Lustgartenseite des Berliner Schlosses

  • Sind die Figuren, die wir hier zuletzt gesehen haben, eigentlich schon oben, oder stehen die noch immer unten vor dem Schloss herum? Bisher ist ja nie was passiert, aber etwas mulmig ist mir da trotzdem immer... :unsure:

  • Leute, solche weicheren und androgyneren Gesichter sind überhaupt nicht unüblich in der Stilistik des Barocks. Erst recht nicht, wenn ein Gott oder Jüngling, z.B. Apollon oder Ganymed, dargestellt sind, die als besonders schön galten.

    Wenn barocke - oder antike - Figuren androgyne Gesichtszüge haben (die meistens aber nicht so weiblich sind wie bei der Schloss-Figur), dann haben sie auch nicht einen so muskulösen Körper.

    Wer einer Halbwahrheit eine weitere Halbwahrheit hinzufügt, schafft keine ganze Wahrheit, sondern eine ganze Lüge.

  • Wenn barocke - oder antike - Figuren androgyne Gesichtszüge haben (die meistens aber nicht so weiblich sind wie bei der Schloss-Figur), dann haben sie auch nicht einen so muskulösen Körper.

    Der Gerechtigkeit halber sollte man nun - als Ausgleich - einen Skulptur mit einem weiblichen Körper und männlichen Gesichtszügen schaffen.

  • Wenn barocke - oder antike - Figuren androgyne Gesichtszüge haben (die meistens aber nicht so weiblich sind wie bei der Schloss-Figur), dann haben sie auch nicht einen so muskulösen Körper.

    Naja, so muskulös ist der Körper auch wieder nicht, Die Schultern sind nicht wirklich breit, und weder Bizeps noch Sixpack so wesentlich ausgeprägter als bei der Frauenstatue oben.

  • Naja, so muskulös ist der Körper auch wieder nicht, Die Schultern sind nicht wirklich breit, und weder Bizeps noch Sixpack so wesentlich ausgeprägter als bei der Frauenstatue oben.

    Bizeps um Sixpack, wie wir sie heute kennen, waren weder in der antiken noch in der barocken Kunst Ausweis kraftvoller Männlichkeit.

    Wer einer Halbwahrheit eine weitere Halbwahrheit hinzufügt, schafft keine ganze Wahrheit, sondern eine ganze Lüge.

  • Bizeps um Sixpack, wie wir sie heute kennen, waren weder in der antiken noch in der barocken Kunst Ausweis kraftvoller Männlichkeit.

    Seinsheim Also ich lese wirklich gerne deine Beiträge, und da hast sicher in Sachen Kunstgeschichte ein erheblich profunderes Wissen als ich. Umso mehr wunder ich mich aber auch. Ich kann ja nachvollziehen, dass dir als Intellektuellen die Begriffe (zumal im Zusammenhang mit Kunstobjekten) zu profan erscheinen, aber selbstredend "kannte" man Bizeps und Sixpack auch in der antiken Kunst als "Ausdruck kraftvoller Männlichkeit".

    Schlicht schon deshalb, weil sie keine Erfindung der Moderne, sondern Teil der menschlichen, insbesondere der männlichen Anatomie waren und sind. Ein durchtrainierter, wohlgeformerter männlicher Körper, der naturgemäß eben mehr Muskelmasse und weniger Fettanteil hat als ein weiblicher, hat nunmal einen Bizeps und einen Sixpack.

    Und Muskeln bedeuten naturgemäß Kraft. Die Hoffnung, dass an dessen Stelle andere Körpermerkmale wie Bierbauch und Denkerstirn als Ausdruck kraftvoller Männlichkeit gelten, bleibt wohl ein Wunschtraum der heutigen Zeit.

    Wie in den Links unten beispielhaft zu sehen, hat der Großteil der antiken männlichen Statuen z.B. einen Sixpack, Gottheiten wie Sportler, manch römischer Zenturio ließ sogar seine Rüstung mit ausgeprägtem Sixpack formen.

    Weibliche Statuen mit ausgeprägten Sixpack habe ich allerdings auf Anhieb keine gefunden - nur die wohl neu kreirte für das Stadtschloss (siehe oben).


    Eine Statue einer machtvollen Gottheit wie Zeus ohne Bizeps und Sixpack war in der Antike wohl undenkbar.

    zeus statue antike at DuckDuckGo

    https://www.alamy.de/fotos-bilder/antike-griechische-bronzestatue.html?sortBy=relevant

    https://www.alamy.com/stock-photo-doryphoros-of-polykleitos-greek-statue-classical-era-c-440-bc-roman-125720895.html

    Top 22 der berühmtesten antiken griechischen Statuen und Skulpturen - YouFine Skulptur
    Antike griechische Statuen werden seit langem für ihre bemerkenswerte Liebe zum Detail, ihre ausdrucksstarken Gesichtszüge und ihre elegante Haltung bewundert.…
    www.cnstatue.com
  • newly Danke für das Kompliment.

