Rekonstruktionen im Fadenkreuz

  • Bester Tegula, wenn Du die Radikalisierung der akademischen Welt nicht wahrnimmst kann ich auch nicht helfen. Ein einfacher Blick an die Universitäten in den USA und GB, wo die "postkolonialen" Debatten (u.a. deines "geschätzten Kollegen Zimmerer") zu Gewalt, Antisemitismus, Ausgrenzung und Ausschreitungen führen, würde genügen. Aber man muss das auch alles nicht zur Kenntnis nehmen und sich weiter in seiner beschaulichen Nische aufhalten. Jeder wie er mag.

    Die Diskussion meines Freundes Harald Bodenschatz und Oswald & Co. habe ich natürlich verfolgt. Von einem "akademischen Austausch" kann da nicht die Rede sein, lediglich von einem offenen Widerspruch. Das war vielen ein Bedürfnis und ich bin Harald dankbar, dass er dies bewerkstelligt hat. Die Positionen von Oswalt & Co. haben sich dadurch - erwartungsgemäß - nicht geändert. Das ist bei dir ja auch so. Ich bin mir allerdings sicher, dass die demagogische Art von Oswalt, Zimmerer & Co. zu einer weiteren Radikalisierung führen läßt.

  • Ein einfacher Blick an die Universitäten in den USA und GB, wo die "postkolonialen" Debatten (u.a. deines "geschätzten Kollegen Zimmerer") zu Gewalt, Antisemitismus, Ausgrenzung und Ausschreitungen führen, würde genügen.

    Magst du das mal bitte präziser ausführen. Inwiefern führt die akademischen Arbeiten Zimmerers zu Antisemitismus und Gewalt an Universitäten?

    Die Positionen von Oswalt & Co. haben sich dadurch - erwartungsgemäß - nicht geändert. Das ist bei dir ja auch so.

    Diese Bemerkung kann ich nicht nachvollziehen. Die Ausführungen von Bodenschatz und mir zielen in vielen Punkten in die gleiche Richtung oder sind sogar deckungsgleich. Das hat mich in meiner Auffassung von Oswalts Thesen zusätzlich bestärkt. Das bedeutet selbstredend nicht, dass ich alles grundsätzlich ablehne, was aus Richtung Oswalt an die Außenwelt dringt. Dies dürfte Herr Bodenschatz ebenfalls für sich in Anspruch nehmen.

  • Magst du das mal bitte präziser ausführen. Inwiefern führt die akademischen Arbeiten Zimmerers zu Antisemitismus und Gewalt an Universitäten?

    Die Postkolonialisten bilden das ideologische Vorfeld der linken Israelhasser. In diesem Milieu gilt Israel als ein einen "Genozid" durchführenden "Apartheidstaat", als "kolonialer Unterdrücker" wie einst die Europäer in Afrika, und die Palästinenser dementsprechend als reine Opfer. Die Übergänge zwischen Postkolonialismus und Antisemitismus sind fließend. Jürgen Zimmerer ist selbstverständlich klug genug sich in diesem Kontext (für seine Verhältnisse) recht bedeckt zu halten. Gleichwohl schimpfte er bei Twitter heftig über die Bildzeitung, weil diese die Parteinahme zahlreicher deutscher Hochschullehrer für die israelhassenden Krawallstudenten kritisiert hatte. Von daher weiß man bei ihm auch, woher der Wind weht.

    Lesenswert:

    Die Postkoloniale Theorie und ihre Folgen
    Warum die akademisch-aktivistische Dämonisierung Israels so gefährlich ist
    www.juedische-allgemeine.de
  • Danke für den Artikel, der sicher wichtige Problemfelder anspricht. Nur: Daraus den Umkehrschluss zu ziehen, dass jeder, der postkoloniale Studien betreibt, Antisemitismus und Gewalt befördere, wäre eine bösartige Unterstellung. Immerhin gibt es an der Uni Hamburg seit 2014 eine Forschungsabteilung für Postkolonialismus. Will man sich nun hinstellen und behaupten, die Uni fördere Gewalt und Antisemitismus, wie hier geschehen? Dagegen stelle ich mich doch entschieden.

