Raumstationen, Mond und Mars - Konzepte für den dauerhaften Aufenthalt außerhalb der Erde

  • Das ist eine ebenso schöne wie sinnfreie Website. Wenn man mal die tödliche Kosmische Strahlung vernachlässigt und nur das Thema Interstellare Reisen betrachtet: Allein unseren nächsten Nachbarstern Proxima Centauri zu erreichen würde mit heutiger Technologie ca. 75000 Jahre dauern. Und dabei würde sich die Reise vermutlich noch nicht einmal lohnen. Proxima Centauri ist nämlich, wie die meisten Roten Zwergsterne, ein sehr aktiver Flarestern. Sehr ungesund für Leben, wirklich sehr ungesund.

    Aber nehmen wir mal an es gelänge ein Raumschiff auf vielleicht 10 % der Lichtgeschwindigkeit zu beschleunigen, was die Reisezeit deutlich verkürzen würde: Bei der Geschwindigkeit würde jede Kollision das Raumschiff komplett zerlegen, selbst die mit einem Mikrometeoriten. Da würde dann ja die kinetische Energie einer Atomexplosion dahinter stecken. Es bräuchte schon irgendwelche Schilde wie bei Star Trek. Da sollte man wohl besser auf Zefram Cochrane und seiner völlig neuen Physik warten.

    In der Realität gäbe es vermutlich nur einen Weg andere Sonnensysteme jemals zu erreichen: Man schickt Naniten los, die eine Welt nach und nach komplett aus dem Nichts erschaffen und das irdische Leben vor Ort klonen. Miniaturisierung kann der Mensch wirklich gut, er selbst ist aber für solche Reisen nicht gemacht.

    Wir schaffen es bisher ja noch nicht einmal zum Mars. Man schaue sich nur mal die Leistungsprobleme vom Starship an. Elon Musk denkt ja auch, für ihn würden die Gesetze der Physik nicht gelten.

  • Ich kann Deine skeptische Sichtweise gut nachvollziehen, aber ich glaube, es gibt gute Gründe für die Annahme, dass hier Trugschlüsse zugrundeliegen.

    Zum einen wird unsere Sicht auf Raumfahrt durch die ernüchternden Erfahrungen der letzten Jahrzehnte geprägt:

    Beim Apollo-Programm wurden unfassbare Summen ausgegeben, um 12 Menschen in 6 Missionen für wenige Stunden auf dem Mond zu bringen. Technisch war das Projekt brilliant, aber die Kosten waren dermaßen hoch, dass ein dauerhafter Aufenthalt von Menschen auf dem Mond außer Reichweite blieb.

    Das Space Shuttle Programm, das auf Apollo folgte, sollte Raumfahrt durch Wiederverwendbarkeit bezahlbar machen, aber es scheiterte. Es wurde im Gegenteil so teuer, dass es die NASA über Jahrzehnte budgetär weitgehend blockiert hat.

    Dann kam Elon Musk mit SpaceX und der erfolgreichen Entwicklung der teilweise wiederverwendbaren Falcon 9. Einerseits ein Gamechanger, denn die Kosten um 1 Kilo Fracht in die Umlaufbahn zu bringen, konnten etwa um 90% gesenkt werden. Andererseits ist auch die Falcon 9 noch zu teuer und verfügt auch nicht über genügend Nutzlastkapazität, um Mond und Mars besiedelbar zu machen.

    Tja und Starship?

    Musk’s Ziel, eine Schwerlastrakete zu entwickeln, die vollständig und schnell wiederverwendbar ist und gleichzeitig die Kosten im weitere 90% senkt, liegt hinter dem Zeitplan, worunter seine Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit leidet.

    Wir sehen, dass es technisch sehr anspruchsvoll ist, die Erde überhaupt zu verlassen, und dies in einer Art und Weise zu tun, die sicher ist und keine astronomischen Summen verschlingt.

    Die Idee, kilometerlange Sternenkreuzer für hunderte oder tausende Menschen ins All zu bringen, erscheint vor diesem Hintergrund utopisch.

    Der zweite Aspekt, der pessimistische Sichtweisen verstärkt, liegt in den Erkenntnissen der Astronomie begründet.