    Es ist aber wichtig, meine Kommentare im Kontext zu lesen. Ich habe nicht behauptet, Männlichkeit sei früher nicht durch einen muskulösen Körperbau ausgedrückt worden, im Gegenteil. Aber man brauchte dazu keine Sixpacks und keine geschwollenen Bizepse wie in der heutigen Werbung. Die von Dir gezeigten Beispiele belegen dies.

    Gerade darum ist der Körper der von mir angesprochenen Schlossfigur auch eindeutig männlich und nicht androgyn, wie ein Mitforist behauptete - und eben darum passt dazu auch nicht der weibliche Kopf.

    Wer einer Halbwahrheit eine weitere Halbwahrheit hinzufügt, schafft keine ganze Wahrheit, sondern eine ganze Lüge.

  • Ich hoffe die Frage ist nicht allzu blöde, aber kann mir jemand erklären, warum beim Berliner Schloss die Terrasse genau umgekehrt funktioniert wie eine sonst übliche Terrasse? Statt dass die Terrasse gepflastert ist, ist sie hier begrünt, statt dass sie umgeben ist von Grün, ist sie umgeben von Pflaster. Das ist ja nicht erst die Idee der modernen Außenanlage.

  • Gemeint ist wohl eine Gartenterrasse - terrassiertes Gelände mit Bepflanzung wie in barocken Gärten.

    "Vor der Gartenfassade des Schlosses befindet sich das Parterre. Die terrassenartigen Flächen in unmittelbarer Nähe des Schlosses sind aufwendig besonders für die Draufsicht aus der Beletage dekoriert."

    Barockgarten – Wikipedia
    de.wikipedia.org

    Von einem Barockgarten kann natürlich bei der aktuellen Tundrakulisse keine Rede sein.

  • Danke Jakob, aber die Terrasse stammt doch von 1842? Die anderen sog. Terrassen ums Schloss herum sogar nochmal später.
    Es muss allerdings einen Vorgänger gegeben haben, der auch schon begrünt war, zumindest scheint es auf dem Kupferstich von Rosenberg, 1777, so. Wohl auch recht buschig? Ob es dort tatsächlich einmal Parterre gegeben hat?

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  • Dank Spreetunnel s zufälligen Verweis auf entsprechende Lektüre, war es mir möglich Informationen zu meiner Frage zusammenzutragen:

    Quote from Dr. Ing. Klaus-Henning von Krosigk

    Von Bedeutung für die schließlich in den 1840er Jahren nach Entwürfen Stülers und Lennés ausgeführte, zum Lustgarten hin orientierten Schlossterrasse, sollte im Übrigen noch der erste Lustgarten-Entwurf Schinkels von 1828 werden. In diesem „Plan für die Anordnung der Pflanzungen im Lustgarten und für Anlage von Springbrunnen daselbst“ stößt Schinkels sehr großer, hippodromartig geformter Lustgarten, an seinen beiden Enden – also vor dem Königlichen Schloss und dem Alten Museum – auf weich ausgezogene Vorgärten, die zum Lustgarten hin ebenfalls mit kleinkronigen Bäumen gerahmt, deutlich machen, das auch schon Schinkel in seinem ersten, jedoch nicht ausgeführten Entwurf, deutlich machen wollte, dass der Lustgarten nicht isoliert von den rahmenden Gebäuden zu betrachten ist, sondern eingebettet mehr noch verknüpft ist mit den diesen Gebäuden vorgelagerten Vorgärten. Diese haben zugleich die städtebauliche Funktion, den Lustgarten ganz nah an die dominanten Gebäude heranzuführen und damit einen einheitlichen Gartencharakter für den großen städtebaulichen Raum sicher zu stellen.

    Ich verstehe zwar dann nicht so ganz, was man auf dem im Vorbeitrag präsentierten Stich zu sehen ist, aber bzgl. meiner Frage ist damit klar, dass die Terassen tatsächlich immer schon als Vorgarten begrünt vorgesehen waren bzw. eine abgegrenzte Begrünung bereits vor der Befestigung als Terrasse bestand.

  • Es ist auf jeden Fall eine hölzerne Wand, das konnte ich bereits auf anderen Bildern verifizieren. Allerdings ist dahinter stets dichter Bewuchs zu erkennen, der die Lattenwand überragt.