaurants des Humbodt Forums

    "Moderne Architektur heißt seit über 50 Jahren: Rechtwinklig, weiß, kahl, leer, gebaut von immer schwarzgekleideten Architekten."

    -Gerhard Kocher

  • Gemeint ist weder das Restaurant auf dem Dach noch das Bistro "Lebenswelten", beide laufen gut. Es geht um das Restaurant am Schlüterhof bzw. im südlichen Ostflügel, das bisher "Wilhelm Alexander" hieß.

  • Das scheinen aber zwei Verschiedene zu sein, ein Restaurant und ein Cafe, auch wenn sie nebeneinander liegen.

    Also Neueröffnung von Cafe Alexander und Wiedereröffnung von Restaurant Wilhelm.

    Falls jemand im Alexander vorbeikommt, dort scheinen einige Teller ausgestellt zu sein. Doch nicht etwa aus der Kaiserzeit?

    "Moderne Architektur heißt seit über 50 Jahren: Rechtwinklig, weiß, kahl, leer, gebaut von immer schwarzgekleideten Architekten."

    -Gerhard Kocher

  • Eigentlich alles wie bisher. Zwei Restaurants in einem großen Raum, die durch Wände und Topfpflanzen voneinander getrennt sind. Eines davon für Häppchen und Bistro, das andere a la Carte.

  • Ich bin froh, dass sie zurück sind. Mal zur Abwechslung zwei neue sehr wertig gestaltete, mondäne gastronomische Betriebe. Es ist ein Jammer, dass sich sowas scheinbar nicht so recht in Berlin rentiert.
    Nun ist natürlich die Frage, warum sie praktisch genau so wiedereröffnen, wie die Vorgänger, die schließen mussten. Was machen sie jetzt anders, um mehr Erfolg zu haben?
    Wie aber schon ein anderer Forist meinte: Vielleicht macht es schon mal viel aus, wenn das Schloss/HF mal nicht in einem Stück in den Medien zerrissen wird, noch dazu von den eignen Leuten. Was sich die Stiftung HF unter Roth in den ersten Jahren ihres Bestehens geleistet hat, war wirklich eines der größtmöglichen Eigentore. Man fackelt doch nicht das Haus ab, in dem arbeitet, Gäste empfangen und Geld machen will.

  • Das ist - pardon - Unsinn. Den Entwurf für den Kleistpark hat 1946 Prof. Georg Pniower im Auftrag der Briten gefertigt und umgesetzt. Ich hatte Pniowers Text hierzu hier schon gepostet.

    Und der ehem. DDR-Staatsachse Fernsehturm - Neptunbrunnen - Rentnerdenkmal-Palast der Republik den Gestaltungswillen abzusprechen ist ebenso behender Quatsch: natürlich ist das eine hochsymbolische Komposition. Das Ignorieren der Geschichte vor 1945 an diesem Ort war ja Staatsdoktrin, allerdings ist dem größtenteils Zerstörten auch etwas kraftvolles entgegengesetzt worden. Ob man das mag oder nicht.

    Johan Maurits an anderer Stelle:

    "die Kernunterstellung von Bauästet war, dies sei alles von den Sowjets angestiftete sozialistische Zwangsgestaltung ohne Wert. Dies ist und bleibt Unsinn und ein tumber politischer Reflex."


    Lieber Johan Maurits, zur Richtigstellung:

    Am 28. April 1945 wurde Nikola Bersarin von Marschall Schukow zum sowjetischen Stadtkommandanten in Berlin ernannt. Nach den Quellen wurden die Rossebändiger 1945 im Lustgarten gesichert. Sie "gelangten im Juni 1945 in den Kleistpark". Zu diesem Zeitpunkt gab es nur den sowjetischen Stadtkommandanten Bersarin. Er starb am 16.6.45. Erster amerikanischer Stadtkommandant war Gen.-Maj. Floyd L. Parks ab 4. Juli 1945, erster britischer Stadtkommandant war Gen.-Maj. Lewis Lyne ab 11. Juli 1945. Diese haben sich vielleicht um die Versetzung bemüht, aber als einziger und zuständiger Stadtkommandant verfügte Bersarin die Versetzung von Mitte zum Kleistpark noch vor seinem Tode.