    In den letzten Jahren wurden über 6000 Exoplaneten entdeckt. Aber darunter ist mutmaßlich kein einziger, der erdähnlich genug wäre, um als “2. Erde” zu taugen. Die meisten sind zu groß, zu heiß oder zu kalt, oder ohne feste Oberfläche und umkreisen in viel zu engen Abständen unruhige Zwergsterne, die mit ihren Flares jedwedes Leben auf diesen Planeten vernichten würden. Der Eindruck, dass es “da draußen” kaum lohnenswerte Ziele gäbe, drängt sich förmlich auf.

    Überdenkt man die gewaltigen technischen Hũrden, überhaupt nur den eigenen Mond und den nächsten Nachbarplaneten zu erreichen, und berücksichtigt man die ernüchternden astronomischen Befunde bezüglich unser stellaren Nachbarschaft, sieht es in der Tat nicht gut aus für eine interstellare Zukunft der Menschheit.

    So, aber nun mein dickes ABER.

    Was die technische Seite betrifft, gibt es große Herausforderungen, klar. Aber die Skeptiker übersehen meiner Meinung nach einen wichtigen Punkt:

    Die irdische Schwerkraft ist so hoch, dass sie nur haarscharf unter der Schwelle liegt, bis zu der es überhaupt möglich ist, mit Hilfe von Rakten die Erde zu verlassen. Wäre die Erde nur minimal schwerer, kämen wir mit keiner noch so ausgeklügelten Rakete in die Umlaufbahn, weil die Masse des zusätzlich benötigten Treibstoffs höher wäre als die aus diesem Treibstoff resultierende Schubkraft.

    Wir müssen die Technik bis an die Grenze des physikalisch Möglichen ausreizen, um es überhaupt zu schaffen. Tatsächlich sehen wir aber gerade bei SpaceX, Blue Origin und noch 3 oder 4 anderen Unternehmen aus den USA und China die entscheidenen technischen Durchbrüche. Ja, es dauert alles etwas länger als gewünscht. Aber ich bin mir absolut sicher, dass “wir” binnen weniger Jahre alle Mittel verfügbar haben werden, um Mond und Mars bezahlbar zu besiedeln.

    Wenn es die Menschheit erstmal dauerhaft auf Mond und Mars geschafft hat, eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten. Die Schwerkraft beträgt auf dem Mars nur 1/3 und auf dem Mond sogar nur 1/6 der irdischen Schwerkraft. Raumfahrt ist von diesen beiden Himmelskörpern aus entsprechend unfassbar viel einfacher, als wir es von der Erde her gewohnt sind. Zukünftige Generationen könnten dort tatsächlich Raumschiffe für tausende von Menschen bauen - die nötigen Komponenten ins All zu bringen, wäre vergleichsweise simpel.

    Der 2. Punkt, der übersehen wird, betrifft mögliche Ziele interstellarer Raumfahrt, und dieser Punkt ist banal:

    Unsere derzeitigen Teleskope sind um 1-2 Grössenordnungen zu schwach, um erdähnliche Exoplaneten direkt “sehen” zu können. Wir finden nichts, weil wir mit untauglichen Instrumenten suchen. Mit einem Feldstecher lässt sich Pluto nicht beobachten, trotzdem ist Pluto real.

    Exoplaneten lassen sich derzeit (fast) nur indirekt beobachten: Zieht ein Planet aus Perspektive der Erde vor seinem Stern vorbei, schwächt er dessen Licht kurzzeitig ab.

    Um mit diese Methode einen Planeten wie die Erde zu entdecken, der um einen sonnenähnlichen Stern kreist, müssten wir das entsprechende Sternsystem also zufällig genau aus dem richtigen Blickwinkel sehen, damit es überhaupt zu einer Abdeckung kommt, und wir müssten über Jahre hinweg kontinuierlich hinschauen, um genügend Transitdaten für ein sicheres Ergenis zu erhalten - utopisch.

    Wir fokussieren uns daher derzeit bei der Suche nach Exoplaneten auf kleine Zwergsonnen, die von von ihren Planeten binnen Stunden oder weniger Tage in engen Bahnen umrundet werden, und entdecken dabei bevorzugt massereiche Planeten, weil diese die deutlichste Verdunklung hervorrufen. Erdähnlich oder gar bewohnbar sind diese Planeten per Definitionem nicht.