  • Die Postkolonialisten bilden das ideologische Vorfeld der linken Israelhasser. In diesem Milieu gilt Israel als ein einen "Genozid" durchführenden "Apartheidstaat", als "kolonialer Unterdrücker" wie einst die Europäer in Afrika, und die Palästinenser dementsprechend als reine Opfer. Die Übergänge zwischen Postkolonialismus und Antisemitismus sind fließend. Jürgen Zimmerer ist selbstverständlich klug genug sich in diesem Kontext (für seine Verhältnisse) recht bedeckt zu halten. Gleichwohl schimpfte er bei Twitter heftig über die Bildzeitung, weil diese die Parteinahme zahlreicher deutscher Hochschullehrer für die israelhassenden Krawallstudenten kritisiert hatte. Von daher weiß man bei ihm auch, woher der Wind weht.

    Lesenswert:

    https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/postkol…nd-ihre-folgen/

    Maecenas, es ist völlig sinnlos Tegula mit Argumenten beizukommen. Der lebt beruflich davon, dass er sich im intellektuellen Mainstream aufhält und würde bei Einnehmen einer anderen Haltung schlicht aus dem Geschäft fliegen und gedisst werden. Das siehst du ja u.a. an seiner Oswalt-Rezension, die es trotz der erdrückenden Faktenlage vermeidet eine klare Position zu beziehen sondern stets in den Theo-Sommer-Zeit-Sound eines Einerseitsandererseits verfällt. Viele Leser findet das - fürchte ich - nicht.

    Nicht jeder eignet sich auch als Bollwerk, Prellbock oder zumindest klarer Widersprecher in Auseinandersetzungen mit Ideologen, das muss man dazu sagen. Aber Erkenntnisgewinn ist eben von Menschen kaum zu erwarten, die ihre Kraft darauf verschwenden Fakten zu negieren ihre Ansichten solange rundzuschleifen, bis sie niemanden mehr stören. Ärgerlich wird es immer erst, wenn sich Menschen wie Tegula als angeblich unabhängige Richter aufspielen.

    Insofern bin ich der letzte, der intellektuelle Trittbrettfahrer in einer Gesellschaft verdammt, das ist vermutlich sogar die Mehrheit. In den Museen und dem staatsfinanzierten Kulturbetrieb kann man unter Claudia Roth finanziell mitunter gar nicht anders überleben. Und nicht jeder ist so unabhängig, dass man sich eine eigene Meinung leisten kann.

  • Werter Johan Maurits,

    wir diskutieren hier von Rekonstruktionsfreund zu Rekonstruktionsfreund. Das sind persönliche Anfeindungen - wie oben zu lesen - vollkommen fehl am Platz. Wir müssen nicht in jedem Punkt gleicher Ansicht sein und ich diskutiere sehr gerne und sehr intensiv über meine Rezension zu Oswalts Buch - inhaltlich, nicht ad hominem! Ich habe das Buch von der ersten bis zu letzten Seite studiert, manche Kapitel mehrfach, über Wochen. Ich schreibe solche Rezensionen nicht, um Menschen zu gefallen, sondern um mich mit Thesen eingehend auseinanderzusetzen, so wie ich das in meiner wissenschaftlichen Ausbildung gelernt habe. Ich wäge Argumente ab und komme vielleicht zu dem Schluss, dass ich auf beiden Seiten Nachvollziehbares finde. Das hat nichts mit meinem "Geschäft" zu tun, wie du es nennst, sondern mit meinem Anspruch so gut wie möglich unvoreingenommen zu agieren. Wenn Menschen glauben, mich dafür anfeinden zu können, wie hier ganz offen geschehen, finde ich das im höchsten Maße irritierend, zumal mancher Forist selbst eine akademische Ausbildung genossen hat.

    Kurzum: Oswalt ist nicht mein Feind, Zimmerer auch nicht und auch Trüby nicht. Und so halte ich es mit jedem Rekonstrutionsgegner. Feindbilder zu pflegen, finde ich nicht erstrebenswert (schon gar nicht, wenn ich nicht persönlich in irgendeiner Form selbst zur Zielscheibe werde). Sie führen in der Regel nicht zu einer angemessenen Auseinandersetzung mit der eigentlichen Materie, sondern zu immer radikalerer Frontenbildung. Ich habe diesen Respekt vor Kollegen in meiner akademischen Ausbildung vermittelt bekommen, wofür ich dankbar bin.