    Selbst der beauftragte Gartengestalter Prof. Pniower war schon damals der Meinung, dass an dem Ort "die Rossebändiger zu klein und nur ein Notbehelf sind". Das wird vom Landesdenkmalamt heute ignoriert.

    Die ehemalige DDR-Staatsachse hatte sicher einen „Gestaltungswillen“, den spreche ich nicht ab. Die „hochsymbolische Komposition und die Staatsdoktrin der DDR“, die nicht nur die Nazi-Zeit, sondern die gesamte deutsche „Geschichte vor 1945 an diesem Ort ignorierte“, und was sie wie dem „an Kraftvollem“ entgegensetzte, das kritisiere ich allerdings. Konkret habe ich aber lediglich bemängelt, dass dieser neobarocke, filigrane Brunnen von Begas nicht an der Stelle in die "ignorante" übergroß dimensionierte Attitüde der sozialistischen Staatsachse passt. Dabei bleibe ich.

    Deine Behauptung, ich hätte gesagt, "das sei eine von den Sowjets angestiftete sozialistische Zwangsgestaltung ohne Wert". ist eine falsche und böse Unterstellung. Das habe ich nie gesagt.

    Wie auch immer - du solltest meine Meinung nicht voreilig und überheblich als „Unsinn und behenden Quatsch“ oder an anderer Stelle als "Unsinn und ein tumber politischer Reflex" abqualifizieren.
    Dieser Sprach- und Umgangsstil passt nicht in unser Forum!

  • Bersarin, der am 16. Juni 1945 ums Leben kam, hatte mit der Umsetzung der Rossebändiger nichts zu tun.:

    Pniower berichtet, dass er die Umgestaltung des Kleistparks im Juli 1945 innerhalb weniger Tage planen und umsetzen musste. Bauleitung hatten die "US Headquarters" bzw. das "örtliche Truppenkommando" (S. 11, rechte Spalte). Unterstützt wurden die Arbeiten von Briten und Russen.

    Pniower schreibt, der neue Kleistpark sei bereits Ende des Jahres 1945 im wesentlichen fertiggestellt worden (S. 12 in dem Dokument). Hier muss ich mich korrigieren (ich hatte den Text gestern nur überflogen, um schnell antworten zu können). Die Neugestaltung des Kleistparks war nicht innerhalb weniger Tage abgeschlossen, sondern bis Ende des Jahres, was auch eine kurze Zeitspanne war. Die Rossebändiger standen bis zu iihrem Transfer, der in die zweite Hälfte des Jahres 1945 zu datieren ist, im Lustgarten, am ursprünglichen Standort.

    Selbst der beauftragte Gartengestalter Prof. Pniower war schon damals der Meinung, dass an dem Ort "die Rossebändiger zu klein und nur ein Notbehelf sind".

    Das schreibt Pniower gar nicht. Die Angabe "zu klein und nur ein Notbehelf" bezieht sich auf eina andere Bronze.

    Pniower, S. 12, rechte Spalte:
    Die Bronze (Engel vom Berliner Schloß) im Gartenhof ist zu klein und nur ein Notbehelf:

    Pniower, S. 12, rechte Spalte:
    Die großen Erzgruppen zu beiden Seiten des Hauptgebäudes standen auf der Terrasse an der Lustgartenseite des Berliner Schlosses. Ihre Überführung nach dem Kleistpark bereitete einige Schwierigkeiten.

    Pniower äußert sich dann zu den Schwierigkeiten. Er macht aber keine Angaben zur Wirkung der Rossebändiger im Kleistpark. Hier hat Johan Maurits geschlampert.

    Zur allgemeinen Information: Geschichte ist eine Wissenschaft. Historiker arbeiten mit Quellen. Diese werden genau gelesen. Verfälschende Interpretation ist nicht zulässig.

    Insgesamt beurteilt Pniower sein gartengestalterisches Werk im Kleistpark positiv.