    Tatsächlich gibt es aber keinen Grund zur Annahme, dass es nicht massenhaft Planeten in Erdgrösse gibt, die sonnenähnliche Sterne in unser Nachbarschaft umkreisen. Wir werden sie entdecken, sobald wir die Mittel dafür haben.

    Natürlich werden interstellare Reisen technisch äusserst aufwendig werden. Aber es gibt keine prinzipiellen physikalisch bedingten Hürden. Mit nuklearen Antrieben lassen sich die nötigen Geschwindigkeiten erzielen, und auch der Strahlenschutz und der Schutz vor Kollision mit interstellaren Partikeln ist machbar. Ideen gibt es dafür genug - s. das oben verlinkte Projekt.

  • Einer deiner typischen Plädoyers. Das man bisher hauptsächlich Planeten um Rote Zwerge und Gasriesen entdeckt hat liegt selbstverständlich ausschließlich an den heutigen technischen Möglichkeiten. Einen Transit einer zweiten Erde vor einen K- oder G-Stern zu beobachten bräuchte halt sehr sehr sehr viel Geduld, bei der Radialgeschwindigkeitsmethode sieht es noch düsterer aus.

    Zu einer zweiten Erde, interstellaren Reisen und unserem Platz im Universum folgender Gedanke: Vor einiger Zeit hat man bekanntermaßen die Krümmung des Raumes mittels Hintergrundstrahlung und Triangulation vermessen. Ergebnis: Das Universum weist selbst über eine Distanz von annähernd 50 Milliarden Lichtjahren (dem Rand des heute beobachtbaren Universums) keinerlei Krümmung auf. Was bedeutet, dass es vermutlich tatsächlich unendlich groß ist, oder doch zumindest beinahe. Und in so einem Raum wird es auch Abermillarden erdähnliche Planeten geben. Nur: für uns bedeutet das nichts. Alles unerreichbar. Man darf nie vergessen: zieht man den Stecker kann der Mensch nur noch mit Steinen werfen. Den Mars kann man vielleicht erreichen, aber einen erdähnlichen Planeten in 1000 Lichtjahren Entfernung? Da braucht es schon eine gute Portion Optimismus.

    Und was das Starship angeht: dieses widerspricht schon Ziolkowskis grundlegende Raketengleichungen von 1903. Scheinbar traut sich bei SpaceX aber niemand das Elon Musk zu erklären.

    SpaceX: Das Starship müsste nicht der Cybertruck der Raumfahrt sein - Golem.de https://share.google/ekNhazvQvNE5zwY0n

  • Ich zitiere aus der von Dir verlinkten Kritik am Konzept des Starship:

    “Während gewisse Defizite bei der erhofften Leistung einer Rakete nichts Ungewöhnliches sind, verdient die völlige Unfähigkeit, eine Nutzlast im Orbit auszusetzen, schon solche drastische Worte”.

    Der Satz zeigt, dass sich der Autor nicht mit der Frage beschäftigt, wofür Starship überhaupt von SpaceX entwickelt wird:

    1. Starship soll ein Raumschiff sein, das in der der Lage ist, eine grössere Anzahl Menschen komfortabel von der Erde zum Mars hin- und wieder zurückzutranportieren.

    2. Eine Sonderversion von Starship soll in der Lage sein, die Standardversion im Orbit zu betanken.

    3. Eine weitere Sonderversion soll in der Lage sein, eine grosse Zahl von schweren Starlink V3 Satelliten gleichzeitig und preisgünstig in den Orbit zu bringen. Die damit erzielten Erträge sollen 1. und 2. finanzieren.

    Was Starship demzufolge nicht zu können braucht, ist die Fähigkeit, eine (normale, voluminöse) Nutzlast im Orbit auszusetzen. Für Starlinks reicht ein schmaler Schlitz. Eine große Nutzlastverkleidung (Fairing) zum Öffnen oder Abwerfen ist unnötig, und wird entsprechend weggelassen. Wenn Starship zum Mars fliegt, wird keine Nutzlast im Orbit ausgesetzt. Das komplette Schiff inklusive Hitzeschild ist in sich die Nutzlast. Der Mars hat eine Atmosphäre, ohne Hitzeschild kann man dort nicht landen.