    Noch vor einigen Tag hast du dich hier im Forum mit anderen Foristen über deinen Einzug ins Stadtparlament von Potsdam zurecht gefreut. Das, was du hier aber über mich schreibst, ist dessen nicht würdig. Denke bitte mal darüber nach.

  • Ich glaube auch, dass Tegula einfach versucht die andere Seite zu verstehen, um zu vermeiden, dass sich Fronten verhärten. Da ich über einen Tag nicht moderierte, ist es schwierig im Nachhinein noch einzugreifen, ohne alles zensieren. Mal sehen…. Mir ist es gerade bei diesem Thema gelegen, sachlich zu bleiben. Ich bin mir nur nicht sicher, ob ein Diskurs überhaupt gewünscht wird, wenn man wie Leohard schon beschrieb, zu solchen Mitteln wie Auschwitz greift, als ob das das Schloss (oder eine andere Reko) als „Zone of Interest“, jemals Auschwitz ausblenden könnte. Ich kenne ja beide Orte. Letzteres weit früher und es ging mir damals natürlich sehr nahe. Ich wüsste aber nicht, wie das Schloss mich jemals abhalten könnte, mich mit Schwerstverbrechen aus der deutschen Geschichte zu beschäftigen und auch Orte zu bereisen.

    Natürlich kann man die Arbeit eines Herrn Zimmerer über Kolonialismus zu schätzen wissen. Es war Unrecht. Problematisch wird es, wenn es in Aktivismus ausartet, bzw. Wenn es zum Kampf wird und weitergeführt wird, obwohl der Kampf längst vorbei ist.

    Beauty matters!

  • Da ich über einen Tag nicht moderierte, ist es schwierig im Nachhinein noch einzugreifen, ohne alles zensieren. Mal sehen….

    Lass das mal bitte alles so stehen wie es da steht, da muss nichts zensiert werden. Die Beiträge sind höchst aufschlussreich. Ob T. "versucht die andere Seite zu verstehen" und darin stets sein Motiv liegt, auch eingefleischtesten Rekonstruktionsgegnern beizuspringen, mag jeder selber beurteilen.

  • Sag man mal so, ich habe mich mal sehr mit politischen Freiheitskämpfern (global) beschäftigt. Also mit Aktivisten, die tatsächlich für etwas Gutes einstanden, Unrecht beseitigen wollten etc… Sie hatten oft recht und auch oft Erfolg (nach langen Entbehrungen), bis es zu einem Punkt kommt, wo das Ganze kippt, wo dann weitergekämpft wird, obwohl die Probleme an ganz anderen Stellen liegen. Es gibt dann Beides: dieses „wahllos um sich schlagen“ und die Leistungen an anderer Stelle, die durchaus gerechtfertigt waren oder sind. Diese Differenzierungen sind zu respektieren. Die Wahl der Mittel sollte man aber auch kritisieren dürfen.

    Beauty matters!

  • Können wir diese moralinsaure Betroffenheits-Diskussion allmählich beenden? Ist ja furchtbar. Von Auschwitz über Kolonien zu Freiheitskämpfern, die nur Gutes tun und gelobt gehören. Es geht um Architektur und um eine bestimmte Klientel, die medial (über-)präsent ist und genau das vorhat: Das Moralisieren des Diskurses. Weil sie wissen: der gemeine Deutsche hält dann den Mund, wenn es um vermeintliche „Gewissensfragen“ und das kollektive Schuldkonto geht, um sich nicht einem „Verdacht“ auszusetzen. Auch bei Rekonstruktionen wird es auf dieser Schiene nun versucht, wenn einem die sachlichen Gründe ausgehen. Das, und nur das, ist die ganze Taktik der Oswalts und Zimmerers. Dass es verfängt, ist die Folge von jahrzehntelanger moralisierender Indoktrination, von den Medien bis hin zu den Bundespräsidenten. Selbst bei Schlössern wird ein Wettbewerb darum gemacht, wer der untadeligste und allerbeste Gutmensch ist. Ein Diskurs vom „warmen Bauch“ statt vom Kopf her in einer intellektuellen Schlichtheit, die mich angesichts des Umstands, dass sich hier Akademiker zu Wort melden, erschüttert. Wer derart moralisiert, verbirgt mangelnde und auf logischen Schlussfolgerungen aufbauende Argumente. Das war leider schon immer so. Und genau diese Diskussionen, die hier reproduziert werden, habe ich allmählich satt.