    Quelle: Georg Pniower, Rund um den Kleistpark. In: Garten und Landschaft. Hefte der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftspflege, 60. Jahrgang, Mai 1950, Heft 5, S. 5-12

  • ^ Die Namen der Stadtkommandanten spielen keine Rolle. Entscheidend ist, dass die Gestaltung des Kleistparks in seiner heutigen Form von den Westalliierten in Auftrag gegeben wurde und nicht von den bösen Russen - wie in deiner ursprünglichen Suada dargestellt.

    Was die DDR-Staatsachse betrifft ist es doch völlig irrelevant ob etwas "passt" oder nicht. Der Staat und die Denkmalpflege sind nicht dafür zuständig die gebaute Deutsche Geschichte zu korrigieren und dir einen widerspruchsfreien Spaziergang durch die Berliner Mitte zu ermöglichen.

    Der Auftrag der Denkmalpflege ist historisch für ihre Zeit bedeutsame Zeugnisse im Original zu erhalten - hierzu gehört die Staatsachse zweifelsfrei. Im Sinne der radikalen Moderne der 1970er-Jahre "passt" der Kontrast zwischen Neubauten und historischen Bauten auch wunderbar, weil er der Gestaltung so an historischer Legitimität verleiht. Die Rückversetzer des Drachentöters in den nicht mehr vorhandenen Eosanderhof wollen ja genau das gleiche tun.

    Wenn du natürlich die Grundlagen der Denkmalschutzgesetzgebung seit Dehio grundsätzlich in Frage stellst, ist das eben Stammtischgerede und behender Quatsch - jedenfalls weit von irgendeiner sachlichen, fachlich fundierten Debatte entfernt.

  • Die Angabe "zu klein und nur ein Notbehelf" bezieht sich auf eine andere Bronze.

    Pniower, S. 12, rechte Spalte:
    Die Bronze (Engel vom Berliner Schloß) im Gartenhof ist zu klein und nur ein Notbehelf:

    Es müsste sich um diese Figur handeln.

    Berlin-Kleistpark-Genius-mit-Fackel-02.05.2008-Axel-Mauruszat-BY20---1.jpg
    Berlin, Kleistpark, Genius mit Fackel (Foto: Axel Mauruszat, 2. Mai 2008, CC-BY-2.0)

    Berlin-Kleistpark-Genius-mit-Fackel-02.05.2008-Axel-Mauruszat-BY20---2.jpg
    Kleistpark, Genius mit Fackel (Foto: Axel Mauruszat, 2. Mai 2008, CC-BY-2.0)

    Berlin-Kleistpark-Genius-mit-Fackel-21.05.2015-OTFW-SA30---3.jpg
    (Foto: OTFW, 21. Mai 2015, CC-BY-SA-3.0)

    Berlin-Kleistpark-Genius-mit-Fackel-21.11.2008-Dirk-Ingo-Franke-SA20---4.jpg
    (Foto: Dirk Ingo Franke, 21. November 2008, CC-BY-SA-2.0)

    Dieser Genius stammt vom Reiterstandbild Friedrich Wilhelms III., geschaffen von Albert Wolff und 1876 aufgestellt. Das Reiterdenkmal stand am Rande des Lustgartens und wurde im Krieg zerstört. Der heutige Standort des Genius ist im Gartenplan von Pniower eingezeichnet. Die weiteren Abbildungen sind auf der Fotokopie schlecht zu erkennen, zeigen aber einen Sockel mit Figur, die in wesentlichen Punkten dem heutigen Stand entsprechen. Pniower schreibt, dass Kunstobjekte aus den Trümmern geborgen und für den Kleistpark verwendet wurden. Ich gehe daher davon aus, dass sich seine Äußerung auf dieses Objekt bezieht.

    Die auf einem Steinsockel in der Mittelachse der Königskolonnaden aufgestellte Plastik Genius des Geistes ist eine von insgesamt drei erhaltenen Nebenfiguren des im Zweiten Weltkrieg beschädigten und danach zerstörten Reiterstandbilds Friedrich Wilhelms III. von Albert Wolff im Lustgarten.