    Des weiteren echauffiert sich der Autor über das ungewôhnliche Grössenverhältnis zwischen Ober- und Unterstufe. Dieses sei ineffizient, die Oberstufe durch ihre schiere Grösse zu schwer relativ zur Unterstufe und somit nicht auf maximale Nutzlast optimiert.

    Die Kritik ist in sich betrachtet schlüssig, übersieht aber wieder, wofür Starship gedacht ist: Im Orbit angekommen, soll es in der Standardversion eben keine Nutzlast aussetzen, sondern erneut betankt werden und zum Mars weiterfliegen. Für den Marsflug ist es gemacht, und durch die Wiederbetankung macht auch das Grössenverhältnis zwischen Ober- und Unterstufe Sinn. Bezeichnenderweise erwähnt der Autor das Wort “Wiederbetankung” nicht.

    SpaceX beschäftigt die besten Raketentechniker der Welt. Die wissen, was sie tun und warum.

  • SpaceX beschäftigt die besten Raketentechniker der Welt. Die wissen, was sie tun und warum.

    Was sie tun wissen die bestimmt, aber nach dem warum müssen sie dann Elon fragen. Deinen Optimismus kann ich nicht teilen. Ich bin mit meiner Einschätzung erheblich vorsichtiger.

  • Elon hat sich offenbar entschieden, SpaceX im kommenden Jahr zu einem börsennotierten Unternehmen zu machen. Es würde sich um den grössten Börsengang der Wirtschaftsgeschichte handeln.

    Die Tatsache an sich und auch der Zeitpunkt überraschen, denn SpaceX ist hoch profitabel. Der Unternehmensgewinn dürfte nächstes Jahr höher ausfallen als das komplette NASA-Budget. Wofür möchte er eine gigantische Summe zusätzlich einsammeln?

    Offenbar geht es um die Errichtung von Rechenzentren im All als zusätzliche Einnahmequelle für die Marsbesiedlung. Rechenzentren im All sind attraktiv wegen der unlimitiert ganztägig / ganzjährig verfügbaren Sonnenenergie.

    Youtube - SpaceX goes public - Ellie in space

  • Das hier ist sicher enorm optimistisch gedacht - aber dennoch nett, um den Optimismuspegel bezüglich Raumfahrt und Technologie mal wieder aufzufüllen ;) Doom-Szenarien gibt's ja (zurecht) eh an jeder Ecke.

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  • Da es ja hier um Städtebau geht, hat mich bei Hyperion hauptsächlich die Vielfalt der Vorstellungen interessiert, wie man sich 400 Jahre im Weltall designmäßig und organisatorisch überhaupt vorstellt. Erstaunlich sind die komplett unterschiedlichen Herangehensweisen, obwohl die Herausforderung und die Aufgabenstellung ja immer dieselbe war. Insbesondere die architektonische Planung von Langzeitaufenthalten in Habitaten, in denen man sich auch wohlfühlen soll, zeigt, wie divers die Lösungen sein können. Man könnte die Konzepte für eine Weltraumstation oder eine Mondbasis in kleinerem Rahmen gewiss anwenden.

    Dass man jemals andere Fixsterne erreicht, halte ich auch für äußerst unwahrscheinlich - aber nicht wegen der technischen Schwierigkeiten, sondern wegen des Menschen selbst, der sich selber gegen die Wand fährt. Was ungefähr heißen soll, dass wir nicht mehr so viel Zeit haben, ein solches Projekt überhaupt zu planen und gar umzusetzen, bis unsere Lebensgrundlage zerstört ist. Die berühmte „Barriere“ der Zivilisationsselbstzerstörung scheint kurz bevorzustehen, die ebenfalls als ein Grund genannt wird, warum uns andere Zivilisationen noch nicht besucht haben (das ist nur einer von 100 Gründen...).

    Dass Fremdkörper bei sehr hoher Geschwindigkeit das Schiff zerstören, habe ich 1980 schon errechnet. Die Reibungshitze lässt das Schiff verglühen, selbst wenn man nur 1 H-Atom pro Kubikmeter rechnet. Wobei es erst über 20% von c relevant wird. Aber diese Geschwindigkeit ist bereits illusorisch.

    Nebenbei vermüllen wir uns bereits jetzt den Orbit, um noch unbeschadet dadurch fliegen zu können. Wenn erst der Kessler-Effekt eintritt oder der Abbau des Magnetfeldes voranschreitet, können wir die Erde gar nicht mehr verlassen...

