Mönchengladbach in alten Bildern

  • Das Münster und seine Turmhelme. Zwischendurch gab es kriegsbedingt mal ein Flachdach. Von allen Varianten gefällt mir die barocke Haube mittlerweile am besten, gefolgt von der mittelalterlichen (und aktuellen). Schade, dass im Zuge der Industrialisierung die barocke Haube weichen musste und durch einen überdimensionierten Turmhelm ersetzt wurde.

  • Derzeit wird der Mühlentorplatz in Rheindahlen umgebaut und da habe ich mal nach früheren Bildern gesucht. So sah der Platz 1963 aus. All die Gebäude in der Mitte wurden in den 70ern abgerissen und mussten für einen Parkplatz und ein hässliches Sparkassengebäude weichen. Auch die Gebäude unten rechts hat man nicht verschont. Ich hatte mich immer gewundert, warum Rheindahlen keine richtige Altstadt hat, da es sich um einen sehr alten Stadtteil handelt. Teile der Kirche stammen zB aus dem 12. Jahrhundert und jetzt hatte ich meine Antwort.

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    Und danach

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  • Weitere historische Bilder

    Die Kirche hat eine Besonderheit. Teile des ursprünglichen romanischen Bauwerks wurden erhalten und in den neogotischen Neubau integriert.

  • Die Hermann-Piecq-Anlage wurde damals wegen der hügeligen Landschaft scherzhaft Mönchengladbacher Schweiz genannt. Heute ist da nur noch eine breite Straße und die letzte bestehende Brücke wird demnächst abgerissen.

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  • Weitere Bilder vom Brunnenhof und der Abtei.

    Der Brunnen mit dem Nordflügel im Hintergrund

    So sah der Brunnenhof um die Jahrhundertwende aus

    Einige Jahre später. Ein Blick auf den Ostflügel, der im Krieg eine Etage und den schönen Schmuckgiebel verloren hat

    Noch einmal der Nordflügel von der Abteistraße aus gesehen

    Heutiger Zustand. Der Brunnenhof sieht heute so aus. Da stelle ich mir die Frage, warum man ihn nicht wie damals gestaltet hat? Mehr Wiese und mehr Bäume und das hätte gereicht.

  • Blick auf den Abteiberg im Jahr 1863. Zu dieser Zeit hatte Krefeld bereits über 50.000 Einwohner, während in Gladbach nur knapp 10.000 Menschen lebten. Das spiegelt sich auch im sehr ländlichen Erscheinungsbild wider.

  • Das erste Buch habe ich damals zu Weihnachten bekommen. Sehr lesenswert!

    Das Hansa-Haus stand da, wo heute die Rückseite der Sparkasse ist. Ein unglaublicher Verlust.

    Weitere Bilder. Es handelte sich ursprünglich um eine Wäscherei-Fabrik. Nach dem Krieg blieb nur ein Teil davon erhalten, dessen Fassade jedoch in einen Neubau integriert wurde. Dies blieb so, bis in den 1980er-Jahren der Neubau der Sparkasse gebaut wurde.

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  • Mönchengladbach hatte mal ein Kaiserbad. Ich hatte schon einige Bilder gepostet, aber hier sieht man nochmal die traurige Entwicklung.

    So sah es vor dem Krieg aus

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    Und danach. Zwar wurden die Turmhauben nicht rekonstruiert, aber das hätte man ja nachholen können. Hätte..

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    Dann kam man aber in Mönchengladbach auf die Idee, jahrzehnte nach dem Krieg das Kaiserbad abreißen zu lassen und zwar für die mit Abstand hässlichsten Hochhäuser der Stadt. So ging damals moderne Stadtplanung!

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  • Mönchengladbacher Stadtkern mit den Stadtteilen Eicken, Gladbach, Speick, Neuwerk und Am Wasserturm.

    Tolles Foto! Neuwerk ist auf dem Bild nicht zu sehen, der Stadtteil gehört auch eher nicht zum Stadtkern und liegt hinter dem oberen Bildrand ein Stück weit hinter der Bahnstrecke nach Viersen. Dafür ist vorn das Westend im Bild - ich weiß nicht, ob das noch zu Speick gehört: Vorne wo der Schornstein steht ist heute die Ernst-Reuter-Sportanlage, etwas links nach hinten das Leonardo-Hotel und man sieht links unten im Bild den Geroplatz in alter Form noch mit Verbindung zur Lüpertzender Straße samt Straßenbahngleisen.

    Oben rechts ist der Güterbahnhof und davor die Aktienspinnerei, die beide hier im Forum im Zuge von Seestadt und Berufskolleg Platz der Republik schon mal Thema waren. Auch interessant etwa auf Höhe des linken Bilddrittels, von der Kaiser-Friedrich-Halle ausgehend, der Verlauf der Hohenzollernstraße am Landgericht vorbei und die damals noch kaum vorhandene Bebauung an dieser ehemaligen Bahntrasse und heutigen Bundesstraße. Sieht heute ganz anders aus. Und ich meine, man sieht oben links das damalige Westdeutsche Stadion und spätere Bökelbergstadion, oberhalb der Platzanlage des TV1848.

    Und danach. Zwar wurden die Turmhauben nicht rekonstruiert, aber das hätte man ja nachholen können. Hätte..

    Auch diese Bilder sind interessant. Sind die beiden mittleren Fotos in den 1970ern entstanden oder war das noch früher?