    Laut dem Wiki-Artikel zum Reiterstandbild soll der Genius erst 1980 in den Kleistpark gekommen sein. Das ist aber nicht plausibel.

  • ^ Genau. An den Zitaten von Pniower, die Rastrelli aus meinem PDF m. E. völlig zurecht zitiert, sieht man, dass selbst der bekannte Schöpfer der Gartenanlage die Komposition als unzulänglich begriff.

    Auch deshalb ist der Denkmalwert dieser Anlage diskutabel. Eine besonders zeittypische Gestaltung ist nicht erkennbar. Wie auch: die Aufgabe von Pniower war der "distingushed Playground". und kein künftiges Baudenkmal der Moderne. Ich glaube fast, dass die Denkmalpflege hier deshalb nicht loslassen kann, weil eigentlich eine völlige Neugestaltung der Grundanlage notwendig ist (auch wegen der veränderten Sozialstruktur der Anwohner), was aber mit hohen Kosten verbunden wäre.

    Die Proportionen sind auch durch den Abriß des Turmes empfindlich gestört. Der Bau wurde ja als brandenburgisches Oberlandesgericht errichtet (das Kammergericht war in der Lindenstraße, heute Jüdisches Museum). Während der NS-Zeit tagte der berüchtigte Volksgerichtshof im Haus. Mit dem 1945 abgerissenen Turm wurde nochmal die gesamte Fassade in eine ästhetische Schieflage gebracht:

    Kammergericht_Berlin_Risalit.jpg



  • Ich denke, es geht im Wesentlichen darum zu verhindern, dass die Schlossumgebung, inkl. Unter den Linden dem historischen Vorbild entsprechend gestaltet wird. Nur deshalb wird hier ein Denkmal herbeigeredet.

  • @Kurfürst

    Es fällt mir schwer, das zu glauben. Es wären zwei Verstöße der gewählten Verwaltung: 1. gegen die politische Korrektheit gegenüber der Bevölkerung, 2. gegen das Prinzip des Respekts vor der Geschichte der Stadt.

    Der Senat hat das Stadtbild in seiner Entwicklung zu schützen und zu pflegen, und nicht nur die letzte ihm gefällige Zeitscheibe. Das gilt besonders für kulturhistorisch und künstlerisch wertvolle Bauten, Kunstwerke und Ensembles. Der Senat hat auch die Pflicht, seine Entscheidungen offen ohne Hintergedanken überzeugend zu begründen. Rückführungen erhaltener Kunstwerke an ihre ursprünglichen Standorte sind legitime Forderungen, zumal historische, städtebauliche, ensemble-bezogene Argumente dafürsprechen.

    Johan Maurits

    Zitat 1: .."natürlich ist das eine hochsymbolische Komposition. Das Ignorieren der Geschichte vor 1945 an diesem Ort war ja Staatsdoktrin,..."
    Zitat 2: „Was die DDR-Staatsachse betrifft ist es doch völlig irrelevant ob etwas "passt" oder nicht. Der Staat und die Denkmalpflege sind nicht dafür zuständig die gebaute Deutsche Geschichte zu korrigieren“

    Richtig ist: Nicht der Staat oder die Denkmalpflege soll deutsche Geschichte korrigieren, sondern der DDR-Staat hatte die gebaute deutsche Geschichte auf dem Schloßplatz ignoriert und korrigiert, ja, brutal und arrogant zerstört.
    Heute nur zwei Kunstwerke wieder in den ursprünglichen Zustand zu bringen, "wo sie hinpassen", ist keine Korrektur deutscher Geschichte. Diese Forderung ist begrenzte, gezielte, mögliche Stadtreparatur an wichtigem Ort. Und dass diese beiden Transfers NB und RB dort viel besser passen und wichtige Teile eines bedeutenden Ensembles an bedeutenderem Ort sind, ist sehr wohl relevant. Genau das kritisiere ich, dass es so vielen wie auch dir, völlig egal und nicht relevant ist, ob etwas passt oder nicht! Das zu erkennen und für Transfer zu sorgen wäre die Pflicht für Senat und Denkmalamt.

  • Ich bin da mit Dir einer Meinung. Reden wir aneinander vorbei ?