  • Meine größte Sorge ist auch, dass wir ein Ereignis geschehen lassen, das zum Ende der menschlichen Zivilisation führt. Ob Roboter und KI dann überhaupt übernehmen könnten und sollten, ist sehr fraglich - zumal mit welcher Motivation.

    Dass wir bislang keine weiteren Zivilisationen beobachten konnten, wird auch als Fermi-Paradoxon bezeichnet.
    Die Annahme für das Ereignis der Selbstauslöschung von intelligenten Spezies ist ein Teilaspekt der "Great-Filter-Theorie".

  • Elon Musk’s Motivation zur Marsbesiedlung ist ja genau dieser Punkt: Das möglicherweise nur für kurze Zeit geöffnete historische Zeitfenster für den Sprung ins All zu nutzen, um gleich 2 der möglichen “Fermi-Filter” zu Umschiffen: Selbstauslöschung und Fremdauslöschung durch natürliche Ereignisse wie den Chicxulub-Einschlag (- der die Dinos eleminierte).

    Selbst wenn alles gut geht, und die Menschheit sich weder selber vernichtet, noch es zu einem großen Meteoriteneinschlag kommt, so nähert sich die Sonne langsam aber sicher dem Ende ihren stabilen “Lebens”phase.

    Etwa 80% der Zeitspanne, in der die Sonne irdisches Leben überhaupt nur ermöglicht, sind bereits abgelaufen. Die verbleibenen 20% sind zwar - an menschlichen Massstäben gemessen - immer noch eine “Ewigkeit”. Aber endlos ist die verfügbare Zeit die bleibt, um den Sprung zu jüngeren oder langlebigeren Sternen zu schaffen, nicht.

    Das Fermi-Paradox ist, nebenbei gesagt, ein super spannendes Thema. Vielleicht wird sich noch zu Lebzeiten von einigen von uns hier ein enorm wichtiges Puzzleteil zum Bild hinzufügen: Sollten wir aktives mikrobielles Leben auf dem Mars finden, und dieses Leben unabhängig vom irdischen Leben entstanden sein, oder sollten wir eindeutige Biosagnaturen auf einem Exoplaneten nachweisen können, würde dieses Faktum das Fermi-Paradox nochmal ein gutes Stück paradoxer erscheinen lassen.

  • ... so nähert sich die Sonne langsam aber sicher dem Ende ihren stabilen “Lebens”phase.

    Meine Fresse, hier wird ja in ganz großen Dimensionen gedacht. Die Aktivität der Sonne wird in ca. 500 Millionen Jahren tatsächlich einen Punkt erreichen, der Leben auf der Erde unmöglich machen wird. Das wird passieren in - ich buchstabiere das mal: einer H-A-L-B-E-N M-I-L-L-I-A-R-D-E J-A-H-R-E-N. Ich weiß ja nicht was du noch so vor hast, aber in einem solchen Zeitraum kamen und gingen die Dinosaurier. Aber klar, der Mensch ist eine derart vernunftbegabte Spezies, der überbrückt einen solchen Zeitraum doch spielend. Die paar Jahre.

    Und wenn Elon uns den Weg zum Mars bereitet, ist der Anfang zur interplanetaren Spezies schon gemacht. Was macht es da schon, dass selbst eine atomar verseuchte Erde gegen den Mars das reinste Paradies wäre. Geschenkt, es geht nichts über ein Leben in Dosen. Aber nicht vergessen: ohne funktionierende Technik stirbt alles, sofort, unerbittlich. Von sich aus bewahrt die Natur da nichts. Deshalb werden interplanetare Siedler ganz harte Jungs sein, und Mädels natürlich. Wie die bei Starship Troopers. Machen nie Fehler, denn schon der kleinste könnte ins Verderben führen.

    Scheint mir genau das richtige für uns Menschen zu sein.

  • Die NASA führt derzeit eine Serie von Langzeitexperimenten mit Freiwilligen durch:

    Kleine Gruppen von Teilnehmern begeben sich für jeweils ein Jahr in ein dem aktuellen Planungsstand entsprechendes “Mars-Habitat” (in Texas). Der primäre Schwerpunkt der Forschung betrifft das Sozialverhalten in totaler Isolation. Aber auch praktische Aspekte der Habitatgestaltung werden valuiert und weiter optimiert. Die Habitate werden aus einem Gemisch aus simulierten Mars-Regolith mit Zusatzstoffen mit einem 3D-Drucker erstellt - genauso, wie es für den Mars geplant wird.