  • Mit Verlaub, jedes Mal wenn einer der drei Reko-Gegner einen Pups lässt, wird doch die Diskussion von den üblichen Verdächtigen aufgewärmt. Es ist nun wirklich alles von allen gesagt worden. Manche geilen sich halt daran auf, möglichst krasse Vergleiche zu finden. Ich schlage vor, jede Erwähnung der drei, durch wen auch immer, für ein Jahr rigoros wegzuzensieren. Aber bitte kein scheinheiliges Sichentrüsten!

  • Mit Verlaub, jedes Mal wenn einer der drei Reko-Gegner einen Pups lässt,

    Wenn die drei Perlen des deutschen Hochschulbetriebs nur still vor sich hin pupsen würden (um diese geniale Metapher aufzunehmen) bzw. 'nur' ein paar Jünger aus ihrer Blase bedienen würden, würde ihnen niemand Aufmerksamkeit schenken, auch nicht hier im Forum. Die emotionalen Debatten ergeben sich daraus, dass die Mainstreammedien den "Fürzen" dieser Extremisten stets und gerne die große Bühne bieten (einfach mal die jüngsten "Vorschläge" zum Berliner Schloss googlen) und ihnen damit eine Relevanz verschaffen, die sie eigentlich weder haben noch verdienen. Deine Kritik ist also eindeutig falsch adressiert.

  • Die Kritik ist genau richtig adressiert, denn man muss auch nicht über jedes Stöckchen springen, das einem hingehalten wird. Hier sind es immer die Gleichen, die nichts Neues zur Debatte beitragen, sich aber in extremen Formulierungen zu unterbieten versuchen. Wenn man auf sowas steht, hat das immerhin noch einen gewissen Unterhaltungswert - ansonsten verstopft es einfach die Threads und begeht die größte Sünde der Unterhaltungsbranche - es langweilt. Zumal "OTZ" auch nichts Neues bringen.

    Ich wiederhole also meinen Vorschlag, ein Jahr lang jede Erwähnung dieser drei Herren, ob indirekt oder indirekt, gnadenlos wegzuzensieren. Das würde ihnen, aber auch unseren üblichen Verdächtigen, die Bühne nehmen und wir könnten endlich wieder über Architektur diskutieren.

  • Wenn die drei Perlen des deutschen Hochschulbetriebs nur still vor sich hin pupsen würden (um diese geniale Metapher aufzunehmen) bzw. 'nur' ein paar Jünger aus ihrer Blase bedienen würden, würde ihnen niemand Aufmerksamkeit schenken, auch nicht hier im Forum. Die emotionalen Debatten ergeben sich daraus, dass die Mainstreammedien den "Fürzen" dieser Extremisten stets und gerne die große Bühne bieten...

    Leider bringen stehts wiederholende emotionale Debatten hier aber in Reichweite und Zielsetzung keinerlei Gegengewicht zu solchen Artikeln in Mainstreammedien und führen m.E. mehr zu Selbstzermürbung und Frust.

  • Da hier auch in den letzten Tagen nicht der Bogen zum eigentlichen Thema - nämlich zum Potsdamer Stadtschloss - zurückgeschlagen werden konnte, möchte ich an Franka folgenden Vorschlag richten: Alles ab meinem eigenen Post: RE: Potsdamer Stadtschloss in einen neuen Thread packen und in beiden Strängen, also am Anfang und am Ende, einen Hinweis hinterlassen, wohin bzw. woher ausgeschnitten wurde.

  • Lassen sich einzelne Threads irgendwie blocken oder deaktivieren, sodass sie mir nicht mehr als neu/ungelesen angezeigt werden? Es reicht langsam.

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    Dann noch die Einstellung "Thema bei Antwort automatisch abonnnieren" ausschalten:

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