  • Im Jahr 1930 entstand dieses Luftbild ... (...)

    Vielleicht wurde diese Frage bereits beantwortet, aber wieso hat das Münster auf dem Bild keinen Turmhelm? huh:)

    (...) Sind die beiden mittleren Fotos in den 1970ern entstanden oder war das noch früher?

    Ich gehe von den 1970ern aus. Die Kleidung der Leute und die Fahrzeuge deuten darauf hin. Auf dem ersten Bild meine ich einen Ford Escort der 2. Generation zu erkennen. Mein Opa hatte auch so einen. In goldener Lackierung. :biggrin:

  • Richtig, der Turmhelm wurde damals für die Waffenproduktion eingeschmolzen. Auch wenn ich persönlich die barocke Variante bevorzuge, unterstrich dieser Turmhelm die Bedeutung des Münsters deutlich und war zudem weithin sichtbar.

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    Die Bilder des Kaiserbads entstanden tatsächlich in den späten 70ern.

  • Gamba - besten Dank für die Aufklärung.

    Wenn man mal so darüber nachdenkt, ist es ja völlig verrückt, Dächer, Kirchenglocken und Denkmäler für Waffen einzuschmelzen. :gehtsnoch:

    Erstmal finde ich es überhaupt verrückt, Kriege zu führen - besonders seit der Industrialisierung gehen der Menschheit dadurch Unmengen wertvoller Ressourcen verloren...

    Im I. WK war man in Deutschland nach drei Kriegsjahren 1917 in einer echten Notlage. Zwar wurden Geschütze mittlerweile aus Stahl hergestellt, aber die Geschosshülsen mussten weiterhin aus Messing oder Bronze hergestellt werden, da sie beim Durchlaufen und Verlassen der Geschützrohre eine hohe Geschmeidigkeit haben müssen. Es wurden für die stetige Produktion der Munition also Unmengen Kupfer, Zinn und Zink benötigt. Diese Ressourchen waren in Deutschland und den noch befreundeten Ländern nur in verschwindend geringen Mengen förderbar, das meiste wurde in den Kolonien der damals feindlichen Staaten gefördert, war also für die Deutsche Rüstungsindusrie nicht mehr verfügbar. Die Reserven waren Anfang 1917 aufgebraucht, der Krieg wäre in wenigen Monaten nach Ausbleiben des Munitionsnachschubes definitiv absehbar verloren gewesen - dies besonders nach dem Kriegseintritt der USA im April 1917. Nun wurde nach allem gegriffen, was aus diesen Metallen hergestellt und nicht überlebenswichtig war - Kirchenglocken, Denkmäler, Kupferdächer, aber auch z. B. zinnerne Bierglasdeckel, die damals weit verbreitet waren. Am 1. März 1917 erfolgte daher eine pauschale Beschlagnahme sämtlicher Kirchenglocken aus Bronze in Deutschland. Nach sensiblen Auswahlverfahren wurden ca. 50.000 Glocken - die meisten erst seit 1850 gegossen - ausgebaut und eingeschmolzen, die Kirchengemeinden bekamen angemessene Entschädigungen für das Metall und die Ausbaukosten. Nur ca. 200 haben diese Aktion überstanden, was beweist, dass die Bronze tatsächlich gebraucht und verarbeitet wurde. Die meiste Bronze dürfte also noch heute in flandrischer Erde liegen, wo es die stärksten und längsten Kämpfe gegeben hat.

    Im II. WK sah dies anders aus, da wurden bereits im Sommer 1940 vorsorglich sämtliche Glocken registriert und die Beschlagnahme angekündigt. Diese verzögerte sich durch die (aus Deutscher Sicht) positive Kriegslage, es konnten erst mal Metallreserven und Förderungen der besetzten Länder geplündert werden... Erst mit der Stagnation des Russlandfeldzuges kam es dann im Frühjahr/ Sommer 1942 zum Ausbau und Abtransport der beschlagnahmten Glocken durch die Kreishandwerkerschaften, sie wurden auf Sammellagern verbracht. Die bekanntesten lagen im Hamburger Hafen und wurden im Volksmund als "Glockenfriedhöfe" bezeichnet. Diesmal traf es auch ältere, sowie künstlerisch oder musikalisch wertvollere Glocken, allerdings gab es verschiedene Wertkategorien, die der Reihenfolge nach eingeschmolzen werden sollten. Entschädigungen sollten die Kirchengemeinden erst nach dem "Endsieg" erhalten, hingegen wurde das Metall vom Reich an die Schmelzhütten verkauft, dadurch also zusätzliche Einnahmen für die Kriegskasse generiert... Nach Kriegsende standen z. B. noch ca. 17.000 Glocken in Hamburg auf den Lagerplätzen. Zum einen kamen die Schmelzhütten, auch bedingt durch den Luftkrieg, nicht mit der Verhüttung hinterher, zum anderen zeigt dies auch, dass das Metall doch nicht so dringend benötigt wurde, und die Beschlagnahme auch als eine Repressalie des Regimes gegen die Institution Kirche gesehen werden kann. So waren z. B. auch sog. Glocken-Abschiedsfeiern, die im I. WK überall und sehr emotional begangen wurden, 1942 per Erlass verboten.

    Wer zwischen Steinen baut, sollte nicht (mit) Glashäuser(n) (ent)werfen...