    NASA - CHAPEA Project

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    Nun zu diesem - sehr nachvollziebaren - Einwand von Orakel :

    Meine Fresse, hier wird ja in ganz großen Dimensionen gedacht. Die Aktivität der Sonne wird in ca. 500 Millionen Jahren tatsächlich einen Punkt erreichen, der Leben auf der Erde unmöglich machen wird. Das wird passieren in - ich buchstabiere das mal: einer H-A-L-B-E-N M-I-L-L-I-A-R-D-E J-A-H-R-E-N. Ich weiß ja nicht was du noch so vor hast, aber in einem solchen Zeitraum kamen und gingen die Dinosaurier.

    …,,

    Und wenn Elon uns den Weg zum Mars bereitet, ist der Anfang zur interplanetaren Spezies schon gemacht. Was macht es da schon, dass selbst eine atomar verseuchte Erde gegen den Mars das reinste Paradies wäre.

    Die Menschheit befindet sich momentan - meiner Ansicht nach - an einem Scheideweg von immenser Bedeutung:

    Wir können uns - und das irdische Leben allgemein - allein auf der Erde belassen wie bisher. Oder aber eine parallele Entwicklung ausserhalb der Erde starten. Letzteres könnte langfristig ähnlich fundamentale Auswirkungen wie der Schritt des Lebens aus dem Meer ans Land vor etwa 500 Millionen Jahren.

    Diesesmal können wir allerdings eine bewusste Entscheidung treffen. Für beide Optionen gibt es gute Gründe. Für MICH ist der Weg klar - wir sollten unbedingt nach Draussen gehen. Der Aspekt, dass das Lebens auf der Erde selbst im bestmöglichen Fall (- keine Selbstvernichtung, keine Seuchen, kein Asteroideneinschlag, keine Supernova in der Nachbarschaft) irgendwann dennoch elendiglich zu Grunde gehen müsste, spielte bei meiner Meinungsbildung durchaus eine Rolle. Ich weiss, dass das angesichts des Zeitraums irrational klingt, es ist aber nunmal so.

    Mir ist klar, dass die ersten Schritte unfassbar hart sein werden. Orakel hat diesbezüglich völlig Recht. Aber mit der Zeit werden sich immer komfortablere Lebensumstände etablieren, und die Optionen sind im Wortsinn unendlich.

  • Zum Thema Mars-Raumstation hat der kurzgesagt-Kanal schon vor 5 Jahren ein Video veröffentlicht. Es ist immernoch sehenswert und bringt viele der Fragen solch eines Unterfangens mit seinen Animationen charmant auf den Punkt. :)

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  • Die technischen Probleme sind die eine Seite. Die andere ist rein politisch: wer auf dem Mars lebt, lebt in Gefangenschaft. Die Marsbewohner sind abhängig von großen Firmen und dem Wohlwollen eines Elon Musk (oder dessen Nachfolger). Wenn also die Besiedelung privat erfolgt und nicht durch einen Zusammenschluss ALLER Staaten und gemeinnützig, dient eine Besiedlung nur dem Gewinn einzelner Personen. Obwohl der Film „Total Recall“ in großen Teilen Blödsinn erzählt, zeigt er doch eines unmissverständlich: wer auf dem Mars leben will, ist Sklave.

  • Nun zu diesem - sehr nachvollziebaren - Einwand von Orakel :

    Wir können uns - und das irdische Leben allgemein - allein auf der Erde belassen wie bisher. Oder aber eine parallele Entwicklung ausserhalb der Erde starten.

    Ich träume ja auch gerne, nur bin ich auch Realist: Alles was uns erwartet sind eiskalte, lebensfeindliche, tote und größtenteils dunkle Welten, die permanenter Strahlung ausgesetzt sind und deren Oberflächen regelmäßig von Meteoriten getroffen werden, die Glaskuppeln leicht durchschlagen können.

    Ein Leben in geschlossenen Habitaten wird unweigerlich zu Aggressionen führen. Fraglich ob eine Gesellschaft das kompensieren kann, erst recht wenn verschiedene Kulturen aufeinander treffen. Man schaue doch nur mal wozu Migration überall auf der Welt führt.

    Und dann muss man bedenken, dass jegliches irdische Leben außerhalb der Erde (Pantoffeltierchen vielleicht mal ausgenommen) ohne ständige technische Erhaltung sofort sterben würde. Wie wahrscheinlich ist es, dass dieses über Jahrhunderte, Jahrtausende oder gar Jahrmillionen gewährleistet wäre? Jeder technische Rückfall, jede Knappheit an Ressourcen, jeder Konflikt wäre eine essentielle Bedrohung. Wie viel Aussicht auf Erfolg hat das bei einer derart kriegerischen Spezies wie dem Menschen? Das sollte man sich schon ernsthaft fragen.

    Und das verlinkte Video von Erbse ist ja wirklich schön. Dem Reiz kann man sich natürlich nicht entziehen. Aber mit den Verhältnissen vor Ort wird es nicht so genau genommen. Da werden z. B. gigantische Maschinen auf dem Jupitermond Io gezeigt. Eigentlich undenkbar, denn die drei innersten der großen Jupitermonde liegen innerhalb des Hauptstrahlungsgürtels des Planeten. Jeder Aufenthalt dort wäre binnen Minuten oder gar Sekunden tödlich. Die Strahlung da ist derart hoch, dass selbst extrem robuste Elektronik das nicht lange überleben kann. Deshalb umkreisen Raumsonden den Planeten auch generell in elliptischen Orbits, die immer wieder schnell aus der Gefahrenzone hinaus führen.

    Vom Thema Gravitation und Knochenschwund war noch gar nicht die Rede. Ein gewisses Maß an Anziehungskraft braucht es schon. Eigentlich bleiben da im ganzen Sonnensystem nur vier Welten: der Erdmond, Mars, Kallisto und Titan. Eine Welt entzückender als die andere. Am ehesten geeignet wäre noch Titan. Da ist man durch die Atmosphäre vor der Strahlung und vor Meteoriten geschützt. Man bräuchte noch nicht mal einen Raumanzug, nur eine Sauerstoffflasche und eine wirklich sehr sehr sehr dicke Jacke. Ohne letztere gefriert man da im Bruchteil einer Sekunde zu Eis, hart wie Felsgestein.

  • Der Denkfehler liegt vermutlich bei der Annahme, dass man unter heutigen Voraussetzungen, Paradigmen und Technologien agieren würde, wenn man ernsthaft eine extraterrestrische Zivilisation aufbaut. Das ergibt doch gar keinen Sinn.

    Was sich ohnehin schon abzeichnet - KI, Robotik, biotechnische und genetische Veränderungen, Terraforming, usw... Da wird es die wildesten Technologien brauchen, die uns heute wohl oftmals ethisch fragwürdig erscheinen würden. Wie das in nur 30 oder gar 100 oder 300 Jahren aussieht, ist ja eine ganz andere Frage.

  • Der Denkfehler liegt vermutlich bei der Annahme, dass man unter heutigen Voraussetzungen, Paradigmen und Technologien agieren würde, wenn man ernsthaft eine extraterrestrische Zivilisation aufbaut.

    Das ist auch eine immer wiederkehrende Argumentation, an der natürlich was dran ist. Ich vermute mal, du hast auch The Expanse geschaut. Aber abgesehen davon, dass auch unter diesen Annahmen fundamentale Naturgesetze weiter bestand hätten, hätten wir mit der Spezies die dann das All kolonisiert vermutlich so viel gemeinsam wie mit den Protomolekül.

    Und darum ging es doch ursprünglich: das der Mensch eine (mindestens) interplanetare Spezies wird. Das wäre aber nicht mehr der Mensch wie wir ihn kennen, sondern mehr oder weniger eine völlig neue Spezies. Fragt sich nur, welches Interesse wir daran haben sollten eine neue Spezies zu erschaffen und dieser den Weg ins All zu bereiten, während wir zum Aussterben verdammt sind. Das wäre hauptsächlich was für Esoteriker und ähnliche Personen. Ich vermute mal, das ist auch nicht das was HelgeK im Sinn hat. Aber da warte ich lieber ab, was er dazu zu sagen hat.